Wer schonmal da war, weiß es: das Ruhrpott Rodeo ist mehr als nur drei Tage Punkbands gucken und Bier trinken. Es ist ein großes Treffen an Leuten, die gemeinsam eine tolle Zeit haben wollen und es genießen, auf einem gut organisierten Festival Zeit miteinander zu verbringen. Da ist es fast schon egal, wer auftritt.
Und auch wenn das Ruhrpott Rodeo letztes Mal mit einem großen Minus in der Kasse schließen musste, hat das Veranstaltungsteam alles gegeben, um dieses Jahr wieder eine tolle Ausgabe zu organisieren. Zwar waren die Bands etwas kleiner und hier und da gab es mal kleine organisatorische Schwierigkeiten, bei jedem anderen Festival würde sowas jedoch gar nicht auffallen, da es dort nie so perfekt läuft wie beim Rodeo.

Seit Jahren sind auch wir von AWAY FROM LIFE am Start. Normalerweise schreibe ich, Marcell, den Artikel und Sven macht die Fotos (hier findet ihr seine Bildergalerie von 2023). Dieses Jahr kamen wir jedoch auf die Idee, uns danach gegenseitig zu interviewen und im Detail zu diskutieren, warum das Ruhrpott Rodeo auch dieses Jahr wieder die vielleicht beste Veranstaltung des Sommers war.

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Marcell: Hey Sven, erstmal vorne weg: für mich ist es seit 2016 das sechste Ruhrpott Rodeo und ich muss sagen, es ist mit Abstand mein Lieblings-Festival. Wie oft warst du bereits da und warum führt es dich immer wieder aus deiner Heimat im hohen Norden ins Ruhrgebiet?

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Sven: Moin Marcell, für mich war es erst das 5. Rodeo und das dritte als Fotograf. Die 400 km fahren wir, meine Frau ist immer dabei, sehr gerne. Es ist mittlerweile auch immer ein Wiedersehen mit lieben Menschen, die wir zum Großteil auf dem Rodeo kennen gelernt haben.

Marcell: Absolut, ich glaube, es ist genau das, was das Rodeo auch für mich immer so besonders macht: die Menschen. Seit 2019 treffe ich mich dort immer mit richtig tollen Freunden aus Duisburg, die das Wochenende zu was ganz besonderem machen. Warum, wirst du im Laufe des Gesprächs merken haha.

Marcell: Hattest du in den letzten Jahren besondere Highlights, die dir immer wieder in den Kopf kommen – also sowohl auf dem Festivalgelände als auch auf dem Zeltplatz?

Sven: Ja, in der Tat ist aktuell das Kennenlernen von Steffi und Jörgi vor ein paar Jahren immer wieder im Kopf, da wir da nächstes Wochenende zur Hochzeit hinfahren. Die beiden haben sich übrigens mal auf dem Rodeo kennengelernt.

Marcell: Sowas ist einfach nur cool! Ich weiß noch ganz genau, als ich vor vier Jahren mit meinem Freund Paul da war und wir von besagter Gruppe aus Duisburg in ihr Camp integriert wurden. Wir zwei Trottel waren total schlecht ausgestattet und auf einmal waren wir mit einer Gruppe geiler Typen da, die uns Rührei mit Lachs zum Frühstück gegeben haben und Abends die geilste Grillparty aller Zeiten geschmissen haben. Seitdem weiß ich, dass man auch auf einem Punkfestival nicht wie der letzte Mensch leben muss und ich bin so froh, dass daraus eine richtige Freundschaft entstanden ist. Letztes Jahr habe ich dann die Wette mit meinem Duisburger Freund Dennis abgeschlossen, dass ich dieses Jahr alle Drinks auf seine Kosten bekomme, wenn ich ihn im letzten Bericht erwähne. Natürlich habe ich Wort gehalten – und er zum Glück auch haha.

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Marcell: Ich bin ehrlich: das Line-Up, das Alex und seine Crew letztes Jahr gebucht hatten war vermutlich das beste, was ein Punkfestival in Deutschland jemals gesehen hat. Bei den großen Namen hatte es mich auch gar nicht gewundert, dass danach ein ordentliches Minus in den Büchern stand. Wie hast du das Line-Up in diesem Jahr im Vergleich zum letzten Jahr bewertet bevor du angereist bist?

