Eigentlich müsste man die jüngere Fraktion der HC-/Metalcore-Fans mal fragen, ob sie überhaupt Pro Pain kennen. Es war lange sehr still um die Band aus New York, die Anfang/Mitte der 1990er Jahre ihren Durchbruch hatte. Schon damals orientierte man sich eher an metallischen Szenegrößen als die klassichen Pfade des NYHC zu benutzen. Das Erstlingswerk Foul Taste of Freedom schlug daher ein wie eine Bombe, da es beide Lager zufriedenstellte: Sowohl die Metalheads konnten bei Songs wie Pound For Pound oder Death On The Dancefloor die Matte ordentlich beim Headbangen durchschütteln, während die HC-Freunde Circle-Pits drehten. Dass Gary Meskil & Co. nicht immer auf dieses Debüt reduziert werden wollen, können Fans an den Setlists der letzten Touren sehen (außer Johnny Black wurde nichts gespielt) und an der Antwort von Gary im Rahmen eines Interviews zur neuen Scheibe: „Wir haben seit Foul Taste Of Freedom mehr als 10 Scheiben rausgebracht. Klar sind dort Klassiker enthalten, aber wir haben noch viel stärkere Eisen im Feuer. Der Pro Pain-Sound ist doch nicht 1992 stehengeblieben, sondern hat sich entwickelt.“

Stone Cold Anger bleibt sich in diesem Punkt auf jeden Fall treu und serviert Altbekanntes. Jede(r), der die Band schon einmal gehört hat, wird sofort die Trademarks der Amerikaner erkennen. Da ist der sägende Gitarrenriff, der das Album eröffnet und kurz danach Gary´s brachiales Organ. Zusammen mit dem bollernden Schlagzeug macht das Quartett sofort klar, dass man Größeres vor hat. Warum man allerdings 11 lange Jahre mit einem neuen Album gewartet hat, erklärt Gary wie folgt: „Wir müssen nicht jedes Jahr ein halbgares Album auf den Markt bringen. Das haben wir hinter uns, hahahaha. Da wir alle nicht mehr von der Musik finanziell abhängig sind, war der Druck nicht so da. Wir haben zwar immer wieder Konzerte und Touren gespielt, waren damit aber zufrieden. Erst als Eric wieder zu uns stieß, passte die Chemie wieder so gut, dass wir konkrete Pläne für ein Album entwarfen.“
Der Wiedereinstig von Gitarrist Eric Klinger scheint dem Sound von Pro Pain auf jeden Fall sehr gut zu tun, denn Stone Cold Anger ballert wie Sau! Der Titeltrack und auch March Of The Giants sind Abrissbirnen vor dem Herren und räumen alles auf dem Weg. Gary schaut sehr optimistisch in die Zukunft: „Das werden sicherlich die Tracks sein, bei denen das Publikum auf jeden Fall am meisten abgehen wird. Wir haben hier die frühere Pro Pain-DNA auf ein modernes Soundlevel gehievt.“
Pro Pain fahren anschließend bei Uncle Sam Wants You! das Gaspedal etwas wieder zurück und servieren fast schon punkige Riffs. Vielleicht der unerwarteste Song der ganzen Platte, welcher aber für gehörig Abwechslung sorgt. „Eric spielt ja auch noch bei The Take und als er mir seine Songvorschläge für Stone Cold Anger vorspielte, antwortete ich: Das hast du aber für die Oi-Band komponiert, oder? Wir haben dann ein wenig rumprobiert und fanden anschließend, dass der Song sehr gut auf das Album passt!“
Weitere Highlights sind Scorched Earth mit seinem bombastischen Riffing und der Rausschmeißer Sky´s the Limit. Hier geben Pro Pain nochmal alles und überraschen sogar mit einem Sing-along-Refrain und melodischen Gitarren. „Das ist für mich der Song, welcher am Schwierigsten für mich zu schreiben und einzusingen war. Zum einen hat er ein sehr persönliches Thema, da er vom Verlust geliebter Personen handelt, zum anderen weil er sehr melodisch ist. Ich fühle mich sonst eher bei den härteren Tracks wohler. Hier musste ich doch schon anders singen als auf den meisten anderen Stücken.“
Summa summarum überraschen Pro Pain mit Stone Cold Anger auf voller Länge und haben ein sehr starkes Comebackalbum auf den Markt gebracht. Für alle Fans des harten Metalcore-Sounds auf jeden Fall eine Kaufempfehlung.














[…] Pro-Pain – Stone Cold Anger ::: Review und Interview (2026) […]