10 Records Worth To Die For: #125 mit Bernd Wittefeld (Tides!)

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Eine Zeit lang haben Tides! aus Saarbrücken an jeder Steckdose im Saarland gespielt. Sprich: inzwischen kennt sie jeder im Saarland und sie sind aus der lokalen Szene nicht mehr wegzudenken. Kürzlichst hat die Band erst ihre neue EP veröffentlicht (das Review findet ihr hier) und haben sich zu einer richtig guten Band entwickelt!

Gitarrist Bernd hat sich die Zeit genommen uns seine Lieblingsplatten zu präsentieren!

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1Modern Life Is War – Witness

Eigentlich müsste die Liste an dieser Stelle auch schon wieder zu Ende sein. Es gibt wohl keine Platte, die mich dermaßen geprägt hat und die ich so fest in mein Herz geschlossen habe wie diese. Seit 2006, als ich dieses Album das erste Mal gehört habe, bin ich darauf hängen geblieben. Der dichte Sound, diese Energie und dazu die Texte, die einem als Dorfkind, das mitten im nirgendwo aufgewachsen ist, einfach aus der Seele sprechen, haben mich direkt gefesselt. Seitdem ist Witness ein ständiger Begleiter, der in regelmäßigen Abständen immer wieder herausgekramt wird. Der perfekte Begleiter um einen aus dem tiefsten Loch zu ziehen. Jemand hat seine Erfahrungen mit dieser Platte niedergeschrieben, die es so ziemlich auf den Punkt treffen was dieses Album für mich bedeutet:

Cause heaven knows you’re sinking and I know we’re much the same So cheers to our rebel hearts not just another fuck you but a bedside love song for a chosen few.

2Propagandhi – Potemkin City Limits

Propagandhi sind so eine Band, die es einfach schaffen mich durch unorthodoxes Songwriting kombiniert mit catchy Melodien und intelligenten Texten jedes Mal wieder zu erstaunen. Ich habe hier die Potemkin City Limits gewählt, weil diese Platte für mich persönlich für eine besondere Zeit steht. 2005 bin ich von Osnabrück nach Saarbrücken gezogen. Ich hatte damals ein Nokia N-Gage Handy, also genau so eins, dass man zum Telefonieren seitwärts an den Kopf halten musste. Klar wurde ich viel ausgelacht, aber man konnte damit Tony Hawk spielen und viel besser: MP3s hören. Im Herbst 2005 saß ich also sehr viel im Zug um nach Saarbrücken zu fahren und mir dort eine Wohnung zu suchen. Auf dem N-Gage hatte ich genau einen Song: „Die Jugend marschiert“ von dieser Platte. Propagandhi hatten ihn vorab veröffentlicht. Leider brauchte ich das Handy zum Telefonieren und der Akku hat nicht lange gehalten. Deswegen habe ich mir den Akku rationiert und mich dazu gezwungen diesen Song nur einmal pro Stunde zu hören. Als das Album dann kurze Zeit später rauskam hat es mich einfach nur weggehauen. All killer no filler und der beste Song am Schluss: Iteration. Was für ein krasser Text. Das ist genau der Grund weswegen ich Propagandhi so mag.

3Eaves – Höhenangst

Mein Mitbewohner Olli (Easy-O) hat mir diese Platte irgendwann 2006 gezeigt. Die Songs sind so schnell und strahlen so viel pure Energie aus, dass direkt mein Puls hochgeht und ich einfach nur laut mitschreien möchte. Was für ein Brett. Und dazu singt diese Band noch auf Deutsch. Das war für mich damals als jemand, der Ami-Punk und Hardcore gehört, hat etwas vollkommen Neues in diesem Genre. Leider konnte ich Eaves nie live sehen. Dafür hat deren Gitarrist Marc später noch in weiteren Bands gespielt, die ich dann zum Glück sehen durfte und die es aus irgendeinem Grund auch in diese Liste geschafft haben.

4Trainwreck – EP

Als ich die EP 2006 zum ersten Mal gehört habe, hat die mich einfach nur weggehauen. So eine brachiale Power und dazu noch deutsche Texte. Die Platte ist einfach nur düster. Irgendwann im späten 2006 oder so muss es dann soweit gewesen sein und Trainwreck haben zusammen mit Comadre und Graf Orlock im Kitu Club in Saarbrücken gespielt. Ich habe am Mittag eine Klausur geschrieben, die natürlich nicht so klasse gelaufen war und am Abend sind wir mit ein paar Leuten dort hin. Der Kitu Club ist einfach nur ein etwas größerer Kellerraum und die Bands hatten sich auf der Tanzfläche aufgebaut, so dass die Leute rund um die Bands stehen konnten. Diese Shows sind mir die absolut liebsten und nachdem ich dort auch Comadre gesehen habe, finde ich a capella Parts in Songs für Live-Shows einfach nur ultra gut! Hit Me Up On My Celly Cell heißt der Song von Comadre, falls es euch interessiert. Trainwreck haben hier an dem Abend einfach nur ultra abgeliefert und jeder, der diese Band schon einmal live gesehen hat, weiß, warum die EP hier steht.

5Offspring – Smash

Durch das 10 Records Worth To Die For von Thomas, unserem Sänger, (Liest du hier!) habe ich gesehen, dass wir eigentlich fast genau die gleiche Story mit dieser Platte durchgemacht haben. Auch ich saß damals vor dem Fernseher und habe darauf gewartet, dass Viva oder MTV das Video zu Self Esteem spielen und ich habe versucht es mit dem Videorekorder aufzunehmen. Damals habe ich nur ca. 500 Km weiter im Norden gelebt und hatte keine Ahnung, dass ich den Typen irgendwann mal treffen werde und so viele gute Zeiten mit ihm erleben werde. Ich kannte vorher keinen amerikanischen Punkrock und mich hat dieser Song direkt gefesselt. Damit hat dann also wohl meine Reise durch dieses wunderschöne Genre und allem was dazu gehört begonnen.