Sven: Ja, im Vergleich war das Line-Up für nicht so stark besetzt. Ich muss sagen, im letzten Jahr gab es mehr Bands, auf die ich mich gefreut habe. Das war schon fast ein Problem, da ich auch fast alle Bands natürlich unbedingt fotografieren wollte und dann natürlich auch noch Essen & Trinken und das Feiern nicht zu vergessen. Aber schlecht war das Line-Up in diesem Jahr auch nicht gerade, vielleicht die eine oder andere Band, die man schon zu häufig gesehen hat.

Marcell: Da kann ich dir nur zustimmen. Manchmal kann es schon stressig sein, wenn man acht bis neun Bands am Tag sehen will und von Bühne zu Bühne eilt. Dieses Jahr war das deutlich entspannter, aber nicht weniger gut. Außerdem hatte ich so mehr Zeit, die massiv besser gewordenen Grillkünste meines Kumpels Markus zu genießen. Alles was er auf den Grill geschmissen hat, war einfach überragend und ich war rund um die Uhr bestens gestärkt.

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Marcell: Du übernachtest ja immer auf dem Caravan-Gelände. Wie hast du die Organisation und die ersten Momente nach deiner Ankunft wahrgenommen?

Sven: Ja, Wir schlafen ganz dekadent im Wohnmobil. Ist das noch Punk? Aber ehrlich, im Zelt könnte ich das auch nicht mehr. Bin ja schon Ü50. Ja, war alles etwas langsam bei der Ankunft, wir waren schon vor der Öffnung des Platzes da und haben uns brav in die Schlange gestellt. Auch wenn es alles langsam war und vielleicht mehr Teams zum einweisen gut gewesen wären, hat es aber auch alles geklappt. Vielleicht ist man einfach zu ungeduldig, bis man endlich das zweite Bier aufmachen kann, weil man nicht mehr fahren muss.

Marcell: Absolut ist das noch Punk! Wie gesagt, ich habe ausgerechnet hier gelernt, dass man es sich auf einem Festival auch mal gut gehen lassen darf! Vom normalen Zeltplatz kann ich auf jeden Fall sagen, dass alles wieder sehr gut organisiert war. Meine Freunde hatten schon Donnerstag alles aufgebaut und ich kam erst Freitag, aber das Team macht schon echt einen guten Job. Die Toiletten sind recht sauber und die Duschen gehen auch klar. Für ein Wochenende auf jeden Fall völlig ausreichend und besser als alle anderen Festivals, die ich kenne.

Marcell: Für mich gibt es ja selten ein geileres Gefühl als nach dem Zelt aufbauen den ersten Drink zu öffnen und mit meinen Leuten auf dem Zeltplatz abzuhängen. Was war das erste, was du gemacht hast, nachdem alles aufgebaut und organisiert war?

Sven: Bevor alles aufgebaut war, gab es erstmal ein Bierchen und dann sind wir Dank WoMo relativ schnell fertig. Dann ging es erstmal auf die Suche nach Freunden und Bekannten und noch das eine oder andere Getränk.

Marcell: Ich konnte mich ja echt ins gemachte Nest setzen. Mein guter Freund Dennis Duwe betreibt einen tollen Kiosk in Duisburg und konnte deshalb für alles sorgen, was aus einem Festival einen Urlaub macht. Mir wurden also erstmal schön kalte Cocktails mit Eis serviert und kurz danach haben wir feinste Ware aus der Metro gegrillt. Sein Bruder Thorsten ist ein absoluter Meisterkoch und hat das geilste Abendessen aus Pulled Pork, Baguette, Salat und was weiß ich alles gezaubert. Wer hätte gedacht, dass ich auf dem Zeltplatz des Ruhrpott Rodeos besser esse als im Restaurant haha. Und auch die Bands, die mir die Jungs immer vorspielen, sind klasse. In den letzten Jahren habe ich echt viel tolles Zeug über sie entdeckt! Und mittlerweile von Ehefrauen, Freundinnen, Mamas, Kumpels und allen anderen noch Leute mitkommen, ist es quasi ein großes Familienfest. Am frühen Abend ging es dann mit allen zusammen aufs Gelände.

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Freitag

Marcell: Welche Bands waren dein Pflichtprogramm am Freitag?

