Simon kannte ich zuvor nicht, allerdings wurde er mir von einem Kumpel für dieses Feature empfohlen. Er ist durch und durch Musikfan und -liebhaber. Des weiteren spielt er auch in der Band Alltagsdasein, welche im Juli ihr Album Sofa geht die Zeit veröffentlicht haben.
1Dritte Wahl – Halt mich fest
Dritte Wahl sind schon sehr lange aus meinem Plattenregal nicht mehr wegzudenken. Alles begann damit, dass meinem Vater von einer Arbeitskollegin deren Platte „Delikat“ für mich mitgegeben wurde. Keine Ahnung warum gerade diese Platte. Ich hatte vorher noch nie etwas von dieser Band gehört und wusste nicht welchen Stellenwert sie in der Deutschpunkszene hatte. Ich war damals vielleicht so um die 12 oder 13 Jahre alt. Mit einem sehr großen Interesse an Punkrock, vermutlich durch die Toten Hosen entfacht. Das war aber alles nicht ganz einfach, so als junger Mensch im kleinen Örtchen in Süddeutschland aufzuwachsen wo es nicht einen anderen Menschen in meinem Umfeld gab der meinen Musikgeschmack teilte. Umso schöner, dass mir diese Platte quasi zufiel. Erst später hatte ich dann überhaupt die Möglichkeit an weiteres musikalisches Material von Dritte Wahl zu gelangen. Dann wurden sie aber eine Zeit lang zu meiner absoluten Lieblingsband. Gerade die „Halt mich fest“ wurde dann zum Dauerbrenner. Ein unfassbar guter Gitarrensound, viel Melodie, trotzdem fehlt das Brett dahinter nicht und es geht gut vorwärts. Mit sehr vielen starken Nummern ist genau diese Platte meine Nummer eins.
2The Peacocks – It‘s Time for the Peacocks
An dieser Stelle müsste ich normalerweise jedem Menschen beipflichten der sich beim Thema Rockabilly eher langweilt. The Peacocks sind da aber einfach anders. Schnell, druckvoll, melodiös aber einfach auch total punkig. Es wahr 2011, da haben die Misfits in der legendären Röhre in Stuttgart gespielt. Es war so ein Konzert für einen zu spät geborenen wie mich, der diese Band einfach einmal gesehen haben wollte. Leider mein erstes und letztes Konzert in der Röhre. Die Misfits waren wie zu erwarten war ziemlich mies. Was mich aber total umgehauen hat war die Vorband. Gitarre, Kontrabass, recht spartanisches Schlagzeug. Das hat aber so gedrückt und ging richtig rund. Nur hatte ich keine Ahnung wie die Band hieß. Nachdem ich dann auch das Konzert der Misfits hinter mich gebracht hatte, waren alle Musiker weg. Kein Merch und kein Mensch auf der Veranstaltung konnte mir sagen wie meine neue Lieblingsband hieß. Schweizer waren es, mehr wusste ich nicht. Danach habe ich ungefähr ein Jahr lang nach dieser Band im Internet gesucht, bis ich auf ein Review des Konzerts in der Röhre stieß. Und da war der Name: „The Peacocks“. Anschließend hab ich mich natürlich durch alle Alben gehört. Die sind alle super, aber die Hitdichte auf „It‘s time for the Peacocks“ ist einfach überragend. The Peacocks wurden zu einer meiner absoluten Lieblingsbands. Hier kommt der Druck nicht durch stark verzerrte Gitarren oder raue Gesänge, sondern durch Rhythmik, Tempo, Melodie und ein super Songwriting. Auch live eine absolute Empfehlung!
3Pascow – Alles muss kaputt sein
Tja, Pascow. Finden ja eigentlich nur die allerwenigsten wirklich scheiße. Also irgendwie kein Wunder, dass ich das auch nicht tue. Ich habe Pascow mit eben diesem Album erst kennengelernt weil sie mir von Bandkollegen empfohlen wurden. Und ich muss tatsächlich sagen, dass ich da Anfangs gar nicht ran kam. Ich fand sie sogar ziemlich langweilig. Dem Ganzen habe ich dann später nochmal eine Chance gegeben und mich etwas besser rein gehört. Meine Ansicht hat sich dann komplett umgekrempelt und ich bin total daran hängen geblieben. Und an dieser Vorliebe hat sich bis heute nichts geändert. Sehr erstaunlich, dass diese Band fast nichts veröffentlicht hat was mir wirklich gar nicht gefällt. Dieses Album hat es eigentlich auch nur in diese Liste geschafft weil es meine erste Erfahrung mit Pascow war. Vermutlich hätten es alle ihrer Alben verdient.
