Wer Away From Life regelmäßig liest, dürfte über Chairwalk bereits mehrfach gestolpert sein. Nita hat die Band von der ersten Single an begleitet und ich wusste deshalb natürlich, dass sie großer Fan der Oberbayern ist. Außerdem ist Sänger Tobi ein Schreiberkollege von mir bei Away From Life. Trotzdem muss ich gestehen: So richtig intensiv hatte ich mich bis jetzt noch nicht mit der Band beschäftigt. Da Nita aktuell keine Zeit für ein Review hatte und Tobi mich gefragt hat, ob ich übernehmen würde, war jetzt also der perfekte Zeitpunkt.
Chairwalk haben im Vorfeld mit den Singles Misanthropie, In der Nacht, Trauermarsch, Flocke und zuletzt Natürlich tat’s weh ordentlich Werbung für ihr Debüt gemacht. Die Band beschreibt ihren Sound als Brücke zwischen Skatepunk und Deutschpunk. Ich persönlich höre allerdings deutlich mehr Deutschpunk als klassischen Skatepunk heraus. Irgendwo zwischen Knochenfabrik – allerdings mit deutlich weniger Suff – und melodischem Punkrock.

Der Opener und gleichzeitig Titeltrack Misanthropie legt direkt gut los. Nach der berühmten Klaus-Kinski-Einspielung, in der er herumbrüllt, Jesus habe ihm „eine Peitsche in die Fresse gehauen“, geht es ohne Umwege nach vorne. Ein gelungener Einstieg mit ordentlich Wut im Bauch.
Überhaupt ziehen sich gesellschaftskritische und persönliche Themen durch das gesamte Album. In der Nacht ist ein kritischer Song mit ordentlich Tempo, Trauermarsch verbindet eine persönliche Botschaft mit einem eingängigen Refrain und Flocke erzählt die Geschichte vom Aufstieg und tiefen Fall eines Menschen. Den Abschluss der Vorabsingles bildet Natürlich tat’s weh, ein schneller Song über das Ende einer Beziehung und den Versuch, danach wieder auf die Beine zu kommen.
Auch die Songs, die bislang noch nicht veröffentlicht waren, fügen sich stimmig ins Gesamtbild ein. Chairwalk schaffen es, schnelle, melodische Songs mit deutschsprachigen Texten zu verbinden, ohne dabei geschniegelt oder geschniegelt-modern zu wirken. Das Ganze klingt angenehm DIY und ehrlich.
Ein kleines Manko gibt es allerdings. Gesanglich sitzen nicht immer alle Töne hundertprozentig. Hin und wieder wird es etwas schräg. Mich persönlich stört das aber deutlich weniger, als es vielleicht sollte. Punk muss für mich nicht perfekt sein. Solange die Songs authentisch rüberkommen und Herzblut drin steckt, kann ich über kleine Unsicherheiten locker hinwegsehen.
Und dann wären da noch die Koalas. Während bei den Muppets Schweine durchs All fliegen, schießen Chairwalk eben Koalas ins All. Warum auch nicht?
Fazit
Misanthropie ist ein sympathisches Debüt mit viel Herz, klarer Haltung und jeder Menge eingängiger Deutschpunk-Hymnen mit melodischem Einschlag. Wer auf Bands wie Knochenfabrik, aber auch modernen deutschsprachigen Punkrock steht, sollte Chairwalk definitiv eine Chance geben. Nicht alles ist perfekt – muss es aber auch gar nicht sein. Gerade diese Ecken und Kanten machen einen Teil des Charmes aus.
Tracklist
- Misanthropie
- Koalas im All
- In der Nacht
- Flocke
- Vom Zehner
- Glaubenskrise
- Meeresgeräusche & Aalgesänge
- Trauermarsch
- Ein bisschen Pizza
- Deutschpunksong
- Natürlich tat’s weh
- Der Brachiosaurus
- Auf dem Sterbebett
















