Show Me The Body - Alone Together (2026)
Show Me The Body - Alone Together (2026)

Show Me The Body waren nie eine klassische Hardcoreband. Dafür sind sie zu eigen, zu chaotisch und zu sehr daran interessiert, Erwartungen absichtlich gegen die Wand zu fahren. Wer die Band einmal live gesehen hat, versteht allerdings sofort, warum sie mittlerweile diesen Status besitzen.

Ich habe die Band damals auf dem Ieper Fest gesehen und war sofort begeistert. Beeindruckend war weniger die reine Härte als vielmehr die Intensität, die diese drei Musiker erzeugen konnten. Während einige völlig gebannt vor der Bühne standen, verließen andere nach wenigen Minuten den Saal. Genau diese Reaktion scheint Show Me The Body bis heute anzutreiben.

Auf ihrem neuen Album Alone Together setzen sie diesen Weg konsequent fort. Oder besser gesagt: konsequent unkonsequent. Hardcore? Ja, irgendwie. Aber eben nie nur das.

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No God klingt, als würde Iggy Pop gerade I Wanna Be Your Dog performen, bis plötzlich Trent Reznor mit einer Blutgrätsche von der Seite kommt, den Hautlappen von der Bühne fegt,  und alles in kalten Industrial-Lärm verwandelt. Der Track wirkt paranoid, bedrückend und kontrolliert zugleich.

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Auch Dance In The USA trägt deutliche Industrial-Einflüsse in sich, allerdings auf eine andere Weise. Ein trockener, minimalistischer Beat treibt den Song nach vorne, während kalte Electro-Sounds die Luft zerschneiden. Trotzdem verliert das Stück nichts von seiner Aggressivität. Gerade diese mechanische Präzision macht den Song so unangenehm druckvoll.

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Überhaupt wirkt Alone Together weniger wie ein klassisches Hardcorealbum, sondern eher wie eine kaputte Maschine, die trotzdem weiterläuft. Immer wieder wechseln die Songs zwischen Groove, Noise, Punk, Industrial und beinahe tanzbaren Momenten. Dabei droht alles jederzeit auseinanderzufallen, ohne jemals wirklich die Kontrolle zu verlieren.

Interessant ist dabei, dass die Platte laut Band bewusst direkter und fokussierter entstanden ist. Gemeinsam mit den Produzenten Klas Åhlund und Kenneth Blume III wollten Show Me The Body offenbar genau jene Elemente stärker herausarbeiten, die nur diese Band wirklich beherrscht: die Mischung aus übersteuertem Banjo, urbanem Lärm, Hardcore, Industrial und fast schon hypnotischen Rhythmen.

Gleichzeitig zieht sich eine permanente Schwere durch das Album. Alone Together entstand nach der Geburt von Julian Pratts Tochter, aber auch im Schatten zahlreicher Verluste. Besonders der Tod von Noble Spell, Pratts bestem Freund, hängt wie ein Geist über der gesamten Platte. Seine Stimme taucht immer wieder auf und verleiht dem Album eine zusätzliche emotionale Ebene. Dadurch bekommen Zeilen über Zusammenhalt, Isolation und Widerstand plötzlich ein ganz anderes Gewicht.

Trotz aller Härte steckt in Alone Together erstaunlich viel Wärme. Das Album handelt weniger von Zerstörung als von Zusammenhalt — allerdings nicht auf naive Weise, sondern als bewusste Entscheidung gegen Hoffnungslosigkeit. Gerade deshalb funktioniert die Mischung aus Aggression, Chaos und Verletzlichkeit so gut.

Natürlich wird das viele abschrecken. Wer stumpfen Mosh-Hardcore erwartet, dürfte mit der Platte wenig anfangen können. Manche Passagen wirken absichtlich sperrig, beinahe provokativ unbequem. Doch genau darin liegt die Stärke der Band: Show Me The Body versuchen nie, gefällig zu sein.

Alone Together ist keine leichte Platte und sicher kein Album für jeden. Aber genau deshalb mag ich sie.

Tracklist

  1. Overture
  2. Eat For Peace
  3. No God
  4. Good Time
  5. Dance In The USA
  6. So What’s Right (Happy)
  7. Interlude
  8. See You Again
  9. Mileage
  10. New Line
  11. Trust
  12. Finale
  13. Alone Together

Wer Show Me The Body live erleben möchte, bekommt schon bald wieder Gelegenheit dazu

SHOW ME THE BODY – LIVE 2026

* mit DEAFHEAVEN

23.06. Stuttgart – Im Wizemann
27.06. Berlin – Kesselhaus
(Art Installation by Kolya Nemoi | mit Ho99o9 & ZEENA)

22.07. Wien – Arena *
02.08. Köln – Die Kantine *
12.08. Dresden – Blauer Salon *
19.08. Wiesbaden – Kesselhaus *
20.08. Münster – Sputnikhalle *

🎧 Folgt unserer Playlist
– Playlist: Happy Release Day

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