Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: To The Wire hatten mich im Sack, ab der ersten Sekunde, in der ich sie das erste Mal live gesehen habe. Seitdem ist viel passiert. Willpower erschien und wurde von der Hardcore-Community sehr gut aufgenommen. Es gab eine kleine Doku über die Band, unzählige Liveshows und über die Jahre lernte ich die Jungs auch persönlich kennen. Dabei waren sie immer genau das, was man sich von einer Hardcore-Band wünscht: bodenständig, sympathisch und authentisch.
Nun also Album Nummer zwei.
Die selbstgelegte Latte liegt hoch. Aber To The Wire meistern diese Herausforderung mit Bravour.
Schon der Opener Out Of Touch zeigt eine etwas dunklere Seite der Band, als man sie vielleicht bisher kannte. Trotzdem bleibt keine Zeit zum Durchatmen, denn der Beat walzt von Anfang an alles nieder. Velocity Of Fear zündet anschließend wie eine Rakete. Rasantes Tempo, fette Gangshouts und eine Energie, die einen einfach mitreißt.
Der Titeltrack Stand For Something, den viele bereits von Liveshows kennen dürften, ist vergleichsweise simpel gehalten. Genau das macht ihn aber so stark. Die Lyrics bleiben sofort hängen und man kann sie praktisch beim ersten Durchlauf mitgrölen.
(Wanna) Have Faith ist für mich einer der absoluten Hits der Platte. Ein Song, der einen direkt abholt und dabei vor allem durch seine Lyrics glänzt. Der Breakdown sitzt perfekt und dürfte live für einige Eskalationen sorgen.
Auch Law Of Attraction weiß zu überzeugen. Der Song entwickelt sich im Verlauf immer weiter und mutiert zum Ende hin zu einer absoluten Dampfwalze.
Mein persönliches Highlight der Platte ist allerdings Lost In Translation. Schwer zu erklären, aber der Song hebt sich für mich noch einmal von den anderen Tracks ab. Obwohl das Niveau durchgehend hoch ist, besitzt dieser Song eine ganz besondere Atmosphäre und bleibt besonders hängen.
Was mir an Stand For Something insgesamt am meisten gefällt, ist die Entwicklung der Band. To The Wire sind erwachsener geworden. Nicht im Sinne von ruhiger oder zahmer, sondern als Songwriter und Texter. Die Songs transportieren positive Werte, sprechen über Veränderung, Zusammenhalt und Verantwortung, ohne jemals belehrend oder moralisch überlegen zu wirken. Ein perfektes Beispiel dafür ist Empowerment.
Und genau das ist für mich Hardcore.
Hardcore kann auch 2026 noch großartig sein. Hardcore kann immer noch Werte vertreten, so wie es ursprünglich gedacht war. Ohne Metal-Gebolze, ohne Karate-Mosh-Klischees und ohne all den anderen Quatsch. Wer mit Bands wie Gorilla Biscuits groß geworden ist oder diese Art von Hardcore liebt, dürfte an diesem Album kaum vorbeikommen.
Umso mehr bleibt zu hoffen, dass To The Wire mit dieser Platte auch viele jüngere Hörer erreichen.
Das vielleicht größte Kompliment, das ich machen kann: Auf dieser Platte gibt es keinen einzigen Filler. Jeder Song ist ein Treffer. Die bekannten Zutaten sind weiterhin vorhanden – Geschwindigkeit, Gangshouts und positive Botschaften. Gleichzeitig wirkt alles ausgereifter. Die Texte sind stärker, die Songs besser geschrieben und die Band wirkt insgesamt noch gefestigter als auf dem Vorgänger.

Willpower habe ich damals mit 4,5 Sternen bewertet. Warum eigentlich? Vielleicht wollte ich noch Luft nach oben lassen. Die brauche ich jetzt nicht mehr. Stand For Something bekommt die vollen 5 Sterne.
Wenn über deutsche Hardcore-Bands gesprochen wird, fallen oft die Namen Spermbirds und Ryker’s. Meiner Meinung nach muss man in Zukunft auch To The Wire in dieser Reihe nennen.
Ich freue mich jedenfalls darauf, die neuen Songs im Sommer auf diversen Festivals endlich live zu hören. Und ich bin überzeugt davon, dass viele Leute, die To The Wire dort vielleicht zum ersten Mal sehen werden, das Festival anschließend als Fans verlassen.
Für mich schon jetzt ein ganz heißer Kandidat für das Album des Jahres.

