Sven: Am Freitag waren für mich Mobina Galore, Hatebreed, Cro-Mags und Sondaschule Pflichtprogramm

Marcell: Hatebreed, Cro-Mags und Sondaschule hatte ich mir auch dick markiert. Team Scheisse stand auch auf dem Plan, weil mein lieber Freund Paul dort spontan als Lichttechniker eingesprungen ist. Das ist halt schon geil, dass die trotz ihres Hypes immer noch nicht mit voller Crew unterwegs sind und echt spontan vor Ort gucken, wer sie so unterstützt. Ansonsten fand ich The Dwarves auch echt witzig.

Marcell: Hast du dir auch Christian Steiffen angeguckt? Falls ja, was war deine Meinung dazu?

Sven: Ja, den habe ich mir auch angeschaut. War ein solider Auftritt und die Stimmung war ziemlich gut. Ich finde irgendwie passt der Typ. Das Shirt „Kein Steiffen für Nazis “ ist schonmal großartig.

Marcell: Ich muss ja echt sagen, dass ich das Gefühl hatte, dass ich irgendwas nicht verstehe, was alle anderen verstehen. An sich find ich sowas ja echt witzig, aber so ganz hat der Gag bei mir nicht gezündet und ich bin dann zum Zeltplatz gegangen, um von Dennis weitere eiskalte Cocktails serviert zu bekommen. Im Nachhinein habe ich aber echt geärgert, weil ja noch Bela B auf die Bühne kam, um ein Duett zu singen. Das hätte ich schon gerne gesehen.

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Marcell: Ansonsten habe ich den Freitag vor allem genutzt, um nochmal ganz in Ruhe das Festivalgelände zu genießen. Ich finde es ja immer total angenehm dort, war aber auch neugierig, weil Alex in einem Interview angekündigt hatte, den Komfort und das Erlebnis abseits der Bühnen nochmal zu erhöhen. Ist dir diesbezüglich irgendwas aufgefallen?

Sven: Es gibt ja die Duschcontainer und Spültoiletten. Ich persönlich finde die richtig gut, ich hatte schon immer das Problem, dass ich auf Dixiklos nicht kann. Ansonsten ist mir nicht mehr Komfort aufgefallen.. Ich habe aber auch nichts vermisst.

Marcell: Die Sanitäranlagen waren echt gut. Ich hoffe, dass die, trotz den höheren Anschaffungskosten, in den nächsten Jahren erhalten bleiben. Ansonsten habe ich auch nicht so viel neues gesehen, fand es aber cool, dass man wieder kickern konnte. Das ein oder andere Bier kann man sich da ja immer verdienen, wenn man den Ball in die richtige Richtung schießt und ich fordere Dennis und Thorsten jetzt schonmal fürs nächste Jahr heraus. Ich bin aber auch der Meinung, dass das Gelände schon immer nahezu perfekt war und dass das Team hier genauso weiter machen kann.

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Marcell: Am Abend kamen dann Sondaschule und die haben als Headliner total gut funktioniert, meiner Meinung nach. Wen ich aber total abgefeiert, und leider auch erst zum ersten Mal gesehen habe, waren Cro-Mags. Auch wenn ich bis heute der Meinung bin, dass man sich mit Harley Flanagan besser nicht anlegen sollte haha. Wie fandest du diese Shows?

Sven: Sondaschule funktionierten super, auch wenn es schon sehr spät war. Mit ihrem neuen Album Unbesiegbar, haben sie zusätzlich zu ihren Klassikern aber auch richtig fette Songs am Start. Da kommt man doch ums Tanzen nicht herum. Cro-Mags mit Harley war richtig stark. Für mich das Highlight am Freitag.

Marcell: Yes, Sondaschule sind einfach eine coole Band. Und ich gönne ihnen den Erfolg so sehr, nachdem sie all die Jahre immer am Start waren. Bei „Bist du glücklich?“ hatte ich am Ende richtige Gänsehaut – R.I.P. Blubbi! Cro-Mags muss ich unbedingt nochmal sehen, das war so geil! Vor allem als er meinte, dass wir Deutschen einen sehr „besonderen“ Geschmack hätten. Ich bin mir zu 100% sicher, dass er sich auf Christian Steiffen bezogen hat und nach all seinen Jahren zwischen Straße, Knast und Hardcore einfach total überfordert von der Schlagermusik war haha.

