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Mein Label! #5 mit Gernot von Long Beach Records Europe

Gernot, Gründer von Long Beach Records Europe, stellt uns sich und sein Label näher in einem Interview vor.

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In unserer neugegründeten Rubrik Mein Label! stellen wir euch Labels und allen voran die Personen dahinter näher vor. Diese sind schließlich dafür verantwortlich, dass wir überhaupt noch physische Tonträger von unseren geliebten Bands zu hören bekommen. Darüber hinaus unterstützen diese auch zunächst kaum bekannt erscheinenden Bands dabei, ihre Musik uns zugänglich zu machen. Nicht zuletzt das ist es ja auch, was unsere Szene zusammen hält und besonders macht!

Nachdem wir bereits mit Subkultura RecordsDemons Run AmokHulk Räckorz und End Hits Records die erste Runde gedreht hatten, geht es nun mit Gernot von Long Beach Records Europe fröhlich weiter.

Überzeugungstätertum was die Liebe zur Musik angeht

Interview mit Gernot von Long Beach Records Europe

Long Beach Records Europe
Long Beach Records Europe

AFL: Erste Frage, die mich schon länger beschäftigt: Ich lese bei euch öfter den Zusatz LONG BEACH RECORDS EUROPE. Was genau hat es mit dem Zusatz auf sich? Ihr seid ja soweit ich weiß kein Ableger von LONG BEACH RECORDS WORLDWIDE oder so, oder doch?

Klar gibt es ein „Mutter-Schiff“ sozusagen. Long Beach Records. Mit dem Sitz in USA. Das wiederum ist das Bruder-Label von Skunk Records. Skunk dürfte dem ein oder anderen von Sublime her geläufig sein. Miguel, der Skunk gegründet hat konnte sich nachdem es mit Sublime durch die Decke ging nicht mehr so ausführlich um die anderen Long Beach Punk-Bands kümmern und so entstand Long Beach Records zusammen mit Mudd. Skunk ist auch heute noch aktiv. Ebenso wie Long Beach Records.

AFL: Ok, dann gleich zur nächsten Fragen, die dort auch ein wenig anknüpft. Ihr sitzt in Duisburg, wie kommt man da auf den Name LONG BEACH RECORDS? Ich habe euch zu Beginn immer mit einem Label, das irgendwo in Kalifornien ansässig ist, assoziiert!

Das ist ja auch die vollkommen richtige Assoziation. Long Beach Records Europe hat seinen Sitz in Karlsfeld, das ist bei München. Ich wohne in Berlin und Janosch in Düsseldorf. Aber: weil das ganze von Long Beach Records abstammt, die im schicken und sonnigen Long Beach ansässig sind ist das ganze vom Spirit, von der Idee und von der Herangehensweise auch definitiv richtigerweise mit Kalifornien in Verbindung zu bringen.

AFL: Nun zu weiteren geschichtlichen Fragen. Kannst du dich und euer Label einmal kurz vorstellen? Seit wann gibt es LONG BEACH RECORDS, welche Musikrichtung veröffentlichst du und wie viele Releases hast du seit der Gründung bisher herausgebracht?  Vielleicht kannst du ja einmal kurz auf die Entstehungsgeschichte und den bisherigen Lebenslauf von LONG BEACH RECORDS eingehen!

Die Genese von Long Beach Records habe ich bereits kurz abgerissen. Long Beach Records Europe ist mittlerweile knapp 12 Jahre alt. Die erste Veröffentlichung haben wir vor 11 Jahren gemacht. Das ganze ist einfach so entstanden, dass ich mit meiner damaligen Punk-Rock Band Mongrel in USA auf Tour war, da uns Mudd von Long Beach Records eingeladen hatte, nachdem wir ein paar Sampler-Beiträge mit ihm gemacht hatten. Wir haben uns extrem gut verstanden und er meinte bei nem Bier auf seiner Terrasse, ob ich nicht Bock hätte das in Europa zu machen. Ich so, „ja klar – kein Plan wies geht, aber klar!“ Daraufhin hat er mir ein paar CDs von Long Beach Shortbus geschickt.

Bild zur Verfügung gestellt von Uncle M.

