James First ist eine junge aufstrebende Hardcore-Punk Band, die nach einer EP im Herbst 2016 ihr Debütalbum Choose Your Life auf Backbite Records releasen. Wir konnten vorab ein Interview mit den Lübeckern führen, in dem ihr mehr über die Band, das neue Album und die anstehende Tour erfahrt.

Interview mit James First

„Ich denke der Punkrock war schon immer politisch, ob er wollte oder nicht!“

AFL: Hey, wie geht’s? Könnt ihr euch am besten, für alle die euch bisher noch nicht kennen, einmal kurz selbst vorstellen?

Czassi: Ich bin Czassi und spiele Gitarre

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Markus: Moin! Ich bin Markus und schreie ins Mikro.

Klebo: Auch Moin! Ich bin der Klebo (nicht zu verwechseln mit dem Künstlerkollektiv aus Hamburg, mich gibt es bedeutend länger!) und zelebriere das Königsinstrument, den Bass und bin der der wirklich schreit, aber nur halt nicht so oft.

Woomi: Ich bin Woomi und spiele Schlagzeug.

AFL: Warum eigentlich der Name eines schottischen Königs JAMES FIRST?

Czassi: Als wir uns gegründet haben, haben wir viel über einen Namen debattiert und beim rumblödeln ist dann einer auf James First gekommen. Da wir uns nicht für einen „ernsthaften Namen“ entscheiden konnten, haben wir einfach diesen genommen! Dass es einen König mit dem Namen James First gibt, der gerne Hexen verbrannt hat und ein ziemliches Arschloch war, haben wir erst durch Zufall viel später erfahren. Jetzt beim schreiben, stelle ich fest, dass wir vielleicht eine etwas coolere Geschichte zu unserem Namen erfinden sollten?!James First - CHoose Your Life

Klebo: Weil wir schon immer Kronen tragen wollten und wir total hinter der Monarchie stehen! Eine Regierungsform die auch heutzutage BRANDAKTUELL ist und viel mehr Unterstützung braucht. Leider ist es so, dass ich einmal sagte, dass wir nicht James Last sondern James First als Bandnamen nehmen sollten, dass würde viral doch voll steil gehen! (Da war der gute James aber noch unter uns) Das mit dem viral hat wohl nicht ganz geklappt…

AFL: Ihr habt erst 2015 eure selbstbetitelte Debüt-EP veröffentlicht. Am 30. September legt ihr euer Debütalbum CHOOSE YOUR LIFE nach. Wie unterscheidet sich das neue Release von eurem ersten und was können die Hörer erwarten?

Czassi: ¾ von uns haben einige Jahren zusammen unter dem Namen Phlegmatix Musik gemacht und die E.P war quasi der Startschuss für eine neue Zeit und auch eine neue Band. Auf der ersten Scheibe sind noch etwas mehr unsere Streetpunk Einflüsse zu hören und ein paar Songs sind quasi noch in der letzten Phase der alten Band entstanden. Ich denke, dass die aktuelle Platte noch etwas aggressiver und ausgereifter rüberkommt. Dazu kommt, dass unser Sänger Markus auch ein guter Gitarrist ist und er sich auf dem Album noch mehr in das Songwriting einbringen konnte.

Klebo: Sach ma, kennste das, wenn ein alter VW Käfer neben dir an der Ampel steht und der aufgrund seines Porschemotors dir einfach nur seine Rücklichter zeigt? Neee? Ich auch nicht, aber das ist der Unterschied von der EP zu “Choose your life”! Der Oli von “Blastbeat Productions” hat mal wieder ganze Arbeit geleistet und so scheppert die Scheibe noch geiler durch die Boxen als unser Debüt. Ich denke, dass die Scheibe Abwechslungsreich und mit ordentlich Tabasco im Hinterlader daher kommt und wir textlich noch einen Schritt nach vorne gemacht haben.

AFL: CHOOSE YOUR LIFE erscheint wieder auf Backbite Records. Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem Label und wie kam der Kontakt zwischen euch und Mo (Backbite Records) zustande?

Czassi: Den guten MO habe ich einfach im Internet aufgegabelt und trotz den geografischen Distanz haben wir schnell gemerkt, dass wir auf der gleichen Wellenlinie liegen. Der Mo kümmert sich mega und hilft vielen Bands Platten rauszubringen. Witziger weise haben wir uns noch nicht persönlich treffen können, aber das werden wir auf unserer Releaseshow in Karlsruhe ausgiebig nachholen.

Markus: Er ist mit voller Leidenschaft dabei und wir fühlen uns sehr wohl bei seinem Label Backbite Records. Wir sind Mo sehr dankbar für alles, was er für uns getan hat.

AFL: Was sind den eure Einflüsse? Wenn ich euer Debüt so anhöre, kommt es mir vor als ob ihr total auf den 90er Skatepunk hängen geblieben seit?

