Info: Der Bericht entstammt der Feder von Gunther Birnvogt. Etwaigie Beleidigungen, Aufrufe zur Nachbesserung sowie allgemeine Drohungen bitte direkt an ihn.
Eine Bildergalerie findet ihr am Ende des Artikels.
Unsere Festivaltruppe hat in diesem Jahr die Flexibilität und Experimentierfreude einer Steuerberatungskanzlei. Brachte man früher mit organverzehrenden Ausflügen in die abgelegenste Pampa das mesolimbische System auf Wolke 7 sowie den restlichen Fleischanzug an den Rand der Selbstaufgabe, herrscht inzwischen sozial aufoktroyierte Tristesse hinsichtlich eskapistischer Meilensteine der Festivalhistorie.
Langweilig und abgestumpft ist man. Gesehen hat man sowieso alles. Und weil prinzipiell uneinsichtig und wenig selbstkritisch, schiebt man das schlechte Töpfchen in Richtung der Festivalorganisatoren, die in diesem Jahr die immer selben Bands auf die immer selben Bühnen zerren, um das immer selbe Ergebnis zu reproduzieren.
Einen Moment Geduld, liebe Leserin, bevor du dein elektrisches Anzeigegerät angesichts der Blasphemie des letzten Satzes aus dem Klofenster wirfst. Die Wiederherstellung von Open Air-Glückseligkeit ist selbstredend primäres Ziel jeder Veranstaltungstruppe, weshalb auch wir dieses Jahr schlussendlich aus der Narkose erwachen und uns angesichts geographischer Lage und Attraktivität der Bandauswahl auf den Weg zum FETTFEST in Leipzig machen.
Die lokale Punkrock-Institution Loikaemie lud zum selbstgebastelten Zwei-Tage-Stelldichein in den Gemüsegarten der Bandcommunity Leipzig und überredete eine Hand voll wohlklingender Namen aus dem Hardskacorepunk-Spektrum, ihre Folklore dem kritischen Publikum vor die Füße zu werfen. Für den mehr als fairen Gegenwert von zwei Kästen Bier konnte man Wochenendtickets ergattern, die angesichts der mutmaßlich betriebswirtschaftlichen Milchmädchenrechnung im Handumdrehen ausverkauft waren.
Überhaupt war die Ticketpreispolitik der Veranstaltung zunächst intuitiv kaum greifbar und sorgte beim üblichen Hin- und Her aufgrund von Krankheit und Fauleritis im Vorfeld des Abends für ein wenig Durcheinander.
Warum nur hatten die Tagestickets mehr oder weniger denselben Preis wie das Wochenendtickets? Und wie schafft ihr es, ein solches Spektakel für einen dermaßen günstigen Preis herzuzaubern? Aber sei’s drum. Man wird sich das sicher vorher auf einem Bierdeckel durchgerechnet haben.
Kurzer Spoiler: Man ist nicht Oi, wenn man seine Community nach dem Einlass und damit in den Fängen der festivaleigenen Plastikbechergastronomie melkt, wie es andere Veranstalter gern tun. Getränkepreise fair. Futter erschwinglich. Merch auf Augenhöhe mit vergleichbaren Angeboten im Straßenverkauf.
Aber nun zurück zur Truppe. Weil Silberrücken Gunther Birnvogt und seine Else praktischerweise im gottseidanküberwiegendnochlinksversifften gallischen Dorf zu Leipzig wohnen, werden eine hohe Zahl Glasmantelgeschosse und Burgerpatties in den Vorratskabuff geworfen, die Einrichtung gegen Vandalismus gesichert und sicherheitshalber gleich noch eine Woche Urlaub genommen. Kevin und Gunnar aus dem Großraum Niedersachsen werden gegen frühen Nachmittag nach den üblichen Verspätungen aus dem Bahnhof gespuckt.
