Fights And Fires (2026)
Fights And Fires (2026)

Fights and Fires sind zurück – Erinnerungen, Chaos und ein neues Kapitel

Da glaubte ich es erst nicht, als Phil mich anschrieb:

„Hey, machst du noch Shows? Oder kennst du jemanden, der eine Show in Luxemburg mit uns machen würde? Wir haben einen Tag frei und Luxemburg würde perfekt passen…“

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Und dann machte es Klick: Fights and Fires sind zurück.

Eine Band, mit der ich unglaublich viele persönliche Erinnerungen verbinde. Kaputte Vans, Kebabs, verschwitzte Shows, Skateboards im Pit und völliges Chaos.

Fights and Fires waren tatsächlich die erste Band, für die ich jemals eine Show organisiert habe. In einem winzigen Pub. Mit viel zu wenig Equipment, keiner richtigen P.A., viel zu viel Pizza und irgendwann stand natürlich auch noch die Polizei vor der Tür, weil sich die Nachbarn über den Lärm beschwert hatten.

Trotzdem – oder vielleicht genau deswegen – blieb mir diese Nacht für immer im Kopf.

Umso verrückter war es, dass die Band plötzlich wieder da ist.

Ich konnte ihnen tatsächlich wieder eine Show in Luxemburg vermitteln. Und weil Fights and Fires einfach eine Band ist, die für mich immer ein Teil dieser ganzen DIY-Punkrock-Zeit bleiben wird, nahm ich das Ganze direkt zum Anlass, mit Sänger Phil über die alten Zeiten, kaputte Tourvans, Kebabsauce, den Ausstieg von Lee und die Rückkehr der Band zu sprechen.

Und weil Geschichte dazugehört, gibt es am Ende außerdem noch das komplette alte Interview, das damals im Winter 2011 in der Punkrock!#14 erschien.

Viel Spaß mit dem Interview.

Interview 2026

AFL: Ihr wart tatsächlich eine sehr wichtige Band für mich. Ihr wart die erste Band, für die ich jemals eine Show organisiert habe. Erinnerst du dich überhaupt noch an diesen Abend? Das war in einem winzigen Pub, es gab Unmengen Pizza und ich war so dumm, nicht mal eine richtige P.A. zu haben. Dann tauchte plötzlich Pascal Vu Woltz auf, um zu helfen. Später kam sogar noch die Polizei vorbei, weil sich die Nachbarn über den Lärm beschwert hatten.

Phil: Ja, das war für uns immer eine unvergessliche Show. Es war unser erstes Mal in Luxemburg und du machst deinen damaligen Job deutlich schlechter, als er wirklich war! Ich erinnere mich daran, dass die Show ziemlich voll war und eure Gastfreundschaft einfach überwältigend.

Wenn ich mich richtig erinnere, kam die Polizei genau dann rein, als wir unseren letzten Song gestartet haben. Das hat den Abend nur noch mehr nach Rock’n’Roll wirken lassen.

Ich wünschte, ich könnte sagen, dass das das einzige Mal gewesen wäre, aber die Polizei scheint unsere Shows wirklich zu lieben.

AFL: Hast du mitbekommen, was mit Pascal passiert ist? Ihr habt damals ja auch Releases über sein Label Granny Records veröffentlicht.

Phil: Ja, leider haben wir davon gehört. Pascal war jedes Mal unglaublich gut zu uns, wenn sich unsere Wege gekreuzt haben. Er half uns damals mit unserem ersten Full-Length-Album „Proof That Ghosts Exist“, das vor Kurzem sein 15-jähriges Jubiläum gefeiert hat.

Pascal spielte tatsächlich sogar ein Akustik-Set auf der Show, über die wir gerade gesprochen haben. Einer seiner Songs – „Dicke Bertha“ – lief danach monatelang ständig in unserem Van.

AFL: Wie haben sich Fights and Fires ursprünglich gegründet?

Phil: Ryan und ich spielten vorher in einer Ska-Core-Band namens Backwash. Als sich die Band auflöste, wollten wir etwas Neues starten – mit dem Ziel, so viel wie möglich zu reisen.

Lee, unser langjähriger Drummer, der die Band inzwischen verlassen hat, war damals oft mit Backwash unterwegs und kümmerte sich um Merch. Deshalb war er die perfekte Person, um mit einzusteigen.

Über die Jahre hat sich die Besetzung natürlich verändert. Mittlerweile haben wir sogar drei Gitarristen – alles Freunde, die irgendwann mal Bass ausgeholfen haben und dann einfach geblieben sind.

