Turnstile in Nürnberg (Photo by Michelle Olaya)
Turnstile in Nürnberg (Photo by Michelle Olaya)

Wieder einmal geht ein grandioses Hardcore/Punk-Jahr zu Ende. Ein Jahr voller Wahnsinns-Veröffentlichungen, genialer Shows und unvergesslicher Festivals! In den kommenden Tagen werden wir Euch deshalb täglich unsere persönlichen Höhepunkte des Jahres vorstellen. Unser Best-Of HC-Punk 2018!

Gleichzeitig dürft Ihr uns bis zum 23. Dezember 2018 Eure Highlights des Jahres in unserer Leserumfrage verraten.

Beantwortet hierfür einfach kurz folgende sechs Fragen und gewinnt mit etwas Glück 1 von 3 Überraschungspaketen im Sachwert von über 100 Euro! Die Ergebnisse der Umfrage präsentieren wir Euch dann im Januar 2019.

Zur Umfrage »

Marius‘ Hardcore-Punk Highlights 2018

Moin, Moin! Ich heiße Marius und bin seit Mai 2018 Teil von AWAY FROM LIFE. Meine Aufgaben im Team sind vor allem das Schreiben von News rund um die Hardcore- und Punk-Szene, aber widme ich mich auch hin und wieder einem Review. Da ich bereits vorher für ein Fanzine geschrieben habe, bei dem ich wegen einiger Differenzen ausgestiegen bin, war es schon seit längerer Zeit mein Wunsch wieder für ein Fanzine zu schreiben. Daher ist mein persönliches AFL-Highlight 2018 auch der Moment, als ich Teil dieses Fanzines geworden bin. Vor allem die Möglichkeit mich wieder kreativ ausleben zu können, ist mir besonders wichtig und natürlich auch der Musik – einem der wichtigsten Anhaltspunkte meines Lebens – etwas zurückzugeben. Am meisten Spaß hatte ich dabei beim Schreiben von Reviews, insbesondere bei The Secrets neuer EP Lux Tenebris.

Leider habe ich es aufgrund von Studium, Nebenjob und anderen diversen Gründen auch in diesem Jahr nur auf wenige Shows geschafft. Viel zu oft vermisse ich die Intensität und die Freiheit einer Hardcore-Punk Show, denn wie Aaron Bedard immer so schön schrie:

„This is my therapy. You breathe life into me.

My only sanity, within this walls is where I´m free.“

Aber genug des sentimentalen Rückblicks, denn hier kommen meine Highlights aus dem Jahr 2018 – okay, es wird doch ein wenig sentimental.

Alben des Jahres

Tiny Moving Parts – Swell (Triple Crown Records)

Ich glaube, ich habe keine Platte in diesem Jahr öfters gehört, als die neue von Tiny Moving Parts. Ob ich glücklich, traurig, melancholisch oder sonst was war, in vielen Fällen lief Swell im Hintergrund. Alles an diesem Album hat mich fasziniert. Die Texte, die Melodien, dieser geniale Mix aus Pop-Punk und Mathcore, einfach alles passt auf dieser Scheibe. Da verzeihe ich auch gerne so eine kitschige Ballade wie Wishbone – wobei Kitsch nicht zwingend etwas Schlechtes sein muss. Jeder Text sitzt mittlerweile sicher in meinem Gehirn und ich kann nicht anders als bei jedem Song mitzusingen, sobald ich sie höre. Auf Swell sind zehn Songs zu hören, in denen die Welt nicht in Ordnung ist, aber in einem selber eine Ruhe in all der Rastlosigkeit auslöst.

Turnstile – Time & Space (Roadrunner Records)

Bereits im Vorfeld war die Veröffentlichung von Time & Space eines meiner Highlights in diesem Jahr. Lange habe ich auf das Release hingefiebert und war allein wegen dem experimentellen, aber unglaublich starken Song Moon mehr als euphorisiert, als ich dann endlich die neue Platte in Händen hielt. Wie zu erwarten, wurde ich nicht enttäuscht. Meiner Meinung nach haben sich Turnstile im Vergleich zu ihren vorangegangenen Alben weiterentwickelt und noch mehr aus ihrem bereits ohnehin schon charakteristischen Sound geholt. Vor allem beim Song Right To Be, der sich Sci-Fi Elementen bedient und damit das Gesamtkonzept der Platte perfekt trifft. Denn während der gesamten Laufzeit fühlte ich mich wie in einer anderen Sphäre – wenn nicht sogar high. So muss Hardcore im Jahr 2018 klingen!