Das ist eine Band in der Eric Wilson (Sublime) und RAS1 (LB Dub Allstars) am Start war. Die hab ich über Ebay und in Holland durch Sonic Rendezvous verkauft und mit der Kohle das erste Release gemacht. Mittlerweile sind wir bei Katalognummer 41 mit der im März anstehenden Veröffentlichung angelangt. Wir veröffentlichen Musik, die sich grob im Kosmos dessen bewegt, was Sublime als Band abgedeckt hat: Punk-Rock, Reggae, Rock, Ska, Dub. Wir fahren hier in Europa eine komplett eigenständige Release-Politik, da sich der amerikanische Markt doch sehr stark vom europäischen unterscheidet. Ich würde sagen grundsätzlich sind wir etwas härter aufgestellt als unsere Dudes in USA. Long Beach Records und Long Beach Records Europe ist primär ein Mindset und weniger eine gemeinsame Firma. Wir agieren unabhängig und unterschiedlich von einander mit dem gleichen Spirit und der gleichen Basis wenn man so will und befruchten uns gegenseitig wo es Sinn macht und geht.

AFL: Gab es irgendein Label, dass dich besonders dazu inspiriert hat ein Label zu starten oder was waren deine Beweggründe, dass ganze letztendlich auch zu beginnen?

Wie gesagt ich bin da so ein bisschen wie die Jungfrau zum Kind damals gekommen. Ich hatte Bock was zu machen, da ich stets auch bei meiner Band immer den Orga-Part inne hatte und ein Überzeugungstäter bin und war. Klar fand ich das wie wahrscheinlich so fast jeder damals in den 90ern stark was Fat Wreck und Epitaph hingestellt und raus gehauen haben – es war da auch egal ob Du die Band kanntest oder nicht, Du wusstest das steht Fat drauf, also wird das geil sein. Das ist am Ende der Anspruch um den es geht. Von dem was man macht zu 100 Prozent überzeugt zu sein und lieber eine Veröffentlichung weniger, dafür aber absolute Qualität mit dem Wunsch dass es auch mal heißt Long Beach Records Europe hat ein neues Release am Start, musst Du Dir reinziehen weil die immer gute Sachen machen.

AFL: Gibt es eine bestimmte Message beziehungsweise bestimmte Werte, die du mit LONG BEACH RECORDS vertrittst und auch nach außen hin verbreiten möchtest? Welche drei Adjektive beschreiben dein Label deiner Meinung nach am besten?

Überzeugungstätertum was die Liebe zur Musik angeht, triffts sicher am meisten. Ausdauer und Geduld gleichermaßen. Und klar: rechter Kram, sexistischer Kram und diskriminierender Shit kann sich ganz arg und direkt verpissen. Kultur und in dem Fall Musik ist für mich auch ein Ausdruck gesellschaftlicher Standpunkte und Positionen. Dabei geht es gar nicht darum, dass jede Band und jeder Song politisch sein muss oder soll, sondern prinzipiell eine positive Einstellung zum Leben und dem Gegenüber sowie eine Offenheit für das Andere grundlegend vorhanden sein sollte.

Es braucht immer Leute, die Dinge primär aus Leidenschaft und erst sekundär aus wirtschaftlichen Beweggründen tun.

AFL: Wenn du dir eine Band oder ein Release heraussuchen könntest, das du über LONG BEACH RECORDS veröffentlichten könntest, welche Band bzw. welches Release wäre es und warum?

The Prosecution, The Tips, Talco, P.O.Box, NH3, Brew36, Goodbye Jerse, Loui Vetton, Bandgeek Mafia, Captain Bud, Starving Millionaires, 3rd Alley, Mongrel, Versus You, Skafield und Templeton Pek – weil jedes Release ein gutes war!

AFL: Wie wirst du allgemein auf neue Bands aufmerksam bzw. wie läuft so ein Singing bei  LONG BEACH RECORDS ab? Auf was legst du bei Bands wert und welche Tipps kannst du Bands geben, die bei einem Label anfragen? Erzähl uns mal mehr über den allgemeinen Ablauf bis letztendlich das fertige Release im Plattenladen zu finden ist!

