Unfassbar geil! – So war das Ruhrpott Rodeo 2019

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Endlich wieder Juli, endlich wieder Zeit für mein Lieblingsfestival: das Ruhrpott Rodeo. Nirgends sonst habe ich in den letzten Jahren entspannter und angenehmer ein Festival erlebt als hier. Die Vorfreude war also wie immer groß. Beim Ankommen sind direkt ein paar Änderungen aufgefallen: Der Zeltplatz war an einer neuen Stelle, die Position der beiden Bühnen war getauscht und das Bier war ein kleines bisschen teurer. Die Wetterprognose hätte für das Wochenende nicht besser sein können, die Stimmung war dementsprechend top.

Ruhrpott Rodeo 2019: Der Freitag

Los ging es am Freitag mit dem Butterwegge, der eine gewohnt stabile Show auf der kleinen Bühne gegeben hat. Die richtigen Highlights vom ersten Tag kamen dann aber mit dem frühen Abend. Cro-Mags und The Briefs haben gut aufgewärmt, bis dann mit Ignite der erste dicke Fisch auf der Bühne stand. Zoli Teglas und seine Gang haben den Platz vor der großen Ruhrpott-Stage das erste mal richtig zum Beben gebracht. Alle Hits waren am Start und vor allem das Bad Religion-Cover We´re only gonna die hat Bock gemacht.

Danach kam dann die absolute Eskalation vor der kleinen Rodeo-Stage: bei Blümchen. Junge Junge was für eine Stimmung – echt cool wie aus einem jahrelangen Gag dieses Jahr Ernst wurde und Alex Schwers Jasmin Wagner aufs Ruhrpott Rodeo geholt hat. Blümchen hatte ihre Tänzer und aufblasbaren Einhörner dabei, das Publikum Moshpits und Rauchbomben – was für ein Hexenkessel.

Im normalen Programm haben Sondaschule ein fettes Best-Of-Set gespielt, das keine Wünsche offen ließ. Vor allem Du bist glücklich am Ende der Show war toll. Das beste Konzert am Freitag kam dann aber ganz klar von Agnostic Front. Es war eine klasse Idee, die Band auf der kleinen Bühne spielen zu lassen, weil der Auftritt so noch mehr Energie hatte. Vinnie Stigma turnt mit einer Power über die Bühne als gäbe es kein morgen mehr und das Publikum ist am durchdrehen. Die 35 Minuten Spielzeit gehen rasend schnell um und gegen 23:45 machen sie die Bühne mit „Blitzkrieg Bop“ endgültig dem Erdboden gleich. The Mighty Mighty Bosstones geben sich dann als Headliner die Ehre und lassen nochmal alle tanzen, jedoch kann der Auftritt nicht ganz gegen die Show von Roger Miret und Co. ankommen.

Ruhrpott Rodeo 2019: Der Samstag

Der zweite Tag wurde auf der kleinen Bühne von König Kobra eröffnet, die den Bandcontest ein paar Wochen vorher gewonnen hatten und nun auf dem Ruhrpott Rodeo spielen durften. Die erste Band die dann aber richtig Gas gegeben hat war Oxo 86, klasse Auftritt der Bock auf die kommenden Bands gemacht hat. Chefdenker waren auf der kleinen Bühne direkt danach richtig stark und haben einen Hit nach dem anderen gespielt. Highlights hier: Hitlers Autobahn und Ich bin von Kopf bis Fuß auf Hass eingestellt.

Montreal waren auch mega sympathisch und hatten eine Menge guter Sprüche drauf (vor allem gegen den Stagemanager Spiller, der ja auch noch bei Emscherkurve 77 singt). Vor allem die großen Hits Das falsche Pferd und Endlich wieder Diskozeit kamen richtig gut. Die nächsten Bands waren dann leider ein bisschen enttäuschend. Henk von Hell kam mehr wie ein Lückenfüller rüber und Swiss + die Anderen waren einfach furchtbar. Gott sei Dank ist der Zeltplatz nur einen Katzensprung entfernt und man kann nochmal eine Runde grillen und saufen bevor das Abendprogramm beginnt.