Czassi: Die Musikgeschmäcker sind bei uns in der Band tatsächlich ziemlich verschieden und zwischen Manowar und Blümchen ist im CD-Player ziemlich viel Platz. Als Teenager waren Pennywise meine Helden und haben mich zum Punkrock gebracht. Ob wir jetzt wie 90er Punkrock klingen, keine Ahnung, dass soll der Hörer entscheiden.

Markus: Da ich 95 geboren bin, sage ich mal: DIE 90er WAREN GEIL! Tatsächlich höre ich aber sehr viele Bands, die es schon lange gibt. Bei mir laufen gerade NOFX und The Bouncing Souls hoch und runter. Aber das wechselt von Zeit zu Zeit natürlich immer mal.

Klebo: Skatepunk? Scheiße, dass wollte ich nicht! Bei uns muss der Song bei allen kribbeln und nach der ersten Probe nach Vollendung des neuen Songs sagen alle…”Das ist der geilste Song den wir je geschrieben haben!”

Woomi: Es kommt im Bus recht selten vor, dass alle vier aus der Band Bock auf die selbe Musik haben. Es sind die kleinen Unterschiede. Punkrock ist nicht gleich Punkrock. Bad Religion war damals einer der ersten Punkrockbands die ich gehört habe und bin tatsächlich immer noch darauf hängen geblieben.

AFL: Dabei seid ihr in euren Texten trotzdem sehr sozialkritisch und alles andere als nur auf Fun-Texte aus. Wie wichtig ist euch die Message in euren Songs und worüber handeln die Tracks von CHOOSE YOUR LIFE?

Czassi: Ich denke der Punkrock war schon immer politisch, ob er wollte oder nicht und die Zeiten werden immer verrückter. Ich verlange jetzt nicht, dass jede Band mit dem Zeigefinger durch die Gegend läuft, aber schau dir doch alleine mal unsere momentane Popkultur an? Wo werden da wichtige Themen angesprochen? Viele Bands singen über ihre Befindlichkeiten und tolle Partys während die Welt um Sie herum verrücktspielt. Unser Ding ist das nicht.

Klebo: Es geht bei den neuen Songs um Themen, welche Zeitlos sind z.B. Frauenrechte, Obdachlosigkeit, Lebensstil oder Sexissmus. Auch persönliche Sachen kann man mal mit reinschmeißen, was uns halt gerade so auf der Seele brennt. Auf der Platte ist sogar ein (1) funtext, wobei es eher um den Spaß von uns an Konzerten und Touren geht als um irgendeinen Käse, also eine Homage an das Bandleben an sich.

Markus: Finden wir was scheiße, nehmen wir da kein Blatt vor den Mund. Das ist unser Weg, unsere Wut über brennende Flüchtlingsunterkünfte, fehlende Meinungsfreiheit und noch so vieles mehr in die Außenwelt zu tragen. Bei den persönlichen Inhalten ist es auch so, dass sie irgendwie wieder allgemein gültig sind, weil sich, denke ich mal, jeder irgendwo wieder finden kann. Bei unserem Song “Out Of My Mind” geht es um mein Verhältnis zu meinem leiblichen Vater, der ein ziemliches Arschloch ist. Vielleicht findet sich auch jemand anderes in diesem Text wieder, der sich von einem Familienmitglied oder auch von einem Freund alleine gelassen fühlt und mit dieser Person einfach abschließen möchte. Es ist ja auch eine gute Sache, wenn Musik einem durch schwere Phasen im Leben helfen kann.

AFL: Ich persönlich würde mir ja wünschen, dass es in Deutschland wieder zu einer „Polit“-Punk Welle kommt, wie es Mitte der 2000er mit Bands wie REJECTED YOUTH, GUERILLA oder RIOT BRIGADE war. Wie seht ihr Hardcore und Punk-Rock hierzulande momentan?

Czassi: Je beschissener die politische Lage desto besser die Punkrockszene? War da nicht was in den 80ern mit Reagan? Spaß beiseite. Auf unseren Touren treffen wir so viele Leute, die tolle Sachen auf die Beine stellen und für die Punkrock viel mehr als eine Musikrichtung ist. Natürlich gibt es auch einige Dinge die ich nicht so toll finde, aber die passieren weniger im Underground sondern auf den großen Festivals. Selbst diese Bands sind irgendwie wichtig, weil Sie für die Kids ein Türöffner sein können. Ganz fürchterlich ist jedoch diese aufkeimende Deutschrock Szene mit Bands wie Freiweild oder Unantastbar. Da gibt es auch einige “kleinere” Bands die versuchen diese Nische zu bedienen und sich den Punkrock Stempel aufdrücken. Diese Bands sind musikalisch scheiße und auch gefährlich, weil Sie ihren wiederlichen Nationalstolz in peinlichen Proll-Kumpelei-Texten verstecken.

Klebo: Gut gesagt Czassi

AFL: Es steht pünktlich zum Albumrelease auch eine große Tour auf dem Programm. Gibt es Shows auf die ihr euch ganz besonders freut? Was erwartet ihr von der Tour? Und wie läuft die Zusammenarbeit mit Subkultura Booking?

