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„Counterparts IST MEIN VENTIL Für DEN GANZEN BULLSHIT, DER MIR PASSIERT (…) Findet EUER PERSÖNLICHES VENTIL! DAS IST DAS BESTE, WAS MIR PASSIEREN KONNTE.“

Am ersten November 2019 haben Counterparts ihr inzwischen sechstes Album Nothing Left To Love veröffentlicht. Wir haben die Gelegenheit genutzt, um mit Sänger Brendan Murphy darüber zu sprechen, was es heißt im Jahr 2019 Metalcore zu spielen, wie sie ihre Musik zum Leben erwecken und haben auch etwas über die netten Nebeneffekte erfahren, die mit all dem einhergehen.

AFL: Hi Brendan, danke, dass du dir die Zeit nimmst! Euer jüngstes Album Nothing Left To Love wurde mit Spannung erwartet und das zu Recht. Kannst du mir ein bisschen etwas darüber erzählen? Wie kam es dazu? Habt ihr euch das Ziel gesetzt, alle zwei Jahre ein neues Album zu veröffentlichen und jetzt war es eben an der Zeit? 🙂 Oder passiert das ganz natürlich, so dass ihr plötzlich bemerkt, dass ihr schon wieder so viel Material zusammen habt, dass es Zeit ist, das ganze zu veröffentlichen?

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Für uns geschieht das eigentlich meistens nicht natürlich, wie in einer Jam Session. Normalerweise müssen wir uns mit der festen Absicht etwas Neues zu schreiben und mit Instrumenten und einem Computer einschließen. Ich bin neidisch auf Bands, die das alles so aus dem Ärmel schütteln, aber wenn ich daran denke, dass das bei Counterparts so laufen müsste, bereitet mir Kopfschmerzen, haha.

Counterparts - Nothing Left To Love
Counterparts – Nothing Left To Love (2019)

AFL: Also, das ist mir noch nicht aufgefallen. Nothing Left To Love klingt sehr natürlich. Und es klingt wie ein typisches Counterparts Album. Keine großen Überraschungen, was eine gute Sache ist. Es scheint so, als hättet ihr euch auf euren Style eingegrooved und würdet nicht den Zwang verspüren, abgefahrenen Scheiß zu machen. Aber: Spürt ihr manchmal den Druck etwas Neues und revolutionäres zu veröffentlichen, um mehr Aufmerksamkeit zu erhalten unter all den anderen Melodic Metalcore Bands?

Ständig, haha. Ich denke, es ist ganz normal, dass Bands Angst haben und Druck verspüren, sich selbst immer wieder neu zu erfinden, um relevant zu bleiben. Ich bin ganz bestimmt kein Profi und wünsche all den Bands, die große Risiken eingehen, um sich sets zufrieden zu stellen und neue Fans zu gewinnen, viel Kraft. Aber ich denke, wir sind einfach nur zufrieden mit der Art von Musik, die wir spielen. Ich habe nicht das Bedürfnis irgendetwas großartig zu verändern. Wenn ich eine andere Art von Musik spielen möchte, gründe ich eine neue Band. Tatsächlich hab ich das mit END ja auch schon gemacht, haha. 

AFL: In einem interview mit Loud Wire hast du einmal geantwortet: „Das ist immer das Problem: Wir sind zu metalcore für eine hardcore crowd und zu hardcore für eine metalcore crowd.“ Das erinnert mich an unseren AWAY FROM LIFE claim „Too punk for hardcore, too hardcore for punk“. Ich denke tatsächlich, dass es cool ist, dass man Counterparts nur schwer in eine Schublade stecken kann. Ihr seid keine Szene Band. Ihr legt einfach alles von euch selbst in eure Musik. Wenn du euren Stil nicht mit einem Genrenamen erklären müsstest, wie wie würdest du ihn dann beschreiben? 

Siehst du!? Ihr versteht es! Es geht immer darum, diesen schmalen Grat zwischen zwei Welten zu gehen. Das ist zum einen dankbar, aber auch unglaublich frustrierend. Ich denke “Metalcore” fasst es für uns aber dennoch am besten zusammen. Es ist genau das, wofür wir stehen: Metal und Hardcore. Es könnte buchstäblich nicht einfacher sein als das, aber aus irgendeinem Grund fällt es den Leuten schwer mit Bands klarzukommen, die tatsächlich beides tun. Zumindest heutzutage. Ich habe das Gefühl, damals in den frühen 2000ern, waren die Leute überhaupt nicht interessiert, wenn du nicht eine Mischung aus beidem gespielt hast.