Im Moment sammeln wir einfach immer mehr Leute für diese verrückte Familie. Wer weiß – vielleicht haben wir auf der nächsten Tour dann vier Gitarren.

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AFL: Nachdem ich angefangen hatte, Shows für euch zu machen, bekam ich plötzlich Anfragen von allen möglichen englischen Bands – The Departed, Egos at the Door und viele andere. Das war damals echt eine großartige Zeit. Leider existieren viele dieser Bands heute gar nicht mehr. Habt ihr noch Kontakt zu einigen von ihnen?

Phil: Ja, damals hatten wir wahrscheinlich ein bisschen den Ruf, überall hinzufahren und wirklich jede Show zu spielen.

Wir hörten oft von Veranstaltern, dass sie plötzlich massenhaft Anfragen britischer Bands bekamen, nachdem wir irgendwo gespielt hatten.

Aber all die Bands, die du erwähnt hast, waren großartige Leute. Wir alle teilten einfach die Liebe zur Musik und diesen Wunsch, Punkrock überall hinzubringen.

Leider sehen wir viele davon heute kaum noch, aber ich bin mir sicher, dass es sofort wieder eskalieren würde, wenn wir uns treffen.

AFL: Ich hatte immer das Gefühl, dass Fights and Fires riesig hätten werden können. Aber irgendwie ist es nie komplett passiert und dann war plötzlich alles vorbei. Warum?

Phil: Schwer zu sagen. Es lag definitiv nicht daran, dass wir es nicht versucht hätten. Aber wir haben oft Entscheidungen getroffen, die sich für uns künstlerisch richtig angefühlt haben – auch wenn das manchmal überhaupt nicht zu Trends oder dem gepasst hat, wonach die Szene gerade gesucht hat.

Eigentlich haben wir nie wirklich aufgehört, eine Band zu sein. Aber wenn die Leute gewohnt sind, dass du jedes Jahr über 100 Shows spielst, dann wirkt schon ein Jahr Pause wie ein komplettes Verschwinden.

AFL: Ryan spielte ja eine Zeit lang bei Wonk Unit. Ist er dort noch aktiv? Und was habt ihr während der Pause sonst so gemacht?

Phil: Ja, Ryan spielt immer noch bei Wonk Unit und außerdem noch bei einigen anderen Bands.

Der Rest von uns hat die Zeit vor allem mit unseren Familien verbracht und versucht, im normalen Leben etwas stabiler zu werden.

Fights And Fires
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AFL: Eine Frage muss natürlich gestellt werden: Wo zur Hölle ist Lee?

Phil: Lee ist immer noch ein riesiger Teil der Fights and Fires-Familie und einer unserer besten Freunde. Aber nach der letzten Tour hatte er einfach das Gefühl, dass er alles erreicht hatte, was er mit der Band erreichen wollte.

Und ehrlich gesagt: Irgendwann hat man vielleicht einfach keine Lust mehr, stundenlang in einem Van zu sitzen.

Ich glaube, wir alle hatten diesen Gedanken irgendwann mal. Deshalb verstehe und unterstütze ich seine Entscheidung komplett.

Aber der Rest von uns wollte einfach weitermachen – auch wenn der Zug heute vielleicht etwas langsamer fährt.

AFL: Rückblickend wirkte Lee für mich immer wie der Vernünftige in der Band. Der Rest von euch war pures Chaos und Lee war derjenige, der alles zusammenhielt. Wie funktioniert das heute ohne ihn?

Phil: Wir haben eigentlich immer als Team funktioniert und jeder hatte seine Stärken.

Lee übernahm oft die Rolle des Tourmanagers, aber wir alle mussten irgendwann lernen, Verantwortung zu übernehmen.

Das Chaos blieb meistens auf der Bühne – abseits davon wollten wir immer respektvoll und dankbar bleiben.

AFL: Phil, du hast inzwischen geheiratet. Die wichtigste Frage überhaupt: Haben Napalm Death wenigstens auf deiner Hochzeit gespielt?

Phil: Das fühlt sich inzwischen wie ein anderes Leben an. Tatsächlich bin ich mittlerweile schon seit einiger Zeit geschieden und inzwischen stolzer Stiefvater von Zwillingsjungs mit meiner großartigen Verlobten.

Vielleicht buchen wir Napalm Death dann einfach für Hochzeit Nummer zwei.

