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Am Rande des Green Juice Special #2 (Bericht hier lesen) in Bonn hatte ich die Möglichkeit, mich mit Beat und Flo von Schmutzki zu treffen. Etliche Konzerte, egal ob im Vorprogramm der Toten Hosen oder improvisiert auf diversen Zeltplätzen, sorgten dafür, dass sich die Band einen gewissen Namen in der hiesigen Punkrockszene gemacht hat. In Bonn spielten sie eines ihrer letzten Konzerte 2017, umso schöner also, die Band nochmal zu interviewen, bevor es an die Arbeit zur neuen Platte geht.

AFL: Das Kapitel „Spackos Forever“ geht langsam zu Ende. Wie war dieser Teil eurer Karriere?
B: Beim zweiten Album war diese extreme Anfangseuphorie, wie beim ersten Album, natürlich etwas verflogen. Manche Sachen wurden mehr zu Routine, dadurch aber auch umso schöner. Die Crew wurde immer größer und so zu einer Art Familie, die Konzerte wurden größer mit ausverkauften Gigs im SO36 in Berlin oder dem Tourfinale in Stuttgart.
F: Es ist schön, dass du merkst, dass du irgendwie angekommen bist. Egal in welcher Stadt du in Deutschland spielst, es sind immer super viele Schmutzki-Fans da. Das ist echt cool.

AFL: Ich habe das Gefühl, dass ihr aber auch relativ schnell hochgekommen seid…
B: Nach außen kommt das meistens so rüber, obwohl wir auch schon Jahre davor viel investiert hatten und uns den Arsch abgespielt zu krassen Bedingungen, einfach weil es uns so viel Spaß gemacht hat, zu spielen. Da hatten wir zu der Zeit schon ein paar hundert Konzerte gespielt gehabt. Umso schöner ist es jetzt, wenn du merkst, dass es den Leuten gefallen hat, sie wieder kommen und neue dazu kommen.

AFL: Mit eurem Schmutzki-Mob habt ihr aber auch nochmal eine intensivere Verbindung zu euren Fans als andere Bands…
B: Wir forcieren das natürlich auch alle. Ich meine, wir treffen uns vor den Auftritten mit den Leuten und trinken ein Bier zusammen. Wir könnten natürlich auch die ganze Zeit im Backstage rumhängen, wo die meisten Leute nur am schlafen sind oder zum fünften mal zum Buffet gehen. Da ist es uns lieber, die Zeit vorher mit den Fans zu verbringen.
F: Das hilft auch gegen die Nervösität.

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AFL: Steht bei euch diese Gemeinschaft mit den Leuten und das Beisammensein auf einer Stufe mit der Musik? Bzw. sorgt die Musik ja dafür, dass die Leute euch mögen und ihr macht dann da ein Gruppending draus.
B: Ja genau, die Musik ist da quasi das Werkzeug, um diese Verbindung zu schaffen.
F: Wir haben das irgendwann gemerkt, dass die Songs ja ganz ankommen und man so auch mit dem kleinen Set einfach auf dem Zeltplatz spielen kann.
B: Irgenwie finden wir es auch nicht so cool, das Gefühl zu vermitteln, dass wir Drei hier auf der großen Bühne stehen und die Leute meterweit weg am pogen sind. Wir haben mega Bock, die Sache wachsen zu lassen und sagen ja auch immer, dass die Leute dafür der Grund sind.

AFL: Es gibt ja auch schon den „Schmutzki-Ultras“-Fanclub, der durchs ganze Land fährt, um euch zu sehen. Wie fühlt sich das an?
B: Ja, die sind echt krass. So entwickeln sich aber auch Fanfreundschaften untereinander, was für unsere kleine, beschauliche Band echt super ist. Und es macht einen auch stolz zu sehen, wie weit manche bereit sind zu fahren, nur um uns zu sehen.

AFL: Ihr bekommt aber auch viel Anerkennung von Kollegen, habt schon als Support von den Toten Hosen, Bad Religion oder Wizo gespielt…
B: Haha, ja wir wissen nicht immer, ob die das wirklich cool finden oder ob sie einfach nicht drumherum kommen.
F: Ich glaube, wir machen es immer auf ne recht charmante Art. Wir trinken zwar dann auch mal sehr gerne einen, sind aber nette Typen. Das kommt dann auch ganz gut an.