4The Distillers – Coral Fang
The Distillers begleiten mich schon lange, leider habe ich sie noch nie live gesehen. Die wären aber eine der ganz wenigen großen, internationalen Bands, bei denen ich mir eventuell mal ein Konzert geben würde wenn es die Möglichkeit gäbe. Es gibt meines Erachtens nach nur ganz wenige Alben, die man komplett durchhören kann und jeder einzelne Song begeistert total. Bei „Coral Fang“ ist das absolut der Fall. Na gut, bis auf den letzten Titel. Mit seinen mehr als 12 Minuten und der doch eher experimentellen Ausgestaltung kann man den auch einfach weglassen.Bis dahin knallt es aber einfach nur und ein Song ist besser als der andere. Brody Dalles brachialer Gesang passt einfach perfekt zum schnellen, harten aber trotzdem melodiösen restlichen Sound. Mehr gibt‘s da eigentlich nicht zu sagen.
5Casanovas schwule Seite – Das Rock N‘ Roll Imperium schlägt zurück
Eine der Bands mit Claus Lüer an Gitarre und Gesang. Da ist man bei mir genau an der richtigen Adresse. Wirklich witzige, aber richtig gute Texte die man auch hin und wieder ein bisschen ernster nehmen kann. Das trifft dann auf genial geschriebene Musik. Auch dieses Album kann man einfach durchhören ohne großartig viele nervige und schwächere Songs. Die absoluten Highlights sind aber „Du & Ich“, „Ich liebe dich für immer“ und „ Mein Kühlschrank“. Die Drei Lieder wären vermutlich alle in meinen Top 100 Songs. Aber das ist kein Wunder wenn man bedenkt, dass die Band zur einen Hälfte aus Mitgliedern von Knochenfabrik und zu anderen Hälfte aus Mitgliedern der Wohlstandskindern besteht.
6F*cking Angry – Doin alright
2013, Resist to Exist Festival in Berlin. Ich habe dort mit meiner ehemaligen Band gespielt und wir waren das ganze Wochenende da. Neben vielen schönen Begegnungen ist mir doch eine bestimmte ganz besonders in Erinnerung geblieben. Wir sind bevor die ersten Bands spielten schon ganz schön angetrunken durch die pralle Sonne über den Zeltplatz spaziert. Ich war ziemlich durch und hatte bei der nächstbesten Gruppe gefragt, ob ich mich ein bisschen zu ihnen ans Zelt setzen dürfe. Die waren total nett und wir kamen so ins Gespräch, bis eine von ihnen mir eine CD in die Hand drückte. Ich solle da mal rein hören. Sei von Ihrer Band und sie machen Hardcore. Heute weiß ich natürlich, dass das Beckx, die Sängerin von F*cking Angry war. Mir ist erst mal die Kinnlade runter gefallen. Was für ein Artwork?! Total cooles Cover, das in eine mit Schablonen besprühte Hülle eingelegt war. Alles Handarbeit in einer 50 Stk. Auflage und durchnummeriert. Mir war das etwas unangenehm. Ich meinte zu ihr, dass Hardcore eigentlich nicht so mein Ding sei und es um die CD doch zu schade sei, falls es mir bei so viel Arbeit und Herzblut dann doch nicht gefiele. Sie bestand aber darauf und ich habe ihr wenigstens noch einen Zehner in die Hand gedrückt.. Auf der achtstündigen Heimfahrt haben wir dann rein gehört. Da ist mir das zweite Mal die Kinnlade runter gefallen. Offensichtlich mochte ich Hardcore doch, haha. Richtig guter Sound, brachiale Gitarre, tightes, schnelles Schlagzeug, eine raue Frauenstimme. Was mir aber ganz besonders an der Platte gefällt ist der Bass. Mit einem wirklich guten Sound ist er prägnant und man merkt, dass der Bass beim Songwriting einfach einen wichtigen Platz eingenommen hat. Das gefällt mir immer sehr gut, wenn er nicht nur im Hintergrund stattfindet. Die sieben Songs prügeln nur so durch und man bekommt direkt Lust auf mehr. Das haben F*cking Angry uns ja dann Gott sei Dank auch mit nachfolgenden Alben präsentiert. Ganz zurecht haben sie mittlerweile eine etwas größere Bekanntheit erlangt.