Weil am Wochenende zuvor aufgrund von Außentemperaturen aus der Vorhölle die Leipziger Straßenbahnschienen einen puddingförmigen Aggregatzustand angenommen hatten, wurden die beiden Recken auch noch vollkommen szeneuntypisch mit der Mietkarre vom Zentralmassiv in die Übernachtungsbutze verbracht. Immerhin kein UBER, weil das Faschisten sind. Das Mietviereck gehörte einer lokalen Genossenschaft, womit dem Gewissen die Schlechtigkeit genommen wurde.
Rein in die erste Kneipe! Schleußiger Festungsgestein, aber überhaupt nicht Punkrock. Zwei finstere Gesellen hocken am Tresen, Bier in der Kralle, Redefluss einer verstorbenen Eidechse. Überall hängen Deutschlandflaggen und alte Kommunismuskader glotzen aus prähistorischen Rahmen von den Wänden. Immerhin darf man in der Schnurrbartschänke rauchen, es wird feierlich beim Eintritt auf den Tisch getrommelt und der Wirt wirft einen Strichzettel aus Altpapier auf den Massivholzmonolithen, damit man nach vier Stunden noch den Wegezoll abbilden kann. Weil wir aber keine Zeit haben – das Festival beginnt bereits 17 Uhr – geht’s nach einem Hauspils direkt wieder in die Spur.
A propos Bier: Wer in Leipzig und Umgebung eine öffentliche Veranstaltung besucht, bekommt in aller Regelmäßigkeit einen Gerstensaft einer lokalen Brauereigesellschaft in den Hals gedrückt, der so lecker schmeckt und so wenig Kopfschmerzen macht, wie sein Name mit zweikommafünf Promille leicht auszusprechen ist (Vermutungen bitte in die Kommentare schreiben). Zu allem Überfluss gehört der Brausespezialist wie auch der andere Leipziger Szenehopfen zum Großkonglomerat der Radeberger Gruppe und damit des Dr. Oetker Konzerns. Und saufen kann man das Zeuch leider auch nicht.
Aber es hilft ja nüscht und somit rein in den nächsten Biergarten! Wer in Leipzig einen gepflegten Kneipengang zelebrieren möchte, fällt in bestimmten Stadtteilen quasi aus einem Freisitz in den nächsten. Da man auf dem Weg zum Festival klugerweise um die Plagwitzer Verhopfungszentrale nicht herumkommt, tummeln sich in den Wirtschaften bereits Scharen von Durstgeplagten im szenetypischen Outfit und bechern sich den Alltagsfrust aus dem Kadaver. Bei gemütlichen Außentemperaturen beginnt bei uns die Laune zu steigen. Könnte es sich hier wirklich um mehr als zwei Tage betreutes Trinken in Stadtatmosphäre handeln? Darf hier etwa Festivalfeeling aufkeimen?
Gunnar gönnt sich und nimmt so’n bunten Aperol-Verschnitt aus dem Urinprobenbecher für achtundzwanzig Mark die Einheit, wobei der mehr knallt als die beiden Schwarzsaftölgetränke der konservativ zechenden Mitstreiter.
Rein in die nächste …. nein, es wird Zeit zur Location zu pilgern, damit man ein paar Eindrücke der Kapellen generieren kann. Der Fußweg (ca. 20 Minuten) ist recht amüsant und wird von einer ansehnlichen Menge Gleichgesinnter umrahmt. Man erreicht den Ort der Ausschweifung.
Tag 1:
Die Bandcommunity Leipzig, eine tragende Säule der hiesigen Musikmacherszene, hat auf halbem Weg nach Grünau ein altes Schulgebäude annektiert und vermietet dort seit Beginn des Mietwuchers günstige Proberäume an allerlei Musikschaffende mit dem Herz am richtigen Fleck. Neben der Anstalt gibt es eine Freifläche mit der Größe eines halben Fußballfeldes, auf die man eine quer-ovale Bühnenkonstruktion gezimmert und mit reichlich Effektproporz verziert hat. Zaun drumrum, Anlagen zum Verrichten der Notdurft, Verkaufsstände, das Übliche. Ungewöhnlich sind allerdings die Handwaschstellen, die man zusätzlich zur ….. wir nehmen an Aufrechterhaltung der Hygiene …… im Zuschauerraum positioniert hat. Nett.
