Riez Open Air 2026 – Die krasseste Gartenparty geht in die nächste Runde
Wenn ihr Away From Life regelmäßig lest, dann wisst ihr längst, wie ich zu diesem Festival stehe. Nicht umsonst verschlägt es uns seit Jahren immer wieder nach Bausendorf. Das Riez Open Air ist für mich weit mehr als nur ein Festival – es ist mein absolutes Lieblingsfestival. Hier stimmt einfach das Gesamtpaket: großartige Bands, entspannte Menschen, ganz viel DIY und jede Menge Herzblut.
Auch 2026 sollte das nicht anders sein. Zwei Tage voller Hardcore, Punkrock und allem, was dazwischen liegt. Dazu alte Freunde, neue Bekanntschaften, Mambo Bingo, Campingplatzgeschichten und leider auch eine Nachricht, die mir das ganze Wochenende über im Kopf bleiben sollte.
Freitag, 24. Juli 2026
Wie ich zu diesem Festival stehe, muss ich wohl nicht mehr groß erklären. Nicht umsonst sind wir hier seit Jahren immer wieder am Start. Lieblingsfestival eben.
Wie so oft konnte ich donnerstags nicht anreisen. Klar, ich hätte es irgendwie einrichten können, aber das wäre einfach zu stressig geworden. So sehr mich Toxoplasma auch gereizt hätten – ich hätte es wahrscheinlich das ganze Wochenende bereut.
Freitagmorgen stand erstmal Frühschicht auf dem Programm. Und es war wie jedes Jahr: Ich werde einfach nervös und hibbelig. Man will einfach nur Feierabend haben und endlich Richtung Riez aufbrechen.
Als ich nach der Schicht nach Hause kam, war meine Frau schon da. Also schnell den restlichen Kram ins Auto geladen und los ging’s.
Die erste Band, Avoid Amber, verpassten wir leider. Dabei gab es für alle, die früh kamen, sogar Bier zum halben Preis. Eigentlich ein ziemlich gutes Argument.
„Mosh Hard Be Kind“
Stay Free

So wurde Stay Free für uns quasi der Opener. Away From Life-Kollege Kev war ebenfalls schon vor Ort und ich konnte ihn überzeugen, sich die Band aus Saarbrooklyn anzuschauen.
Was soll ich sagen? Obwohl es noch früh am Tag war, war das Zelt schon ordentlich gefüllt. Und wenn man nach dem Applaus ging, kamen Stay Free richtig gut an. Kein Wunder. Die Saarländer drehten mächtig auf. Ich verfolge die Band jetzt schon eine ganze Weile und sie waren eigentlich nie schlecht. Trotzdem merkt man in letzter Zeit noch einmal einen riesigen Entwicklungsschritt. Tight wie Sau, alle hatten Bock und die Energie sprang sofort aufs Publikum über. Geile Show.
Setlist:
- All of Us
- Break Free
- Straight
- The Riots
- Changes
- Beyond the End
- Positive Mindset
- Mosh Hard Be Kind
- None of Us
- Landmines
- One Life Youth Crew
- Reaper’s Waiting
„Es gibt kein richtiges Leben in Pfalzel“
Señor Karōshi
Weiter ging es auf der Open-Air-Bühne mit Señor Karōshi. Die Band hatte ich bis dato überhaupt nicht auf dem Schirm. Musikalisch würde ich das Ganze irgendwo zwischen Electro- und Punk einordnen. Das machte aber richtig Laune. Vor der Bühne hätte zwar gerne etwas mehr los sein dürfen, trotzdem konnten mich die Trierer absolut überzeugen. Die werde ich mir definitiv noch einmal genauer anhören.
Setlist:
- Eisbrecher
- 180 Gramm Vinyl
- 3 x 0815, 1 x 808
- Hey Journalist
- Die Beratung
- Stein, Schere, Schießgewehr
- Wasted on the young
- German Hengst
- Motte
- Maschine schießt
„Männer, die gerne tanzen“
Detlef
Danach ging es zurück ins Zelt zu Detlef. Die Band, die aus den Trümmern von Supernichts entstand, stand schon länger auf meiner Bucket List. Nach eigenen Aussagen spielen sie „gut gelaunten Hass“ – und damit konnte ich mich direkt identifizieren.
Die Band hatte sichtlich Spaß auf der Bühne und genau das sprang aufs Publikum über. Zwischen den Songs gab es immer wieder herrlich trockene und zynische Ansagen, die perfekt zum Gesamtbild passten. Eine richtig starke Show, die ich endlich von meiner persönlichen Liste streichen kann.
Setlist:
- Alle sind so schön
- Ein guter Mensch
- Fußball
- Tag des guten Lebens
- Männer, die gerne tanzen
- Casual Friday
- Würdet ihr bitte…
- Was Glück ist
- Kopenhagen
- Übergangsjacke
- JGA
- Zirkus von Schandelah
- Scheiße, ich muss pissen
- Mein Körper ist vernünftiger als ich
- Gestern auseinandergelebt
- No Tears
- Mittelschichtel / Barclay James Harvest
Danach entstand für uns ein kleines Loch im Running Order. Und das ist überhaupt nicht böse gemeint: Weder The Penske File, Blackout Problems noch Tribute To Nothing trafen an diesem Tag so richtig unseren Geschmack. Also nutzten wir die Zeit zum Essen, Getränke holen, quatschen und um unsere wirklich saunetten Nachbarn auf dem Campingplatz kennenzulernen.
An dieser Stelle gehen Grüße raus nach Weeze!
„Radio Rebelde“
The Baboon Show

