Das Konzert stand unter dem Motto „It’s A Kidnap Night“ – und das passte ziemlich gut, bringen doch alle drei Bands ihre Platten über Kidnap Music raus.

Ich freute mich extrem auf den Abend, denn mit Bubonix, Christmas und SYFF standen gleich drei Bands auf dem Programm, die ich wirklich gerne mag. Für mich persönlich also eine verdammt geile Kombination.

Bubonix, Christmas, Syff - Flyer (2026)
Bubonix, Christmas, Syff – Flyer (2026)

Als wir in der Rindertanzstraße ankamen – hach, ich liebe diesen Straßennamen einfach –, standen gerade einmal eine Handvoll Saarländer im Hof des Mergener Hofs. Alle mehr oder weniger aus der Dunstblase von Christmas. Scheinbar war der Vorverkauf nicht gerade berauschend gelaufen.

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Und an dieser Stelle werfe ich direkt mal etwas Kritik in den Raum. Auf die Gefahr hin, mich damit unbeliebt zu machen: Wo bitte waren die Trierer Punks? Gibt es die überhaupt noch?

Leider bestätigt mich so ein Abend wieder in meinem Eindruck, dass sich die Trierer „Punkszene“ zu einem großen Teil aus Studenten und Pseudopunks zusammensetzt, die dann auftauchen, wenn ein entsprechend großer und bekannter Bandname auf dem Plakat steht. Aber sei’s drum. Ein paar wenige der hiesigen Fraktion waren immerhin da. Trotzdem finde ich es ziemlich scheiße, wenn drei solche Bands vor der eigenen Haustür spielen und das Interesse derart überschaubar bleibt.

SYFF

Den Anfang des Abends machten SYFF.

SYFF sind – wie soll man es am besten ausdrücken? – irgendwie weird und hässlich. Und das meine ich durchaus positiv.

Da steht ein Gitarrist auf der Bühne, der optisch genauso gut in einer Heavy-Metal-Band der 70er-Jahre spielen könnte, daneben ein Sänger mit Vokuhila und Tigermuster-Hemd. Dazu Sascha Bonemann an der Gitarre, den man nicht nur von Bubonix kennt, sondern auch von Toxoplasma. Optisch also schon mal eine herrlich zusammengewürfelte Truppe.

Aber live? Live hauen SYFF einfach rein.

Kennt ihr noch dieses Gefühl, als ihr zum ersten Mal in einem AZ oder irgendeinem anderen schummrigen Laden standet und eure erste Punkshow gesehen habt? Ihr hattet eigentlich keine Ahnung, was euch erwartet, alles war irgendwie neu, chaotisch – und fühlte sich ein kleines bisschen gefährlich an?

Ungefähr so kann man SYFF live beschreiben.

Sänger Michel Wern tobte wie ein Derwisch über die Bühne, schlug Purzelbäume, kletterte auf das Geländer neben der Bühne, schmiss seinen Gitarristen um und vollführte irgendwann mehr oder weniger unfreiwillig einen Kopfstand. Und währenddessen sang – schrie, brüllte, keifte, nennen wir es, wie wir wollen – er auch noch die ganze Zeit weiter.

Musikalisch erinnert mich das Ganze stellenweise irgendwie an RKL. Schnell, durchgeknallt, unberechenbar und immer kurz davor, komplett auseinanderzufliegen.

Ich find’s geil!

Wenn man dann noch bedenkt, dass Herr Wern im normalen Leben Musikproduzent ist und unter anderem schon Alben für Pascow und die Donots produziert hat, drängt sich ein Gedanke geradezu auf: Vielleicht ist SYFF einfach sein persönliches Ventil.

Nach der Show meinte Thorsten Polomski von Bubonix zu mir, dass das schon ziemlich heftig gewesen sei. Meine Frau hatte dafür eine andere Bezeichnung: „Das ist Kunst.“

Heftige, punkige Kunst?

Damit können wir wohl alle leben.

