The Young Ones - Live @ kick N Rush (2026) Photocredit @purelovefoto

„Schreib vielleicht mal was Schönes über uns.“

Das waren Christians letzte Worte, bevor wir uns spät nachts auf den Weg zum Hotel machten.

Eigentlich hatte ich gar nicht geplant, irgendwas über dieses Konzert zu schreiben. Sonst hätte ich mich wahrscheinlich auch ein bisschen besser vorbereitet. Aber gut, wenn man so nett gefragt wird — und das alles schon verdammt cool war — und Falk im letzten Gestreckten Mittelfinger meinte, es gäbe viel zu wenig Konzertberichte, die mehr über das Saufen drumherum erzählen als nur über die Bands, war mir klar, dass ich es tun muss.

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The Young Ones/ Cold Resolve - Flyer (2026)
The Young Ones/ Cold Resolve – Flyer (2026)

Aber von vorne.

Eigentlich sollten wir nur unsere Eheringe in Mainz abholen. An sich schon die Woche davor. Als wir dann aber sahen, dass am Wochenende darauf The Young Ones im Kick N Rush spielen würden, war natürlich klar, dass es clever wäre, das alles miteinander zu verbinden.

Im Kick N Rush war ich vorher noch nie gewesen, hatte aber schon von einigen coolen Shows gehört, die dort liefen. Es hatte sich nur nie ergeben hinzufahren. Irgendwas kam halt immer dazwischen. Christian und Vincent, die dort die Shows veranstalten, lernte ich mal auf dem This Is Oi! kennen. Die meinten damals schon: „Komm mal vorbei.“

Da aus unserem Äppelwoi-Abend eh nichts wurde, konnte ich AFL-Kollege Maik noch dazu überreden, ebenfalls nach Mainz zu kommen.

So fuhren wir also morgens früh schon los nach Mainz, holten erstmal unsere Eheringe ab und gingen danach noch was beim BA BAO essen, einem Vietnamesen, den ich nur empfehlen kann.

Irgendwann meldete sich Maik, dass er und sein Kumpel Becker, den wir vom Tells Bells kannten, gegen 16:11 Uhr am Bahnhof eintrudeln würden. Das passte perfekt, denn unser übertriebenes Hipsterhotel „Me and All“ lag direkt am Bahnhof.

Wir mussten noch einchecken und Maik und Becker machten es sich solange in der Lobby bequem. Als wir dann endlich fertig waren und die tatsächlich ziemlich geile Lobby aufsuchten, saßen die beiden schon mit Espresso Martini und Eulchen Bier da. Wir bestellten eine Weinschorle und ein Bier dazu.

Die Gespräche waren sofort lustig und wir hatten direkt eine geile Zeit. Mit Maik ist es eh immer gut, egal wo wir uns treffen. Ich mag den Typen einfach.

Wir zogen dann auch gar nicht mehr groß weiter, sondern vernichteten noch ein paar Getränke in der Lobby. War auch einfach viel zu bequem da.

Kurz vor 19 Uhr entschlossen wir uns dann aber doch mal, den Weg zum Kick N Rush anzutreten.

Also ging es eine Station weiter mit einem massiv von Junggesellenabschieden überfüllten Zug. Das mit der Ehe sollte man meiner Meinung nach eh erst spät im Leben machen, dann erledigen sich diese peinlichen Junggesellenabschiede auch von selbst. Wobei man ehrlich sagen muss: Man hatte im Leben schon Schlimmeres erlebt.

An der Endstation angekommen traten wir einen kurzen Fußweg an und landeten dann am Kick N Rush. So dachten wir zumindest. Im Hof standen erstmal Leute, bei denen sich Camp David und Louis Vuitton die Hand gaben. Hm, sollten wir hier wirklich richtig sein?

Gut 50 bis 60 Meter weiter hinten auf diesem alten Fabrikgelände saßen dann aber doch Leute, die wir eher zu den unseren zählten.

Das Gelände an sich ist schon irgendwie schräg. Oben am Eingang so ein Schickimicki-Club, ein Stück weiter unten dann Skins und Punks. Und mitten auf dem Hof stand noch ein riesiger Lastwagen mit mobilem MRT drin. Mainz halt wahrscheinlich.

Wir wollten erstmal was trinken, also zahlten wir Eintritt, erhielten einen gratis Limoncello, orderten Bier und verschafften uns einen kleinen Überblick vom Kick N Rush.

Das Ganze ist wohl ein Fanhaus von Mainz 05. Ich hoffe zumindest, dass ich die Zahl richtig im Kopf habe. Fußball ist wirklich nicht meine Welt.

Aber der Laden ist schuckelig und wirklich schön gemacht. Der Raum für die Konzerte fällt allerdings eher unter die Kategorie „sehr kuschelig“, sobald da 80 Leute drinstehen.

Da es drinnen ziemlich warm war, setzten wir uns wie die meisten anderen erstmal draußen an die Biergarnituren und genossen dort den Gerstensaft. Die Gespräche wurden derweil kein bisschen weniger lustig.

