In der Kategorie Platten der Woche stellen wir – das sind JuleFischi und Brello – euch jeden Freitag ein paar Scheiben vor, die uns ganz besonders am Herzen liegen. Egal ob Klassiker oder Underground, ob Deutschpunk oder Post-Hardcore, Hauptsache es gefällt!

 

Have Heart – The Things We Carry

Als ich beim letzten verregneten Nachmittag (der zum Glück auch schon etwas her ist), ein bekanntes Video-Portal durchstöbert habe, bin ich auf ein Live Video der Band FREE gestoßen, die mir erst mal überhaupt nichts gesagt hat. Kurz mal reingeschaut, und irgendwie kam mir dieser grauhaarige Mitt-Dreißiger doch recht bekannt vor, der da auf der Bühne rumspringt und sich die Seele aus dem Leib schreit… Aber klar, das ist Pat Flynn von Have Heart! FREE gibt es schon zwei Jahre und haben dieses Jahr ihre zweite EP rausgebracht, die mich umgehauen hat und der Grund ist wieso ich mal wieder eine meiner All-Time-Favorites aus dem Plattenschrank hole – The Things We Carry von Have Heart.

Mit irre schnellen Gitarren und einem alles zerknüppelndem Schlagzeug wird schon beim Opener Life is Hard Enough klar gemacht, was Have Heart hier vorhaben. Musikalisch wird auf The Things We Carry, welches im Jahr 2006 über Bridge9 Records veröffentlicht wurde (was fast alleine schon ein Qualitätsmerkmal darstellt), die Oldschool-Hardcore-Fahne hoch gehalten, zu der Pat Flynn uns seine Sicht über die Welt entgegenschreit. Seine Lyrics sind textlich derart ausgereift, dass ich am liebsten alle Songs zitieren würde ohne etwas auszulassen. Meine Lieblingszeilen sind allerdings

please take me out… of a world without any heart take me out when they see my hope and rip it apart take me out of a world we built to serve our selfish-fucking-selves, can you tell me where does love fit in? remember what love is?

aus Watch Me Sink, oder folgender Part aus Watch Me Rise, der vor Emotionalität und Echtheit nur so strotzt, so dass es mir bei jedem Mal Hören die Haare aufstellt:

it’s so hard to think, it’s so hard to change when this world doesn’t see you any other way in this world, they choose to see me,  they choose to see me like a setting sun. so it’s up to me, i have to see me, i have to see me like the rising one.

Unangefochtene Nummer Eins von The Things We Carry ist jedoch The Unbreakable, der beim Autofahren zur Raserei verleitet und daheim Anzeigen durch Nachbarn aufgrund von Ruhestörung provoziert. Neben den geilen Gitarren ist es vor allem Pat Flynn, der mit seiner Reibeisen-Stimme keine Zweifel aufkommen lässt, dass er jedes Wort genauso meint wie er es ausspricht.

Im Ergebnis kann gesagt werden, dass Have Heart vor mehr als zehn Jahren ein Brett von Album vorgelegt haben, dass zu einem der besten Hardcore-Alben überhaupt zählt und sowohl textlich als auch musikalisch einzigartig ist! Sehr schade, dass Have Heart sich bereits 2009 aufgelöst haben und die Songs nicht mehr live zum Besten geben werden. Aber vielleicht wird man FREE ja eines Tages in Europa bestaunen dürfen…

 

In My Eyes – The Difference Between

Auch im Oldschool-Hardcore beheimatet, jedoch mit deutlicherem Einschlag Richtung Punk, haben In My Eyes mit The Difference Between 1998 ein Album veröffentlicht, welches durch hohes Tempo und die Stimme von Sweet Pete besticht. Die Band aus Boston, die nach einem Minor Threat Song benannt ist, löste sich bereits nach drei produktiven Jahren wieder auf. Zurück bleiben zwei Alben, unter anderem das coole The Difference Between, das nächstes Jahr 20 Jahre alt wird und dennoch einigen Alben „großer“ Hardcore-Bands von heute locker den Rang abläuft.

 

Minus Youth – Teenage Duty

Im Moment sitze ich auf dem Balkon einer Freundin in Stuttgart, wie kann es also anders sein als zum Schluss eine neue Stuttgarter Band vorzustellen – Minus Youth! Dass die Jungs dennoch keine Neulinge im Bereich Hardcore und Punk sind zeigen ihre anderen und ehemaligen Bands: Lion City, No End In Sight, Crisis Never Ends, Pessimistic Lines und We Had a Deal. Erfahrung und Know-How sind also da, deshalb darf man noch so einiges von der Band erwarten. Mit Teenage Duty haben sie jedenfalls bereits eine starke Debut-EP vorgelegt, die es wert ist sie auf voller Lautstärke (auch auf dem Balkon) zum Besten zu geben.

Teenage Duty by MINUS YOUTH

 

Demons Run Amok - Fest

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