10. August, Viper Room, Wien. Schon bei Bekanntgabe des Termins tropften einem unweigerlich die imaginären Schweißperlen von der Stirn. Als am Vortag dann auch noch Temperaturen  bis zu 36 Grad angekündigt wurden, hatte man quasi die Bestätigung: an Unterkühlung wird an diesem Tag keiner der Anwesenden leiden müssen. Aber es nützt ja nichts, wenn Agnostic Front ruft, hat man grundsätzlich auch zu erscheinen. Und wenn  die Herren rund um Roger Miret (die kürzlich auch erst für die Persistence Tour  2020 bekannt gegeben wurden) dann auch noch das 35-Jährige Jubiläum ihres Klassikers und ersten Longplayers „Victim In Pain“ feiern, bedarf es eigentlich keiner weiteren Diskussion.

Neben AF sollten mit Companion und Perfect Sky auch noch zwei österreichische Hardcore Bands aufspielen. Ort des Geschehens war der Viper Room in Wien, ein unterirdisches Lokal welches nach offiziellen Angaben Platz für ca. 300 Besucher bietet. Somit waren im Vorfeld schon einmal alle Voraussetzungen für eine gute Hardcore Show gegeben.

Viper Room, 10.08.2019

Nachdem man tagsüber erfolgreich der enormen Hitze trotzen konnte, erreichte man gegen 19:45 Uhr bei bereits etwas gemäßigteren Temperaturen den Viper Room. Schnell den Stempel abgeholt und ab vor die Bühne, schließlich sollte mit Perfect Sky gleich die erste Band des Abends starten.

Ohne vorher zu wissen was einen jetzt erwarten sollte, ertönte pünktlich um 20 Uhr die Titelmelodie des Horror Klassikers „Halloween“ als Intro. Ganz so zum Fürchten oder gar zum Weg laufen war das Gehörte jedoch nicht, eher im Gegenteil. Der Mix aus metallischem Hardcore, abwechselnd mit klassischem 90er Jahre NYHC geprägtem Hardcore (stellvertretend dafür das It’s My Life Cover von Madball) wusste durchaus zugefallen und so stellte der kurzweilige Auftritt von Perfect Sky jedenfalls einen gelungenen Einstand in den heutigen Abend dar. (Das Set der Jungs könnt ihr euch am Ende des Beitrags in voller Länge auf Youtube ansehen)

Etwas rustikaler ging es dann schon bei der zweiten Band des Abends zu: Companion. Diese schienen jedoch etwas übereifrig und eilten dem Time Table voraus, sodass wir leider den Anfang des Sets verpasst haben.  Die Wiener heizten mit ihrem Hardcore der etwas härteren Gangart ordentlich ein und dies resultierte nun in den ersten gröberen Tanzeinlagen des Abends. Die Show nahm auch mit Fortdauer weiterhin an Fahrt auf und immer mehr nutzten die Gelegenheit, sich für den Hauptact zu späterer Stunde aufzuwärmen. Als der Auftritt der Lokalmatadore zu Ende war, war nun jeder munter und definitiv bereit für Agnostic Front.

Companion – 10.08.2019 – Viper Room, Wien

Danach hieß es noch einmal kurz frische Luft schnappen, ehe man sich kurz vor 22 Uhr wieder pünktlich vor der Bühne einfand. Ebenso pünktlich erklang dann auch schon die altbekannte Titelmelodie des Western Klassikers The Good The Bad And The Ugly (Zwei glorreiche Halunken), welche nun den finalen Showdown einleiten sollte.  Zu diesem Zeitpunkt war zu meiner Verwunderung noch relativ viel Platz frei vor der Bühne, doch spätestens bei den ersten Akkorden von The Eliminator trudelten nach und nach immer mehr Leute ein. Im Gegensatz zur letzten Wien Show (AF waren vor ca. genau einem Jahr bereits an gleicher Stelle zu Gast), konnte Roger heute ohne sichtbares Handicap auftreten. Im Vorjahr musste er den Auftritt aufgrund einer Verletzung noch mit einer Armbinde absolvieren. Den Unterschied merkte man schon zu Beginn, der Frontmann wirkte eindeutig fitter und motivierter als beim letzten Auftritt. Dementsprechend fulminant legten die New Yorker los und selbstredend dauerte es nur wenige Augenblicke, bis sich der Mob vor der Bühne entsprechend in Szene setzte. Ab nun reihte sich „Hit“ an „Hit“ und es folgte ein solider Mix aus alten und neuen Klassikern. Der Energiepegel war konstant auf einem hohen Level und bei den bekanntesten Nummern wie Gotta Go, Crucified oder Old New York kochte die Stimmung über. Ebenso auf hohem Niveau war der durchgehende Bewegungsfaktor in den vorderen Reihen und auch die Anzahl an Stagedives nahm im Laufe der Show gehörig zu. Alle Beteiligten hatten sichtlich Spaß an der Geschichte und auch Vinnie Stigma kommentierte das Geschehen mehrmals mit:

„This Is A Hardcore Show“.

Der fachkundigen Einschätzung des mittlerweile 63-Jährigen Gitarristen (von dessen Gesangsqualitäten man sich bei Power überzeugen konnte) kann man sich nur anschließen, das hat er gut erkannt. Doch auch jede noch so schöne Hardcore Show geht einmal zu Ende und so beendete traditionell das Ramones Cover von Blitzkrieg Bop den heutigen Abend.

Alles in allem ein sehr gelungener Abend in perfekter Atmosphäre und auch wenn der geneigte Hardcore-Hörer bzw. Konzertgeher Agnostic Front bereits gefühlte 100 Mal live gesehen hat, in solch lauschiger Atmosphäre machen die New Yorker auch zum 101. Mal noch verdammt viel Spaß! In ähnlichem Ambiente (no barriers!) könnt ihr die Jungs übrigens auch auf unserem Stäbruch Festival am 09. November 2019 erleben – das solltet ihr euch nicht entgehen lassen!

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