Zur The Baboon Show standen wir dann aber wieder pünktlich vor der Bühne. Auch diese Band habe ich schon etliche Male live gesehen. Und sie liefern einfach immer ab. So auch dieses Mal.
Hit nach Hit feuerten die Schweden ins Publikum. Besonders gut gefielen mir diesmal auch die Ansagen. Keine plakativen Parolen, sondern klar benannte Kritik an Leuten wie Trump, Putin oder Netanjahu. Genau so stelle ich mir politische Ansagen auf einer Bühne vor: deutlich, ohne in billige Schwarz-Weiß-Malerei abzudriften.
Die Show selbst war wieder großartig. Das Einzige, worauf ich persönlich verzichten könnte, sind die Outfitwechsel von Cecilia. Ich brauche keine halbe Stripshow. Aber das ist wirklich Jammern auf hohem Niveau. Musikalisch war das wieder absoluter Abriss.
Setlist:
- Be a Baboon
- Walk the Walk
- Holiday
- God Bless You All
- Forward in Reverse
- You Got a Problem Without Knowing It
- Hurray
- Could You Be It
- Rolling
- Gold
- Playing With Fire
- No Afterglow
- Class War
- Same Old Story (Knutna Nävar Cover)
- Tonight
- Radio Rebelde
- Lost You in a Second
- Oddball
- The Shame
- Me, Myself and I
„Linoleum“
NØFX
Dass NØFX eine Coverband sind, weiß mittlerweile wohl jeder. Nach der Auflösung des Originals kann man schließlich auch nicht mehr darauf hereinfallen. Zwei Mal hatte ich die Niederländer bereits live gesehen und beide Male war das richtig stark. Warum sollte das also diesmal anders sein?
Klar, die Songs kennt praktisch jeder und entsprechend gut war die Stimmung im Zelt. Vom ersten Ton an wurde mitgesungen, gepogt und gefeiert. Genau so muss ein Festivalabend enden.
Eigentlich hatten die Festivalmacher damit auch genau den richtigen Riecher. Eine NØFX-Coverband als letzte Band im Zelt und anschließend direkt die Aftershowparty. So bleiben die Leute da und verschwinden nicht wie im vergangenen Jahr direkt nach dem letzten Konzert.
Leider bekam meine bis dahin ausgezeichnete Stimmung an diesem Abend einen heftigen Dämpfer.
Als ich auf mein Handy schaute, sah ich eine Nachricht von meinem Kumpel Nico:
„Lou Koller ist tot.“
Fuck.
Ich möchte an dieser Stelle einfach kurz loswerden, was Lou für mich – und ich denke für viele andere – bedeutet hat. Sick Of It All waren eine der Bands, die maßgeblich dazu beigetragen haben, dass ich dieser Musik verfallen bin, die wir Hardcore oder in diesem Fall New York Hardcore nennen.
Lou hatte immer diese besondere Ausstrahlung. Er war nie der große Tough Guy, kein Muskelprotz und auch kein Harley Flanagan, der von der Straße kam. Er war einfach ein Typ wie du und ich, der diese Musik geliebt und mit unglaublicher Leidenschaft gelebt hat. Und das fast immer mit einem Lächeln im Gesicht.
Meine liebste Sick-Of-It-All-Show bleibt bis heute die Fête de la Musique in Thionville. Mitten in der Fußgängerzone, ohne große Bühne, einfach zwischen den Menschen. Ich werde diesen Abend nie vergessen.
Nun hat Lou seinen Kampf gegen den Krebs verloren. Eine Legende. Eine Inspiration. Einer der Guten.
Rest in Peace, Lou. Wir werden dich vermissen.
Die Nachricht verbreitete sich auf dem Festival unglaublich schnell. Das Disco-Team spielte ihm zu Ehren direkt hintereinander Step Down und Scratch the Surface. Ich gebe ehrlich zu: Ich hätte heulen können.
Irgendwann gegen halb drei machten wir uns schließlich auf den Weg zu unserem Auto beziehungsweise Schlafplatz. Ich glaube, eingeschlafen bin ich an diesem Abend ziemlich schnell.
Setlist:
- And Now…
- Take 2 Placebo’s
- Don’t Call Me White
- Franco Un-American
- Kids of the K-Hole
- Murder the Government
- The Brews
- Sticking in My Eye
- 180°
- Bob
- Soul Doubt
- Beer Bong
- Linoleum
- Seeing Double
- Six Pack Girls
- Together
- Liza and Louise
- Lori Meyers
- Separation of Church and Skate
- Green Corn
- Dinosaurs Will Die
- Perfect Government
Samstag, 25. Juli 2026
Nach dem Aufstehen war es erst einmal Zeit für eine Dusche und ein kleines Frühstück. Es muss ziemlich bescheuert ausgesehen haben, wie ich mit einem Pappteller voller Brötchenhälften in der einen Hand, einem Kaffee in der anderen und einem zweiten Kaffeebecher zwischen den Zähnen über den Campingplatz balancierte. Bloß nicht zu schnell bewegen. Hauptsache dass nichts überschwappt und ich verbrühe mir nicht das Maul.
Wie dem auch sei – es ging gut aus.
„Mambo (Bingo) No. 5“
Dann hieß es wieder:
Wer Bingoscheine nachmacht oder verfälscht,
oder nachgemachte oder verfälschte sich verschafft
und in Verkehr bringt,
wird mit Freiheitsstrafe nicht unter zwei Jahren bestraft.

