Thin Ice veröffentlichen am 8. Mai 2026 ihre neue EP Happiness Ain’t Meant For All. Sänger Simon gibt uns Einblicke in die Entstehung der Band, die neue EP und eine besondere Tour von Anfang des Jahres.

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Uns ist wichtig, unser eigenes Ding zu machen.

AFL: Im Mai veröffentlicht Ihr wieder eine neue EP. Zeit mal etwas mehr über Euch zu erfahren. Seit wann gibt es Thin Ice? Seid Ihr noch in der Originalbesetzung unterwegs?

Thin Ice (Photo by Michelle Olay
Thin Ice (Photo by Michelle Olay

Simon: Hey Nita, danke dir! Es unsere zweite EP, 2024 hatten wir noch unser erstes Album veröffentlicht. Wir haben Ende 2018 zusammengefunden, aktiv sind wir seit 2019. Wir sind, bis ausgenommen unserer ersten Show, noch immer in gleicher Besetzung unterwegs. Dort war Julian noch nicht am Bass.

Gibt es eine besondere Story zu Eurem Bandnamen?

Nicht wirklich, wir haben einen Bandnamen gesucht, mit dem alle von uns cool waren. Wir haben uns dann nach dem gleichnamigen Outburst-Song benannt – Outburst ist ne fette Band, Thin Ice ein fetter Song, dann war die Sache schnell geritzt.

Wie lief der Aufnahmeprozess für Eure dritte EP ab? Entstehen bei euch zuerst die Lyrics oder die Musik – oder ist das von Song zu Song unterschiedlich?

Das Songwriting läuft bei uns eigentlich schon immer so ab, dass jeder von uns Ideen mit in den Proberaum bringt, an denen wir dann gemeinsam feilen. Meist sind es Riffs von Toby und Lukas, an denen die beiden Zuhause an ihrer Klampfe gewerkelt haben. Oft jammen wir auch einfach, wo dann auch wieder Ideen für Songs entstehen. So entwickelt sich ein Song von Probe zur Probe, bis er irgendwann fertig ist.

Thin Ice - Happiness Ain’t Meant For All (2026, EP-Artwork)
Thin Ice – Happiness Ain’t Meant For All (2026, EP-Artwork)

Die Lyrics zu einem Song schreibe ich dann eigentlich erst, wenn ein Song fertig ist – oft kurz bevor es ins Studio geht. Ich mache mir zwar ständige Notizen und grobe Lyrics stehen oft, aber es gibt im Normalfall eigentlich erst die Musik und dann die Lyrics.

Uns war schnell klar, dass unser nächstes Release eine EP werden sollte – als wir fünf Songs ready hatten, haben wir das ganze, wie bei allen unseren Releases ausgenommen der Demo, wieder mit Jason Rowe aufgenommen. Erst zwischen ca. Mai und August 2025 vorproduziert, dann im September und Oktober aufgenommen. Für das Mixing und Mastering war diesmal Justin Felder, Bastian Kühn and David Deutsch von 1408 Productions in Hannover zuständig. Wir sind wirklich selbst sehr zufrieden mit dem Ergebnis, vielen Dank an dieser Stelle nochmal an Jason und 1408 Productions!

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Gibt es einen roten Faden oder eine übergreifende Geschichte, die sich durch die Songs zieht?

Nein, es sind eher fünf für sich stehende Songs. Ich würde sagen, dass es musikalisch bei jeder Nummer zwar „unser“ Sound ist, aber die Songs alle unterschiedlich sind. Zum Beispiel Bite The Hand, der eher „Crossover“ ist, während der Song When Friends Become Enemies schon straighter Hardcore ist.

Wenn es so etwas wie einen roten Faden gibt, dann vielleicht in den Texten, die allesamt schon sehr persönlich sind. Ich denke, dass sie trotzdem eine soziale Dimension haben, sodass jede/r etwas Eigenes daraus ziehen und interpretieren kann.

Wir sind jetzt sicher nicht in unserem Sound festgefahren, hatten aber auch nicht den Anspruch, groß zu experimentieren.

Gab es musikalische Einflüsse oder Künstler:innen, die euch während der Produktion besonders inspiriert haben?

Wir haben keine zwei oder drei Bands, die unseren Sound definieren oder die wir kopieren wollen. Uns ist wichtig, unser eigenes Ding zu machen. Das passiert automatisch, weil alle in der Band eigene Einflüsse einbringen. Wir hören alle Hardcore, aber auch andere Genres und Subgenres wie Oi!, Punk oder 80er Metal. Wenn ich eine Band nennen müsste, die uns am meisten beeinflusst hat, dann wahrscheinlich Terror — auch wenn das eher unbewusst passiert ist.

Was unterscheidet Eurer Meinung nach die neue EP von den bisherigen?

Der größte Unterschied ist eigentlich, dass diesmal nicht auch Jason gemischt und gemastert hat, sondern dass das die Jungs von 1408 Productions übernommen haben. Ansonsten hat sich gar nicht so viel verändert. Vielleicht noch, dass wir dadurch , dass wir als Band doch jetzt schon ein paar Jährchen aktiv sind, ein klareres Bild davon haben, wo wir klanglich hinwollen. Wir sind jetzt sicher nicht in unserem Sound festgefahren, hatten aber auch nicht den Anspruch, groß zu experimentieren.

Thin Ice (2026, Photo: Michelle Olaya)
Thin Ice (2026, Photo: Michelle Olaya)

Wenn Ihr die EP in drei Worten beschreiben müsstet – welche wären das?