7Knochenfabrik – Ameisenstaat
Also zu Knochenfabrik braucht man ja eigentlich nicht viel sagen. „Ameisenstaat“ ist einfach ein absoluter Deutschpunk-Klassiker und gehört für mich definitiv in diese Liste.Die Band hat mal an einem ekelhaft nassen Wintertag in Berlin im SO 36 gespielt. Nach einem wirklich lustigen Konzert habe ich mir am Merch-Stand bei Sänger Claus die Platte in Vinyl gekauft. So einen Klassiker braucht man einfach als Platte im Regal. Anschließend wurde sich im nahegelegenen Späti mit Bier für die Heimfahrt eingedeckt. Der total liebe Spätiverkäufer hat mir dann einen Müllsack in die Hand gedrückt, weil er der Ansicht war, ich könne unmöglich mit einer „so schönen Platte“ durch den Schneeregen laufen. Da hatte er wohl recht. Hat auch super funktioniert und ich kam mit völlig unversehrter Platte zuhause an. Dort wollte ich dann meiner damaligen Freundin den Inhalt meines Müllsacks präsentieren.Vielleicht war es an diesem Abend das ein oder andere Bier zu viel denn beim auspacken ist mir die Platte aus der Hand gerutscht und ich hab sie ihr quasi vor die Füße geschmissen. Total ärgerlich, weil seither ein fetter weißer Knick im Cover ist. Selbst Schuld.
8Jennifer Rostock – Schlaflos
Als Jennifer Rostock dieses Album raus gebracht haben, hatte ich sie eigentlich schon länger auf dem Schirm. Ich fand sie eigentlich auch schon immer recht gut. Zwar echt popig, aber der punkige Einfluss war definitiv da und die Musik war auch einfach gut gemacht. „Schlaflos“ besticht dann aber einfach krass durch seinen extrem guten Sound. Die ruhigeren Lieder gefallen mir da eher weniger, aber zum Beispiel „Phantombild“, „Der blinde Passagier“ oder „K.B.A.G.“ knallen richtig. Was mir aber ganz besonders gut gefällt ist das prägnante und pointierte Schlagzeug. Aber da Schlagzeuger Chris ja bekanntlich auch in der einen oder anderen weiteren Punkband spielt, ist es nur naheliegend, dass er da einiges an gutem Einfluss mitbringt. Das bringt den Songs einen ganz besonderen Druck.
9Der Dicke Polizist – …und die Hoffnung stirbt zuletzt
Der Dicke Polizist war eine der ersten Bands die mich nach meinem Einstieg in die Deutschpunkszene über Die toten Hosen nachhaltig geprägt haben. Mit 14 oder 15 war dieses Album dann genau das richtige für einen frustrierten Jugendlichen, der gerade zum einzigen Punk im Dorf und an seiner Schule wurde. Und das wurde dann rauf und runter gehört. Mit viel Melodie und teils melancholischen Texten. Zwar alles andere als perfekt produziert, aber vielleicht war es ja genau dieser Sound der das Ganze so stimmig und authentisch gemacht hat. Lange nicht mehr gehört, aber dennoch hat mich dieses Album sehr geprägt.
10Sick of Society – Niemals wie der Rest
Eine eher etwas unbekanntere Band, jedoch gehört diese Album definitiv in meine Top 10. Kennengelernt habe ich die Band glaube ich 2014, als wir ein paar Gigs gemeinsam mit meiner damaligen Band spielten. Die haben mich live total vom Hocker gehauen. Leider hatte der absolut charismatische und sympathische Frontmann Fizzi die Band kurz danach verlassen. Eben dieser ziert auch das schlichte aber trotzdem total gelungene Cover das Albums. Von einem meiner Lieblingsshirts mit eben diesem Motiv habe ich seither schon einige Exemplare verschlissen. Aber nicht nur äußerlich überzeugt das Album. Schnelles präzises Schlagzeug, fette Gitarren, raue Stimme, trotzdem genug Melodie. Es geht gut vorwärts, teils politische, teils persönliche Texte, teils deutsch, teils englisch. Hier bündelt sich klassischer Punk mit fettem Hardcore und sogar einige Metal-Elemente sind verbastelt. So zieht sich das durch das Album, da kann man auch den einen oder anderen, vermutlich nicht ganz ernst gemeinten, etwas peinlichen Song verkraften.



















