Crushing – Voice Chat (2026)

Ganz ehrlich: Das hier ist nicht das, was wir hier sonst besprechen. Kein klassischer Punk, kein klarer Hardcore-Stempel – Kein Two-Step, keine Breakdowns, kein Singalong-Refrain. Aber: voice chat von Crushing aus Aarhus in Dänemark hat genau die Attitüde, die wir im DIY-/Hardcore-Kosmos feiern und genau deshalb passt es. Ihre neue EP erscheint am 29. Mai 2026.

Crushing ist eine noch relativ neue Konstellation aus einer Gruppe von Freunden, die zuvor in unterschiedlichen Projekten und Szenen gearbeitet haben. Nach der Arbeit an anderen Projekten mit detaillierten Produktionen verspürten die Musiker von Crushing das Bedürfnis, sich von Präzision zu lösen und stattdessen unmittelbaren, unperfekten Gitarrenrock zu schaffen. Daraus entstand das Album Residual Material (2025), das innerhalb einer Woche aufgenommen wurde und dem erste Konzerte folgten.

Crushing bewegt sich in einer Ecke zwischen Noise, Indie und Emo, aber spielt das Ganze mit einer Energie, die man sonst eher aus schwitzigen Clubshows kennt. Das klingt nicht nach durchproduziertem Spotify-Core, sondern nach Proberaum, Tape, First Take – einfach laufen lassen und gucken, was passiert. Musikalisch bewegt sich das irgendwo zwischen 90s-Alt-Rock, Midwest Emo, No Wave und diesem leicht dreckigen Lou-Reed-Vibe. Clean ist hier gar nichts. Die Gitarren scheppern, die Songs stolpern bewusst vor sich hin, alles wirkt ein bisschen off – aber genau das macht’s spannend.

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Die Band interessiert sich also absolut nicht für Perfektion und spielt sich stattdessen direkt ins Chaos. Sechs Songs, die nicht geschniegelt sind, sondern roh, nervös und permanent kurz vorm Auseinanderfallen. Die EP ist nicht durchgeplant, sondern eine Momentaufnahme – und genau das ist die Stärke. Kaum Overthinking, wenig Politur: Die Songs wurden schnell geschrieben, live aufgenommen und genau so fühlt es sich auch an.

Crushing (2026, Credit: Magnus Munk Tækker)
Crushing (2026, Credit: Magnus Munk Tækker)

Das Thema der EP ist Druck und Überforderung. Dieses Gefühl, dass einem die Welt mit voller Wucht ins Gesicht knallt – Infos, Erwartungen, Technik, alles gleichzeitig. Was hängen bleibt, ist diese permanente Unruhe. Nichts auf voice chat wirkt abgeschlossen oder gesichert. Die Songs ziehen, reißen, stolpern, hängen in der Luft – wie Gedanken, die man nicht ganz zu Ende denken kann. Und genau darin liegt der Reiz.

Die EP wirkt wie ein kurzer, intensiver Sturm – keine 20 Minuten, aber genug, um einen einmal komplett durchzuschütteln. Nichts daran fühlt sich sicher an. Keine klaren Strukturen, keine simplen Hooks, kein „das bleibt sofort hängen“. Stattdessen: Spannung, Reibung, Unruhe. Wer Bock auf etwas hat, das sich eher wie ein Zustand anfühlt als wie ein klassisches Release, sollte reinhören.

Fazit: Unsauber, unruhig, ungefiltert – voice chat ist roh, sperrig und komplett DIY im besten Sinne. Genau die Art von Release, die man eigentlich viel öfter feiern sollte.


Tracklist

  1. clothes 2 deaf

  2. 2much2real

  3. walk ur dog

  4. house

  5. family

  6. sleeper agent

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– Playlist: Happy Release Day