Nun, es gibt so einmal im Jahr immer einen Exoten bei meinen AWAY FROM LIFE-Rezensionen. Für 2026 geht es kurz vorm Ende nochmal in Richtung Grindcore. Ein Subgenre, mit dem ich hier und da sicherlich Berührungspunkte habe, nur so wirklich zu Hause fühle ich mich da jetzt nicht unbedingt. Zuletzt war es Autobombe von Bazooka Zirkus. Oder Excrementory Grindfuckers, allerdings sind die mit Schlager-Grind eher ein Subgenre vom Subgenre. Arbeiterxballern hingegen kann man wohl direkt im Grindcore verorten. Zwar finden sich vereinzelt Elemente von Death Metal und Hardcore wieder, die gehen aber derart in dem Gegrunze und Geballer unter, dass die kaum wirklich erwähnenswert sind.

Verständlich ist auf Betonstadt nahezu gar nichts. Wenn man durchschnittlich nur 30-40 Sekunden hat, um seinen Text an das geneigte Ohr des Hörenden zu bringen, dann bleibt da ohnehin nicht viel Platz für eine deutliche Aussprache. Und im Zweifel lässt man auch einfach einen Hund den Text bellen. Die Aufnahmen sind grundsätzlich eh so räudig, dass nicht nur das Grunting und Screaming DIY ins Gesicht prügeln, die meist bis zur Unkenntlichkeit verzerrten Instrumente setzen dem noch die Krone auf.

Überraschenderweise finden sich bei den beachtlichen 23 Tracks auch einige Momente, bei denen man aufgrund der Musik auch mal schmunzeln muss. So nutzen Arbeiterxballern ein billiges Keyboard für bekannte Melodien aus der Popkultur, das irgendwie seinen Platz in dem Geballer findet. Dabei ist das jedoch so geschickt eingesetzt worden, dass man sich schon fast Sorgen machen müsste, Arbeiterxballern hätten für die Platte gearbeitet.

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Betonstadt ist ein Exot in meiner Plattensammlung. Ein Exot, den ich doch sicherlich hier und da mal aus dem Regal holen werde, um mal die Boxen richtig durchzulüften. Oder wenn man wieder mal diese lästigen Freunde loswerden will, die des Nachts noch immer nicht gehen wollen.

Meine Liebe für Grindcore ist mit Betonstadt nicht plötzlich erwacht. Die Platte hat mich vielleicht aber zumindest ein klein wenig neugieriger auf das Subgenre gemacht. Ob das Album dem gemeinen Grindcore-Hörer zusagen mag, kann ich nicht beurteilen. Trotz wirklich gelebten DIY und dem Gastbeitrag eines Hundes, ist Betonstadt aber sicherlich die paar Minuten wert. Ich mein, es ist Grindcore. Da ist man nach 10-15 Minuten eh mit durch.

Betonstadt erscheint am 30. Oktober 2026 digital und auf Vinyl via Bandcamp.

Tracklist

  1. Zerfall
  2. Fünf Finger
  3. Rotfront
  4. Bonzenklatscher
  5. Erzfeind
  6. Wenn Frankfurt am Main Frank am Unser wird
  7. Bourgeoisie
  8. Gespenst des Kommunismus
  9. Arbeiter
  10. Marschkapelle Arbeitslos
  11. Klassenverrat
  12. Avangarde
  13. 40h
  14. Proletentango
  15. Schmaler Grad
  16. Valentina
  17. Betonstadt
  18. Kommunismus, Ihr Hunde
  19. Jenseits der Nordbrücke
  20. Sozialismus, Ihr Hunde
  21. Vorwärts Nimmer
  22. Kot im Kelch
  23. Held der Arbeit
🎧 Folgt unserer Playlist
– Playlist: Happy Release Day

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