Am Einlass erfolgten die übliche Beckenbodenkontrolle sowie die obligatorische Verbrennung mitgebrachter Rucksäcke. Das Personal ist freundlich und unaufgeregt. Wir nehmen ein Bier auf und positionieren uns in Spuckweite zur Bühne, während Derry gerade die letzten Akkorde in die Saiten schlagen. Die Hessen haben so früh am Abend wahrscheinlich noch zu wenig Äppler in der Blutbahn, weshalb der Funke nicht recht überspringt. Wir gönnen uns das nächste Bier und beobachten den Soundcheck zum nächsten Ensemble.
Zwischenruf: Ein ernsthafter Kniefall sowie drei Gaffa-Rollen nach oben für die helfenden Hände an Technik und Backline, die während der beiden Tage die Umbaupausen für die Sets zu mehr als erträglichen Wimpernschlägen verkürzen. Während man anderswo mitunter in der Zeit gemütlich eine Vorsorgevollmacht ausfüllen kann, reichen die Pausen beim FETTFEST gerade mal, um drei Bier auszupissen und den Merch zu checken. Vielleicht lag es aber auch daran, dass fast alle Bands auf dasselbe Schlagzeug eingedroschen haben, wofür wiederrum der Schlagfellproduzent eine goldene Anstecknadel verdient.
Weil Ausnahmen die Regel bestätigen, legen Los Fastidios den längsten Soundcheck des Jahres hin. Erste Fans nahmen schon Faust – Der Tragödie zweiter Teil zur Hand, als es dann endlich losging. Aber wie! Das Hin- und Her an Regler und Poti hatte sich ohrenscheinlich gelohnt, weil Sound und Performance wirklich glasklar waren. Die Italiener belebten die Stimmung am Platz deutlich und sorgten mit ihrer Ska-Punk-Performance für reichlich Gewusel in den ersten Reihen.
Gunnar als Fotobeauftragter schaffte es daher auch nicht, seine pimmelige und von den großkopferten Grabenschussaristokraten belächelte Fotoapparatur halbwegs ruhig auf die Bühne zu richten, so dass ein Großteil der Nullen und Einsen auf der Speicherkarte der Kamera in den Papierkorb wandern müssen.
Scheiß drauf! Wer wissen will wie’s war, muss halt vorbeikommen oder versucht sich an der Foto-Galerie, die sich am Ende des Artikels befindet.
Ab in den Backstagebereich und dort das Bier wegsaufen! Nebenbei bisschen durch das Schulgebäude mäandrieren, überall reinfratzen, die BONES beim Pissen belästigen. Das Ganze unter den verfolgenden Augen einer sympathischen Rothaarigen, die mit geschultem Adlerblick die Unruhestifter vom hart arbeitenden Pressepöbel isolieren konnte. Weil wir unsere Pole am Kühlschrank nicht einbüßen wollten, gaben wir klein bei und konzentrierten uns auf das Kerngeschäft.
Draußen spielten derweil Alarmsignal ihr Zeuch runter. Welches sie in gewohnter und guter Art und Weise taten. Die Band schien zufrieden und das werte Publikum auch, so dass sich die Band auch direkt nach ihrem Auftritt auf den Weg nach Erfurt machen konnte, um dem AfD-Parteitag einen kleine musikalische Untermalung zu geben.
Auftritt der Bones. Die Schweden sind ja sozusagen der Volvo 850 im Genre. Grundsolide, im Sound und Styling unerreicht und in jeder Hinsicht cool bis in die Stoßdämpfer. In letzter Zeit hat man sich auf den Hebebühnen dieser Welt allerdings ein wenig rar gemacht, weshalb die Vorfreude auf einen Burnout entsprechend groß war.