AFL: Wie ist das, wenn man im Vorprogramm von den Hosen vor 70.000 Menschen steht? Ist das so ein Schlüsselmoment in der Bandkarriere?
B: Ja, natürlich. Das Konzert in Leipzig mit den Hosen war bisher das krasseste was die Menschenmenge anging.
F: Das war total surreal. Aber es ist nicht immer das eine Konzert. Man denkt sich als Band zwar, dass wenn man da und da spielt, passiert das und das. Es ist aber so, dass es von mal zu mal mehr wird.
B: Genauso wichtig war damals für uns die Wizo-Comebacktour mit 25 Gigs.

AFL: Gab es jemals die Vorstellung oder Ziel, die Musik zum Beruf zu machen?
F: Wir kommen damit schon gut über die Runden, allerdings machen wir auch vieles selber. Da ist es auch ganz wichtig, das Geld nicht falsch auszugeben und an den richtigen Enden zu sparen, um davon leben zu können.
B: Da waren wir Drei aber auch immer recht geschäftstüchtig.
F: Ich meine, du siehst es ja. Ich habe kein Problem damit, das Merch selbst zu verkaufen, das macht mir ja auch Spaß.
B: Klar hatten wir auch immer den Wunsch, dass das so klappen könnte. Jedoch war das total realitätsfern. Nach dem Studium haben wir ja auch alle normal gearbeitet bis das mit der Band richtig losging.

AFL: Euer Label ist Four Music, die ja musikalisch recht breit aufgestellt sind. Fühlt ihr euch zwischen Xatar & Haftbefehl und Marteria gut aufgehoben?
F: Die sind tatsächlich nicht so das Classic-Punkrock-Label sonder eher im Hip-Hop. Es ist aber total cool, da man einfach Leute braucht, die einen unterstützen und natürlich auch eine gewisse finanzielle Rückendeckung geben können.

AFL: Wenn ihr in euren Songs politische Themen ansprecht, geschieht das eher auf eine ironische Weise und nicht so mit erhobenem Zeigefinger. Liegt euch das besser?
F: Das ist uns auch wichtig. Wir hängen ja nicht täglich auf ner Demo rum und stehen da in der ersten Reihe.
B: Und ich finde, deswegen sollten wir auch nicht so drüber singen, dass wir die vorderste Front der linken Bewegung sind. Wir identifizieren uns natürlich damit und geben den Leuten auch unsere Meinung mit, tun das jedoch nicht mit erwähntem erhobenem Zeigefinger und wissen auch, dass wir die Weisheit nicht mit Löfeln gefressen haben. Die Sachen die klar sind, sind aber auch klar. Es klingt vielleicht etwas böse, aber wir wollen auch nicht auf jeden Zug mitaufspringen, um so vielleicht mehr Aufmerksamkeit zu bekommen. So was wie Refugees Welcome ist doch eh klar und sollte sich von selbst verstehen. Bei manchen anderen hat man so ein bisschen das Gefühl, dass sie das als Werbegelegenheit für sich nutzen, was auch ok ist, wir wollen das aber nicht so.

AFL: Ich finde es immer spannend zu hören, von welchen Bands und Alben andere Bands beeinflusst sind. Was sind eure Lieblingsalben?
B: Bei mir ist es ganz klar White Trash, Two Heebs And A Bean von NoFX, das Album hat mir damals eine ganz neue Punkrockwelt abseits von den Ärzten, Hosen und Green Day gezeigt. Was ich damals wie heute hammermäßig fand, war die Im Auftrag des Herrn Live-CD von den Hosen, eines der ersten Alben, die ich je besessen habe. Meine allererste selbst gekaufte CD war die Maxi von Ein Song Namens Schunder von den Ärzten.
F: Im Moment höre ich sehr gerne, obwohl es in Deutschland noch gar nicht so angekommen ist, so neue Ami-Punkrock-Bands. Fidlar und den ganzen Kreis darum, ich glaube, da gibt es demnächst so ein Revival. Sheer Mag sind z.B. auch super.
B: Und wir sind natürlich auch immer große Beatsteaks-Fans gewesen.

AFL: In der nächsten Zeit spielt ihr, für eure Verhältnisse, verdächtig wenig Konzerte. Das kann ja nur mit der Arbeit an einer neuen Platte zu tun haben, oder?
B: Ja klar, wir sind gerade schon kräftig dran, neue Demos aufzunehmen und uns über neue Ideen auszutauschen. Unser Ziel ist es, im besten Fall im Spätsommer 2018 eine neue Platte rauszubringen und dann im Herbst eine große Tour zu spielen. Es sind zwar schon viele geile Ideen da, die neue Platte steht uns aber noch nicht so klar vor Augen. Mal sehen…

Klingt vielversprechend, vielen Dank für das Interview!

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