6Pennywise – About Time

Nachdem ich also Offspring entdeckt hatte habe ich angefangen mich umzuhören. Es musste doch irgendetwas vergleichbares geben. The Offspring wären doch nicht die einzigen, die so eine Musik spielen. Damals waren wir weit von Spotify oder überhaupt dem Internet entfernt. Ich weiß gar nicht, ob ich überhaupt einen CD-Player hatte. Wahrscheinlich waren Tapes das Mittel der Wahl um Musik zu hören. Ich habe dann mit Holger, dem Trainer der Sportgruppe, in der ich war, gesprochen. Durch ihn hatte ich schon vorher Bands wie Therapy? oder Metallica kennengelernt (Troublegum und …And Justice For All müssten eigentlich auch auf diese Liste). Er hat mir geraten mir Bad Religion und Pennywise anzuhören. Am nächsten Tag ging es dann also nach der Schule ins Hit! nach Quakenbruck, ein Plattenladen, den es übrigens noch heute gibt. Dort habe ich mir dann die „About Time“ von Pennywise und die Stranger Than Fiction von Bad Religion angehört. Da ich nur Geld für eine Platte hatte ist es die About Time geworden. Pennywise waren ein bisschen schneller und rotziger als Bad Religion und Offspring. Das hat mir sehr gut gefallen. Auch heute höre ich die Platte immer noch gerne. Und natürlich habe ich mir die Stranger Than Fiction mit dem nächsten Taschengeld auch gekauft.

7Escapado – Hinter den Spiegeln

Was soll man zu der Platte noch Großartiges sagen? Escapado halt. Gefühlskarussell einmal hoch und wieder runter. Wenn ich traurig bin höre ich sie sehr gerne. Ich weiß allerdings immer noch nicht, ob sie mich hochzieht oder nur noch mehr versinken lässt. Ich weiß nur, dass ich Elmar, unserem Drummer, diese Platte vor einiger Zeit gezeigt habe und er hat jetzt ein „Es ist so leicht zu vergessen wer man ist“ Tattoo. Also auch fast 15 Jahre nach ihrer Veröffentlichung hat die Platte nichts von ihrem Einfluss eingebüßt.

8Perfect Youth / Friends and Liars – Split

Diese schöne Split gibt es leider nur digital bei Bandcamp und als Tape von Mike bei Last Exit Music. Eine Vinyl Veröffentlichung wäre hier aber echt angebracht. Mit Philipp und Thomas habe ich sehr viel Zeit verbracht und war mit ihnen auf ihren Shows. Ich durfte sie auch ein wenig auf der Perfect Friends Tour begleiten. An einem Day Off bei der Tour haben wir Lana besucht. Sie ist zufällig Tätowiererin und somit hatte ich nach der Tour mein erstes Tattoo überhaupt: Perfect Friends. Wir sind dann mit den frischen Tattoos in meine Heimat gefahren, da die gerade auf dem Weg von Dortmund nach Hamburg lag und wir haben das schöne Wetter genossen. Wir sind dann also mit den frischen Tattoos von einer Brücke in die Hase gesprungen. Das ist ein kleiner Fluss dort. Alles ist gut gegangen und niemandem ist der Arm abgefallen. Ich glaube ja wir hatten einfach nur Glück. Das waren schöne Zeiten und diese Platte gehört einfach dazu.

9The Tidal Sleep – S/T

Ich kenne Nicolas, den Sänger von TTS, weil er genau wie ich Arcade Automaten sammelt. Das machen natürlich nicht viele Leute in Deutschland und man kennt sich aus diversen Foren und von zugehörigen Treffen. Irgendwann schickte er mir also einen Link und meinte ich sollte mir das mal anhören. Seine neue Band The Tidal Sleep. Die Platte hat mich direkt gepackt. Irgendwie hat es sich dann so ergeben, dass ich mit den Jungs auf Tour gefahren bin und den Merch für sie übernommen habe. Das war meine erste wirkliche Tour mit einer Band und das war echt eine richtig gute Zeit mit vielen schönen Eindrücken. Das war so ein bisschen der Startschuss mich auch mal wieder mehr mit meiner Gitarre zu beschäftigen und mir auch eine Band zu suchen. Zum Abschluss der Tour hat mir Thomas, der Basser der Band, dann schließlich die S/T auf Vinyl in die Hand gedrückt. Ich hatte damals keinen Plattenspieler. Den musste ich mir dann wohl besorgen. Seitdem sind noch einige Platten dazugekommen.

10Death By Stereo – If Looks Could Kill, I’d Watch You Die

Als ich diese Platte irgendwann 2002 das erste Mal gehört habe hat es mich direkt weggehauen. Schöner Oldschool-Hardcore mit vielen Spielereien und ein bisschen Metal-Einfluss. Dazu zwischendurch klarer, hymnenartiger Gesang. WOW. Das war die Zeit als ich angefangen habe Skateboard zu fahren. Ich hatte mir die auf Tape überspielt und konnte die im Auto hören. Damit bin ich dann losgefahren und bin skaten gegangen. Diese Platte wird immer damit verbunden sein. Wenn ich die höre, dann denke ich an den Frühling und ans skaten. DBS sind übrigens auch eine ultra gute Liveband. Falls ihr die Möglichkeit habt sie zu sehen, dann geht besser dort hin! Aber erst wenn es wieder sicher ist rauszugehen.

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