Aber Moment: Was ist mit Sänger und Bandfettsack Beef Bonanza passiert? Hat der Mann

inzwischen einen Pflegegrad? Wie anders ist es zu erklären, dass ihm eine Pflegekraft auf Schritt und Tritt verfolgt und ihm alle Furz lang ein Bier an die ausgetrocknete Kehle hält?
Sogar auf der Bühne ist es ihm nicht peinlich, die Dame sein Bier reichen zu lassen. Was issen das für eine Attitüde? Selbst Biafra, Pop und Ness – gemeinsam ungefähr dreihundertzweiundvierzig Jahre alt – schaffen noch das einseitige Reißen in der Hopfenklasse. Warum kann das Beef nicht? Das stößt bitter auf und wirkt albern. Möchten wir nicht. Ansonsten natürlich solide Lieferung der Skandinavier. Routiniert, aber nicht ambitioniert. Die Hochgeschwindigkeitsphase ist wohl durch. Man nähert sich Motörhead an.
Als Headliner spielen Loikaemie, die natürlich heiß erwartet werden. So heiß, dass es mit einigen Mannen durchgeht und sie sich hier und da ein paar Faustkämpfe liefern. Das muss ja nun wirklich nicht sein. Sind wir aus diesem Alter nicht raus? Anscheinend nicht!
Aber so kommt der örtliche Security-Dienst wenigstens auch noch einmal zum Einsatz.
Das war es aber auch an Unstimmigkeiten, denn ansonsten tummelt sich ein freundliches Sammelsurium aus allerlei Fangruppen mit einem Höchstmaß an Understatement, Respekt, Höflichkeit und Toleranz im Blut auf dem Gelände. Man asselt ohne Übergriffigkeit, schubst mit Obacht, lächelt, feixt, bietet etwas kleineren Menschen den besseren Aussichtspunkt an. So soll’s sein.
Der restliche Abend verschwimmt in netten Gesprächen und ein paar halbherzig verkappten Pilsenern.
Tag 2:
Am zweiten Tag wachen wir mit dem obligatorischen Kater in den Räumlichkeiten der Übernachtungsgemeinschaft auf, husten uns den Vortag aus der Kehle, geben Likör in den Kaffee und stoßen zur Feier des Tages mit Sektchen an, damit der Samstag in Sachen Glücksgefühl anschlussfähig bleibt.
Am gestrigen Abend hat man trotz mangelnder Zeltplatzaction dann doch eine Art Festivalatmosphäre verspürt, die bei Stadtfestivitäten in aller Regel kaum zu erwarten ist. Wir schieben uns irgendwas zum Frühstück in den Hals, duschen, kacken hochfrequent und hören alte Sampler von Aggressive Punk Produktionen. Damals hat man noch dreißig Lieder auf eine CD gepackt.
Für die Jüngeren: Eine CD ist eine halb-verspiegelte Plastikscheibe, die man sich an den Rückspiegel hängen konnte, um dem nachfolgenden Drängelrentner das Augenlicht zu verglühen oder aber die Aufnahmegeräte der amtlich bestellten Wachmänner zu blenden.
Fußpils, ab in die City! Weinfest und Kulturprogramm. Nach ca. 20 Minuten Wegzeit kommen wir in der unangenehm überfüllten Innenstadt an, fallen allerdings sicherheitshalber in den erstbesten Irish Pub und bestellen leckeres Gebräu als Warmup. Sitzt man nämlich, noch halb benebelt vom Vortag und neuerlich angefixt vom Sektfrühstück, im Leipziger Marktbereich, fehlt nur noch ein Quäntchen Betäubungsmittel um sich wie Alice im Wunderland zu fühlen.
Hier laufen die absurdesten Gestalten durch die Gegend. Vom aufgespritzten Entengesicht, über demotivierte Junggesellinnentruppen, Doppelagenten, Wehrchinesen und Teufelsanbeter bis hin zu allerlei völkischem Gesindel, die dem entgegengesetzt stattfinden Tillfest beiwohnen. Schlägereien gibt’s keine. Wir sind zu alt für den Scheiß (siehe oberhalb).