Ich würde sagen: committed, ehrlich, kompromisslos.

Die EP ist roh und ehrlich und kommt von unserem Innersten  – sowohl soundtechnisch als auch inhaltlich. Die Songs sind einfach wir, ohne uns irgendwie zu verbiegen oder nach links und rechts zu schauen.

Woran merkt man, dass ein Song wirklich ein Thin Ice-Song ist?

Schwierig zu beantworten! Wir als Band fühlen es wahrscheinlich dadurch, dass die Songs im Proberaum entstehen und sich für uns dann wie unser gemeinsames Ding anfühlen. Ich kann selbst null einschätzen, wie wir für Außenstehende klingen. Wenn ich schätzen müsste, würde ich sagen, dass wir soundmäßig schon eher nach Hardcore der 90er klingen. Dazu kommen einzelne Punk- und Metal-Einflüsse, die eher aus „früheren“ Ecken kommen. Ich glaub’ ich habe auch eine recht markante Stimme – es fühlt sich zumindest so für mich an, wenn ich mich selbst höre haha.

Ihr wart vor einigen Wochen auf Tour in Indonesien. Wie genau seid Ihr zu der Tour gekommen?

Thin Ice, Indonesia Tour 2026
Thin Ice, Indonesia Tour 2026

Simon: Ganz genau lässt sich das gar nicht mehr sagen. Sicher ist, dass es mit der Dresdner Band Street Hammer zusammenhängt, die 2024 in Indonesien auf Tour war. Über deren Sänger Emil wurde irgendwie der Kontakt zwischen Penthul und mir geknüpft. Penthul holt seit vielen Jahren europäische Bands nach Java und organisiert die Toureen. Nach langem Hin und Her hatten wir irgendwann einen Zeitraum für eine Tour gefunden. Ursprünglich war nur Thin Ice geplant, als Penthul mitbekam, dass ich auch bei Das Gelbe vom Oi! spiele, schlug er vor, dass wir mit beiden Bands kommen.

Was waren Eure Highlights? Wie ist die Szene dort? Welche Parallelen und Unterschiede gibt es zur Szene in Deutschland?

Die ganze Tour war ein Highlight und wir sind Penthul so wahnsinnig dankbar, dass wir es erleben durften. Es war ein einmaliges Ereignis für uns. Wir haben in den zwei Wochen so viel erlebt und kennengelernt, konnten Orte sehen, an denen wir noch nie waren, und unzählige neue Freundschaften schließen. Wir hoffen, dass wir irgendwann wieder zurückkehren können! Cool war auf jeden Fall der Mix zwischen Urlaub und Shows spielen – wobei Shows spielen natürlich auch Urlaub ist, haha. Wir hatten auf jeden Fall genug freie Zeit, um die Insel zu entdecken.

Die Szene dort ist wahnsinnig lebendig. Es sind viele junge Leute aktiv, dabei auch viele Frauen. Man bekommt ja aktuell auch mit, dass immer mehr – auch bekannte – Hardcore-Bands aus den Staaten nach Indonesien zum Touren gehen. Die Szene lebt und wächst. Es gibt haufenweise indonesische Bands – sei es Hardcore, Punk oder Oi! – und auch erstaunlich viele Labels. Auch wenn die Szene dort im Vergleich zu z.B. Deutschland nicht so groß ist, passiert gerade wahnsinnig viel, und ich bin mir sicher, dass sie in den nächsten Jahren weiter wächst. Dabei wird DIY großgeschrieben – anders geht es dort auch gar nicht.

Was auch positiv hängen geblieben ist: Das Wort „Unity“ wird dort nicht nur inflationär verwendet, sondern auch wirklich gelebt. Egal ob Hardcore-Kid, Skinhead oder Punk – die Szene hält zusammen, besucht und bucht gemeinsam Shows, auch über einzelne Städte hinweg.

Insgesamt kommt mir die Szene sehr vernetzt und supportive vor. Einfach nur riesen Respekt – gerade auch in dem Kontext, dass Indonesien staatlich ein sehr restriktives Land ist. Die Leute aus der Szene stehen unter großem gesellschaftlichem und staatlichem Druck und vertreten ihre Werte trotzdem.

Gerade im Vergleich zu Deutschland hat das in Indonesien nochmal ein anderes Gewicht – bei uns ist vieles oft komfortabler, dort ist die Szene viel stärker ein bewusstes Statement. Die Reise hat uns auf jeden Fall nochmal stärker spüren lassen, wofür Subkultur steht.

Vielen Dank fürs Interview! Wir sehen uns sicher auf einer der Shows zum Release.

Thin Ice Release-Shows

06.06. – Stattbahnhof, Schweinfurt
18.06. – Anděl Café, Pilsen
19.06. – Kunstkeller o27, Fürth
20.06. – Astra, Rosenheim

Happiness Ain’t Meant For Me kann als 12″-Vinyl über unseren Shop und Subculture For Life Records vorbestellt werden. Die Tape-Version ist bereits über DITS Records erhältlich. Hier könnt ihr die EP in voller Länge anhören:

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nita
***** open eyes & open mind ***** Musik ist schon immer wichtig in meinem Leben und ich bin musikalisch daher auch sehr breit aufgestellt. Ich mag keine Schubladen und Schranken. Was gefällt, wird gehört, gelebt und geliebt. Ich habe Oldschool Emo und Skatepunk im Herzen. Meine All time favourites sind Beastie Boys, Boysetsfire und Stick To Your Guns 🖤🖤🖤

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