AFL: Wenn man eure Musik so anhört, wie ich es tue, nämlich auch auf die Texte achtet, bemerkt man schnell, dass du seit jeher mit viel Traurigkeit, Selbst-Zweifeln und Angst beschäftigt bist. Der selbe Zuhörer bemerkt dann aber, dass du außerhalb des Album Covers witzig, albern und ziemlich selbstbewusst bist.

Abgesehen von der Tatsache, dass du deine schlechten Gefühle rauslassen und danach erleichtert weiter machen kannst, ist das eine Message, die ihr raussenden wollt? Dass es nicht nur Schwarz und Weiß gibt, nicht nur traurig oder fröhlich, sondern dass es ein natürlicher Fluss aus beidem ist, den wir einfach so hinnehmen sollten?

Nein, ganz genau das ist es! Nichts ist Schwarz oder Weiß. Jeder erfährt von Zeit zu Zeit ziemlichen Scheiß, manche mehr als andere. Aber das heißt nicht, dass du dein Leben nicht genießen kannst. Die Leute sind oft geschockt, wenn sie mich persönlich kennenlernen, weil ich eigentlich ziemlich fröhlich bin und die Leute gern zum Lachen bringe. Ich denke, das ist so, weil ich Counterparts als Ventil für all den Bullshit habe, der mir so widerfährt. Wenn ich eine Empfehlung geben müsste, dann die, dass jeder sein eigenes Ventil finden sollte. Das ist das beste, was mir passieren konnte.

Counterparts (Presspic, 2019)
Counterparts (Presspic, 2019)

AFL: Ihr habt wieder mit Will Putney gearbeitet, der einen großen Einfluss auf die Bands zu haben scheint, die er produziert. Wie würdest du eure Zusammenarbeit beschreiben? 

Er ist der Papst des Metalcore. Er ist ein Genie! Er ist auch ein guter Freund, also werde ich jetzt nicht hier sitzen und seinen Arsch zu sehr küssen. Denn Fakt ist: Wir bezahlen ihn auch sehr gut, haha. Er weiß einfach, wie er das beste aus uns herausholen kann. Wenn ich zurückschaue und die Texte ansehe, die ich geschrieben habe, bevor wir mit ihm gearbeitet haben und dann die von heute, ist der Unterschied einfach nur krass. Ich sag dir jetzt und hier: Sollte nicht irgendwas verrücktes passieren, werde ich nie mit jemand anderem aufnehmen als mit ihm.

AFL: Wenn Du nach einigen Wochen Studio nach Hause kommst, welche Musik willst du dann hören? 

Bloß nichts Hartes, haha. Pop, Emo, Indie, was auch immer. Alles nur keine heavy Musik. Fünf Wochen am Stück Breakdowns hören, setzt wirklich jedem zu. 

AFL: Das verstehe ich vollkommen!

Wie aufgeregt seid ihr, wenn es darum geht, ein neues Album zu veröffentlichen? Machst du dir viel aus der Meinung anderer oder siehst du das alles mehr als einen Prozess, durch den du gehen musst, ganz gleich was die Leute sagen?

Ich bin sehr aufgeregt, aber es ist auch ziemlich erschreckend. Man will voll darin aufgehen und den neuen Kram live spielen und vergißt dabei, dass die Leute ein bisschen brauchen, bis sie mit dem neuen Album warm geworden sind. Ich denke, wir haben eine ganz gute Balance gefunden, das heißt: Wir spielen gerade so viel neuen Kram, um uns glücklich zu stellen und streuen noch genügend alte Banger dazwischen, um die Fans glücklich zu machen. Das Letzte, was wir wollen, ist, dass die Leute angepisst von einer unserer Shows gehen, weil sie nicht so viel Spaß hatten, wie sie sich erwartet haben.

AFL: Wie gehst du mit schlechten Kritiken um? Ich meine gerade mit deinen Texten gibst du ja viel preis. Ein Verriss könnte sich also durchaus wie ein persönlicher Angriff anfühlen. Oder ist dir die Meinung der anderen egal?

