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Dead Serious Recordings

Neunkirchen gibt sich derzeit alle Mühe, seinen musikinteressierten Bewohnern etwas zu bieten. Leider lässt sich dies noch nicht wirklich in Besucherzahlen niederschlagen und so war dieses Donnerstagskonzert auch wieder recht dürftig besucht. Umso schöner einen echten Geheimtipp an diesem Tag begrüßen zu dürfen: Who Killed Bruce Lee! Vorab: die Frage, wer Bruce Lee getötet hat, ließ sich leider an diesem Abend auch nicht klären. Nur 32 wurde die Legende, die vermutlich an einer allergischen Reaktion auf ein Schmerzmittel starb. So viel zum Namensgeber, zur Band später mehr.

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Stäbruch Festival

Denn zunächst waren Kore aus Saarbrücken am Start. Die Band machte auch alles richtig. Gefälliger Alternative Rock plätscherte aus den Boxen. Vom gesang her erinnerte mich die Musik an irgendeine Grunge-Band aus den Neunzigern, aber ich komme seit Tage nicht drauf. Vielleicht Stone Temple Pilots? Oder eine saubere Variante von Alice in Chains? Bin mir echt nicht sicher. Handwerklich konnte die Band sehr überzeugen und auch das Publikum ging bei dem Auftritt mit. Sehr amüsant die Ankündigung einer Ballade: „Dosenöffner, meine Freunde.“ Kore legten sich redlich ins Zeug einen guten Start hinzulegen und spielten eine gute Dreiviertel-Stunde. Am Schluss wurde sogar noch das Megafon ausgepackt. Die Jungs haben eine EP draußen, die kann man sich auf allen gängigen Plattformen aneignen. Lohnt sich!

Who Killed Bruce Lee betraten anschließend die Bühne und hatten das Publikum direkt auf ihrer Seite. Kein Wunder, handelt es sich doch um wahre Vollblutmusiker mit einer absolut interessanten Entstehungsgeschichte. Im September 2010 in Beirut gegründet, kamen sie im Oktober 2015 nach Deutschland und sind seitdem everybody’s darling. So traten sie schon bei Circus Halligalli sowie im Rockpalast auf. und das mit Musik, die man eigentlich kaum in Worte fassen kann. Musikalische Grundlage ist 1970er-Jahre Rock im Stile von The Who und Led Zeppelin, handwerklich perfekt und mit viel Seele gespielt. Aber es ist noch mehr: dann und wann kommen elektronische Elemente hinzu, der Gesang ändert sich gelegentlich ins discolastige, wie bei den Bee Gees (ohne so Banane zu wirken), dann wieder zum normalen Rockgesang. Auch Funk und Soul sind als Einflüsse zu erkennen. Neuere Vergleichsgrößen wären vermutlich Franz Ferdinand, The Strokes oder wegen des hohen Gesangs an manchen Stellen auch The Darkness. Aber damit wird man der Band nicht gerecht, die tatsächlich sehr, sehr eigenständig klingt. Natürlich lassen sich auch arabische Elemente finden, so coverte die Band auch die algerische Künstlerin Warda und deren Nummer Batwannis Bik, allerdings im rockigen Gewand. Ansonsten sind die Lieder allerdings englisch und die arabischen Einflüsse sind eher selten zu erkennen. Zu Enemy at the Line, das sich mit dem langjährigen Krieg in Libanon beschäftigt, erzählte Sänger und Gitarrist Wassim Bou Malham eine Anekdote über seinen Vater, einen sehr ehrenvollen Mann, der erst nach 15 Jahren Ehe seiner Frau sagte, dass sie nicht kochen kann…

Anderthalb Stunden entführte uns die Band in eine andere Welt. Denn ihr grandioses Debütalbum Distant Rendezvous, das bei mir seitdem in dauerrotation läuft, soll uns in die 1960er/1970er Jahre entführen, die goldene Ära von Beirut. Eine Zeit, die heute lange als vergessen gilt, denn der 1975 begonnene und 15 Jahre wütende Bürgerkrieg ließ nicht viel davon übrig. Trotzdem sind WKBL nicht nostalgisch, sondern schauen in die Zukunft. Mit ihrer Musik versprühen sie gute Laune. Allerdings ist diese zwar durchgängig tanzbar, allerdings doch schon arg verfrickelt und voll interessanter Ideen. Auch einige seltene Instrumente gab es zu bestaunen, deren Namen ich allerdings nicht kenne. Und ab und an manipulierte Malham sein Effektboard, anstatt zu spielen. Zu einem der letzten Songs namens Mastercraft brachte er uns dann auch noch das Tanzen bei. Naja, zwei Schritte links, klatschen, zwei Schritte rechts, das bekamen die Anwesenden noch hin. Anschließend wurden zum nächsten Lied mal schön ALLE Besucher auf die Bühne geholt. Nur ich durfte das Ganze beobachten und natürlich auch knipsen:

So wurde dann das letzte Lied auch wirklich zelebriert. Nach etwas Rumgespringe gings dann nach unten für das Publikum und die Gruppe verabschiedete sich. Für zwei Zugaben kamen sie allerdings doch noch zurück. Unter anderem gab Keyboarder Hassib Dergham seine Rap-Skills zum Besten. Und zwar Auszüge aus Ich hab Polizei sowie ein paar mir nicht bekannte Tracks. Danach durften wir uns noch alle einmal hinknien und abgehen. Anschließend war Schluss und was blieb war ein absolut gigantisches Konzert. Mann, das Jahr 2017 hat es konzerttechnisch wirklich in sich. Fast nur Highlights bisher… Danke an die Neunkircher Kulturgesellschaft, die den Mut hat, solche Veranstaltungen zu stemmen.

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Gripweed ist Wikipedianer mit Leib und Seele und das, was man gemeinhin als Musiknerd bezeichnet. Musikalisch ist er in vielen Genres beheimatet, wobei er das Exotische und Unbekannte den Stars und Sternchen vorzieht. Eine Weile bloggte er auch auf blogspot.de und war Schreiberling des leider eingestellten saarländischen Webzines Iamhavoc (Archivversion: http://archive.iamhavoc.de/), veröffentlicht seine Beiträge aber jetzt hier.

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