Bereits seit 15 Jahren machen die Jungs von Scheisse Minnelli nun schon unsere Bühnen unsicher und haben uns in dieser Zeit diverse Splits und EP´s sowie vier Alben kredenzt.
Zu diesen hat sich nun jüngst ihr fünftes Schaffenswerk Waking Up On Mistake Street gesellt, welches wiedermal mit ihren typischen 80s Punk-Klänge aufwartet und gefällt.

Wir sprachen mit Sänger Sam über seine alte Heimat USA, seiner neuen Heimat Frankfurt, Skaten im Alter und natürlich das neue Album!

„Macht korrumpiert und Regierung ist Verleumdung … das ist nichts Neues, die Gesichter können sich ändern, aber das Böse bleibt.“

Interview mit Sam von

AFL: Ihr seid eurem Sound immer treu geblieben und auch auf eurem neuesten Album kommt man wieder in den Genuss feinster 80er Punk-Klänge. Ist das sowas wie ein Gebot für euch oder habt ihr auch mal über einen leichten Wandel nachgedacht? Vielleicht etwas mehr Melodie einfließen zu lassen?

Sam: Wir denken nicht wirklich darüber nach, ob unsere Songs nun härter oder melodischer sind oder werden sollen. Wir schreiben einfach was wir wollen.
Ich denke wir haben harte Songs, aber auch Songs die etwas melodischer sind. Gerade die neueren Lieder sind melodischer, allerdings ohne dabei ihre Kanten zu verlieren.
Bei dem was wir mit Leise Minelli gemacht haben sah es hingegen anders aus. Wir spielen aber auch alle noch in anderen Bands und dort auch in anderen Stilen.

Leise Minnelli by Scheisse Minnelli

AFL: Neben der Musik gefällt mir auch ganz besonders das Cover-Artwork von Waking Up On Mistake Street. Wer ist denn dafür verantwortlich?

Sam: Das Cover stammt von Dan Site, der auch schon Cover für Bands wie Gwar, Propagandhi, NOFX, RKL und viele andere gemacht hat. Ursprünglich stammt er auch aus Californien, lebt aber mittlerweile in Barcelona.

Den Rest vom Artwork hat dann Marco Imov entworfen. Er hat dafür Dan´s Cover auf das Backcover erweitert. Wenn man ganz genau hinschaut, kann man auch erkennen, dass sich das Frontcover auf dem Backcover wiederfindet. Da haben beide echt geniale Arbeit abgeliefert.

AFL: Der Song Hallo Werner ist laut euch auf Tour entstanden, als ihr euch durch diverse YouTube-Videos geklickt habt. Was treibt ihr noch so während eures Tour-Alltags? Geht ihr da auch mal ins Museum und macht auf Kultur?

Sam: Tatsächlich haben wir keine Videos geschaut sondern haben nur über sie geredet. Aber davon mal ab, schauen wir uns schon die Gegend an, wenn es die Zeit erlaubt. So waren wir zum Beispiel im Fahrrad Museum von Nijmegen, das HR Giger Museum in Gruyéres und auch bei vielen Tempeln und Schreinen in Japan.

AFL: Was läuft denn dann bei euch im Bandbus so für Musik, wenn ihr unterwegs seid?

Sam: Das kommt ganz darauf an wer fährt. Ich höre dann immer viel Jazz, Hiromi und Stanley Clark zum Beispiel. Ansonsten aber auch alles von McRad über E40 bis hin zu Kraftwerk – letztendlich ein sehr gemischtes Programm.

AFL: Ist das wie bei Hallo Werner der normale Vorgang wie bei euch Songs entstehen oder passiert es auch mal, dass ihr euch alleine daheim hinsetzt und über Stücke grübelt?

Sam: Diese mal habe ich versucht erst den Refrain fertig zu machen und dann darum herum zu schreiben.
Das war aber auch nicht bei allen Liedern so. Die Lyrics entstammen unseren Lebenserfahrungen, Geschichten und aktuellen Tatsachen, die Musik kommt dann von uns allen. Dieses mal hat aber unser Gitarrist Mikey mehr Musik geschrieben als jemals zuvor, aber wir alle arbeiten letztendlich an den Songs, bis wir mit ihnen zufrieden sind.