Man muss das einfach selbst erlebt haben. Mambo Bingo gehört inzwischen genauso zum Riez wie die Bands. Nachdem wir drei Melonenbowlen und diverse Mexikaner vernichtet hatten, waren wir endgültig mitten im Geschehen.
Die Zeit verging wie im Flug und tatsächlich war das Bingo komplett ausverkauft. Rund 3.000 Lose gingen über den Tisch. Absolut grandios.
Besser kann ein Festivaltag eigentlich kaum anfangen.
Danach marschierten wir noch einmal kurz zurück zum Campingplatz, um ein wenig zu entspannen. Die Bowle hat es nämlich ordentlich in sich.
„Stand for Something“
To The Wire

Zu To The Wire wollten wir dann aber unbedingt wieder zurück sein. Über diese Band und meine Meinung zu ihr habe ich wahrscheinlich schon genug geschrieben. Für mich sind sie momentan vielleicht sogar die beste Hardcore-Band Deutschlands.
Live sind sie ohnehin jedes Mal eine Wucht. Ich konnte auch Kev davon überzeugen, sich die Band anzusehen. Am Ende war er komplett begeistert. Das hat mich ehrlich gefreut.
Im Zelt hätte gerne noch etwas mehr los sein dürfen, aber das tat der Stimmung keinen Abbruch.
„Kommt nach vorne! Hier passiert nichts. Das ist eine Hardcore-Show und keine Beatdown-Show“, rief Chris ins Publikum.
Genau so sollte das sein.
Für mich war das ein grandioser Auftritt. Und ich stelle mich hier gerne auf die Seite der Riez-Macher: Alles richtig gemacht. Wir haben in Europa großartige Hardcore-Bands. Gruppen wie To The Wire oder auch Stay Free hätten meiner Meinung nach längst Slots auf Festivals wie dem Tells Bells oder in Eindhoven verdient.
Just saying.
Vielleicht liest ja ein Booker diesen Bericht.
Setlist:
- Out of Touch
- Velocity of Fear
- No Tomorrow
- Make No Mistake
- Every Day
- Face-Off
- Empowerment
- Willpower
- Stand for Something
- Law of Attraction
- Lost in Translation
„Stukas Over Disneyland“
The Dickies
Eigentlich hätten an dieser Stelle Clobber spielen sollen. Nachdem sie leider absagen mussten, sprangen kurzerhand The Dickies ein.
Die Band gibt es schließlich schon seit 1977. Und um ganz ehrlich zu sein: Ich habe mich viel zu wenig mit ihnen beschäftigt. Das nehme ich mir selbst ein bisschen übel.
Die Show war allerdings richtig stark. Musikalisch und gesanglich saß alles. Dazu kamen diese herrlich bekloppten Showeinlagen. Mal wurde mit einer Hundehandpuppe gesungen, mal auf einer quietschenden Gummikeule herumgedrückt. Ich musste mehr als einmal lachen.
Away From Life-Kollege Max Motherfucker fand die Einlage mit der Gummipuppe irgendwann nicht mehr ganz so lustig. Aber gut – Geschmäcker sind verschieden. Mich hat’s bestens unterhalten.
Jedenfalls lieferten diese Veteranen einen richtig starken Auftritt ab. Und ich muss wohl dringend eine ziemlich große Lücke in meinem Plattenregal schließen.