(Und ja, ich habe tatsächlich gedacht es wäre Wedding, sorry – Steve)

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AFL: Früher lief eine Fights and Fires-Tour für mich immer gleich ab: Ihr kamt mit diesem weißen Van an, der garantiert dreimal pro Tour kaputtging, irgendwo waren immer Kebabs involviert und nach der Show saß plötzlich jeder zusammen und schaute Wrestling. Wie sieht eine Fights and Fires-Tour heute aus?

Phil: Ehrlich gesagt hat sich nichts verändert. Nur weniger Alkohol und dafür mehr Rückenschmerzen und kaputte Knie.

AFL: Apropos Kebabs – ihr wart wahrscheinlich eine der ersten Bands überhaupt, die eine eigene Kebabsauce als Merch veröffentlicht haben. Auf der Flasche war sogar ein QR-Code, der einen Song abgespielt hat. Ich habe die Flasche immer noch zuhause und habe ehrlich gesagt Angst, die Sauce jemals zu probieren. Aber ernsthaft: Wo gibt es den besten Kebab aller Zeiten?

Phil: Auf die Sauce sind wir bis heute unglaublich stolz. Und sie war wirklich verdammt gut.

Tubby Tom, der die Sauce damals für uns gemacht hat, ist inzwischen ziemlich erfolgreich und seine Sachen stehen mittlerweile sogar in großen Supermärkten in Großbritannien.

Kebabs in England sind ehrlich gesagt komplett hit or miss. Aber in Deutschland finden wir eigentlich fast immer gute.

Mein aktueller Favorit ist Istanbul Grill in Wolverhampton.

AFL: Arbeitet ihr an neuer Musik?

Phil: Definitiv. Wir wollen bald anfangen, neue Songs zu schreiben.

Im Moment konzentrieren wir uns aber erst einmal darauf, mit unserem neuen Drummer möglichst viel von unserem alten Material einzustudieren, bevor wir wieder richtig auf Tour gehen.

Pete – manche kennen ihn vielleicht von Brassick – macht einen unglaublichen Job und wir sind extrem froh, ihn jetzt in unserer kleinen verrückten Familie zu haben.

Fights And Fires
Fights And Fires

 

AFL: Und Touren wird es definitiv wieder geben?

Phil: Ja. Wir haben bereits einige Shows gebucht und hoffen, sie sehr bald ankündigen zu können. Außerdem arbeiten wir schon an weiteren Terminen für nächstes Jahr.

AFL: Werden Menschen mit dem Alter ruhiger oder können wir wieder dieselben chaotischen Fights and Fires-Shows erwarten wie früher?

Phil: Ich glaube nicht, dass wir jemals die Leidenschaft oder Energie verloren haben.

Die Shows sind immer noch intensiv. Vielleicht haben wir inzwischen einfach gelernt, dieses Chaos etwas besser zu kontrollieren und gezielter in die Musik zu lenken.

AFL: Wir sehen uns auf Tour. Ich kann ehrlich gesagt kaum erwarten, euch endlich wieder live zu sehen. Danke für das Interview.

Phil: Danke dir. Bis bald.

Interview aus der Punkrock! Nummer 14 – Winter 2011

Wenn man über Melodic Hardcore spricht, führt im Moment kein Weg an Fights And Fires vorbei. Mit ihrem ersten Langspieler „Proof That Ghosts Exist“ haben die vier Engländer aus Worcester die Messlatte verdammt hochgelegt.

Durch unbändiges Touren haben sich die sympathischen Briten bereits einen guten Namen erspielt. Der Name der Band rührt nicht von den kürzlich in London statt gefundenen Unruhen, über die ich mich unter anderem mit Ihnen unterhalten habe. Auch ist es nicht sonderlich gefährlich in der kleinen Stadt, aus welcher die vier Jungs stammen. Der Name Fights And Fires geht zurück auf das Konto eines guten Freundes der Band, der scherzeshalber meinte: „I only get exited, when I see a fight or a fire.“ Die Band dachte sich, das wäre wohl ein guter Bandname, und nannte sich kurz FIGHTS AND FIRES. Wer die Band schon mal live gesehen hat, weiß mit welcher Leidenschaft sie spielen.