AFL: Ihr habt den Text von Hallo Werner über das Original Hallo Nachbar von Hostages of Ayatollah gelegt. Hostages of Ayatollah war ja die Band in der Johnny Bottrop gespielt hat, bevor er die Terrorgruppe gegründet hat und zählt zweifelsohne zu einer der mit einflussreichsten Punk-Bands der 80er. Glaubt ihr ihr wärt in dieser Zeit auch gut aufgehoben gewesen oder seid ihr mit eurer Musik im Hier und Jetzt genau richtig?

Sam: Gute Frage, wir wurden von vielen dieser Bands inspiriert und somit habe ich auch keine Ahnung wie wir dann damals ohne ihren Einfluss geklungen hätten. Es könnte somit auch sein, dass wir damals ganz anders geklungen hätten.

AFL: Ihr habt mit Downhill auch wieder einen Skate-Song auf dem Album. Seid ihr denn noch aktive Skater? Entschuldige die Frage, aber schließlich werden wir alle nicht jünger.

Sam: Leider sind wir nicht mehr so aktiv wie wir gerne würden. Der Körper schmerzt ja schon so manchmal vom normalen Leben, aber ab und an hole ich das Brett auch nochmal raus. Um ehrlich zu sein, würde ich mir aber wünschen, dass es öfter wäre. Ich surfe sonst ja auch, aber mein Leben in Deutschland macht dieses Hobby nicht gerade einfach.
Wir haben in Frankfurt einen super Skatepark, in den ich öfter gehen sollte, aber ich muss auf meine alten Knochen aufpassen.

AFL: Im Song Love It Or Leave It behandelt ihr das Thema der USA. Hast du es jemals bereut deiner Heimat den Rücken gekehrt zu haben?

Sam: Nein, ich bereue das nicht. Es war eine wichtige und auch richtige Entscheidung. Ich war auf dem falschen Lebensweg und wer weiß was ob ich sonst überhaupt überlebt hätte oder was sonst passiert wäre, wenn ich geblieben wäre.

Scheisse Minnelli

AFL: Warum habt ihr den Track Love It Or Leave It ebenso wie Bedtime for Bonzo überhaupt mit aufs Album gepackt, schließlich finden sich diese ja bereits auf eurer letzten EP A 5th of Skatehoven  wieder und ist längst zu einem eurer Top-Songs mutiert!?

Sam: Jacho (Johnny Bottrop / Destiny Records) beharrte darauf, dass die Songs auch noch auf LP erscheinen sollten, um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen. Wir wollten sie aber auch nochmal aufnehmen, da wir sie noch etwas verfeinert haben.

AFL: Du hast die USA ja bereits zu Zeiten von George W. Bush verlassen. Wie siehst du seitdem die Entwicklung des Landes?

Sam: Das ist schon lustig, wenn ein Amerikaner während der Bush-Regentschaft die Welt bereiste wurde scheiße mit ihm umgegangen, während Obama waren alle nett und nun mit Trump werden wir wieder gehasst.
Mir wird schlecht, wenn ich sehe was Trump macht. So fühlte ich mich aber auch bei vielen Dingen die Obama tat.
Macht korrumpiert und Regierung ist Verleumdung. Ich weiß nicht, was ich manchmal sagen soll, weil die USA täglich Verbrechen begehen und immer mit den Fingern auf andere zeigen. Das ist nichts Neues, die Gesichter können sich ändern, aber das Böse bleibt.

AFL: Was waren die Gründe dafür, dass du ausgerechnet in Deutschland hängen geblieben bist, denn meinem Wissen nach hast du zu der Zeit ja viele Länder der Welt bereist.

Sam: Ich habe Deutschland nicht wirklich ausgewählt. Anfänglich wollte ich in Prag bleiben und dann dachte ich an Kopenhagen. Ich hatte aber gute Connections in Deutschland und so war es zu der Zeit der beste Deal. Ich habe mir hier nun ein Leben aufgebaut welches ich liebe und habe einen tollen Freundeskreis, aber wer weiß was die Zukunft bringt?

AFL: Im Opener Yer In A Trance dealt ihr sprichwörtlich mit Pisse, um auf eine Show gehen zu können. Ist an dieser Geschichte auch ein kleines Stückchen Wahrheit dran?

