Credits: Kay Øzdemir
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Scheisse Minnelli

Das Rodeo hätte besser nicht starten können. Gefühlte 25 Grad, ohne dass die die Sonne zu sehr knallt, waren die optimalen Voraussetzungen, um sich die ersten Bands reinzuziehen. A Wilhelm Scream lieferten auf der großen Ruhrpott Stage einen mehr als souveränen Auftritt ab. No Fun At All wurden von vielen heiß erwartet, konnten aber leider nicht vollends überzeugen. Zu wenig Bewegung auf der Bühne und mangelnde Ausstrahlung sorgten dafür, dass man in Ruhe das sehr übersichtliche Gelände erkunden konnte. Besonders das Flipperzelt mit integriertem Gratis-Kicker hatte seinen Reiz.

Der Abend bot dann eine handvoll Highlights, wegen denen einige sich wahrscheinlich ein ganzes Wochenendticket gegönnt haben. Den Anfang machten ZSK mit einer wahnsinnig energiegeladen Show. Die Vorabsingles vom neuen Album Hallo Hoffnung „Es wird Zeit“ und „Es müsste immer Musik da sein“ funktionierten genauso gut wie alte Hits wie „Alles steht still“, „Keine Angst“ und natürlich der Übersong „Antifascista“. Bei solchen Auftritten merkt man, dass es kaum etwas Schöneres gibt, als gute Bands bei Sonnenuntergang mit einem Bier in der Hand zu schauen.

Die Dead Kennedys waren danach die wohl größte Enttäuschung des Wochenendes: uninspiriert, heruntergespielt, langweilig. Die Wörter passen am besten zu dem Auftritt der eigentlich so legendären Amerikaner, aber ohne Jello Biafra fehlt einfach der Spirit. Sei’s drum, dafür kann man sich was neues zu trinken holen und sich auf Dritte Wahl freuen.

Als die Rostocker auf die Bühne kamen, war es auf dem Feld davor so eng wie bei keinem anderen Auftritt an diesem Wochenende. Eines konnte man sofort nach den ersten Liedern feststellen: Dritte Wahl haben allen die Show gestohlen! Punkt! Die stets gut eingesetzten Konfettikanonen und vor allem die überragende Stimmung im Publikum waren unfassbar, so dass jeder im Publikum von der Show mitgerissen wurde. Hätte nicht noch eine Band danach auf der Ruhrpott Stage gespielt, wären die Chöre zu „Fliegen“ wohl noch bis in die frühen Morgenstunden nicht verklungen. Ein ganz starker Auftritt.

Pennywise überzeugten als Headliner ebenfalls und spielten eine Stange alter Hits. „Fight till you die“, „Can’t belive it“ oder „Same old story“ knallten bei gutem Sound nochmal richtig rein zum Abschluss. Ein toller erster Tag auf dem Ruhrpott Rodeo.

Pennywise beim Ruhrpott Rodeo

Ruhrpott Rodeo 2018 – Tag 2

Den Samstag könnte man als den vielleicht „schwächsten“ Tag des Wochenendes sehen, was das Line-Up angeht. Das Wort „schwach“ ist hier aber relativ, da das gesamte Line-Up an diesem Wochenende so gut war, wie die letzten Jahre zusammen.
Als Geheimtipp war es spannend, sich die neue Kölner Indie-Punk-Band Blenden anzuschauen. Ein sehr starker Auftritt, der große Lust auf mehr macht. Anschließend ließen die Rogers die große Bühne beben: Hit nach Hit und eine großartige Bühnenpräsenz. Man sollte auch großen Respekt vor Sänger Chri haben, dem den ganzen Auftritt über die Sonne mitten ins Gesicht strahlte. Man kann erahnen, dass die Düsseldorfer noch eine steile Karriere vor sich haben werden, wenn sie so weitermachen.

Der Geheimtipp des Tages waren ganz klar Booze & Glory mit ihrem englischen, sehr hymnischen Street-Punk. Klar erinnert so etwas immer an Cock Sparrer, jedoch hatte man hier die Chance, die potentiellen Nachfolger der Oi-Helden live und in Farbe zu sehen. Die Trauer über die spontane Absage von Turbostaat hielt sich in Grenzen und die Rodeo-Stammgäste Schmeißig wussten, spontan eine unterhaltsame Show hinzulegen. Ja, auch auf Punkfestivals funktionieren Coverbands immer sehr gut. Richtig voll wurde es etwas später vor der kleinen Rodeo-Bühne, da Sondaschule als Secret Act ein Set zum neuen Akkustikalbum spielten. Viele haben es gefeiert, viele waren aber auch mindestens so gespannt auf den Co-Headliner: The Toy Dolls. Bei den britischen Fun-Punk-Erfindern kann man eigentlich nur Spaß haben und das Rodeo-Publikum wurde exzellent unterhalten. Axel Kurth von Wizo ließ sich als Gastgitarrist ebenfalls kurz blicken, bereite sich danach aber wieder auf seine Headliner-Show vor.

