The Barbarians of California - Megatons (2026)
The Barbarians of California - Megatons (2026)

Dieses Album ballert. Anders lässt sich der erste Eindruck von Megatons, dem zweiten Album von The Barbarians of California, kaum zusammenfassen. In der Ankündigung ist viel von Hardcore Punk und Metallic Hardcore die Rede. Beim Hören drängen sich mir allerdings ganz andere Vergleiche auf. Natürlich besitzt die Platte die Wut und Energie des Hardcore, musikalisch steckt hier aber deutlich mehr drin: Groove Metal, Nu Metal, Thrash, Industrial und eine ordentliche Portion Punk-Attitüde.

Keine Unbekannten am Werk

Hinter The Barbarians of California stehen erfahrene Musiker. Sänger Aaron Bruno ist vor allem als Kopf von Awolnation bekannt, spielte zuvor aber auch bei Insurgence, Home Town Hero und Under the Influence of Giants. Gitarrist und Produzent Eric Stenman stammt von der Sacramento-Band Tinfed und arbeitete als Produzent beziehungsweise Toningenieur bereits mit Bands wie Deftones, Thrice, Earth Crisis und Snapcase.

Komplettiert wird die aktuelle Besetzung durch Gitarrist Zach Irons, der ebenfalls bei Awolnation sowie Irontom aktiv ist, den ehemaligen Awolnation-Bassisten David Amezcua und Schlagzeuger Linden Reed, der ebenfalls bei Awolnation spielt. Bei dieser geballten Erfahrung überrascht es kaum, wie selbstverständlich Megatons zwischen unterschiedlichen Stilen wechselt.

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Mehr Groove als Hardcore

Hardcore höre ich auf Megatonsnur bedingt heraus. Was dafür vom ersten Song an ins Gesicht springt, ist dieser unfassbare Groove. Das Album klingt extrem aggressiv, ohne in stumpfes Gebolze abzurutschen. Es reiht auch keine belanglosen Moshparts aneinander, die lediglich eingebaut wurden, damit sich im Pit irgendjemand gegenseitig umrennen kann. Stattdessen besitzen die Riffs einen echten Wiedererkennungswert und bringen die Songs permanent in Bewegung.

Mein jugendliches Ich hätte diese Platte vermutlich vollkommen abgefeiert. Trotz ihrer Härte ist sie nämlich erstaunlich tanzbar – zumindest dann, wenn man früher in Clubs und Diskotheken unterwegs war, in denen zu später Stunde die härteren Sachen liefen. Stillstehen fällt bei diesem Groove jedenfalls schwer.

Langweilig wird Megatons dabei keine Sekunde. Immer wieder tauchen neue Parts, Übergänge und kleine Details auf. Manche Stellen bemerkt man erst beim zweiten oder dritten Durchlauf. Die Band setzt ihre Härte nicht als Selbstzweck ein, sondern hält die Songs durchgehend spannend.

Der Geist alter Roadrunner-Alben

Ein Song wie Bomb To A Knivefight wäre von der Nu-Metal-Szene seinerzeit vermutlich begeistert aufgenommen worden. Immer wieder kommen einem Slipknot oder Static-X in den Sinn. Really Really Rad wiederum könnte stellenweise aus dem Hause Machine Head stammen. Dann knallt die Band plötzlich ein Thrash-Metal-Riff oder ein wildes Gitarrensolo heraus, als hätte Kerry King gerade noch einmal persönlich an den Saiten gezupft.

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Überhaupt erinnert die Platte immer wieder an die Hochphase des alten Roadrunner-Katalogs. Gemeint ist damit weniger eine bestimmte Band als dieses besondere Gefühl, das viele Veröffentlichungen des Labels einmal auszeichnete: massive Riffs, eine kompromisslose Produktion, viel Groove und trotzdem genügend Mut zu eingängigen oder ungewöhnlichen Ideen. The Barbarians of California kopieren diesen Sound nicht, wecken aber ähnliche Erinnerungen.

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Warnmeldungen und Erdbeben

Auch beim Aufbau des Albums gibt es einiges zu entdecken. Auf Megatons Segue wird kaum im klassischen Sinne gesungen. Die Worte werden gesprochen und klingen wie eine Mischung aus Gebrauchsanweisung, Nachrichtensendung und amtlicher Warnmeldung. Das Stück wirkt dadurch wie eine Durchsage unmittelbar vor einer Katastrophe.

Diese folgt mit Earthquake. Kalifornien wird durchgeschüttelt – eine Aussage, die sich genauso auf die Band selbst übertragen lässt. The Barbarians of California bringen mit ihrem Sound schließlich ebenfalls den Boden zum Beben. Ein wildes Gitarrensolo verstärkt hier noch einmal den Thrash-Metal-Einschlag.

Hide All Your Records wirkt ebenfalls weniger wie ein gewöhnlicher Song als wie eine düstere Warnung. „Hide all your records in the basement“, heißt es dort. Warum die Platten plötzlich im Keller versteckt werden sollen, bleibt offen. Gerade diese fehlende Erklärung erzeugt eine bedrohliche Atmosphäre. Das Stück könnte problemlos als verstörendes Intro oder Interlude auf einem Slipknot-Album funktionieren.

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Ein wilder Mix, der erstaunlich gut funktioniert

Mit Shark Out Of Water schlagen The Barbarians of California plötzlich eine völlig andere Richtung ein. Der Song ist beinahe akustisch gehalten und besitzt eine Atmosphäre, bei der man stellenweise sogar an David Gilmour denken könnte. An anderen Stellen treten wiederum deutliche Industrial-Einflüsse hervor.

Auf dem Papier klingt Megatons damit beinahe wie ein wilder Mischmasch aus Nu Metal, Groove Metal, Thrash, Industrial, Punk und ruhigen Gitarrenmomenten. Beim Hören entsteht dieser Eindruck jedoch überhaupt nicht. Erstaunlicherweise fügt sich alles zusammen und wirkt wie aus einem Guss. Der gemeinsame Nenner sind die enorme Energie, der allgegenwärtige Groove und die hörbare Spielfreude der Band.

Genau das macht Megatons so erfrischend. Die Platte klingt nicht wie etwas, das man bereits hundertmal gehört hat. Sie ist aggressiv, ohne stumpf zu sein, tanzbar, ohne ihre Härte zu verlieren, und abwechslungsreich, ohne beliebig zu wirken. Mit jedem Durchlauf lassen sich neue Details, Riffs und überraschende Wendungen entdecken.

Kurz gesagt: Megatons macht verdammt viel Spaß und bleibt bis zum Ende spannend. Eine krasse Scheibe.

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Tracklist

  1. BACK TO THE VALLEY
  2. THE GNARLYCORE CLASS
  3. VANILLA LATTE
  4. BOMB TO A KNIFE FIGHT
  5. REALLY REALLY RAD
  6. MEGATONS SEGUE
  7. EARTHQUAKE
  8. THIS IS SHREDICAL
  9. HIDE ALL YOUR RECORDS
  10. MODERN FASHION
  11. SHARK OUT OF WATER
  12. I AM THE SUBMARINE
🎧 Folgt unserer Playlist
– Playlist: Happy Release Day

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