Marcell: Die Stimmung auf dem normalen Zeltplatz ist ja auch echt immer sehr entspannt. Direkt bei uns um die Ecke ist zwar immer das berühmte „Partyzelt“, das von 11 Uhr Mittags bis 6 Uhr Morgens in einer Möderlautstärke mit Musik durchballert, aber irgendwie finde ich selbst das witzig. Wie verhält es sich mit der Partystimmung auf dem Caravanplatz?

Sven: Sicherlich etwas ruhiger als auf dem Zeltplatz. Man bleibt doch mehr in den eigenen Grüppchen, wenn man will, lernt man aber genug Menschen kennen. Laut ist es in dem einen oder anderen Camp auch. Und Party gibt es natürlich auch.

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Samstag

Marcell: Spätestens Samstags-Morgens hat man ja immer Zeit sich um die besonders romantischen Sachen zu kümmern: die Duschen zu besichtigen und die Toilettenkabinen von innen zu sehen. Beides war beim normalen Zeltplatz mal besser und mal schlechter, insgesamt aber zufriedenstellend. Wie sah es bei dir aus?

Sven: Haha. Da kommt natürlich der große Vorteil unseres Wohnmobiles ins Spiel. Mit Dusche und Toilette sind wir ziemlich autark. Wenn ich die Toiletten benutzt habe, waren diese allerdings immer „relativ“ sauber.

Marcell: Dann weiß ich auf jeden Fall, wo ich nächstes Jahr zum Duschen hinkomme haha. Vielleicht ist das Wasser für einen Warmduscher wie mich ja bei euch auch angenehmer.

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Marcell: Ich habe meine geile Gruppe an Freunden aus Duisburg ja schon angesprochen. Die fahren dann immer Samstags-Morgens los zum Metzger und holen frisches Zeug zum frühstücken und Grillen. Für die, die wollten, gab es dieses Jahr sogar einen mit Preisen überschütteten Leberkäse mit flüssigem Käse drin (Dennis & Thorsten, ihr seid einfach Legenden, dafür dass ihr sowas immer ranholt). Wie ernährst du dich normalerweise so auf dem Ruhrpott Rodeo?

Sven: Ich bin ja noch Fleischesser, wogegen meine Frau sich ja vegan ernährt, daher gibt es meist getrennt Essen. Wir nehmen meist für den Donnerstag und Freitag schon Essen mit. Hackbällchen und Nudelsalat oder sowas, gegrillt wird auf dem Rodeo eher nicht. Dieses Jahr gab es dann mittags meist Suppen. Wir essen dann aber auch immer auf dem Platz noch was. Da gibt es auch Leckeres. Oft esse ich dann auch etwas von dem super coolen Veganen Stand.

Marcell: Der vegane Stand ist echt mega gut! Da hole ich mir immer diesen veganen Döner, der einfach unfassbar gutschmeckt. Vorausgesetzt ich habe noch Hunger. Nachdem ich nämlich auch an diesem Tag die feinsten Speisen von Grill erhielt (danke Patrick, Thorsten & Markus), bin ich mit bester Energie zum Gelände gegangen.

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Marcell: Rein vom Line-Up her fand ich den Samstag im Vorhinein auch am attraktivsten. Auf welche Shows hast du dich besonders gefreut und welche haben dich am meisten mitgerissen?

Sven: Am Samstag stand mit Sick Of It All meine Lieblingsband auf dem Zettel, was kann da schon schiefgehen. SOIA haben auch hervorragend abgeliefert finde ich. Dazu noch Butterwegge auf die ich mich am allermeisten gefreut habe. Die Musik und die Texte gehen mir direkt in Herz und Seele. Und scheinbar nicht nur mir, es war ja mächtig voll vor der Bühne, trotz des schlechten Wetters und der frühen Uhrzeit. Was auch schön war, dass eine Freundin, die Mika, den letzten Song bei den Dorks auf der Bühne mitsingen durfte. Mega!

Marcell: Voll cool! Butterwegge habe ich leider verpasst, aber alle meinten wie emotional das war. Ich fand auch schon letztes Jahr, dass er einfach ein richtig cooler Typ ist. Allein seinen Song „Ohne die Hosen“ fand ich damals schon so gut, dass er einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat.

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Marcell: Meine Highlights waren danach ZSK und Wizo – Sodom fand ich aber auch geil. Wie findest du es, dass in den letzten zwei Jahren immer eine legendäre Metal-Band aus dem Pott gebucht wurde? Und wen, glaubst du, holen sie nächstes Jahr ran?