Ich schenke dem ehrlich gesagt nicht viel Beachtung. Die können mich mal, haha. Du bist entweder mit von der Partie oder nicht. Kunst ist komplett subjektiv und du kannst es nicht jedem Recht machen. Anstatt dir also wegen der Handvoll Leute einen Kopf zu machen, die dich nicht ausstehen können, trittst du lieber einen Schritt zurück, um zu erkennen, dass es immer mehr Menschen geben wird, die hinter dir stehen, als die, die dir den Weg versperren wollen.

AFL: Welche Bedeutung hat für euch das Touren? Ist es für euch mehr ein notwendiges Übel, um euch zu promoten oder freut ihr euch richtig darauf, raus zu kommen zu den Fans und eure Songs zu spielen?

Ich würde sagen, das Touren ist die einzige Möglichkeit für Bands, sich 2019 zu vermarkten und Geld zu verdienen, also heavy Bands. Ich liebe das Touren, es ist zweifellos der beste Teil des ganzen Banddaseins. Ich würde eine Tour immer den Tagen im Studio vorziehen.

AFL: Ich stelle mir euch Jungs vor, wie ihr im Tourbus sitzt und versucht, euch über den Soundtrack zu einigen. Wäre das leicht oder würde es da viel Streit geben?

Wir streiten nie darüber, denn die Regel lautet: Wer fährt, darf bestimmen, was gehört wird. Wenn du am Steuer sitzt, ist das nur fair. Um ehrlich zu sein, haben die, die nicht fahren, meistens eh ihre Kopfhörer im Ohr.

AFL: Ihr seid neulich wieder durch Japan getourt, was Bekannterweise eure Lieblingsdestination ist. Ich kann mir vorstellen, dass bei dieser so ganz anderen Kultur einige erzählenswerte Dinge passieren. Was war das Verrückteste, Beeindruckendste oder Beste, was euch dort bislang passiert ist?  

Ich denke am verrücktesten auf unserem letzten Japan Trip war für mich, als ich für Varials am Mikro eingesprungen bin. Es war viel herausfordernder als ich dachte, und ich war glaube ich nicht gut genug darauf vorbereitet, deshalb war ich wirklich nervös. Mit einer anderen Gruppe von Menschen auf einer Bühne zu stehen und im Grunde genommen Karaoke zu singen, ist verrückt. Es macht so viel Spaß, aber gleichzeitig möchtest du der Band gerecht werden und dich nicht blamieren.  

Das beste an der letzten Japan Tour war, dass wir Ryuji the shiba(@ryuji513) in Okayama getroffen haben. Wir sind schon seit einiger Zeit übers Internet befreundet und haben sogar seine Bilder für unser Merch und für Tourposter verwendet, da war es wirklich cool, ihn mal zu streicheln. Seine Besitzer sind großartig!

AFL: Ihr habt auch eine Split EP mit Stray From The Path veröffentlicht. Wie kam es dazu? Und wer hatte die Idee zu dieser Smashing Pumpkins Persiflage? 

Ehrlich gesagt, war das eine Idee, die Tom und ich hatten, als wir im Studio zu viel Sushi gegessen und uns wegen irgendeinem Scheiß schlapp gelacht haben. Ich kann nicht glauben, dass unsere Labels da mitgemacht haben. Das Cover ist einfach lächerlich. Ich denke, das war meine Idee, denn wir haben ja schon einmal so etwas ähnliches mit dem Wedding Singer cover für You’re Not You Anymore gemacht. 

AFL: Haha, ja. Danke, dass du mich daran erinnerst. Ich hatte es schon erfolgreich verdrängt. Aber das ist echt cool, dass euch eure Labels diese Freiheiten geben. Gerade dieses kleine bisschen Verrücktheit ist es doch, was die Leute lieben. Und vielleicht ist genau das eure Art verrückten Scheiß zu tun, der euch von den anderen Metalcore Bands abhebt. 😉 

Vielen Dank für deine Zeit und Offenheit! Habt eine gute Zeit beim Promoten des neuen Albums und tut uns bitte den Gefallen und kommt bald mal in Deutschland vorbei. 

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