Und die hatte es in sich. Wizo sind live einfach spitze! Das liegt aber nicht nur an Axel Kurth, sondern vor allem am Bassisten Ralf, der stets die komplette Bühne ausnutzt und so das ganze Publikum mitnimmt. Das Set war ein großes Best-Of aus knapp 25 Jahren Wizo-Geschichte: „Hey Thomas“, „Adagio“, „Kopfschuss“ – Alles war dabei. Es gab auch ein neues Lied mit dem Namen „Ich war, ich bin, ich werde sein“, was musikalisch jedoch eher Durchschnittsware als großer Hit war. Nichtsdestotrotz wurden Wizo ihrer Headlinerposition mehr als gerecht und werden von vielen Besuchern mit dem Titel des vielleicht besten Konzertes dieses Wochenendes gewürdigt worden sein. So ging ein schöner zweiter Tag zu Ende.

Ruhrpott Rodeo 2018 – Tag 3

Normalerweise sind die Sonntage auf Festivals immer die Tage, an denen ein wenig die Luft raus ist und man sich nur noch das nötigste anschaut. Beim Ruhrpott Rodeo ist das anders, denn sowohl die Stimmung, als auch die Kraft ließen bei den Besuchern einfach nicht nach. Da ist es wenig verwunderlich, dass es bereits um 13:30 Uhr bei Götz Widmann rappelvoll ist und alle mitsingen. Noch besser wird es dann bei Knochenfabrik, bei denen der Rodeo-Veranstalter Alex Schwers am Schlagzeug aushilft, da der eigentliche Drummer im Urlaub ist. Zwar gibt es wohl keinen Ort, an dem man besser Urlaub machen kann als das Ruhrpott Rodeo, trotzdem ist es schön, dass Claus Luer so wie jedes Jahr hier auf der Bühne stehen kann.

Anti-Flag beim Ruhrpott Rodeo

Der Abend auf der Ruhrpott-Stage konnte getrost als das Highlight des Wochenendes gelten. Angefangen mit The Baboon Show, die wie immer so vielen Bands mit ihrer Performance meilenweit vor der Nase wegrannten. Zu dieser Band muss man eigentlich nicht mehr viel sagen, außer dass sich jeder mindestens einmal ein Konzert der SchwedInnen gegeben haben sollte. Der Headliner-Auftritt beim Stäbruch Festival im Oktober wird da vermutlich in die selbe Kärbe schlagen.

Die Antilopen Gang ist danach wahrscheinlich die einzigste Band, die an einem Wochenende sowohl auf dem Splash!, als auch auf dem Ruhrpott Rodeo spielen kann. Die ersten drei Songs kommen noch etwas schwerfällig, als dann jedoch die zwei kleinen Vorhänge auf der Bühne fallen und eine Band erscheint, wird die Stimmung schlagartig besser. Die Punkrock-Versionen der Antilopen-Songs kommen richtig gut und das Publikum geht mit. Zum Schluss kommen dann noch ein wahnsinnig betrunkener Claus Luer und Cecilia von The Baboon Show dazu und runden den Auftritt schön ab.

Die letzten beiden großen Bands hatten es dann nochmal in sich. Anti-Flag waren in absoluter Topform, präsentierten alte und neue Songs, wovon besonders die neuen erstaunlich gut rüber kommen. „Die for your government“ wird dann wie üblich von Pat Thatic und Criss #2 im Publikum gespielt und beendet ein tolles Konzert. Auf der kleinen Rodeo-Bühne machen noch Pascow und die Bad Manners das Licht aus, während alle auf die größte Band des Wochenendes warten: Feine Sahne Fischfilet!
DIE Band der Stunde lässt nichts anbrennen und schnell wird klar, dass viele extra nur wegen den Nordlichtern gekommen sind. Das letzte Album war großartig und live ist die Band mittlerweile sowieso in der Champions League angekommen. Die neuen Hits knallen und die älteren reißen mit. Dazu gibt es Pfeffi und Unmengen an Bier, die ins Publikum verteilt werden. Einen würdigeren Abschluss hätte es für das Ruhrpott Rodeo 2018 nicht geben können. Von dem Auftritt wird man in Hünxe noch lange reden.

Credits: Kay Øzdemir

Das Ruhrpott Rodeo 2018 war nicht nur toll, es war vielleicht das Punkrock-Highlight des Jahres. Die Organisation war wie immer ausgezeichnet, die Securitys sind die angenehmsten weit und breit, die Fans feierten eine wunderbare Party und die Bands haben abgeliefert. Es ist großartig, was Alex Schwers und sein Team hier wieder veranstaltet haben. Ruhrpott Rodeo, bis definitiv nächstes Jahr!

Demons Run Amok - Fest

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