Das ist ganz unterschiedlich. Mal über Empfehlungen, mal über Demo-Zusendungen, mal auch über Instagram oder Facebook, über Bekannte etc. pp. Wichtig ist stets, dass Bands erstens wissen, dass man als Label kein Ritter in schimmernder Rüstung ist der aus dem Wald geritten kommt, einen an die Hand nimmt und man dann nix weiter machen muss als da zu sein. Band müssen bereit sein viel unterwegs zu sein, viel zu spielen, selbst klar ein Ziel vor Augen haben und dafür kämpfen wollen. Zusammen kann man was erreichen. Anders einfach nicht.

Brew 36 - Our Brew
Brew 36 – Our Brew

Am Ende sind es die folgende Schritte: wir bekommen irgendwann ein fertiges Master einer unserer Bands. Dann dazu ein Artwork des Release, nachdem man sich abgestimmt hat wie das Packaging der CD und/oder Vinyl auszusehen hat – was uns wichtig ist, ob es was spezielles sein soll etc pp. Das geht dann alles in die Produktion, in ein Presswerk. Parallel findet viel Kommunikation mit Vertrieb und PR-Agenturen, Redakteuren, Partnern, Bookern statt. Es wird ein Marketingplan gemacht, diverse Aktionen geplant und aufgesetzt, so dass die Leute da draussen auch von der Veröffentlichung erfahren können. Und dann kommt die Ware irgendwann zum Vertrieb und die stellen sie dann in die Läden. Eigentlich doch ganz einfach 😉

AFL: Ohne Independent-Labels würde Hardcore-Punk Musik aussterben. Würdest du diese Aussage zustimmen oder ablehnen? Begründung!

Definitiv. Weil es immer Leute braucht die Dinge primär aus Leidenschaft und erst sekundär aus wirtschaftlichen Beweggründen tun – klar kann das auch einhergehen, aber meiner Meinung nach kann Kreativität und Weiterentwicklung und Neues nur entstehen wenn man Dinge wagt und tut, ohne dabei nur auf Rentabilitäten zu schauen und diesem Diktum alles unterzuordnen. Musik ist Emotion und kein Rechenschieber-Spiel in der Essenz. Natürlich muss man auch schauen wie und ob Dinge dann auch aufgehen. Aber als Überzeugungstäter wie ich einer bin kann das nicht der primäre Antrieb sein – das Verhindert das unvorhersehbare aus dem Neues entsteht.

AFL: Bitte vervollständige folgenden Satz: Ein gutes Label zeichnet aus, …

dass es mit den Künstlern zusammenarbeitet im Sinne von zusammen und gemeinsam, dass es Künstler nicht nur als reine Zahlen sieht und dass es man ein positives und gutes, freundschaftliches Verhältnis pflegt. Oftmals ist aber kein Platz für Freundschaften in dieser Musikbranche, um so wichtiger sollte es sein, dass die Personen mit denen man zusammenarbeitet dies zumindest sind wie ich finde. Gerade wenn man den Anspruch hat Dinge aus Überzeugung zu tun – für und mit einem Arschloch spät Abends noch Dinge zu tun, wer hat da schon Bock drauf?

AFL: Was sind die großen Risiken und Probleme, die bei einem Label anfallen und warum ist für dich der Aufwand trotzdem wert?

Zu den Risiken würde ich definitiv zählen: eine Band löst sich plötzlich auf, eine Band verlässt Dich bzw. wird weggesigned, oder Du vertust Dich derbe und sitzt dann auf Ware, die Du einfach nicht losbekommst und gehst daran finanziell kaputt.

Es lohnt sich weil es kaum schönere Momente gibt als die, wenn Leute auf einer Show einer Band sind mit der Du arbeitest und total ausrasten, wenn Du einen neuen Song frisch aus dem Mastering kommst und Du Gänsehaut bekommst und wenn Du beobachten kannst wie sich Dinge bei Künstlern entwicklen und Du weißt, dass Du dazu beigetragen hast und Teil davon bist.