Wayste – The Flesh And Bone (Midsummer Records)

Mit einer Artwork-Ausstellung feierte die Leipziger Band Wayste in diesem Jahr das Release ihres zweiten Studio-Albums The Flesh And Bone an. Und dieses Cover hat definitiv eine Ausstellung verdient. Es hat etwas surreales und ist in seinen Details unglaublich verspielt, während die gesamte Komposition eher kalt und eindrängend wirkt. Doch nicht nur das Cover-Artwork ist erstklassig, sondern auch das, was Wayste musikalisch abliefern. Das Trio weiß, wie man einen eigenen Sound kreiert und präsentiert sich auf The Flesh And Bone mit düsterem, aber auch tanzbarem Post-Hardcore. Immer wieder gibt es geniale Bass-Solos, die die düstere Attitüde der Songs nochmals unterstreichen. Mit Mourn bietet die Platte zudem einen der epischsten Sing-a-long-Parts, die ich jemals gehört habe. Im Gesamten gesehen ist dies wohl die beste Hardcore-Platte, die ich in diesem Jahr gehört habe!

Blank – s/t (Holy Goat Records)

Mein Review zu dem Debüt-Album von blank beendete ich mit den Worten, dass dieses Album mit Sicherheit in meinen Highlights des Jahres 2018 zu finden sein wird. Und hier ist es also nun. Auf ihrem selbst betitelten Debüt liefern blank ein Gesamtkonzept aus Religions- und Gesellschaftskritik, sowie der Hoffnungslosigkeit und der Nichtigkeit der eigenen Existenz. Ganz nebenbei zeigt dieses Album auch mein liebstes Cover-Artwork aus diesem Jahr. Die Band hat mich auf ganzer Linie überzeugt und daher lege ich euch diese Platte wärmstens ans Herz.

Judas Priest – Firepower (Epic Records)

Kein Hardcore, aber dieses Album muss einfach in meinen Highlights auftauchen. Vor dem was die alten Herren auf Firepower abziehen, muss man einfach den Hut ziehen. Judas Priest klingen wieder so, wie zu ihren besten Zeiten und haben sich mit diesem Album einen neuen Zenit geschaffen, der sie direkt an der Seite von Black Sabbath über allen anderen thronen lässt. Und verdammt, dieses Album hat Judas Priest eine Energie verliehen, die sich auch auf ihre Live-Shows übertragen hat. Hatte ich auf vorherigen Konzerten den Eindruck, dass Rob Halford und seine Mitstreiter zu rosten beginnen, so haben sie bei ihrer diesjährigen Wacken Headliner-Show alles abgebrannt. Für mich definitiv die Überraschung des Jahres!

Honorable Mentions:

  • Alkaline Trio – Is This Thing Cursed?
  • BillyBio – Feed The Fire
  • Jesus Piece – Only Self
  • …und jede Band, die mit Leidenschaft und Freude an der Musik ein neues Album veröffentlicht hat!

Wer gerne ein wenig über den musikalischen Tellerrand hinausschauen will, dem empfehle ich folgende Highlight-Alben aus dem Jahr 2018:

  • Ghost – Prequelle
  • Heilung – Lifa
  • Zeal & Ardor – Stranger Fruit

EPs des Jahres

Morning Again – Survival Instinct (Revelation Records)

Zwanzig (!!!) Jahre mussten sich Fans von Morning Again auf ein neues Release gedulden und wurden dieses Jahr endlich belohnt. Damals war ich 5 Jahre alt, wodurch ich diese Band erst durch die aktuelle EP Survival Instinct so richtig kennenlernte. Und um es kurz zu machen: sie haben mich überwältigt! Wie eine Urgewalt erfassten mich die fünf Songs und machten das für mich lange als authentisch geglaubte zum Original.

Youth Fountain – s/t (Pure Noise Records)

Bereits in meinem Review zu dieser EP habe ich geschrieben, dass ich keine rein objektive Bewertung zu dieser EP abgeben kann. Youth Fountain begleiten mich seit der Veröffentlichung ihres ersten Songs, damals noch unter dem Namen Bedroom Talk. Mich haben vor allem die Texte der Band sofort ergriffen und haben mir durch eine sehr schwere Phase meines Lebens geholfen. Daher an dieser Stelle nochmal ein riesiges Dankeschön!

Code Orange – The Hurt Will Go On (Warner Music)

Kompromisslos auf die Fresse, das ist das Motto von Code Orange mit welchem sie auch auf der Überraschungs-EP The Hurt Will Go On auf ganzer Linie überzeugen. Niemand, wirklich niemand klingt so wie der Vierer aus Pennsylvania und ganz nebenbei steuerte Corey Taylor (Slipknot, Stone Sour) ein paar Guest-Vocals zum Song The Hunt bei. Wenn ich ein Review zu dieser EP geschrieben hätte, würde es sich ungefähr so lesen: Code Orange klingen wie die Apokalypse!

