- Werbung -
Dead Serious Recordings

Ich bin ehrlich, als ich das Line-up des diesjährigen Ant Attacks gelesen habe, war ich nicht so besonders begeistert. Bis auf Spermbirds und Pkew Pkew Pkew interessierte mich die Mucke gar nicht. Außerdem gabs noch ein paar große Fragezeichen. Um es gleich vorwegzunehmen: ich wurde mehr als positiv überrascht und habe jetzt tatsächlich vier neue Lieblingsbands entdeckt. Das änderte jedoch nichts daran, dass viele andere meine Bedenken wohl teilten. Die Gebläsehalle war weit davon entfernt, ausverkauft zu sein. Sie musste sogar verkleinert werden, denn mehr als 400 Gäste waren wohl nicht da… Nicht nur das Line-up dürfte dafür verantwortlich gewesen sein. Am gleichen Wochenende fand das Hexentanz-Festival in Losheim sowie die erste Ausgabe des Groezrock nach einem Jahr Pause statt. Daneben waren (im Gegensatz zu den Vorjahren) keine Deutschpunkbands verpflichtet worden. Alles Faktoren, die dem Zulauf vermutlich abträglich waren. Egal, für mich war es in der Rückschau definitiv die beste Ausgabe.

- Werbung -
Stäbruch Festival

Los gings mit Pool Rules, die ich tatsächlich in der gleichen Woche schon einmal gesehen habe (siehe hier). Im Vergleich zu ihrem vorherigen Set gab es (für mich) keine Überraschungen. Der Sound war etwas weniger druckvoll als im Schalander. Setlist und Ansagen waren fast identisch. Ein toller Opener, der leider etwas darunter litt, das noch nicht allzuviele Leute anwesend waren. Hervorzuheben ist das nette Backdrop mit dem Malen-nach-Zahlen-Pferdemotiv.

Weiter gings mit 13 Crowes. Die Schotten spielten Punkrock mit relativ deutlichen Gaslight-Anthem-(und damit quasi Springsteen-)Anleihen und konnten mich leider nicht so wirklich überzeugen.

Das Pkew Pkew Pkew zu den Rising-Stars der Punkrock-Szene zählen, wurde einem an diesem Tag bewusst, denn plötzlich war die Halle doch ganz gut gefüllt. Die Band, deren Name an Pistolenschüsse angelehnt ist, überzeugte dann auch auf ganzer Linie mit ihren nicht ganz so ernsten melodischen Punk-Stücken. Auch eine schöne Energie, die die Band rüberbrachte.

Zwischen Pkewx3 und der nächsten Band inspizierte ich mal die Essensstände, während der Rest der Reisegruppe im nahe gelegenen Saarpark-Center (für Nicht-Saarländer: quasi DIE Einkaufsmeile) ihr Glück versuchte. Es gab die Auswahl zwischen Vegan und Fleisch, also für mich nur die Auswahl am veganen Stand von World Food Trip. Die war ganz formidabel, und so wurde es dann der vegane Cheeseburger. Apropos Stände, Viva con agua konnten 200 Becher sammeln. Ansonsten war auch die Tabakindustrie vertreten. Durch Abwesenheit glänzte diesmal Kein Bock auf Nazis. Schade eigentlich.

Als nächstes The Offenders. Für mich die Überraschung des Festivals. Hooligan Reggae beziehungsweise 2tone-PunkRock nennen sie ihren Stil, dementsprechend irgendwo zwischen Ska, Streetpunk und Oi! Ging alles sehr in The-Clash-Richtung, von denen sie auch als letzten Song White Riot coverten. Klare Ansagen gegen Nazis sind bei der Band Pflicht. Die Band stammt ursprünglich aus Italien, wohnt aber derzeit in Berlin. Sachen gibts! Deswegen gabs auch ein paar „deutsche“ Lieder (naja, im Refrain). Definitiv eine meiner neuen Lieblingsbands. Mehr davon!