Czassi: Wir erwarten unglaublich viel Spaß und eine super Zeit mit vielen tollen Menschen und Bands. Wenn wir touren sind wir doch irgendwie alle wieder 16.

Klebo: Ich freue mich auf alle Orte, wo wir bereits spielen durften, weil ich hoffe, dass wir alte Bekannte treffen und auf alle Orte wo wir noch nicht waren, weil wir da neue Bekannte treffen werden, that’s the way I like it! Wenn wir auf Tour sind bin ich wieder wie…36

Czassi: Mit Subkultura arbeiten wir erst seit kurzer Zeit zusammen, jedoch konnte der Nico schon einige Sachen anleiern und wir sind sehr froh über seine Unterstützung. Die Szene lebt von Leuten wie ihm, die sich die Nächte vor dem PC um die Ohren hauen, damit wir den stinkenden Tourbus mal wieder bewegen können.

Woomi: Auf Tour fahren ist das größte. Am meisten freue ich mich auf Orte an denen wir noch nie waren. Das ist immer sehr spannend. (Gerade in Tschechien…) Aber auch Orte an denen wir schon öfter gespielt haben und alte Bekannte treffen werden! Das mit Subkultura klappt bis jetzt sehr reibungslos. Wir freuen uns auf die zukünftige Zusammenarbeit!

Markus: Besonders freue ich mich auf das Konzert in Lubljana. Ich war gerade in Slowenien und hab mich ins Land und in die Leute verliebt. Aber es wird einfach alles super! Ich kann gar nicht beschreiben, wie dankbar ich bin, die Möglichkeit zu haben, das zu machen, was mir am meisten Spaß macht.

AFL: Mit welcher Band würdet ihr denn gerne einmal auf Tour gehen, wenn ihr eine auswählen könntet? Und wo würde die Tour stattfinden?

Czassi: Das ist eine sehr schwere Frage. Ich möchte unbedingt mal in Indonesien spielen. Einige Freunde von uns waren dort und die Geschichten klingen schon fast nach Punkrock-Wonderland. Vor 1000 Leuten im Djungel spielen, das klingt doch einfach unglaublich, oder? Als Support hätten wir dann natürlich die Kassierer dabei, aber nur um die Leute vor Ort etwas zu verwirren.

Klebo: Mit Ton Steine Scherben im Jahre 1971 oder mit Rasta Knast in Südamerika.

Woomi: Definitiv irgendwo in Südostasien – Gerne mit einer lokalen Band

Markus: Ich denke, ich würde überall auf der Welt gerne touren, ich kann mich da jetzt gar nicht genau entscheiden. Bad Religion beeindrucken mich live immer wieder sehr. Deswegen würde ich die mitnehmen, damit ich sie jeden Abend aufs Neue sehen kann.

AFL: Was macht ihr sonst so außer Musik?

Markus: Musik anhören kommt gleich nach Musik machen. Während ich mir Musik anhöre, kuschel ich dann noch mit meinem Hund.

Klebo: Lesen, reiten und mit Freunden treffen, oder wie hieß das damals im Poesiealbum noch gleich.

Woomi: Irgendwann muss man ja auch mal den Müll runterbringen.

AFL: Vielen Dank fürs Interview! Habt ihr noch etwas, dass ihr loswerden möchtet?

Vielen Dank für das Interview! Vielen Dank an Alle die uns supporten!

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2015 als Solo-Projekt gestartet, ist AWAY FROM LIFE heute ein Team aus knapp 20 Freunden, die unterschiedlicher kaum sein könnten, jedoch durch mindestens diese eine Sache vereint sind: Der Leidenschaft für Hardcore-Punk. Diese Subkultur ist für uns kein Trend, sondern eine tiefverwurzelte Lebenseinstellung, etwas, das uns seit Jahren immer und überall begleitet. Hardcore-Punk bedeutet für uns, sich selbst zu entfalten. Dabei ist D.I.Y. für uns nicht nur eine Phrase: Wir probieren Sachen aus, lernen neues dazu und entwickeln uns weiter. Von der Szene für die Szene. Gerade deshalb hat es für uns oberste Prämisse, Personen aus dieser Subkultur zu supporten, die denken wie wir. Sei es Veranstalter, Labels oder Bands, unabhängig ihres Bekanntheitsgrad. Egal ob Hardcore-Kid, Punk, Skinhead oder sonst wer. Wir sind Individuen, einer großen Unity, die völlig zeitlos und ortsunabhängig existiert. AWAY FROM LIFE ist für uns ein Instrument diese Werte zu manifestieren und unser Verständnis für Hardcore-Punk auszuleben. Angefangen als reines Magazin, haben wir über die Jahre unser eigenes Festival, das Stäbruch, etabliert oder jüngst mit Streets auch eine Szeneplattform ins Leben gerufen, die für uns alle genutzt werden kann – genutzt für eine Sache, die uns verdammt wichtig ist: Hardcore-Punk!

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