Die Kassierer haben ihren Legendenstatus untermauert und Evergreen auf Evergreen rausgehauen. Sex mit dem Sozialarbeiter, Großes Glied, U.F.O., Außenbordmotor, die Liste der Hits würde hier den Rahmen sprengen. Musikalisch wurden viele Einsätze verpasst und Wölfi musste 60% der Texte vom Zettel ablesen – also alles wie gewohnt. Fast genauso geil waren dann die großen Lokalmatadore. Mindestens genauso asozial, alt und fett wie die Kassierer, musikalisch diesen allerdings meilenweit voraus, herrschte pure Gänsehautstimmung bei El Lokalmatador. Was für ein Überhit. Hellacopters waren als Samstagabend-Headliner irgendwie fehl am Platz und das Konzert wurde nach wenigen Songs echt langweilig. Die Musik an sich ist zwar cool, bei der Liveshow hat man nach spätestens 15 Minuten aber alles gesehen. Trotzdem ein klasse zweiter Tag beim Ruhrpott Rodeo.

Ruhrpott Rodeo 2019: Der Sonntag

Sonntagmorgen kam nochmal die Sonne raus und die letzten Kräfte wurden gebündelt. Die Running Order wurde spontan kurz etwas geändert und Götz Widmann und The Ramonas tauschten die Slots. Als Ramones-Coverband kann man auf dem Ruhrpott Rodeo nichts falsch machen und es war ein netter Tagesopener. Eine der besten Shows des Wochenendes kam dann von The Casualties. Die vier New Yorker/Texaner hatten auf der Bühne eine unfassbare Energie, die sich sofort ins Publikum übertragen hat. Die Ansagen vom neuen Sänger bestanden zwar zu 80% aus „keep that circle pit going“, viel mehr muss bei so einer Hammershow aber auch nicht gesagt werden. Als letzten Song gab es natürlich We are all we have – Gänsehaut.

Ex-Deichkind-Mitglied Ferris MC wirkte auf der kleinen Rodeo-Stage ziemlich verloren und Marky Ramone schaffte es nicht, trotz Unterstützung von Ex-Bad Religion-Gitarrist Greg Hetson, zu überzeugen. Es war sowieso etwas komisch, wenn ein paar Stunden vorher eine Ramones-Coverband die gleichen Songs performt wie ein Original-Mitglied am Nachmittag. Der absolute Knaller war dagegen die Show von Cryssis. Für viele sind die ja nur die zweite Band von Hosen-Schlagzeuger Vom Ritchie, wer sich aber mal drauf einlässt, kriegt eine authentische Show ohne Schnickschnack mit Hymnen am Fließband geliefert – ganz ganz großes Highlight.

Wer Schnickschnack will, ist bei Massendefekt besser aufgehoben. Hinsetzspiele mit dem Publikum und Konfettikanonen kommen ein bisschen affektiert rüber. Die Musik ist dafür tight und die Stimmung gut. Absolut langweilig sind dagegen Millencollin – was für eine Enttäuschung. Wie kann eine Band auf Platte nur so geil sein und gleichzeitig auf der Bühne so einschläfernd? Da halfen auch die vielen Hits nicht mehr viel. Einziger Hingucker war ein nackter, ich glaube es war Olli Bockmist, will aber auch niemand falschen verdächtigen, der dem Publikum sein Gemächt präsentiert. Sehr unterhaltsam war dagegen das Set von D.I. Oldschool-Hardcore-Punk mit besoffenem aber tighten Drummer. Die Show hat richtig Spaß gemacht.

Ruhrpott Rodeo 2019
Ruhrpott Rodeo 2019

Mit Turbostaat und Talco auf der kleinen und Ska-P auf der großen Bühne gibt es dann zum krönenden Abschluss nochmal was auf die Ohren. Vor allem die Headliner aus Spanien haben sichtlich Spaß und holen aus dem Rodeo-Publikum ein letztes Mal alles raus. Ein tolles Finale für ein wunderbares Festival, bei dem alles gepasst hat. Die Organisation auf dem Zeltlatz und dem Infield lief reibungslos, der Sound war stets gut und die meisten Bands haben abgeliefert. Das Ruhrpott Rodeo war mal wieder eine Spitzenparty und ich freue mich unglaublich auf das nächste Jahr. Ein großes Kompliment und Dank an den Alex Schwers und sein Team, dass sie jedes Jahr dieses tolle Festival machen!

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3 Kommentare

  1. Ich hätte noch gerne was über Grindhouse gelesen…..die waren einfach Megageil….und machten viel Spaß….und die Band hatte auch richtig Bock….

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