Rozwell Kid stehen diesen Juni mit ihrem dritten Studioalbum „Precious Art“ in den Startlöchern. Ich habe mal am Plattenteller gehorcht um rauszufinden, ob die Indie-Rocker hier sommerliche Ohrwürmer abliefern, oder ob man sein Geld lieber in eine Monatskarte fürs Freibad investieren sollte.

photo by Emily Dubin

Seit dem ersten Release der vier-köpfigen Band „The Rozwell Kid LP“ im Jahre 2011 hat sich (soundtechnisch) die Prämisse der Band nicht geändert: Möglichst abwechslungsreichen Alternative-Rock raushauen, der zwischen Pop und Punk, Indie und Noise fröhlich hin und her wechselt, mal unbeschwert dahinplätschert oder dich rotzig zum Tanzen zwingt. Mal akustisch, mal dreckig verzerrt. Rozwell Kid blieben sich dieser Formel über die Jahre treu.

Auch bei Precious Art zieht sich dieses Konzept über 12 Songs und knapp 40 Minuten Spielzeit. Dominant auf der Platte sind vor allem die punkigen Gitarrenriffs, die immer wieder mit eingängigen Melodien zu bestechen versuchen. Dies gelingt Gitarrist Adam Meisterhans (übrigens BESTER Nachname ever, dude) jedoch nicht immer. Während sich Songs wie Wendys Trash Can“, „UFH On DVD“ und „MadTV“ bei mir direkt im Gehörgang festsetzten und auch nicht durch Gefummel mit einem Q-Tip rauswollten, dachte ich mir bei Songs wie „Total Mess“ oder „Boomerang“: Hm, das habe ich woanders doch schon mal besser, griffiger gehört. Mir fiel zudem auf, dass mir die schnellen, peppigen Songs in der Regel besser gefielen.

Wobei wir auch schon beim Stichwort Inspiration wären. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Rozwell Kid das Blue Album und Pinkerton in ihrer Jugend nicht nur rauf und runter gehört haben, sondern gleich zerstoßen, feingerieben und tieeeef inhaliert haben – so sehr klingt der Sound von Precious Art nach Weezer. Was überhaupt nicht schlecht ist. Auch der dünne, säuselige Gesang von Sänger Jordan Hudkins und die Harmonien der Begleitstimmen klingen stark nach Indie-Rock der Neunziger à la Pavement oder Dinosaur Jr. Precious Art ist als Kind definitiv in den Topf mit Neunziger-Nostalgie gefallen. Was, wie gesagt, überhaupt nicht schlecht ist.

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Die Nostalgie spiegelt sich auch durch und durch in den Lyrics wieder. Diese sind voll nerdiger, bubenhafter Verträumtheit, aber auch Alltagsbanalitäten („Booger“). Über die Texte sagt Hudkins selbst:

 “Nostalgia has always been part of my inspiration for songwriting, I’ve always seemed to pull from childhood memories and recontextualized them, where I kind of imagine it as a big 30 year-old kid wearing OshKosh B’Gosh overalls singing about these things they experienced or thought about as a kid.”

Dabei bleiben die Lyrics stets zugänglich und sind nicht zuuu verkopft oder zuuu nerdig. Zwar auch weit weniger lustig, als Rozwell Kid vielleicht finden – ein Song übers Popeln als Metapher für eine tragische Liebe ist halt trotzdem ein Song übers Popeln – aber dennoch charmant. Besonders der fünf Minuten lange Abschluss der Platte „Michael Keaton“ ist besonders erwähnenswert: Bittersüß und schrullig begibt man sich hier auf eine schön erzählte Reise in die Jugend.

Fazit

So. Ist das nun also Kunst oder kann das weg? Rozwell Kid machen auf Precious Art vieles richtig und besinnen sich auf das was sie können: Gefühlvolle, powerpoppige Indie-Rock Bretter, die genau dahin treffen, wo es guttut. Voll in Nostalgiedrüse hinten in der Großhirnrinde. Sowohl Texte als auch Sound sind so locker leicht und unbeschwert, dass man Lust bekommt einfach die Seele baumeln zu lassen. Dennoch erfinden Rozwell Kid das Rad sicherlich nicht neu und greifen zu sehr auf altbewährten Sound zurück. Zudem habe ich mich an mindestens drei Liedern und den zwei „witzigen“ kurzen Songs/Skits schon beim Testhören der Platte ordentlich sattgehört. Aber das ist wohl persönliche Präferenz.

Für mich ist Precious Art dennoch ein grundsolides Album und definitiv eines der besten Releases von Rozwell Kid bis jetzt. Indie-Kids greifen zu!

Precious Art erscheint am 23.06.2017 über SideOneDummy Records.

[Lieblingssong: Wendys Trash Can]

 

 

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