„Nadine. Tommy. Äxel.“
N.T.Ä.

Als Nächstes spielten N.T.Ä. im Zelt. Die Saarländer sind schon lange keine Unbekannten mehr und gefühlt jedes Wochenende irgendwo unterwegs. Touren mit The Exploited oder The Casualties sprechen schließlich für sich.
Rotziger Streetpunk, wie er sein muss. Tommy gewohnt geschniegelt mit zurückgegelten Haaren und Sonnenbrille. Nadine dagegen sah wie immer aus wie eine böse Figur aus einem Tim-Burton-Film. Mit ihrer Schminke und diesem irren Blick könnte man schon Respekt bekommen. Wer sie allerdings kennt, weiß, dass sie ein unglaublich lieber Mensch ist. Ich bin mir sicher, sie versteht das als Kompliment.
Musikalisch gaben N.T.Ä. ordentlich Gas. Das hatte Wumms. „It’s a Dress, Not a Yes“ stand auf einem Schild das Nadine hochhielt. Später fragte ich mich bei Away, ob der Song auch ohne Lee Hollis funktionieren würde. Tat er.
Ohne viele Worte hielt Nadine währenddessen noch einen riesigen roten Schaumstoff-Mittelfinger in Richtung der blauen Partei hoch. Die Botschaft kam an.
Für mich war das ein sehr solider Auftritt.
Setlist:
- Society
- Boys
- 175
- Combat
- Molar
- Away
- Ohnmacht
- Conceal
- Hope
Eigentlich wollte ich mir anschließend noch Slope ansehen. Nach zwei Songs entschieden wir uns aber spontan, noch einmal kurz zum Campingplatz zurückzugehen. Vielleicht etwas blöd von mir, denn hinterher hörte ich von allen Seiten, wie großartig der Auftritt gewesen sein soll.
„Few and Far Between“
Shutdown

Zurück war ich dann rechtzeitig für Shutdown.
30 Jahre in derselben Besetzung. Freunde, die sich in der Highschool kennenlernen und gemeinsam eine Band gründen. Ehrlich gesagt kann ich mir kaum eine schönere Bandgeschichte vorstellen. Ich liebe so etwas.
Und was soll ich sagen? Shutdown waren für mich der komplette Abriss des Tages.
NYHC in Reinform. Energie ohne Ende. Schade war lediglich, dass vor der Bühne etwas mehr hätte los sein dürfen. Es war ordentlich, aber für diese Band hätte ich mir deutlich mehr Publikum gewünscht.
Mark Scondotto sprang wie ein Flummi über die Bühne, begrüßte seine Freunde von To The Wire – mit denen Shutdown, nächsten Samstag in Luxemburg spielen – und auch Alex von No Turning Back, der vor der Bühne stand.
Zum Schluss legten sie mit den beiden Minor-Threat-Klassikern Filler und I Don’t Wanna Hear It noch einmal ordentlich nach. Da blieb endgültig niemand mehr stehen.
Was für eine Show.
Ich freue mich jetzt schon auf Luxemburg.
Setlist:
- Intro
- The Judged
- Don’t Look Back
- United
- Wraparound
- Now More
- BYS
- Stop
- Our Time
- What’s to Come
- Decide
- DFTS
- We Won’t Forget
- Filler (Minor Threat Cover)
- I Don’t Wanna Hear It (Minor Threat Cover)
- Few and Far Between
„Here Comes the Drunk…“
Jaya The Cat