AFL: In den vergangenen Jahren kam es ja zu einem regelrechten Vinyl-Boom und auch das digitale Streaming hat in den letzten Jahren extrem zugenommen und den Musikmarkt revolutioniert. Meinst du es kommt da demnächst wieder ein ganz neuer Trend? Und welche Entwicklung würdest du persönlich am Musikmarkt begrüßen?

Prinzipiell finde ich es sehr begrüßenswert, dass langsam ein Bewusstsein dafür eingesetzt hat, dass Musik nicht immer und überall einfach ist und vom Himmel fällt, sondern dass es ein Schöpfungsprozess ist der lange dauert und Kraft, Energie, Mühen und auch Geld kostet. Und dass dies irgendwann drohen könnte alles zu verschwinden wenn man vor lauter Konsum, Konsum und Selbstverständlichkeiten das nicht mehr honoriert und Wert schätzt. Vinyl ist ein schönes Beispiel dafür dass der Konsum in unserer schnelllebigen Zeit entschleunigt wird und man sich wieder bewusst Zeit nimmt Musik aufzusaugen und einzuatmen anstatt sie einfach als eh schon da Nebenbei-(Abfall)-Produkt zu begreifen. Sicherlich wird Streaming noch maßgeblich an Bedeutung gewinnen in Deutschland, wie bereits überall auf der Welt. Dennoch glaube ich daran, dass der deutsche Markt auch seine physische Beschaffenheit behalten wird und nicht alles einfach in die Cloud abrutscht.

AFL: Sammelst du selbst Vinyl? Falls ja, was sind deine wertvollste Vinyl bzw. was war deine teuerste Vinyl, die du dir zugelegt hast?

Als sammeln kann man das sicher nicht bezeichnen – was aber damit zu tun hat, dass ich gar nichts sammle, abseits von Erinnerungen, Erlebnissen und Reisen sozusagen… Ich freue mich jedoch, dass ich eine Fredl Fesl Vinyl habe – ein bayerischer Liedermacher und alter Freund von meinem Vater, oder die schwarze von den Ton Steine Scherben in der noch Agit-Infomaterial enthalten ist, oder eine seltene Picture-Disc von Sublime.

AFL: Was für Releases stehen bei LONG BEACH RECORDS dir in der nächsten Zeit sonst so an? Und was sind deine allgemeinen Zukunftspläne?

Talco - And The Winner Isn't
Talco – And The Winner Isn’t

Also nächstes großes Thema kommt die neue TALCO am 23.02. bei uns. Wir freuen uns hier massiv drauf. Auch auf die Tour direkt im Anschluss! Zudem kommt am 02.02. noch die neue THE TiPS EP. Hierauf sind wir auch sehr stolz, weil diese Band gezeigt hat was es bedeutet sich nicht ins Boxhorn jagen zu lassen und weiter durchzuziehen, nachdem es einen Besetzungswechsel am Gesang gab. Am 09. März kommt noch ein Debüt einer 90er Skate-Punk-Band aus dem Saarland. Das ist noch voll geheim … Sidewalk Surfers heißen die Boys. Und dazwischen diverse Video-Releases und Singles. Außerdem noch ein tolles Projekt: im März erscheint eine Vinyl Compilation deren Erlöse an „Kein Bock Auf Nazis“ gehen. Schöne Sache ist das – vor allem weil es ein Crowdfunding-Projekt einer Privatperson ist, die sich diverse Bands zusammenkompiliert hat. Mega Einsatz  – ebenfalls eine Überzeugungstäterin und auch noch zu einer guten Sache! Da sind auch Long Beach Records Europe Bands neben Anti Flag und Donots zum Beispiel drauf. Also das erste Quartal wird nicht langweilig.

AFL: Vielen Dank für das Interview! Hast du sonst noch irgendetwas, das du hinzufügen möchtest oder irgendwelche Abschlussworte?

Glaubt an Euch und an das was ihr tut – das ist das einzige was zählt am Ende! Und lasst euch nix anderes einreden!  Und wenn ihr Bock habt checkt doch unsere Bands aus, die haben das allesamt mehr als verdient gehört zu werden! Also mal bei Talco, The Prosecution, The Tips, NH3, P.O.Box und Brew36 reingucken!

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