Cold Resolve

Dann spielte die erste Band des Abends: Cold Resolve aus Bad Kreuznach. Ich kannte die Band vorher nicht und mir wurde erzählt, dass das erst ihr zweiter Gig gewesen sei.

Wir hörten uns das Ganze erstmal gemütlich von draußen an. Ab und zu lugte ich bei ein, zwei Liedern durchs Fenster rein. Jedenfalls gefiel uns allen am Tisch das Gehörte ziemlich gut.

„Working Class Punkrock“ nennen sie das selbst und das passt eigentlich perfekt. Sogar ein Angelic Upstarts Cover von „Solidarity“ war mit in der Setlist.

Ja, wäre es nicht so warm gewesen — oder hätte ich vorher gewusst, dass ich doch noch was über das Konzert schreiben würde — dann hätte ich mir das Ganze wahrscheinlich drinnen angeschaut. Im Nachhinein ärgere ich mich darüber fast ein bisschen. Aber ich denke mal, das wird nicht die letzte Gelegenheit gewesen sein, die Band zu sehen. Gefiel mir wirklich gut.

Setlist Cold Resolve:

  1. Cold Resolve
  2. Simple Man
  3. The Lobster
  4. Fool
  5. Born To Lose
  6. Solidarity
  7. Kicking Back
  8. For Those Overlooked
  9. Drunk Alone At Home
  10. Kreuznach Kids
  11. Mitten im Leben

The Young Ones

Als zweite Band spielten dann die Hol… ähm, ich meine Niederländer von The Young Ones. Ich glaube, das letzte Mal live gesehen habe ich sie auf dem Jera On Air 2024. Die letzte EP With A Touch Of Panache gefiel mir auch mehr als gut und entsprechend freute ich mich übelst auf den Auftritt.

Die Hitze im Raum war gelinde gesagt ein wenig unangenehm, was auch dazu führte, dass das Publikum eher tanzfaul blieb. Die Band tat mir bei den Temperaturen fast ein bisschen leid. Und das obwohl sogar die Fenster offen standen.

Was soll ich groß sagen? The Young Ones lieferten einfach komplett ab. Hier gab es keine Patzer, sondern einfach eine gewaltige Oi!-Keule direkt ins Gesicht. Die Setlist war ein Traum und bot Songs quer durch die Karriere der Band.

Als die Band „The Boys Are Here“ spielte, wurde plötzlich alles rot. Draußen vor den Fenstern wurden Bengalos gezündet, was einfach für eine saugeile Atmosphäre sorgte.

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Immer wieder ging Veranstalter Christian durchs Publikum und verteilte gratis Pfeffi oder Wassereis, was bei den Temperaturen wirklich mehr als willkommen war.

Jedenfalls kann man an dem Dargebotenen absolut nichts aussetzen. The Young Ones gefielen uns allen verdammt gut und lieferten genau die Art Auftritt ab, die man sich von so einer Band erhofft.

Setlist The Young Ones:

  1. Dead End Cruiser
  2. Kick Off
  3. Dodgy Few
  4. Boots Still Stomp The Same
  5. Final Goal
  6. The Boys Are Here
  7. Tony The Topgeezer
  8. Dutch But Not From Holland
  9. Bedlam Boys
  10. Don’t Wanna Working Class
  11. Lowlife
  12. Live For The Weekend
  13. Hilti Job
  14. March Of The Gutter Kids
  15. Angelside
  16. Forever Young
  17. Bovver In The Weekend ( Encore)

Aftershow

Nach der Show gab es dann noch die Aftershow, bei der viel alter Skinhead Reggae und Ska lief. The Specials, Laurel Aitken — you name it.

Wir setzten uns nochmal in den Hof, was bei dem Wetter definitiv die beste Entscheidung war, tranken noch das ein oder andere Getränk und ließen den Abend gemütlich ausklingen. Auch wenn mein Cola-Wein teilweise für Stirnrunzeln sorgte.

Christian verteilte derweil weiter Pfeffi und gegen halb zwei traten wir dann zu Fuß den Weg zurück zum Hipsterhotel an.

Fazit:

Geiler Abend mit zwei sehr guten Bands, einer supercoolen Location, gutem Publikum und zwei Veranstaltern — Christian und Vincent — die hier wirklich ein verdammt cooles Ding aufziehen.

Wenn ihr mehr über ihre Shows wissen wollt, schaut mal bei Subculture Mainz vorbei. Ich war jedenfalls definitiv nicht das letzte Mal hier.

Grüße gehen raus an Maik und Becker. War ein verdammt lustiger Tag mit euch.

Und am Rande noch Grüße an Mario, den ich seit 2011 nicht mehr gesehen hatte. Das war damals bei OFF und Fucked Up in Wiesbaden. Geile Erinnerungen.

Herzliche Dank auch nochmal an Purelovefoto für die Bereitstellung der tollen Bilder.

 

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