Every Voice Feeds The Chorus
- Datum: 13.06.2026
- Ort: RAW Gelände, Berlin-Friedrichshain
- 3 Venues: Urban Spree, Cassiopeia, Astra Berlin
15 Bands

Zum zweiten Mal findet das Berlin Breakout statt. Wer ab und zu in Berlin auf Shows geht, kennt wahrscheinlich das Astra Kulturhaus, das Cassiopeia und vielleicht sogar das Urban Spree – die Gemeinsamkeit der Läden: Alle liegen an einem der wichtigsten Orte für die Versammlung der Berliner Subkulturen, dem RAW Gelände.
Was könnte passender sein, als dort ein unabhängiges Festival zu veranstalten, das die alte Schule kräftig durchfegt und die neue Generation feiert. Das Ganze in Venues, die ihre Tauglichkeit hundertfach unter Beweis gestellt haben: Astra, Cassiopeia und Urban Spree.
Ich darf dieses Jahr als Fototyp dabei sein. Das Festival wird von Loft Concerts, FluxFM, Coretex Records, Evil Greed und dem Visions Magazin getragen. Die Venues sind ziemlich nah beieinander, der Zeitplan der 15 (!) Bands an diesem Tag ist tight, aber einigermaßen machbar. Dazu später mehr. Vor dem Astra wurde ein Marktplatz organisiert, an dem Stände verschiedener Läden und Organisationen aufgebaut sind. Außerdem gibt es ziemlich gute und preislich faire Foodstände. Der Einlass startet ab 13 Uhr, der Ping Pong Pit von Coretex ist direkt gefragt. Ansonsten das übliche Bild: Orientierung, Hallos, Getränkeversorgung, Snacks und erstmal ankommen.

Bands
Dann die erste Band, wir starten im Astra: Xiao aus Stockholm, Schweden. Auch im Hardcore erfüllt die 2019 gegründete Band alle positiven Klischees skandinavischer Mucker, ein ordentliches Brett mit Powerviolence-Anleihen bläst der Crowd direkt die Gehörgänge frei. Sängerin Emelie hat die Crowd im Griff, und das Astra ist direkt gut gefüllt. Vielversprechender Auftakt in den Festival-Tag!

Weiter geht’s für mich mit zwei Bands, auf die ich sehr gespannt bin: La Haine und Nothing Works. Und wow, the spirit’s alive! Weil beide Bands gleichzeitig in Cassiopeia und Urban Spree spielen, komme ich nicht in den Genuss, die Sets voll zu erleben – das wird bald nachgeholt.
Zuerst ins Urban Spree zu Nothing Works! Based in Berlin, geben die Fünf im Urban Spree ordentlich Gas. Der Laden ist voll bis unters Dach, das Set ist druckvoll und musikalisch eine echte Freude. Melodic-/Post-Hardcore mit dezenten IndieAusflügen und gut gesetzten Hooks! Die Ansagen von Sängerin Lilian sind kurz, prägnant und die Wut der Band auf Patriarchat, Rassismus und soziale Ungerechtigkeit wird transportiert, ohne jemals in Selbstmitleid zu verfallen. Die Abgrenzung von Hipstern und Bro Culture wird auf den Punkt gebracht und macht die Band maximal sympathisch!

Schnell rüber ins Cassiopeia: La Haine spielen ziemlich melodischen Hardcore, bei dem eine Portion Wut im Bauch nicht zu kurz kommt. Sängerin Lucie schafft es, die Lücke zwischen Stage und der Crowd zu schließen, sodass für die 4 Songs, die ich sehe, durchaus der Funke überspringt. Da ist noch einiges zu erwarten, eine absolut hörens- und sehenswerte Band.

Als nächstes Excide aus South Carolina im Astra. Die Band, die mit dem letzten Release “Bastard Hymns” gerechtfertigte Aufmerksamkeit bekommen hat, lässt sich nicht lumpen: Old School, vermischt mit einer ordentlichen Portion Post Hardcore (Snapcase anyone?), lässt die Crowd two steppen und circlepitten. Auch hier wieder eine Menge Energie, die im Pit ausgelebt wird.

Feels Like Heaven und Yeahrs verpasse ich leider, Einlass-Stop an beiden Venues. Ich habe mich dagegen entschieden, mich mit dem Fotopass an den Warteschlangen vorbeizudrücken und die Venues noch voller zu machen. Ist ja für keinen geil, wenn sich jetzt noch so ein Fotomensch durch die Gegend quetscht. Nutze die unfreiwillige Pause, um etwas zu essen und ein Kaltgetränk zu mir zu nehmen. Außerdem sind ja genug bekannte Gesichter da, um ein paar Worte zu wechseln. Dann noch meinen Fotorucksack vor dem Regen schützen, Danke nochmal an David für das trockene Plätzchen im Coretex-Stand. Wetter ist, nebenbei bemerkt, auch wild.
Jetzt geht’s weiter mit Ursula aus Californien, zurück ins Urban Spree. Ziemlich derber und brachialer Mix, den die Band da liefert! Der Laden ist wieder proppenvoll, die Crowd ist gut am Start. Ein ordentliches Brett mit allerbester Moshpit-Attitude!


