Mit der Schweizer Metalcore-Band Expellow konnte ich kürzlich ein Interview machen. Mik (Vocals) & Gudi (Lead-Gitarre) beantworteten die Fragen aus dem Format „6 Fragen an…“. Das aktuellste Release ist Signals on Swells und erschien am 12. Oktober 2024. Das Album ist hier bei Deezer zu finden. Wir haben über Erwartungen, Sorgen, Technisches, Einflüsse und einigem mehr gesprochen. Lest gerne selbst im nachfolgenden Interview nach.
Welches Album hatte den größten Einfluss auf dich als Musiker?
Mik: Inflames – Soundtrack to your escape, Parkway Drive – Horizons Plus noch diverse Andere, aber die beiden sind sehr weit oben.
Welcher Song kam positiver bei dem Publikum an, als du erwartest hast? Und wieso hattest du diese Erwartung(en)/Befürchtungen?
Mik: Tatsächlich «Phoenixes» von unserem aktuellen Album «Signals on Swells». Ich fand den erst ein wenig… stumpf, auch wenn ich ihn gut mochte. Live knallt der Song aber total rein und entwickelt eine super Energie, die sich auf das Publikum überträgt.
Und natürlich «Game Insane» von unserem 2018er Release «We held the line». Der ist aus irgendwelchen Gründen auf HCWW viral gegangen und sitzt dort noch immer bei etwas über 1.5 Mio Views. Das ist mir bis heute unerklärlich, auch wenn es auf jeden Fall ein cooler Song ist; so speziell für dieses Ausmass an Reaktion fand ich den jetzt nie. Aber das sind Dinge die weiss man halt im Vorfeld nicht.
Gibt es ein Buch/Film, das/der Einfluss auf eure Texte genommen hat? Wenn ja, welches/welcher und wieso (gerade dieses Werk)?
Mik: Ich habe tatsächlich mehrere Videospiel-Referenzen eingebaut, darunter aus der Mass Effect, Metal Gear Solid und Dragon Age Reihe. Diese kleinen «Nods» sind auf jedem Album drauf, teils mehr, teils weniger gut versteckt. Ich hab’s sogar geschafft ein Meme aus der ersten Pokemon-Generation in einen Song einzubauen und das ist lustigerweise bis heute niemandem aufgefallen.
Wie entstehen eure Songs in der Regel, ausgehend von einem Riff, spielt ihr einfach los und ordnet dann …?
Mik: Gudi (Leadgitarre) fängt meist damit an Riffs zu schreiben, aus diesen selektioniert er diejenigen, in denen er das meiste Potenzial sieht, arbeitet sie aus – teilweise zusammen mit Nici (2nd Guitar und Backingvocals) und Taz (Bass) bis zumeist Tracks von 1-2min Länge entstehen, meist bereits mit klar abgrenzbaren Parts (Ref / Strophe / Bridge). Das ist dann in der Regel der Moment, wo ich mich anfange, damit auseinanderzusetzen. Meist höre ich den Song ein paar Mal und habe in der Regel schnell eine Eingebung wo’s hingeht, welche Melodien oder Rhythmen (Gutturals) ich wo einbauen will und wo sich dann der tatsächliche Refrain und die Strophen befinden werden. Auch thematisch – das ist ein wenig schwer zu beschreiben – fällt mir das meist beim Hören des Songs zu. Ich spür da den Vibe raus und weiss, worüber ich schreiben werde.
Was für Emotionen wollt ihr beim Publikum auslösen und weshalb?
Mik: Die Leute, die an unsere Shows kommen sind unsere «Friendos», also unsere Freunde. Wir wollen, dass das Publikum eine Connection zu uns aufbauen kann, dass sie sich gesehen und gehört fühlen und wir in eine Art Interaktion treten, die gegenseitig und nicht nur einseitig, quasi innerhalb der Luftlinie von der Bühne zum Publikum geschieht. Ich glaub dazu gehört auch, dass wir uns selbst und den ganzen Musikzirkus nicht zu ernst nehmen, die ganze Genre-Ästhetik etc. Wir waren immer eine Band, die da ohnehin seit jeher zwischen die Stühle gefallen ist. Die Art und Weise wie wir auftreten ist zu hundert Prozent wie wir sind, die Energie, die Emotionen und die Freude daran, miteinander einfach einen coolen Abend zu verbringen. Wir möchten, dass unsere «Friendos» sich willkommen und safe fühlen an unseren Shows, völlig egal wie sie aussehen, wo sie herkommen, welches Geschlecht sie haben. Wir sind alle Menschen, wir lieben, wir trauern, wir sind wütend, wir feiern.
Welches Instrumentarium habt ihr bei euren Aufnahmen zum aktuellen Album genutzt und wieso fiel die Wahl genau darauf?
Gudi: Bei den Instrumenten selber spielen wir ziemlich klassisch was wir auch live immer spielen. Wir möchten so gut als möglich den Sound vom Album 1:1 auf die Bühne bringen können. Unser Drummer hat Pearl Drum Set mit einer Tama Black Pearl Snare. Cymbals sind grösstenteils von Meinl.
Bass war ein Ibanez 4-Saiter (Killswitch Engage Signature); Gitarren waren hauptsächlich PRS Tremonti, LTD MH15, Schecter Hellraiser und eine Chapman Bariton Gitarre, aber je nach Part kamen noch verschiedene andere Instrumente aus unserer Sammlung dazu. Gerade bei Lead- und Clean-Parts nutzen wir hier jeweils gerne etwas «Spezielles» mit etwas untypischen Pickups etc.
Bei den Verstärkern sind wir seit 2013 mit Kemper Amps unterwegs. Die Möglichkeit die eigenen Amps im Studio und Live 1:1 dabei zu haben und ein TotalRecall machen zu können ist einfach grossartig! Unsere Profile sind bei uns im Studio «handgestrickt» und basieren auf unserem Peavey 6505 mit Marshall 1960 4×12 (V30 / T75 Speakern) oder Engl 2×12 (V30 Speaker) für die Hauptsounds. Die Dopplungen sind dann etwas «untypischere» Amps, teilweise Marshall 8100 oder auch ein uralter «Carlsbro»-Verstärker. Beim Bass ist es ein Profil des Amps von unserem Bassisten (Tech 21 Topteil mit 4×10 Bagend Box) welches dann noch mit DI zusammengemischt wird.
Bei den Leadsounds variiert es relativ stark; hier nutzen wir zum Teil die gleichen Profile mit etwas anderen Settings oder auch teilweise Amp-Sims (Amplitube / GuitarRig / Fortin NTS Suite). Hier brauche ich einfach etwas mehr Flexibilität im Sound was über AmpSims natürlich sehr leicht umzusetzen ist.
Ein grosses Werkzeug in unserem Aufnahmeprozess ist sicher auch das Recording über unser Analoges Mischpult (Tascam M3700). Das verleit gerade dem Drum von Anfang an ein wenig Charakter und ich mag es extrem gerne direkt mit Outboard Comps / EQs aufzunehmen.
