Darüber hinaus ist bei einer Fights And Fires-Show alles möglich: Von einem fast 200 kg schweren Sänger, der auch schon mal mit Wrestlingmaske auftritt, sich sein T-Shirt ganz im Sinne von Hulk Hogan zerreißt, oder (halb) nackt Crowd surft. Bis hin zu Leuten die selbiges auf Tischen tun, über Skateboard-Fahrer im Circle Pit, ist alles bei einem Fights And Fires Konzert möglich. Da er laut eigenen Angaben immer der Fetteste im Saal sein will, der dieser Aktivität nachgeht, tut er alles, um aufzufallen. Und wenn Ryan, der Gitarrist, zur Höchstform aufläuft, kann es auch vorkommen, dass irgendwann ein Konzertbesucher die Gitarre umhängen hat, während dieser noch immer weiterspielt. Ich sprach mit Lee, dem Schlagzeuger, und Phil, dem Sänger, über Musik, Unruhen, Churchill, Hitler, und AIDS……

Sommer 2011 in Luxemburg als Ziegenbärte und rauchen noch cool waren.
Sommer 2011 in Luxemburg als Ziegenbärte und rauchen noch cool waren.

Wenn man euch live sieht, habt ihr diese unglaubliche Energie. Wenn ihr vor über 90 Leuten spielt ihr so als würdet ihr vor 2000 spielen. Ist das normal für euch, oder denkt ihr „Na gut es sind ja eh nur 90 Leute hier, dann erst recht“?

Phil: Wir glauben daran, dass, egal wie viele Leute bei einer Show auftauchen, wir genau diesen Leuten, die zu unserer Show bieten wollen, und auch haben wollen. Wir wollen uns dabei den größtmöglichen Spaß haben wollen

Lee: Wir spielen auch nicht nur für die Leute, sondern wir wollen wahrscheinlich selbst auch eine gute Zeit und Spaß zusammen haben. Wir spielen unsere Shows immer mit so viel Energie und Leidenschaft, wie wir können. Selbst wenn kaum viele Leute da sind, sind es dann diese Leute, die dennoch den Weg zu uns gefunden haben, die eine gute Show verdienen.

Das ist eine großartige Einstellung. Etwas, das mir nach einer eurer Shows aufgefallen ist, war, dass viele Kids sich ein Album gekauft haben. Ich denke, das ist heutzutage doch nicht mehr so normal? Die meisten kaufen sich doch lieber ein T-Shirt oder anderen Merch. Habt ihr vielleicht andere Erfahrungen diesbezüglich gemacht? Oder wieso glaubt ihr, kaufen sie eher die Alben bei euch?

Lee: Wir mögen und versuchen es, unseren Merchandise sehr preisgünstig zu halten, sodass sich jeder unseren Kram leisten kann. Wir versuchen auch immer etwas Anderes, als Andere anzubieten. Wir schätzen es wirklich, wenn einer unsere CDs kauft, weil das das Hauptziel des Tourens ist. Unsere Musik an neue Leute zu bringen. Das Einzige, was mich immer noch verwirrt ist, ist, wenn dich ein Fan bittet, ihm die CD zu unterschreiben. Ich meine, klar mache ich das dann gerne, aber oft ist mir komisch dabei. Ich frage mich dann wieso? Wir sind doch nur vier hässliche Engländer, die bei einem Pizza-Lieferdienst oder im Supermarkt arbeiten. Haha!

Ihr habt gerade euren ersten Longplayer „PROOF THAT GHOSTS EXIST“ eingespielt. Bislang gab es nur die „WILL IT BE MY CURSE“-EP. Wie war es an einem Longplayer zu arbeiten? Könnt ihr mir etwas über das neue Album erzählen?

Lee: Das neue Album hat eine Menge an Vorbereitungszeit gebraucht. Und es ging eine ganze Menge an Zeit und Geld drauf. Wir sind wahnsinnig glücklich mit dem Ergebnis. Wie es klingt. Wir können es kaum erwarten, dass es endlich erscheint und dass die Leute es zu hören bekommen. Wir arbeiten gerade an der Release-Logistik und hoffen sehr, dass es in ganz Europa bei zahlreichen Labels erscheinen wird.

Phil: Das Album betrachte ich als einen massiven Vorwärtsschritt für uns, seit der „WILL IT BE MY CURSE“-EP. Es fühlt sich an, als hätten wir eine neue Kollektion von Songs geschrieben, die auf irgendeine Art und Weise viel durchdachter und eingängiger sind. Wir sind wirklich äußerst aufgeregt bis die Leute es endlich zu hören bekommen.

Ihr habt einen relativ modernen Sound. Dennoch hört es sich nicht erzwungen an, sondern einfach nur ehrlich. Ist Ehrlichkeit ein wichtiger Bestandteil der Band und der Musik?