Spermbirds waren sicherlich nicht nur für mich das Highlight des Festivals. Hätten geren auch etwas später spielen können. Zum ersten Mal gabs jetzt auch Pogo in der Meute und die ersten Crowdsurfer machten sich auch bereit. Und was für eine Setlist. Los gings mit Americans are cool und dann folgte Hit auf Hit. Lee Hollis war offensichtlich gut gelaunt und befeuerte die Meute. Auch zwei neues Song hatte die Band im Gepäck, die von den Fans ebenfalls abgefeiert wurden. Und dann endete das Set mit Only a Phase, meinem absoluten Lieblingslied. Aber: kein My God Rides a Skateboard. What? Nach frenetischen Zugaberufen kam die Band tatsächlich (und ich glaube als einzige) zurück … und spielte Lights Out von den Angry Samoans. What??? Und tatsächlich, die Band kam auch ein zweites Mal zurück und spielte dann endlich den lang erwarteten Hit. Die Meute explodierte förmlich. Wäre nicht die Pascow-Releaseshow wäre das der beste Auftritt dieses Jahres gewesen.

Spanish Love Songs hätte man ruhig im Set weiter vorne platzieren können. Sie waren trotzdem recht sehenswert und waren meine zweite Entdeckung des Tages. Spielen natürlich keine spanischen Liebeslieder, sondern tollen Indie-Punk mit deutlichen Emo-Einflüssen aus Los Angeles. Irgendwo in Iron-Chic- und The-Menzingers-Richtung. Tolle Band, tolle Show!

Auch Buster Shuffle kannte ich bisher nicht, habe sie aber mit ihrem madness-artigen Ska direkt in mein Herz geschlossen. Auch geil, ein Klavier auf der Bühne zu sehen. Ziemlich angepisst wegen dem Brexit ballerten sie ein tolles Ska-Set mit einer Reihe von Coverversionen und natürlich auch eigenen Songs durch die Halle. Super witzig, super toll!

Good Riddance, den eigentlichen Headliner, fand ich eigentlich nie so toll. Das bestätigte sich dann auch recht schnell während des Sets. Zu wenig Abwechslung und zu eintönige Songs für mich. Ich will aber nicht verhehlen, das sie nach den Spermbirds die meisten Zuschauerreaktionen hervorriefen. Auch gab es zwei ganz nette Szenen: so schwenkten sie zum einen die Viva con agua-Fahne (ohne wohl so wirklich zu wissen, was das ist), zum anderen holten sie die männliche Hauptattraktion des Abends auf die Bühne, der mit seiner Perücke für Aufruhr sorgte. Ja, tatsächlich: ein Junggesellenabschied auf einem Punkkonzert. Die Entourage mit NOFX-Shirts war ebenfalls schon aufgefallen. Naja, kann man stehen dazu, wie man will. Der junge Mann musste dann tatsächlich auch Stagediven, wobei die Band ihn schon warnte, dass es ein weiter Weg von der Bühne über den Graben ins Publikum ist. Ich glaube er ist dann von der Absperrung aus gestartet. Ging jedenfalls ohne Verletzungen. Also eigentlich ein ganz netter Auftritt der Fat-Wreck-Band aus Santa Cruz, aber in diesem Leben werden wir keine Freunde mehr.

Samiam hatten dann die undankbare Aufgabe den Rausschmeißer zu geben. Wobei schon noch einige geblieben sind und auf jeden Fall noch mehr los war, als am Anfang des Festivals. Aber wie das eben so ist, viele sind betrunken, haben nach 8 Stunden Bands keinen Bock mehr und auch die Band selbst wirkte etwas lustlos. Etwas seltsam mutete auch ihr Merchandisestand an: ein, dazu noch sauhässliches T-Shirt. Das wars. Keine Ahnung, was die geritten hat. Ehgal, immer noch besser als Skindred, die ursprünglich angekündigt waren. Nach ein-zwei Songs bin ich dann auch gefahren. Aber das ist so beim Ant Attack: Blackeyed Blonde und Rogers beide enttäuschten auf dem letzten Slot. Schöne Ausnahme: Brieftauben 2015.

Fazit: Für mich eindeutig das beste Ant Attack. Es wäre schön, wenn ein bisschen mehr los gewesen wäre. Ich hoffe, die Veranstalter geben nicht auf! Ist doch eine schöne Institution in NK geworden!

- Werbung -

Beitrag kommentieren

Bitte gebe dein Kommentar ein
Bitte gebe dein Name ein