Sam: Als ich 17 war, war ich mit ein paar Freunden skaten, um anschließend die Addicts live in Berkeley zu sehen, wir hatten aber kein Geld. Mein Freund Thomas kam dann mit dem Plan um die Ecke Fake-LSD zu verkaufen.
Ich erzählte ihm dann, dass man es schmecken kann, ob es echtes Acid ist oder nicht. Darum entschieden wir auf das Papier zu pissen und so einen sauren Geschmack zu erzeugen. Wir verkauften auch bisschen was und haben es so auf die Show geschafft. Allerdings hat das Karma zurück geschlagen.
Wir wurden fast getötet, als wir per Anhalter Heim wollten. Ein Typ dachte wir hätten ihn angemacht und so hielt er sein Auto an, stieg aus und rannte uns mit einer Axt entgegen.  Zum Glück hatten wir unsere Skateboards und konnten so entkommen.

AFL: Hinter euch liegen bereits 15 Jahre Bandgeschichte. Was unterscheidet euch jetzt von euren Anfängen?

Sam: Nun, wir sind alle auf verschieden Art und Weise gewachsen. Aber ich denke der größte Unterschied zu unseren Anfängen ist, dass vom originalen Line-Up mittlerweile nur noch ich und unser Basser Dash übrig sind. Unser alter Schlagzeuger Dudel war auch 12 Jahre mit dabei und hat uns auch auf der US-Tour 2017 begleitet. Wir sind immer noch sehr gut mit ihm befreundet, aber er ist jetzt nach Berlin gezogen.

Ich bin mit dem derzeitigen Line-Up sehr zufrieden. Wir haben eine tolle Chemie auf der Bühne und auf der Straße. Es ist einfach großartig mit so tollen Leuten rumzuhängen und auch noch mit ihnen Musik zu machen!

AFL: Könntest du einen Lieblingstrack auf der neuen Scheibe benennen?

Sam: Ich denke es ist Going Back. Der Song weicht etwas von unserem normalen Sound ab, aber eben nicht zuviel. Und die Lyrics handeln von einer wilden Reise durch das Universum und meiner Seele. Wir werden ihn auch live ausprobieren und dann mal schauen, was die Leute dazu sagen werden.

AFL: Würdest du Scheisse Minnelli immer noch als Spaß-Band bezeichnen oder hat über die Jahre doch eine gewisse Ernsthaftigkeit Einzug gehalten.

Sam: Wir machen es vor allem zum Spaß! Wir leben nicht davon und wir profitieren auch nicht finanziell. Wir haben immer noch Spaß mit unseren Texten, auch wenn sich mittlerweile einige mit ernsten Themen beschäftigen. Am Ende sind wir also eine Band. Wir haben Spaß und wir können es ernst meinen.

AFL: Viele Bands sind aus mir unerfindlichen Gründen nach Berlin oder Hamburg gegangen. Was hat euch im Frankenland gehalten?

Sam: Wir leben verteilt. Zwei von uns wohnen in Frankfurt, einer in Würzburg und einer in Aschaffenburg. Wir sind dahin gegangen, wo uns das Leben hingetragen hat. Wir sind nie umgezogen um die Band weiterzubringen, das war eben nie unser Ziel. Gute Musik und gute Zeiten, das ist wichtig!

AFL: Ihr wart gerade live in Korea und Japan unterwegs. Was für Eindrücke habt ihr von dort mitgenommen?

Sam: Wir hatten in beiden Ländern eine großartige Zeit und haben so viele  tolle Menschen getroffen.
Das touren ist dort manchmal anders, klar. Aber sie haben eben auch eine starke Szene und die Bands an sich sind dort echt auf einem anderen Level. Wenn du jemals der touren willst, dann musst du dich echt ins Zeug legen, denn sonst rauchen die dich in der Pfeife. Entweder die Bands sind musikalisch der Oberhammer oder aber sie haben irgendein Gimmick, das einen unheimlich unterhält.

AFL: Danke für deine Zeit und das Interview. Hast du noch irgendwelche letzten Worte für uns?

Sam: Schnappt euch unsere neue Platte, kommt zu den Shows und hängt mit uns rum, wir lieben es neue Leute kennen zulernen.


Scheisse Minnelli – Waking Up On Mistake Street ::: Review (2018)

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