Stattdessen trinken wir uns auf Betriebstemperatur, kaufen eine Hose, meiden das Weinfest angesichts des üblen Publikums und kriechen in Richtung der besten Leipziger Pizzeria. Die Knie zittern, der Zahn tropft, Dopamin schießt ein angesichts der Vorfreude auf drei Wagenräder Mafiatorte, einen Tomatensalat und drei Wascheimer voll lauwarmen Lambrusco übelster Sorte. Als wir am PIZZA PARADISO ankommen können wir unseren Augen kaum trauen. Geschlossen, Siesta, erst 17 Uhr öffnen sich die heiligen Hallen wieder. Wir sind konsterniert. So lange können wir nicht warten. Die Bands, das FETTFEST …. und überhaupt! Außerdem müssen wir noch durch die ganze Stadt laufen, weil kein Fahrrad am Start, der ÖPNV nicht in Reichweite und UBER alles Faschisten.
Der komplette Weg zum Festivalgelände würde unsägliche 20 Minuten beanspruchen. Wir quälen uns durch den Clara Zetkin Park, Else nimmt auf der Sachsenbrücke einen Imbiss auf. Das Elektro-OpenAir, welches wir noch stürmen wollten, lassen wir links liegen. Soll jemand anderes die Veranstaltung sprengen. Trockenheit, Dürre, nichts geht mehr. Kurzer Zwischenstopp im Basislager.
Bier aufgenommen, Kaffeelikör inhaliert. Nichts wie los. Auf dem Weg zum Festivalgelände meiden wir jede Kneipe. Die Zeit läuft, denn viel zu spät haben wir auf dem zerknitterten Zettel in der Hosentasche gesehen, dass das Festival heute bereits um 15:00 beginnt.
Völlig außer Atem und mit Schweißperlen am Arsch treffen wir am FETTFEST ein. Am Eingang wird wie üblich unser Rucksack verbrannt. Wir schnappen uns ein Bier und wandern zu Soko Linx an die Bühne.
Die drei Maskierten aus Leipzig sind eigentlich Farin Urlaub, Cem Özdemir und Wladimir Kaminer, wollen angesichts ihrer unsäglichen Elektro-Punk-Irgendwas-Mukke allerdings nicht erkannt werden. Versteht man.
Unverständlich ist das Konzept hinter der Retortenband, außer natürlich, dass man dem rechten Gesocks eins in die Fresse und der Ordnungsmacht einen Schuss Unwohlsein an den Hals wünscht.
Im Anschluss spielen Red Bricks. Wer’s mag, freut sich seines Lebens. Wir lassen es geschehen und verdichten uns lieber mit Bier aus dem Kühlomaten. Das perlt und gibt Kraft.
Die brauchten wir auch, damit wir beim Auftritt von Grade 2 nicht aus den Latschen kippen. Was die drei Jungs von der Insel an diesem Abend abliefern, ist mehr als solide. Die Gallagher Brüder wuppen kreuz und quer über die Bühne und quälen mit britischer Präzision ihre Instrumente, während Jacob Hull am Schlagwerk dem Vortrag einen stilechten Rhythmus unterpflügt.
Zwischendrin erzählt man keinen Stuss und holt die Crowd ab, die sich artig mit Blutpogo bedankt. Richtig guter, rotziger, ekliger Streetpunk mit englischem Charme. Live besser als auf Platte und ohne Effekthascherei spektakulärster Auftritt des Abends!