Lee: Ja, ganz sicher! Es ist so, als würden wir unsere Herzen in die Musik stecken. Wir schreiben Musik, die wir nicht nur mögen, sondern die uns uns gut fühlen lässt. Eines unserer Gebote ist, dass wir keinen Trends folgen. Wir zwingen uns, es nicht zu tun. Alleine da wir einen speziellen Hardcore-Stil spielen, versichern wir unseren eigenen Sound, mit dem wir uns genügend von den Anderen abheben können.

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Ist Musik denn nun ein Fluch oder ein Segen („WILL IT BE MY CURSE“)? Was denkt ihr über die Zukunft der Musik?

Lee: Das ist eine großartige Frage! Ha! Ich bin mir nicht sicher, ob wir in der Lage sind, die richtige zu beantworten. Bis jetzt hatten wir die beste Zeit unseres Lebens. Wir hatten die Möglichkeit durch ganz Europa zu reisen und zu spielen. Wir trafen so viele ehrenwerte und nette Leute. Ich würde sagen, bis jetzt war es ein Segen. Der einzige Fluch ist wohl der Schaden, den unsere Finanzen erlitten haben. Aber für den Spaß, den wir bis jetzt zusammen hatten, hat es sich trotz allem zweifellos gelohnt.

Die Zukunft der Musik? Ich bin mir sicher. Wenn wir Vergleiche heranziehen heute und vor 10 Jahren, wie sich einiges verändert. Äußerst spannend finde ich die neuen Formate, auf denen du Musik erwerben kannst. Versteht mich nicht falsch, ich bin ein großer Fan von CDs, und kaufe sie genau so von Bands, aber in der Lage zu sein, neue Alben sofort von zu Hause aus zu kaufen, ist schon aufregend. Persönlich bevorzuge ich jedoch das Artwork und das Gesamtpaket einer CD. Aber wir werden sehen was die Zukunft bereits hält, hinsichtlich der Entwicklung neuer Formate und der Musikindustrie.

Ganz genau. Ich selbst mag es auch lieber die Cover und die Lyrics zu bewundern, zum Plattenladen zu gehen, Alben zu durchstöbern. Es hat in gewissem Sinne etwas Magisches. Denkst du nicht, wenn du dir schnell mal eben Musik downloaden kannst, dass die Besonderheit verloren geht? Oder dass Leute Musik nicht mehr hören, sondern nur noch konsumieren.

Lee: Hmm, einige meiner Freunde, die riesige Albenansammlungen haben, haben seit einiger Zeit angefangen iTunes zu benutzen. So können sie ihre Plattensammlung auf Abruf die ganze Zeit mit sich in der Tasche rumtragen. Ich denke, der Genuss von Musik bleibt der Gleiche, egal von wo du sie beziehst. Nur wie gesagt, downloaden ist für mich persönlich nicht das Gleiche. Ich bevorzuge es, richtige Alben zu besitzen.

Zurück zu eurer Musik. Sind eure Texte inspiriert an Sachen, die ihr im wahren Leben erfahrt? Ich rede über den Song „SEX PEST“. Ich kann total daneben liegen, aber wenn ich mir den Song anhöre, erinnert er mich immer daran, mich selbst zu schützen. Es gibt immer mehr junge Menschen, die sich mit AIDS anstecken, und das zu Zeiten wo es jedem klar sein sollte, sich zu schützen. Glaubst du die Kampagnen der Regierungen haben versagt? Habt ihr irgendwo eine Verantwortung als Band? Und falls ja, welche?

Phil: Wir versuchen uns immer auf soziale Probleme und Dinge, die wir im wahren Leben sehen und erleben, aufmerksam zu machen. Insbesondere mit „SEX PEST“. Es handelt darum, nachts auszugehen und einer Gruppe betrunkener Typen zu begegnen, die sich versuchen Vorteile bei betrunkenen Mädchen zu verschaffen. Wir versuchen unsere Meinungen oder politische Ansichten nicht in unsere Songs hinein zu zwingen, aber jeder Song, den wir schreiben, hat seine eigene Geschichte oder Botschaft.

Fights And Fires (2011)
Fights And Fires (2011)

Was denkt ihr über Krieg und seine politischen Ausmaße? Wie in dem Lied „STOP AND SAVE“. Es scheint mir, als hätten einige von euch sehr schlechte Erfahrungen durchlebt.

