„Wenn einer eine Reise tut, dann kann er viel erzählen.“ So heißt es im Volksmund und so wars dann auch in meinem Urlaub. Nach bayern hat es mich verschlagen, genauer ins Fränkische Seenland. Und natürlich hab ich mir mal angeguckt, was da so musikalisch spielt. So hatte ich die Wahl zwischen SDP, die ich fantastisch finde, aber leider auch sehr teuer waren, und einem Gratisfestival mit zumindest einer Band, die mich interessierte: Turbobier. Leider etwas weiter von meinem Reisestützpunkt entfernt. Naja, so gings dann ab in die bayrische Provinz, genauer gesagt nach Pförring, ein Markt mit 3639 Einwohnern. Dort veranstalten die Lustigen Kumpels das Pförring Open Air, das es schon seit 1990 in der Gemeinde gibt.

Seit Wacken ist es offensichtlich usus geworden, eine Blaskapelle die Festivals eröffnen zu lassen. So auch hier, wo dies die Donautaler übernahmen. Viel war bei der Eröffnung noch nicht los. Die Bierbänke füllten sich aber bei diesem Prachtwetter relativ schnell.

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Erster Akt auf der Hauptbühne war Tobias Regner mit seiner Band (oder, wie er es nannte, mit seinen Freunden). Er hatte an diesem Tag zwei Gigs zu absolvieren, spielte er doch auch noch mit seiner Metallica-Coverband Sacarium im Anschluss an Turbobier. Naja, was soll man sagen. Regner war ja bekanntlich der dritte DSDS-Gewinner und von PLatz 1 in den Charts gings dann auch ganz schnell nach unten. Dennoch verfolgt er seinen Weg konsequent. Kein Popgedudel, sondern Rock mit deutschen Texten, die zugegebenermaßen jetzt auch nicht besonders gehaltvoll sind. Viele Massen konnte er nicht vor die Bühne bewegen, obwohl sich das Festivalgelände doch recht schnell füllte. Gut angekommen sind seine Coverversionen von Foo Fighters und Billy Talent. Auch schön: zwei Männer im E-Rolli gingen gut ab. Denen gefiels, also warum sollte es mich stören? Gegen Ende konnte er dann auch zumindest noch einige Zuschauer mehr anziehen.

Danach wurde es aber vorne richtig voll. Turbobier kommen bekanntlich aus Wien-Simmering und sind eine dialektal geprägte Punkband. Das macht die Musik natürlich etwas gewöhnungsbedürftig, weil man vieles von den Texten nicht so gut versteht. Das gilt natürlich nicht für Bayern. Auch in Österreich wird ja bairisch gesprochen, eben mittelbairisch, von daher war die Band auf dem Open Air gut aufgehoben. Aber das erklärt auch, warum die Band in ihrem Heimatland auf Platz 1 der Charts war und sie hier kaum einer kennt. Außer auf diesem Open-Air, denn es wurde vorne knüppelvoll. Zwei Alben, Irokesentango und das neue Festament hat die Band zwischenzeitlich veröffentlicht. Ihr erster Hit war Arbeitslos durch den Tag, für das sie sogar die Genehmigung von der Songwriterin erhielten (nein, das war nicht Helene Fischer) um ihren doch recht despiktierlichen Text drüberzulegen. Ja, das durfte natürlich an diesem Tag auch nicht fehlen. Turbobier sind nicht ganz unumstritten, weil sie ja bei einem Label gesignt waren, was man gewöhnlich Majorlabel nennt, nämlich Warner Music. Aber nicht nur optisch kommen sie wie eine ganz normale Punkband rüber: Schlagzeuger im Casualties-T-Shirt, Sänger mit Misfits-Schädel auf der Jacke, läuft. Nein, mittlerweile auch mit eigenem Label und ihrer eigenen Variante der APPD, der Bierpartei nämlich. Weniger credibil sind natürlich die zum Teil recht fragw+ürdigen Spaßtexte wie Feuerwehrfestl oder Saufhits wie Fettsein ist ein Menschenrecht (Fett hier im Sinne von betrunken) sowie Sauf i aus (ein umgetextetes Taylor-Swift-Cover), sind aber auch gesellschaftskritische Werke wie Mensch is a Mensch auf ihren Alben (und auch auf dem Konzert) vertreten. Live sind sie schon sehr lustig anzusehen und sie bringen auch genug Power, um den mittlerweile rappelvoll gefüllten Platz zu unterhalten. Ob allerdings die hinteren Massen mit ihrer Titulierung als Sitzptotestler und Radlertrinker so einverstanden sind? (Hypothesee: Radlertrinker ist in Österreich anscheinend ein Schimpfwort für Nichttrinker.) Allerdings hat insbesondere Sänger Marco Pogo (sic!) ein Problem damit, die Klappe zu halten. So folgen auf etwa ein- bis zweiminütige Songs etwa fünfminütige Redeanteile. Zum allen Überfluss wird auch noch ein fünfminütiges Bass-Solo ausgepackt, weil Bassist Baz Promüü heute Geburtstag hatte… Uff. Aber ansonsten war der zweistündige Gig allererste Sahne. Zum Abschluss gabs mit Verliebt in einen Kiwara (das ist österreichisch für „Bulle“) einen Anti-Polizei-Song und ihren Hit Fuassboiplotz.

Die anschließende Metallica-Coverband sowie die Headliner Dicht und ergreifend (Mundart-Hip-Hop) sparten wir uns auf Grund vorgerückter Stunde. Aber es war schon schön da. Gut, die Vegetarier bekommen nur Brezen und Käsebrote. Dafür sind die Bierpreise gut und man hat keinen Skrupel Flaschen zu verteilen. Toll auch, dass die Bands einen echten Gig spielen durften und sich zeitlich nicht beschränken mussten. Wenn ich noch mal in der Gegend sein sollte, würde ich das Festival auch ein zweites Mal besuchen.

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