Und jetzt mal Butter bei die Fische: Nach der 7-Inch und „Überhit Broken Record“ wird es langsam Zeit für ein richtiges Album.

Der Wahnsinn gehört vertont.

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Christmas

Als Zweite an diesem Abend waren Christmas an der Reihe.

Meine Frau musste den Abend leider vorzeitig abbrechen. Der Schimmel im Keller des Mergener Hofs bekam ihr irgendwie nicht besonders gut. Ziemlich ärgerlich, aber ich schaute mir das Ganze alleine weiter an.

Christmas sind für mich nämlich so eine Sache.

Ich kenne Sänger Max Motherfucker noch aus Zeiten, in denen er lange Haare hatte. Das dürfte mittlerweile mindestens 20 Jahre her sein. Christmas habe ich seitdem oft live gesehen. Also wirklich oft. Sehr oft.

Und genau deshalb wollte ich an diesem Abend nicht in irgendwelche freundschaftliche Lobhudelei verfallen. Also tat ich einfach mal so, als würde ich Christmas überhaupt nicht kennen. Keine gemeinsame Vergangenheit, keine unzähligen Konzerte im Hinterkopf. Einfach hinstellen, zuschauen und zuhören.

Was würde ich von Christmas halten, wenn ich diese Band heute zum ersten Mal auf einer Bühne sehen würde?

Max war natürlich wie immer in Uniform: weißes Shirt, Denimhose.

Hat der Mann eigentlich nur weiße Shirts?

Aber gut. Wenn ich Christmas tatsächlich so betrachte, als hätte ich sie vorher noch nie gesehen, muss ich zugeben: Das war schon saugeil.

Herr Motherfucker beherrscht sein Auftreten auf der Bühne. Er spuckt Wasser wie Triple H zu seinen besten Zeiten, legt sich einfach mal auf die Monitore und hat das Publikum eigentlich vom ersten Moment an im Griff. Wenn er allerdings die Bühne verlässt, durchs Publikum marschiert und einem plötzlich das Mikrofon direkt vors Gesicht hält, kann einem durchaus etwas angst und bange werden.

Gott sei Dank blieb mir das erspart.

Sein bevorzugtes Opfer an diesem Abend war ohnehin Hilde. Aber die feiert das ja auch.

Max ist eben eine Frontsau und weiß ganz genau, was er da tut. Und auch der Rest der Band liefert.

Und damit zurück zu meinem kleinen Selbstversuch: Was hätte ich gedacht, wenn das wirklich mein erstes Christmas-Konzert gewesen wäre?

Ich wäre danach Fan gewesen.

Da ich sie aber nun mal schon unzählige Male gesehen habe, ordne ich den Abend etwas nüchterner ein: Das war ein sehr solider und vor allem wirklich sehr guter Christmas-Auftritt. Keine große Überraschung für mich, aber eben auch kein bisschen langweilig.

Hat Spaß gemacht!

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Setlist Christmas

  1. Turn Me Lewd
  2. Maggot
  3. Ain’t Winning In This City
  4. You Bore Me
  5. Skate All Night
  6. Hot Nights In Saint Vandal
  7. Push Fast
  8. Waterloo
  9. Smart Jokes
  10. Fortune Ain’t Payable
  11. No More Tears
  12. Appetite For Selfdestruction
  13. Army Of Losers
  14. Always Keep Giving Up
  15. Fear Of Romance
  16. Blatant ignorance
  17. Candy Me
  18. Thirsty And Disgusting
  19. Moonshine Love
  20. Go Hard Or Go Home

BUBONIX

Dann kam der eigentliche Hauptact des Abends:BUBONIX .

Ich hatte sie zwar erst vor Kurzem beim Tells Bells gesehen, aber eine Clubshow ist halt immer noch mal etwas ganz anderes. Und Bubonix machten ziemlich schnell klar, dass sie an diesem Abend nicht vorhatten, irgendetwas anbrennen zu lassen.

Thorsten startete das Konzert direkt mal mitten in der Menge und teilte den Saal, als wollte er vom ersten Moment an eine Wall of Death lostreten.