Auf Jaya The Cat hatten wir uns besonders gefreut. Eigentlich ist jedes Konzert dieser Band eine einzige Party.
So war es auch diesmal. Geoff und seine Truppe sorgten mit ihrem drunken Reggae-Punk wieder für beste Stimmung. Vor der Bühne flogen unzählige Seifenblasen durch die Luft. Das hatte schon etwas sehr Besonderes.
Eine Sache beschäftigt mich allerdings. Ich bin kein Moralapostel und jeder muss am Ende selbst wissen, was er tut. Trotzdem macht es mich traurig, Geoff dabei zuzusehen, wie er sich Abend für Abend offensichtlich komplett abschießt.
Respekt dafür, dass man in so einem Zustand überhaupt noch eine derart gute Show spielen kann. Trotzdem hoffe ich einfach, dass er auf sich aufpasst.
Klar ist die Band sehr hedonistisch, aber es ist unschön zu sehen wie ein Mensch sich komplett selbst zerstört.
Eine gute Nachricht hatte die Band aber ebenfalls im Gepäck: Jaya The Cat arbeiten bereits an einem neuen Album. Darauf freue ich mich jetzt schon.
Setlist:
- Wine Stained Futon
- Twist the Cap
- Nobody’s Fault
- Hello Hangover
- Amsterdam
- El Camino
- Huddersfield Rain
- How the Story Goes
- Convenience Store (nicht gespielt)
- Unconditional Love
- Closing Time
- Forward
- Fake Carreras
- Sweet Eurotrash
- Here Come the Drums

Blood Command wurden uns von den Away From Life-Kollegen Max und Annika zwar wärmstens empfohlen, so richtig abgeholt hat mich die Band allerdings nicht. Klar, die Sängerin rotzt auf die Bühne, schmiert sich das Zeug in die Haare und geht komplett steil. Aber ihre Stimme… damit werde ich einfach nicht warm.
Geschmäcker sind eben verschieden. Viele fanden den Auftritt überragend. Max ging sogar so weit und bezeichnete Blood Command als beste Band des gesamten Festivals. So unterschiedlich kann Musik eben wirken.
„Zu wahr, um schön zu sein“
Dritte Wahl

Danach war es Zeit für Dritte Wahl. Um ehrlich zu sein: Das war bisher nie so richtig meine Band. Meine Frau hingegen mag sie schon seit Jahren sehr gerne. So kam es vor, dass sie sich die Band vor einigen Jahren beim Ruhrpott Rodeo ganz vorne ansah, während ich irgendwo weiter hinten auf dem Boden saß.
Komisch eigentlich. Ich erwartete diesmal gar nichts – und genau deshalb sprang der Funke wohl über.
Irgendwie fand ich das plötzlich richtig gut. Geile Texte, starke Songs und sympathische Ansagen. Politisch klar, aber ohne plump oder aufgesetzt zu wirken.
Meine Frau freute sich besonders über Wo ist mein Preis und Panama. Das Set endete schließlich mit dem wunderschönen Fliegen.
Tja… geht doch. Auch ein alter Hund kann manchmal noch neue Tricks lernen – oder eben eine neue Band für sich entdecken.
„Hallo, guten Morgen Deutschland…“
Bundesgartenshow

