Das Freiburger Quintett Scheitern veröffentlichen heute ihre zweite EP, welche auf den prägnanten Namen Scheitern Muss Sterben hört. Das erste Mal auf sie aufmerksam geworden bin ich am Ulmer Broken Fest vor ein paar Jahren. Dort haben sie mich live total überzeugt, so dass ich mir die erste EP geholt habe und der Song Neunundneunzig seitdem auf dem Plattenteller und in meinen Playlists in Dauerschleife läuft. Nun also der zweite Streich, der mich hoffentlich genauso überzeugen wird.

Zeitgleich mit der EP erscheint heute auch das Video zur Single Scheitern muss sterben, welche auch gleichzeitig der erste Song der gleichnamigen Scheibe ist. Interessantes Konzept, reduzierter Inhalt und dennoch gibt es viel zu sehen – gefällt mir. Der Song selbst startet langsam mit ruhigen Gitarren, die mich irgendwie an More Than Life erinnern, auch wenn es musikalisch danach in eine ganz andere Richtung geht. Schleppender Emo-Rock, welcher sich gegen Ende des Songs noch einmal aufbäumt und die nötige Wucht herzustellen weiß – brilliante Gitarren treffen auf eingängige Texte und viel Sentimentalität.

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Weiter geht es auf der B-Seite mit La Nausée (zu deutsch: Die Übelkeit), der mich von Anfang an etwas mehr packt, denn hier ziehen Scheitern ordentlich an. Ein starker Punk-Song, der in der Mitte und gegen Ende das Tempo immer wieder drosselt, nur um dann wieder loszulegen. Das gefällt mir und steht Scheitern sehr gut zu Gesicht.

Den Abschluss der EP macht Alles gut, mein Highlight des neuen Releases. Melodisch, schnell und eingängig – hier wird ohne große Umschweife drauf losgespielt und so ist der Song in gut eineinhalb Minuten dann auch zu Ende. Alles gut vermittelt im Gegensatz zu Scheitern muss sterben eine positivere Message – sowohl textlich wie auch musikalisch – und lässt die Hörer*innen mit einem kämpferischen Gefühl zurück.

Scheitern 2026

Wenn das Gesamtbild betrachtet wird, ergibt die Anordnung Songs durchaus Sinn: Gestartet wird sehr ruhig, um dann auf der B-Seite das Tempo anzuziehen und mit einem Knall aufzuhören. Zufall oder Absicht? Egal, ich erkenne einen Plan und der gefällt mir. Grundsätzlich sind Scheitern stark im Musikalischen, was sich vor Allem in der astreinen Gitarren-Arbeit wiederspiegelt, die viele Emotionen (von sentimental bis kämpferisch) perfekt in Szene zu setzen weiß. Meiner Meinung nach haben Scheitern ihre stärksten Momente im Mid-Tempo-Bereich, dort kommt die Energie am besten rüber. Ein ausgefeiltes Songwriting und Lyrics, die den perfekten Mittelweg zwischen „auf den Punkt“ und etwas kryptisch gehen, machen die neue EP von Scheitern zu einem sehr coolen Release!

A Propos Lyrics, ein Beispiel?

schon wieder, ich bin  bei der arbeit gestorben. und irgendwo dazwischen habe ich die kunst verloren. Noch nie in meinem leben hab ich im winter so gefroren. Gönn mir eine pause und dann die scheiße von vorn.

Noch ein Wort zum erneut starken Artwork: Gestaltet wird alles von Gitarrist Gabbo, Oldschool mit Stift und Papier. Dass hier viel Liebe zum Detail und DIY-Ethos einfließen, sieht man spätestens, wenn man die 7“ mal aufklappt und sich das Gesamtwerk zu Gemüte führt: Die Texte sind handgeschrieben, an jeder Ecke gibt es ein kleines Detail zu entdecken und einen Einleger mit Bandfotos gibt es auch noch. Das alles mit Siebdruck auf festem Karton, Vinylnerdherz, was willst du mehr?

Fazit: Holt euch (über bandcamp, ab 11. Dezember bei flight13 oder auf den Shows) eine der auf 100 Stück begrenzten 7inches! Scheitern legen mit Scheitern muss sterben einen würdigen Nachfolger ihrer ersten EP vor, die vor allem durch die Lyrics, die Emotionalität in ihren Songs und das tolle Artwork zu überzeugen weiß. Die drei Songs reißen mich im Gesamtkontext mit und sind in sich so verschieden, dass es fast schon schade ist, dass es eben nur drei sind. Also, Scheitern, wann kommt das Debüt-Album?!

🎧 Folgt unserer Playlist
– Playlist: Happy Release Day

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