Tier ist Drummer bei Blut+Eisen. Eine der wenigen Deutschpunk Bands die meines Erachtens nach sehr gut gealtert ist.
Lange gab es die Band nicht, seit einigen Jahren gibt es immer mal wieder Liveshows und vor kurzem erschien auch eine neue 7″.
Nun hat sich Tier die Zeit genommen uns seine zehn Lieblingsplatten vorzustellen!
1Kraftwerk – 1 (1970)
Genre: Krautrock – Kosmische Musik – Elektronik – Instrumental
Dieses hervorragende Instrumentalalbum von Kraftwerk, spielte mein Onkel
mir vor als ich 9 Jahre alt war.
Ich hatte die Platte aus seiner Sammlung gezogen, weil mich das Cover ansprach.
Es war anders, als die vielen anderen Cover.
Ein rot – weißer Warnkegel ( Verkehrshütchen ) und darüber in großen Buchstaben
der Schriftzug Kraftwerk. Ich war und bin immernoch fasziniert von den Klängen und der intensiven Rhythmik dieses Albums. Kraftwerk 1 ist ein Meisterwerk aus intelligentem Minimalismus und Do-it-yourself Produktion.
Dieses Album inspirierte mich auch später bei meinen eigenen Instrumentalaufnahmen.
2Alice Cooper – Billion Dollar Babies (1973)
Genre: Rock – Glamrock – Deathrock
Billion Dollar Babies war meine erste selbstgekaufte Schallplatte.
Ich kaufte die Platte 1976 bei einem Hippie, der einen kleinen Stand auf dem
Flohmarkt in Hannover hatte. Der Geschichtenerzähler Alice Cooper hatte hier mit seiner Band ein wirklich dramatisches Album erschaffen. Die Rhythmen – der Sound – die Texte…die ganze Darbietung ist perfekt. I love the Dead ist nach wie vor mein Lieblingssong dieser Platte und die Live – Splattershow von Alice Cooper war zu dieser Zeit einzigartig. Die Werke von 1971 bis 1975 haben mich sehr inspiriert.
3Frank Zappa and the Mothers of Invention – One Size fits all (1975)
Genre : Rock – Progressive Rock – Zappamusic
Ich muss zugeben, dass es etwas gedauert hat, bis ich Zappatauglich war.
Mein Freund Paul – mit dem ich 1980 mein experimentelles Anti – Style Projekt Closedunruh gründete – war schon seit ein paar Jahren ein großer Zappafan. Wir trafen uns oft zu gemeinsamen Sessions oder einfach nur zum Musik hören. Paul legte Zappa – Captain Beefheart oder Kraftwerk auf und ich spielte ihm Throbbing Gristle – Tuxedomoon oder diverse Punksongs vor.
Als ich One Size fits all zum x-ten Mal auf einer Autofahrt nach Berlin hörte, hat´s bei mir geklickt. Wir hörten das Album auf der Rückfahrt gleich nochmal.
4Tuxedomoon – No Tears (1978)
Genre: Avantgarde – New Wave – Post Punk – Alternative
Diese EP ( 4 Songs ) war das erste, was ich von Tuxedomoon zu hören bekam.
Sie lief in einem Schallplattenladen in Hannover und ich war sofort begeistert
von dieser Platte. Es ist eine Mischung aus scheinbar nervöser Energie und fast lähmender Melancholie. Tuxedomoon haben einen sehr eigenen – unverwechselbaren Musikstil,
der sich aus Synthesizer – Keyboard – Geige – Bass – Schlagzeug – Rhythmusmaschine
und verschiedenen Gesängen zusammensetzt. Es gibt für mich eigentlich gar kein Lieblingsalbum dieser Band. Jedes Album ist speziell und überraschend.
5Lydia Lunch – 13.13 (1982)
Genre: No Wave – Noise Rock – Post Punk – Spoken Word
Es ist schrill…es ist dunkel…es ist schräg…es tut weh…es ist anti-kommerziell…
es ist wahr…war wahr gewesen und gilt immernoch. Ich habe dieses Album unzählige Male gehört und bin immernoch tief bewegt, wenn ich es höre.
Lydia Lunch bedient keine Welle – sie ist die Welle. Die Welle, die über dich kommt und dich über die Abgründe durch die Hölle auf Erden schleift. Lydia Lunch hat ihr Schiff niemals verlassen und segelt weiterhin auf dem Suicide Ocean. 13.13…mehr gibt’s nicht zu sagen.
6Dead Kennedys – Fresh Fruit for rotting Vegetables (1980)
Genre: Punk
Kill the Poor – California über alles – Holiday in Cambodia…das sind für mich
die bissigsten Punkhymnen aller Zeiten.
Fresh Fruit…topt alles, was die Punkbewegung jemals hervorgebracht hat.
Das Cover ist großartig…die Musik hat den Sound einer Tanzband und
Jello Biafra´s Gesang macht eine Gänsehaut. Ich höre mir dieses Album immerwieder intensiv und gerne an und wenn ich damit fertig bin, lege ich erstmal gar nichts auf.
7Christian Death – Only Theatre of Pain (1982)
Genre: Death-Rock – Gothic-Rock
Satan is by far the kindest Guest… Only Theatre of Pain ist ein Meisterwerk der dunklen Künste. Rozz Williams – der leider 1998 im Alter von 34 Jahren Selbstmord begann,
war ein hervorragender Texter – Sänger und Songschreiber.
Er war ein Aussenseiter – queer und voller Sucht und Einsamkeit. Ich sah Christian Death in den 80gern in Rotterdam und war wirklich tief bewegt nach diesem Konzert. 2011 hatte ich die große Ehre mit Rikk Agnew ( Christian Death – Adolescents – D.I. )
einen Monat lang als drummer auf Europatour zu sein. In dieser Zeit habe ich nochmal viel dazugelernt und sehe seitdem manche Dinge anders.
8Big Black – Atomizer (1986)
Genre: Punk – Hardcore – Industrial
So klingt eine musikalische Schrottpresse. Dieses Album war ein Coverkauf…ich hörte es erst zu Hause an und war total begeistert.
Big Black waren 3 Leute, die mit einer brachialen Energie ihre Songs spielten.
Steve Albini ( Big Black – Pigface – Shellac ) war ein Arbeitstier – Musiker –
Toningenieur und Produzent. Er starb 2024 und das bedeutete einen großen Verlust für diese Musikszene.
9Nocturnal Emissions – Chaos (1984)
Genre: Experimentell – Industrial
Chaos ist eine energiebeladene Liveperformance von Nocturnal Emissions.
Es sind Soundcollagen – Industriegeräusche – Tape-Technik mit einem anti-kapitalistischem Konzept. Ich entdeckte die Band 1986 in einem Plattenladen in Hamburg und bin seitdem großer Fan ihrer Alben. Sie hatten eine Industrial – eine elektronische und eine atmosphärische Phase.
Chaos ist für mich ein sehr bedeutendes Album.
10Can You Hear Me? – Music from the Deaf Club (1980)
Genre: Punk – New Wave
Mein absoluter Lieblingssampler beinhaltet Livesongs von Dead Kennedys – K.G.B. – Offs – Mutants – Pink Section und Tuxedomoon. Besonders interessant sind die beiden Arrangements von Tuxedomoon – eine Coverversion mit deutschem Text von 19th nervous Breakdown ( Rolling Stones ) und Heaven aus dem David Lynch Film Eraserhead.
Der Sampler macht richtig Spaß und klingt, als wäre man direkt dabei.
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