Danach ging es zurück ins Zelt zur Bundesgartenshow.
Sorry – und das ist wirklich nicht böse gemeint –, aber ich fand es gruselig.
Songs von Tom Astor (Hallo, guten Morgen Deutschland), Udo Jürgens (Griechischer Wein) oder Peter Maffay (So bist du) werden für meine Ohren auch dann nicht besser, wenn man sie im Punkgewand spielt.
Ich hasse diesen Schlagerscheiß einfach. Mir wird davon eher übel.
Aber auch hier gilt: Viele haben es gefeiert. Vielleicht lag es bei manchen auch am Pegel. Die Rechnung der Veranstalter ging jedenfalls erneut auf. Das Zelt blieb bis zum Schluss gut gefüllt.
„Just Look Around“
Mommys Little Monsters
Zum Abschluss übernahmen wieder Zechi und Peter von Mommys Little Monsters die Plattenteller und servierten die feinsten Hardcore- und Punkklassiker.
Los ging es mit Just Look Around von Sick Of It All – als Hommage an Lou Koller.
Passender hätte man den Abend für mich kaum beenden können. Das ist bis heute einer meiner absoluten Lieblingssongs von Sick Of It All.
Noch einen letzten Absacker, dann machten wir uns auf den Weg zum Schlafplatz. Mit True Believers von The Bouncing Souls im Ohr ging ein weiterer fantastischer Festivaltag zu Ende.
Fazit
Das Riez Open Air war auch 2026 wieder mehr als gelungen.
Klar, es ist mein absolutes Lieblingsfestival. Das liegt aber nicht nur am Line-up, sondern an den vielen kleinen Dingen, die dieses Wochenende jedes Jahr so besonders machen.
Hier steckt unfassbar viel Herzblut drin. DIY ist eben nicht bloß eine Floskel. Hier putzen die Veranstalter morgens selbst die Duschen, stehen später am Zapfhahn oder kümmern sich um tausend andere Dinge.
Mein größter Respekt geht deshalb an Mario und Camilla sowie an alle freiwilligen Helferinnen und Helfer. Ohne euch wäre dieses Festival schlicht nicht möglich.
Ebenso ein riesiges Dankeschön an Winny und Pelz am Sound, an Mambo Schinki und wirklich alle, die dafür sorgen, dass das Riez Jahr für Jahr ein kleines Stück besser wird.
Und besser wird es tatsächlich immer. Dieses Jahr standen beispielsweise kostenlose Damenhygieneartikel sowie Deo bereit. Außerdem gab es mit Mo’s Foodtruck einen veganen Essensstand.
Und jetzt kommt unbezahlte Werbung:
Ich habe dort ohne Scheiß die besten Falafel gegessen, die ich jemals hatte.
Auf dem Festival traf ich außerdem den Bürgermeister von Bausendorf. Total entspannt. Einer, der sich das Festival einfach selbst gibt. Genau dabei kam mir ein Gedanke, den ich gerne teilen möchte.
Vielleicht predige ich damit den Bekehrten. Vielleicht auch nicht.
Überall ziehen gerade dunkle Wolken auf und die Zeiten werden nicht unbedingt schöner. Und sollte die AfD irgendwann einmal etwas zu sagen bekommen, dann sind Festivals wie dieses schneller Geschichte, als vielen lieb ist. Gründe wird man schon finden. So fing es schließlich immer an. Kunst, Kultur und Musik wurden verboten.
Für mich sind Veranstaltungen wie das Riez ein Safe Space. Eine Welt, in der ich für ein Wochenende alles um mich herum vergessen kann. Und genau das brauche ich manchmal.
Ich hoffe, dass uns solche Orte noch sehr lange erhalten bleiben.
Ich sage deshalb allen Faschisten, Islamisten, Homophoben, Misogynen, allen Despoten, allen klimazerstörenden Milliardären und jedem anderen menschenverachtenden Trottel:
Fuck you very much.
Und euch, liebe Leserinnen und Leser, danke ich fürs Lesen.
Ich entlasse euch mit einem Songzitat von Dritte Wahl:
Ich möchte fliegen
Ganz weit oben über’m Meer
Und dann seh‘ ich all die Scheiße
All die Scheiße
Hier unten gar nicht mehr.
Das Riez Open Air 2027 findet übrigens vom 22. bis 24. Juli 2027 statt. Die erste Ticketkategorie ist bereits restlos ausverkauft.
Wir sehen uns im nächsten Jahr, wenn es wieder heißt:
Willkommen zur krassesten Gartenparty!
































toxoplasma war ein wilder start, die feelgoods danach haben auch richtig bock gemacht 😉 war zum ersten mal da. wirklich eins der schönsten festivals ever. und die perfekte größe. komme wieder!