Phil: Wir alle haben Freunde die im bewaffneten Militäreinsatz waren. Verschiedene Ereignisse, die sie uns später erzählt haben, haben wir dann zu Liedtexten umfunktioniert.

Die meisten Lieder scheinen eine extrem düstere Aussage zu haben. Allerdings macht ihr immer einen eher positiven Eindruck auf mich. Bündelt ihr eure negativen Erfahrungen in eurer Musik, um sie so von euch selbst fern zu halten?

Phil: Früher gab es viel mehr negative Dinge in meinem Leben, als dies jetzt der Fall ist. Ich habe mich dem Meisten gestellt, und es auch bewältigt. Die neue Platte zeigt das, und ist ein enormer Aufschwung an Positivität. Obwohl einige Lieder Probleme aufzeigen, die wir in der Gesellschaft sehen. Wir versuchen jedoch auch mögliche Lösungen für einige Probleme zu suchen.

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Vor nicht langer Zeit, schaute ganz Europa auf England, besonders auf London wegen der Unruhen, die dort stattfanden. Dave von The Departed, einer befreundeten Band von euch, meinte auf Facebook: „Wenn ihr den Scheiß gut findet, der sich gerade da in London abspielt, dann wollen wir euch nicht mehr als „Fans“ auf unserer Facebook-Bandseite haben.“ Was ist eure Meinung zu den Londoner Unruhen?

Lee: Ich denke, die Unruhen waren lächerlich. Auch wenn wir selbst nicht davon betroffen waren, gab es eine Menge Leute, die sich sorgen, dass es sich auch in unserer Stadt ausbreiten könnte. Glücklicherweise ist es nicht dazu gekommen. Die Leute, die die ganzen Unruhen ausgelöst haben, waren totale Vollidioten. Sie hatten absolut keine Skrupel und Bedenken, wem oder welchen Schaden sie anrichten. Und viele Menschen hätten sterben können als Folge ihrer unüberlegten dummen Aktionen. Wir waren dankbar, dass es in unserer Stadt ruhig blieb, und wir in Sicherheit blieben.

Wieso ist eigentlich Winston Churchill auf einem eurer T-Shirts? Oder ist das gar Hitler? (Die Frage wurde der Band mal nach einem Konzert von einem Fan gestellt.) Ist es nicht tragisch, dass einige sehr wichtige Herrscher, respektive einer der größten Tyrannen aus der Weltgeschichte, aus den Köpfen der Jugendlichen verschwinden? Denkt ihr, das wäre gefährlich?

Lee: Haha!!! Auf dem T-Shirt ist ein Foto von dem berühmtesten Mann, der aus unserer Heimatstadt kommt. Sein Name ist Edward Elgar. Er ist ein bekannter Komponist von klassischer Musik. Sein Gesicht war lange Zeit auf zwanzig Pfund Noten zu sehen. Wir mögen das Bild, aber nur, weil er einen der besten Schnurrbärte hat, den die Menschheit je gesehen hat. Ich denke, dass sicherlich einige Leute aus der Geschichte vergessen werden. In meinen Augen ist dies nicht unbedingt gefährlich. Es ist nur traurig mit anzusehen.

Was hat es eigentlich mit den ganzen Bärten und Pornobalken auf sich? Lee du arbeitest bei Records. Das ist doch sicherlich ein Vorteil für die Band, da ihr dort unter Vertrag seid?

Phil: Haha! Eine Band ohne bärtige Männer ist doch keine richtige Band!

Lee: Ganz genau! Eine ordentliche Band braucht ordentliche Bärte. Der größten Vorteil, den die Arbeit bei Lockjaw Records mit sich bringt, ist ohne Zweifel, dass mein Arbeitgeber mir nie verweigern wird auf Tour zu gehen…. und das hat doch was.

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Persönlich finde ich, dass das neue Album „Proof That Ghosts Exist“ ein absoluter Knaller geworden ist. Man merkt eine deutliche Weiterentwicklung. Man darf gespannt sein, wie Fights And Fires sich in Zukunft entwickeln. Solltet ihr die Gelegenheit haben, die Band mal live zu sehen, geht hin, es wird sich auf jeden Fall lohnen. Eine engagierte und allürenfreie Band hab ich seit Jahren nicht erlebt. Ich werde sie jedenfalls im Auge behalten, und gucken was noch so alles aus Worcester kommt.

🎧 Folgt unserer Playlist
– Playlist: Happy Release Day

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