SKATENIGS - STUPID PEOPLE SHOULDN’T BREED
SKATENIGS - STUPID PEOPLE SHOULDN’T BREED

Manchmal kommen Platten auf den Tisch, die man sich selbst vermutlich nie ausgesucht hätte. In diesem Fall war es eine etwas kuriose Verkettung von Umständen: Eine Freundin fragte mich, ob ich mir das Vinyl-Reissue von Stupid People Shouldn’t Breed der Skatenigs anhören und ein paar Zeilen dazu schreiben würde. Hintergrund: Ein Kumpel von ihr hat die Platte erstmals seit  30 Jahren auf Vinyl veröffentlicht.

Musikalisch ist das nicht unbedingt die Art von Veröffentlichung, die wir normalerweise bei Away From Life besprechen. Aber hin und wieder lohnt es sich, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen – gerade wenn es um ein Album geht, das in bestimmten Kreisen längst Kultstatus genießt.

Die Skatenigs stammen aus Texas und bewegten sich Anfang der 90er irgendwo zwischen Industrial, Metal, Punk und komplettem Wahnsinn. Veröffentlicht wurde das Album ursprünglich über Wax Trax!, jenes Label, das für viele Fans von Ministry, Revolting Cocks oder Front 242 fast schon heiligen Status besitzt. Produziert wurde die Platte von Ministry-Mastermind Al Jourgensen, was man dem Sound auch jederzeit anhört.

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Musik aus anderen Zeiten

Wer mit MTV aufgewachsen ist, als das „M“ tatsächlich noch für Musik und nicht für Mist stand, dürfte hier ohnehin sofort nostalgische Gefühle entwickeln. Die Skatenigs waren Teil jener schrägen Ära, in der man nachts den Headbangers Ball einschaltete, Beavis & Butt-Head feierte und regelmäßig auf Bands stieß, die komplett außerhalb des Mainstreams existierten. Genau aus dieser Welt stammt Stupid People Shouldn’t Breed.

Und auch die Geschichten rund um die Band könnten kaum mehr nach den frühen 90ern klingen: Die Single Chemical Imbalance soll angeblich der meistgespielte Song in den Stripclubs Floridas gewesen sein – eine dieser Geschichten, bei denen man nie ganz weiß, ob sie wirklich stimmt, die aber einfach perfekt zum Mythos der Band passt. Noch besser ist die Story rund um das Musikvideo: Als die Skatenigs gemeinsam mit den Butthole Surfers beim Headbangers Ball zu Gast waren, soll Gibby Haynes persönlich darauf bestanden haben, dass MTV den Clip zeigt. Irgendwie schaffte es das Video dadurch an der Zensur vorbei und landete später sogar bei einer Generation von Jugendlichen, die ihre Musik hauptsächlich über Beavis & Butt-Head entdeckten.

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Auch musikalisch hat die Platte ihre Spuren hinterlassen. I Got It Made fand später seinen Weg auf den Soundtrack von The Texas Chainsaw Massacre: The Next Generation, während Songs wie Loudspeaker bis heute in einschlägigen Playlists und DJ-Sets auftauchen. Nicht schlecht für eine Band, die sich nie um Charts, Trends oder große Marketingbudgets geschert hat.

Musikalisch ist das Ganze roh, laut, dreckig und bewusst drüber. Industrial-Riffs treffen auf Punk, Samples auf Chaos und immer wieder auf diesen typischen Wax-Trax!-Vibe, der sich kaum beschreiben lässt, aber sofort wiedererkennbar ist. Die Skatenigs klingen wie eine Band, die sich in einem verrauchten Proberaum eingeschlossen hat und beschlossen hat, einfach alles gleichzeitig gegen die Wand zu fahren.

Ideal für Nerds und Plattensammler

Ob das Album heute noch neue Fans gewinnen wird? Wahrscheinlich eher bedingt. Wer mit Industrial und dem Sound der frühen 90er nichts anfangen kann, wird hier vermutlich nicht bekehrt werden. Für alle anderen ist dieses Reissue jedoch eine schöne Gelegenheit, ein lange vergriffenes Stück Underground-Geschichte wieder ins Regal zu stellen.

Am Ende ist diese Veröffentlichung vermutlich weniger ein Pflichtkauf für die breite Punkrock-Masse als vielmehr ein Sammlerstück für Nerds, Wax-Trax!-Jünger und Menschen, die sich noch daran erinnern, wie Beavis und Butt-Head vor dem Fernseher saßen und Musikvideos kommentierten. Oder für Leute, die einfach Bock auf eine Zeitreise zurück in eine Ära haben, als MTV noch Musik spielte und Bands wie die Skatenigs mit genug Chaos und Chuzpe plötzlich überall auftauchen konnten.

Und genau dafür ist diese Platte auch heute noch verdammt gut.

Tracklist

  1. Chemical Imbalance
  2. I Got It Made
  3. Stand Tall
  4. Shit Authority
  5. Horny For Evil
  6. Poundsauce
  7. Fight Da Suckas
  8. Loudspeaker
  9. Roadkill
🎧 Folgt unserer Playlist
– Playlist: Happy Release Day

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