Hollow Suns verpasse ich, weil ich mir Ursula zu Ende ansehe.
Dann kommen schon Ways Away. Die Band um Jesse Barnes (Stick To Your Guns), Sergie Loobkoff, Chad Darby (beide auch bei Samiam) und Preston Harper (der Jared Shavelson ersetzt, weil dieser mit Joyce Manor in den USA tourt), gibt der Crowd einige Midtempo-Hymnen aus den bisherigen Werken zum besten. Da steht jede Menge Musikgeschichte auf der Bühne, auch wenn die Herrschaften sicher noch nicht zum alten Eisen zählen. Immer wieder gut, immer wieder intensiv!

February und Speedway verpasse ich leider komplett, festgequatscht und Flüssigkeitshaushalt reguliert.
Ab hier starten wir langsam Richtung Finale: End It aus Baltimore heizen dem Astra ein und zeigen, warum sie, neben anderen Senkrechtstartern wie Haywire und Speed, zu Recht als absolute Livemacht gelten. Eine astreine Hardcore-Show ohne Mätzchen mit voller Kraft voraus. Die Band um Sänger Akil hinterlässt eine klatschnass geschwitzte Crowd. Auf Obst und Gemüse wurde glücklicherweise komplett verzichtet. Klar, die ganzen Keyboard-Warriors sitzen ja auch zuhause vorm Rechner 😉 Spaß beiseite, Bananen aber jetzt auch. Reicht dann mal.


Greet Death im Urban Spree verpasse ich dann leider wieder.
Dafür gibt’s im Astra bei Pest Control ordentlich auf die Mütze. Die Thrasher aus Leeds ballern direkt los, Sängerin Leah zeigt, wie und warum die Band live immer abliefert. Die Crowd ist immer noch fit, das Vorabend-Fitnessprogramm wird durchgespielt. Besonders beeindruckend: wie Leah die Bühne für sich einnimmt. Die Frontfrau hat einfach Präsenz, und dem Publikum merkt man an, dass es sich gern anstecken lässt.


Als vorletzte Band spielen die grandiosen Homefront. Und was für ein Set der Kanadier um Sänger Graeme! Vollgas von Sekunde 1, Singalongs und gestreckte Fäuste lassen Band und Crowd eins werden. Absolut kein Wunder, dass Homefronts Ruf als Must See-Liveband ihnen vorauseilt.


Den Abschluss machen Touché Amoré, die ihr 2016er Album Stage Four spielen – und dabei keine Wünsche offen lassen. Für mich die nächste großartige Erfahrung, denn ich habe die Band noch nie vorher bewusst live gesehen. Bei der Crowd keine Anzeichen von Müdigkeit, all in und alle zusammen – so darf und muss das!


Fazit
Ein absolut gelungenes Festival, das nach Wiederholung schreit (und sie auch bekommt: Am 03.07.2027 gibt’s Volume III!). Eine großartiges Lineup, es wird eine Diversität abgebildet, wie sie mir in den letzten Jahren im Hardcore oft gefehlt hat. Jung und älter zusammen, der alten Schule einen Ehrenplatz – die Zukunft wird mit neuen Bands gemacht.
Wenn es überhaupt etwas zu meckern gibt, dann dass man Getränke nicht von einer mit in die andere Venue nehmen kann (weil die Venues eigene Bewirtung haben, was wiederum nachvollziehbar ist). Und vielleicht, dass die Kapazität von Cassiopeia und Urban Spree dem Andrang der BesucherInnen nicht immer standhalten konnte.
Was deutlich überwiegt: Viele zufriedene Menschen, die sich hier auf einen gemeinsamen Nenner geeinigt haben: Hardcore und Subkultur sind alles andere als vorbei, im Gegenteil: Die Diversität der Bands und die Einheit der Crowd macht richtig Bock auf die Zukunft! Danke an das Breakout-Team von Loft Concerts und alle, die diesen Tag zu einem erinnerungswürdigen Festival gemacht haben!
Ein Hinweis sei noch mitgegeben: Seit Jahren wird das RAW-Gelände durch Vorhaben der Kurth-Gruppe bedroht. Mit Cassiopeia, Crack Bellmer, Weißer Hase und Lokschuppen stehen einige der bekanntesten Clubs der Stadt vor der Schließung, nachdem die Kurth-Gruppe nicht weiter verhandeln möchte und zur Räumung auffordert. Die Räumung des Cassiopeia Ende Juni würde laut Angaben aus dem Betreiberumfeld sofort zur Insolvenz führen. Es gibt viel Widerstand und Aktionen. Seitens des Bezirks wird ebenfalls versucht, die Clubs und das Gelände zu retten. Wer möchte, kann helfen: Einfach diese Petition unterschreiben oder, wer in Berlin ist, an den Aktionen beteiligten. Denn ohne Kultur wird’s still!
Wenn ihr Bock auf mehr Material habt, checkt auf jeden Fall Berlin Breakout auf Instagram oder schaut auf meinem Instragram-Profil vorbei.

