Sven: Puh. Ich bin ja mit Kreator und Sodom aufgewachsen. Und fand beide auch immer klasse, habe dann allerdings in den letzten Jahren die beiden nicht mehr verfolgt. Kreator im letzten Jahr fand ich auch klasse, bei Sodom ist der Funke leider nicht übergesprungen. Ich muss nicht unbedingt eine Metal Band da haben, habe aber auch kein Problem damit, solange es nicht Doro ist.

Marcell: Haha! Kreator haben Sodom natürlich in den Schatten gestellt, gar keine Frage. Ich bin echt gespannt, wer nächstes Jahr kommt. Wizo hatten als Headliner eine grundsolide Show gespielt. Ich muss eh sagen, dass „Kopfschuss“, „Die letzte Sau“ und vor allem „Quadrat im Kreis“ sowieso jedes Jahr gehen – und „Hey Thomas!“ als Opener war richtig geil! ZSK waren davor einfach die starke Punkband, die ich um diese Zeit sehen will. Sie hätten zwar echt noch ein bisschen länger spielen können, aber das Set war echt gut. Und nicht nur, weil die ganzen Kids mit Cola auf die Bühne gelockt wurden (mega coole Aktion), sondern auch weil ich mich nach Ewigkeiten mal wieder zum Crowdsurfen hab hinreißen lassen und Dennis gleich mitgenommen habe. An der Stelle auch nochmal der große Respekt an die, wie immer, überragende Security. Sowohl beim Einlass als auch vor der Bühne: es gibt echt kein besseres, netteres und auch sympathischeres Sicherheitspersonal als beim Ruhrpott Rodeo. Ich war dieses Jahr ja auch bei Rock am Ring und beim Southside, da hätte ich manchmal echt im Strahl kotzen können, was die Security angeht.

Sonntag

Marcell: Ich muss sagen, dass ich den Sonntag von den Bands her nicht so attraktiv fand. Ich hatte auch das Gefühl, dass viele früher abgereist sind und sich den Tag komplett geschenkt haben. Gab es trotzdem was, auf das du dich gefreut hast?

Sven: Ja, es sind schon einige abgereist am Sonntag. Aber ich hatte für Sonntag einige Highlights auf dem Zettel. Maid Of Ace zum Beispiel, die vier Schwestern haben im letzten Jahr die kleine Bühne richtig gerockt. Madball und The Bronx haben ja auch am Sonntag gespielt und haben beide eine klasse Show gespielt. Vor allem The Bronx waren mega. Für mich ebenfalls ein Highlight am Sonntag und ich verstehe nicht warum der Erfolg nicht noch viel größer ist, waren die Bar Stool Preachers. Eine äußerst symphytische und gute Band aus England. Persönlich eines meiner Highlights da ich meine Buddys  T.J. und Bungle nach langer Zeit mal wieder getroffen habe.

Marcell: Die Bar Stool Preachers fand ich auch total klasse. Ist der eine von denen nicht auch ein Sohn von einem Cock Sparrer-Mitglied? Egal, auf jeden Fall waren die super! Maid Of Ace sind eh super und ich finde es toll, wie sie jetzt die große Bühne auseinander genommen haben. Ich bin mir sehr sicher, dass die noch eine Riesen Karriere machen werden.

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Marcell: Erection haben mich auch total überrascht – was für eine geile Band! Hast du sie gesehen?

Sven: Ja, die haben mich auch positiv überrascht, ich kannte sie vorher gar nicht und sie sind ja relativ spontan als Ersatz dazu gekommen.

Marcell: Die stehen bei mir jetzt ganz oben auf der Liste, wenn es um Bands geht, die ich nochmal sehen will. Was die Sängerin für ein krasse Show abgezogen hat, war echt Unterhaltung in Reinform. Und dass sie danach noch ewig am Merch rumstand, war umso cooler. Diese Band sollten sich auf jeden Fall alle angucken, die die Chance dazu haben.

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Marcell: Was ich tatsächlich echt gut finde, wenn nicht nur so Mega-Bands wie letztes Jahr gebucht werden, ist dass man viel durch die Gegend läuft und endlich auch mal Gruppen sieht, die man so nicht auf dem Schirm hat. Hast du ein paar neue Perlen für dich entdeckt dieses Jahr?