Wir waren noch im Begeisterungsaffekt gefangen, als schon Ignite auf der Bühne stehen und ihre Verstärker vorheizen (siehe oben Umbaupausengeschwindigkeit). Das Problem bei den Hardcore-Barden um den ewig gut gelaunten Brett Rasmussen ist bekannt. Wir, das sei an dieser Stelle erwähnt, waren und sind Fans von Zoli. Sicher hat der manchmal zu viel gelabert und war am Ende seiner Bandtage auch recht kontrovers, allerdings wusste auch der Dümmste im Publikum angesichts seiner Monologe vor jedem Song, worum es ihm und der Band beim Schreiben des Lieds ging. Und was waren das für Kracher! Anderseits schätzen viele Fans die Nahbarkeit und Einsatzbereitschaft eines Eli Santana, der nun mal mit dem vorhandenen Liedgut arbeiten muss. Der gibt sich reichlich Mühe, durch eine dynamische Präsenz auf Bühne und auf Publikum die Leute angemessen mitzunehmen. Das klappt auch sehr gut und so wandelt sich der Moshpit in eine brodelnde Suppe.
Weil Eli nicht so auf Ansagen steht, versucht sich Gitarrist Nik Hill in einem Hurra auf den gleichzeitig stattfindenden amerikanischen Unabhängigkeitstag. Scheinbar hat er in seiner patriotisch verbrämten Borniertheit vergessen, dass die Krautfresser Uncle Sam’s 4. Juli das letzte Mal zu Roland Emmerichs Zerstörungsorgie vor 30 Jahren cool fanden.
Lag es an der Inflation oder dem toleranten Leipziger Publikum, dass keine Bierbecher auf die Bühne flogen? Keine Ahnung.
Der Gitarrenmann hielt fortan sein Maul und macht das, was er am besten kann. So flogen bei Ignite noch einige Minuten die Fetzen und auch die Festivaltruppe ließ sich von den Gassenhauern der Band anstecken.
Als Headliner des Abends spielten dann noch einmal Loikaemie. Diese lieferten wieder ein Hitfeuerwerk ab, wobei ich kurzzeitig den Eindruck hatte, dass der Zettel mit der Setlist vom Vorabend einfach hängen gelassen wurde. Während die ihre letzten Noten zum Besten gaben und übergroße Fahnen schwenkten (der Nachwuchs!), hockten wir schon am Merch-Laden und ließen uns von den illustren Iroträgern eine Button-Beratung geben, die ihresgleichen sucht. Die Jungs waren sowas von nett und haben sich unendlich Zeit genommen, dass sie diese zusätzlichen Zeilen im Festivalbericht wirklich redlich verdient haben.
Was bleibt unterm Strich zu sagen?
Das hat richtig Spaß gemacht. Loikaemie und die Menschen von FETTFLECK Records bauen ein grundsolides Zwei-Tage-Event zusammen, auf dem eine gute Bandauswahl auf ein freundliches Miteinander, eine familiäre Atmosphäre und eine angemessene Rahmung trifft. Die Preise stimmen, der Bierausschank hatte sich nach anfänglichen Problemchen auch eingedengelt. Nur die Schlangen an den Fressständen drückten etwas auf die Stimmung. Keine Gewalt (von ein paar Hohlköpfen mal abgesehen), kein Gesülze (außer Hill), keine Idioten!
Wir haben eigentlich nichts vermisst und es kam definitiv Festivalatmosphäre auf. Ziel erreicht und damit hoffentlich auch für unsere Festivaltruppe wieder ein Aha-Erlebnis. Richtig gut und unbedingt eine Wiederauflage im nächsten Jahr wert, falls die mehr als günstigen Eintrittspreise einer Betriebsprüfung standhalten. Dann wird auch wieder Schnaps getrunken! Haben wir nämlich in diesem Jahr gar nicht. Die Schnapsgöttin wird uns ihre Kräuterblitze beim Scheißen in die Pforzader jagen. Amen!



























































































