Honorable Mentions: 

  • The Tidal Sleep – Be Kind
  • Converge – Beautiful Ruin
  • Combust – World of Confusion/ Do Onto Others
  • Night Letters – Reflect The Sky

Demos bzw. Newcomer des Jahres

Antagonize – Demo 2018

Als ich am 12. Dezember 2015 mit Tränen in den Augen die letzten Zeilen von Swan Song sang, konnte ich nicht realisieren was gerade passiert war. Bane spielten im Leipziger Conne Island eine ihrer zwei finalen Europa-Shows. Seitdem habe ich immer gehofft Aaron Bedard´s Stimme bei einer neuen Band zu hören. Durch Zufall bin ich bei Bandcamp auf Antagonize gestoßen und konnte es kaum glauben, als ich den Namen Aaron Bedard auf dem Line-Up las. Euphorisiert drückte ich schnell auf Play und sobald seine Stimme erklang, erfüllte mich jenes Gefühl von Glück, welches ich auf jeder Bane-Show erlebte. Hoffentlich gibt es bald mehr zu hören!

Mercy Union – The Quarry (Mt. Crushmore Records)

Das Leben erzählt viele Geschichten. Von Glück, von Freude, von den großartigen Dingen, die wir erleben. Doch sind es auch die Geschichten von Verlust, Angst und Trauer, die unser Leben prägen. Gerade in diesen Zeiten ist es schön, das Gefühl zu haben nicht alleine auf dieser Welt zu sein. Es sind Zeiten wie diese, in denen ich mich in die Musik flüchte und in denen ich auf Bands wie Mercy Union stoße. Gegründet unter anderem von Mitgliedern aus The Gaslight Anthem, bekommt man hier Musik in der man sich verlieren kann, im positivsten Sinne.

Shows des Jahres

Kiefer Sutherland – Parkbühne, Leipzig (9. Juni 2018)

Man stelle sich vor, Präsident Kirkman steht nach einem harten Tag im Oval Office mit einem Whiskey in der Hand und betrauert seine tote Frau, schaut aus dem Fenster während er mit der Fassung ringt. Er beginnt zu singen und erzählt dabei Geschichten von verlorener Liebe und dem ganzen beschissenen Weltschmerz:

„There´s not enough Whiskey in the world tonight. There´s not enough Whiskey for you to see the light. Not enough Whiskey to make it all right. It´s time to say good night.“

Ich finde die Kombination zwischen seiner Musik und seiner Rolle in der Serie Designated Survivor würde immer noch ein großartiges Fan-Ficition ergeben und spiele immer noch mit dem Gedanken dieses umzusetzen. Also habe ich nicht gezögert, als ich die Plakate für seine Leipziger-Show gesehen habe und mir direkt Tickets besorgt. Kiefer Sutherland ist ein begnadeter Sänger und auf der Bühne ein sehr bescheidener Mensch. Es war ein Abend mit Sommergewitter und Country Musik. Wir sangen, jubelten „Kiefer, Kiefer, Kiefer!“ und nein wir lobten hier keinen Baum. Ich hätte nie gedacht, einmal so begeistert von einer Country-Show zu berichten.

Modern Life Is War – Conne Island, Leipzig (18. Juni 2018)

„We are Modern Life is War from Marshalltown, Iowa!“ Ich glaube ihr alle wisst, was dann passierte. Wenn nicht, dann lest hier nochmal unseren Bericht der Show im Leipziger Conne Island. Oder schaut euch im Folgenden den Mitschnitt der 2015er Show an.

Ghost – Wacken Open Air 2018 (04. August 2018)

Ghost sind für mich die Entdeckung des Jahres. Um ehrlich zu sein, mochte ich die Band nie. Irgendwie empfand ich den Sound immer als Metal mit Weichspüler im Schongang gewaschen. Doch wie so häufig urteilt man vorschnell. In diesem Jahr erschien mit Prequelle die neue Platte des schwedischen Solo-Projekts. Ich wollte der Band nochmal eine Chance geben und klickte irgendeinen Song an. Dieser Song war ausgerechnet Dance Macabre. Sofort war ich wie besessen von Ghost und fand auf einmal auch die vorangegangenen Alben großartig. Irgendwo zwischen Abba und Alice Cooper, dieser Mix hat mich einfach mitgerissen. Auch das Geheimnis um die Mitglieder, welches leider durch eine Klage ehemaliger Mitglieder gelüftet wurde, hat der Band etwas mystisches verliehen.