Sven: Die meisten Bands kannte ich tatsächlich schon vorher, daher gab es da nicht so viele Überraschungen. Aber Krash Karma, die würde ich da mal hervorheben. Kannte ich vorher gar nicht, haben mich aber komplett abgeholt. Habe ich jetzt auf dem Zettel und in der Playlist.

Marcell: Sehr coole Band, absolut! Das ist ja das Projekt vom Wizo-Bassisten, der eigentlich in den USA wohnt.

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Marcell: Wegen anderen Verpflichtungen bin ich schon nach den UK Subs heimgefahren. War aber auch ein tolles Finale und mein Gott, was ist Charlie Harper immer noch für ein geiler Typ. Wie fandest du deren Show und was hast du dir am Sonntag noch so alles gegeben?

Sven: Ich habe die UK Subs in den letzten Jahren häufig gesehen und ja ich muss sagen, wenn ich später noch genauso drauf bin wie Charlie Harper, dann freue ich mich. Wie alt ist der Kerl jetzt? 78 oder so? Respekt! Wie schon erwähnt, waren The Bronx der Hammer am Sonntag und Madball nicht zu vergessen. Wenn der dicke Fotograf mit eingeklemmten Ischiasnerv und kaputten Knien nach dem Fotografieren im Pit verschwindet und sogar noch Crowdsurfing macht, muss die Show gut gewesen sein. 🙂 Nochmal Dankeschön an die tollen Menschen die mich hochgewuchtet haben und natürlich an die Security, die mich sicher aufgefangen hat. Und wo wir schon bei Security sind, gibt es auch von mir, wie schon von vielen Bands vorher, nochmal ein mega Kompliment an die gesamte Crew. Als Zuschauer und vor allem als Fotograf habe ich noch nie so eine entspannte Security erlebt, die dabei auch noch einen fantastischen Job macht! Macht weiter so, ich freue mich jetzt schon aufs nächste Jahr.

Marcell: Ja mega! Dann wurden wir ja beide wortwörtlich auf Händen getragen an diesem Wochenende haha. Ich muss auch echt sagen, dass das Publikum beim Rodeo immer so wahnsinnig entspannt und angenehm ist. Immer wenn ich Freunden, die mit Punk nichts zu tun haben, erzähle, dass ich drei Tage zum Ruhrpott Rodeo gehe, denken die, dass ich mich ein ganzen Wochenende in puren Asozialität bewege und eine total abgefuckte Zeit habe. Die Wahrheit könnte gar nicht weiter davon entfernt liegen. Es gibt kaum ein Publikum, dass so nett, respektvoll und herzlich ist, wie beim Rodeo. Alle wollen eine schöne Zeit miteinander haben und keiner will wen anders irgendwie auf die Füße treten oder dafür sorgen, dass man sich unwohl fühlt. Teilweise reise ich, trotz aller Party, entspannter vom Rodeo ab als ich hingefahren bin. Das liegt einzig und allein an den Leuten und der fantastischen Atmosphäre.

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Marcell: Auch dieses Jahr bin ich dann super happy nach Hause gekommen. Ruhrpott Rodeo ist und bleibt einfach mein Lieblings-Festival. Die Leute, die Organisation, das Miteinander: alles ist immer total klasse. Was ist dein Fazit von dem Wochenende?

Sven: Ja. Rodeo fühlt sich an wie Familie und nach Hause kommen. Friedlich und voller Liebe, ist das eigentlich ein Hippie Festival? Ich fand es wieder mega.

Marcell: Wen wünscht du dir fürs nächste Jahr?

Sven: Fürs nächste Jahr wünsche ich mir vor allem, das wir beide wieder für Away From Life am Start sind. Bands lasse ich mich überraschen, das wird schon passen.

Marcell: Dann sind wir ja schonmal zu zweit, was das angeht! Eigentlich ist es immer geil, ganz egal wer auftritt. Ich kann’s jetzt schon kaum erwarten nächstes Jahr wieder da zu sein!

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1 Kommentar

  1. So unterschiedlich sind die Eindrücke…
    Für mich bedeutet das Rodeo Kommerz, Konservativismus und Menschen mit Stock im Arsch. Soso, „die geilste Grillparty“. 🙂
    Für jemanden der wohl fast jedes Punkrockfestival > 1000 Besucher in D schon gesehen respektive erlebt hat, rangiert das Rodeo auf dem letzten Platz. C’est la vie.

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