Spätestens bei Kaputt gab es dann sowieso kein Halten mehr. Thorsten tobte durch die Leute und immer wieder machten es ihm die anderen Bandmitglieder nach. Ich glaube, der Einzige, der tatsächlich die ganze Zeit auf der Bühne blieb, war der Drummer.

Aus offensichtlichen Gründen.

Bubonix lieferten einfach den totalen Abriss. Zwischendurch gab es von Thorsten immer wieder positive Messages, gepaart mit dem einen oder anderen Seitenhieb gegen Menschen, die gerne blaue Fahnen schwenken.

So muss Hardcore sein. Punkt.

Überhaupt war das eine unglaublich intensive Show. Bubonix rissen das Publikum komplett mit und die Grenze zwischen Band und Publikum existierte irgendwann eigentlich nicht mehr.

Und dann kam Schoolyard.

Der letzte Song des Abends gipfelte in etwas, das ich so tatsächlich noch nie erlebt habe. Und das will nach all den Konzerten, die ich mittlerweile gesehen habe, schon etwas heißen.

Bubonix spielten den Song in einer schier endlosen Schleife. Immer und immer weiter. Irgendwann entwickelte das Ganze einen derartigen Sog, dass man fast in eine Art Trance fiel. Gleichzeitig brach rundherum das komplette Chaos aus.

Das halbe Publikum stand plötzlich auf der Bühne und veranstaltete dort einen Circle Pit – während die Band unten im Zuschauerraum stand.

Sascha bearbeitete seine Gitarre irgendwann mit einem Drumstick. Vic Vicious von Christmas gesellte sich zum Bubonix-Drummer und beide prügelten gemeinsam auf das Schlagzeug ein, als müsste das Ding diesen Abend auf keinen Fall überleben. Vic stand dabei vor dem Drumkit und drosch von dort auf die Felle.

Und weil das offenbar noch nicht genug Chaos war, tauchte irgendwann auch noch SYFF-Sänger Michel Wern auf und spielte Gitarre.

Publikum auf der Bühne. Band im Publikum. Zwei Leute an einem Drumkit. Michel Wern an der Gitarre. Eine weitere Gitarre, die mit einem Drumstick malträtiert wurde. Und Schoolyard, das einfach nicht aufhören wollte.

Vom Gefühl her war dieses Chaos der helle Wahnsinn.

Crazy. Geile. Show!

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Setlist Bubonix

  1. Kaputt & Weiter
  2. Im Namen
  3. Quick
  4. Paid Out With Hate
  5. United Equality
  6. Fuck Love
  7. Clarity
  8. Beyond Space And Time
  9. Sometimes
  10. From Inside
  11. Vollgas
  12. Schoolyard

Fazit

Es hätten an diesem Abend durchaus ein paar mehr Leute ihren Arsch auf die Show bewegen können. Aber den Bands schien das ziemlich egal zu sein.

Alle drei haben unfassbar abgeliefert.

Und ehrlich gesagt fällt es mir verdammt schwer zu sagen, wer an diesem Abend die beste Band war. SYFF mit ihrem völlig unberechenbaren Wahnsinn, Christmas mit einer Frontsau, die genau weiß, wie man einen Laden im Griff hat, und Bubonix mit einer Hardcore-Show, die am Ende komplett sämtliche Grenzen zwischen Bühne und Publikum eingerissen hat.

Alle drei waren auf ihre ganz eigene Art einfach richtig geil.

Vielleicht ist das letztendlich auch das beste Fazit für diese Kidnap Night: Es waren definitiv zu wenige Leute da – aber diejenigen, die nicht gekommen sind, haben schlicht und einfach etwas verpasst.

Ich hatte einen wunderbaren Abend. Danke dafür!

Danke an Sabine Leonhard für die Videos. Wenn ihr geilen “Punkschmuck“ haben wollt, folgt ihr.

Bilder der Show

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– Playlist: Happy Release Day

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