Und dann war es endlich so weit. Um 1:45 fiel der Vorhang und fünf namenlose Ghouls standen in einer vor mir sich erhebenden Kathedrale. Kurz darauf betrat Cardinal Copia die Bühne und zeigte, warum er der würdige Nachfolger von Papa Emeritus II ist. Doch auch der graue, mittlerweile erblindete, Papa Emeritus (der 1. wohlgemerkt) stand beim epischen Miasma auf der Bühne und lieferte ein höllisches Saxophon-Solo. Danach griff ihm die hilfreiche Roadie-Crew unter die Arme und geleitete ihn wieder hinunter. Eine antichristliche Messe, die im Satan verehrenden Chor „Hail Satan, Archangelo! Hail Satan, welcome year zero!“ seinen Höhepunkt fand. Tickets für die kommende Tour sind bereits gekauft!

Festivals des Jahres

Da ich in diesem Jahr auf genau zwei Festivals war, ist diese Liste vielleicht nicht lang, aber dafür bleibt mehr Platz für ein bis zwei Anekdoten.

Wacken Open Air 2018

Sommer, Sonne, Wacken. Mein viertes Mal Wacken sollte das erste Mal sein, bei dem es nicht einen einzigen Tropfen Regen gab. Unglaublich, aber wahr! Das Thermometer kletterte täglich über die dreißig Grad Grenze und ich kämpfe heute noch mit einer halb gebräunten Stirn, die durch meine Suicidal-Cap entstand. Dafür gab es durch den headbangenden Hintermann immer wieder Luftzufuhr und der Nachschub an Bier war stets gesichert. Zusammen mit der guten Stimmung führte dies unter anderem zu Blasmusik und einem dazu initiierten Circle-Pit durch das Kinderbecken des örtlichen Schwimmbads. Dort fragte mich auch ein Fremder in der Schlange bei den Dixies rhetorisch: „Nenn mir einen Ort auf der Welt, an dem es jetzt schöner sein könnte?“. Und er hatte recht, kein Ort auf der Welt war so harmonisch wie das diesjährige Wacken Open Air. Ich habe mit Menschen aus der ganzen Welt getrunken, gesungen, gelacht und einfach mal das Leben gelebt. In einer Welt, in der sich Länder immer weiter abschotten wollen und wo das Wort „fremd“ zur Bedrohung wird, ist es schön, dass es immer noch Orte gibt an denen Herkunft und Grenzen keine Rolle spielen.

Impericon Festival Leipzig 2018

Auch wenn ich hundertmal im Jahr sage, dass ich keine Lust auf noch ein Impericon Festival habe, kurz vor dem Ausverkauf bestelle ich mir doch mein Ticket. Ist das schon Routine oder einfach die Tatsache, dass es quasi vor meiner Haustür stattfindet? Ist ja eigentlich auch egal. Jedenfalls hielt mein sechstes Impericon Festival in Leipzig keine großartigen Überraschungen bereit. Doch habe ich mich sehr gefreut zum ersten Mal Boston Manor live sehen zu können und konnte beim Song Lead Feet ein paar Tränen nicht vermeiden. Aber am Ende stand ein schöner Tag mit Freunden und allein dafür hat es sich doch wieder gelohnt. Nächstes Jahr werde ich auch wieder am Start sein, denn mit Defeater haben mich die Veranstalter erneut gekriegt.

Enttäuschung des Jahres

  • Die Auflösung von Landscapes

Landscapes gehören seit Jahren zu meinen Lieblings-Bands. Gefühlt unzählige Male habe ich die Jungs live gesehen und tiefe Emotionen hängen an ihren Songs. Kein Wunder, dass mich die Nachricht der Auflösung zunächst unheimlich traurig gemacht hat. Es gab keinen Grund, keine letzten Worte, sondern einfach nur die Nachricht „Landscapes is dead“. Natürlich kann man nicht erwarten oder eine Band dazu zwingen, die Gründe ihrer Auflösung bekannt zu geben. Dennoch hat es mich sehr enttäuscht, da man nicht wie bei einer Abschiedstour nochmal die Chance hat ein allerletztes Mal die Musik der Band zu feiern, genießen oder allgemein erleben zu können. Nichtsdestotrotz werde ich alle Shows und Erinnerungen an die Band mit mir tragen und immer mit Freude an diese Momente zurückdenken.

  • Weniger enttäuschend, aber dafür nervend: Die Sintflut an Akustik-Veröffentlichungen.

Für das nächste Jahr wünsche ich mir…

  • … gute Musik!
  • Bad Religion mit einem „Tritt-Trump-in-den-Arsch-Album“!
  • … neue Alben von Social Distortion und Ignite!
  • … allgemein ein großartiges Hardcore und Punk Jahr!
  • … weniger Rassismus, Populismus und Hass, dafür mehr Liebe, Hoffnung und Gleichberechtigung für alle!

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Demons Run Amok - Fest

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