Review von Nita:
Drei Jahre nach dem Debütalbum Would You Miss It erscheint am 8. Mai 2026 das neue Album Barely Here von Koyo aus Long Island. Koyo ist eine Band, die mir mit ihrem hymnisch melodischen Emocore voller Energie sehr am Herzen liegt. Barely Here ist ein unheimlich harmonisches und ausgeglichenes Album. Deswegen hat es für mich ehrlich gesagt ein paar Durchläufe durch die 10 Songs in 28 Minuten gebraucht, weil ich es anfangs sehr unaufgeregt fand. Doch mit jedem weiteren Hören glänzt diese Platte umso mehr. Gebt ihr also bitte auch etwas Zeit sich zu entfalten.

Auf Barely Here haben Koyo perfektioniert, was sie am Besten können: Sie mischen Punk, Hardcore und ganz, ganz viel Emo. Massenweise starke Singalongs, wunderbare Melodien und intensives Gitarrenspiel. Und darüber die markante Stimme von Joey Chiaramonte. Bei zwei Songs kommt noch stimmliche Unterstützung von Marisa Shirar (Fleshwater) und Sammy Ciaramitaro (Drain) dazu.
Textlich ist es sehr persönlich und nachdenklich. Es gab auch durch das lange Touren, den Erfolg und vor allem Heimweh viel zu verarbeiten. Herzergreifend ist auch der Song Oxidize, den Joey Chiaramonte an seine an Demenz erkrankte Großmutter richtet.
Bei Koyo spürt man die enge Verbundenheit, die langjährige Freundschaft und eine klare Authentitzität, weil sie mit dem Projekt einfach machen worauf sie Lust haben. Die Band soll ja entstanden sein weil Joey als Booker für eine Show noch eine weitere Band gebraucht hatte. Dann gründet man mit weiteren umtriebigen Musikern einfach eine neue Band, finde ich super.
Besonders stark finde ich gleich die beiden Opener Barely Here und Jet Stream Wish. Saying Vs. Meaning bekommt durch den Gesang von Drains Sammy eine besondere Note mit. Beim treibenden und zu Beginn etwas düsteren What I am Worth bleibe ich auch immer wieder hängen.
Was ich anfangs erst eintönig fand, ist letztendlich die Stärke dieser Platte. Absolute Harmonie und doch voller Emotionen und starken Riffs. Und immer wieder diese catchy Refrains. Das Album ist rund, ich kann mittlerweile beim Anhören meine erste Reaktion nicht mehr nachvollziehen und mein Emoherz schlägt höher. Es wird Zeit, Koyo endich mal wieder live zu sehen.
Review von Tobias:

Barely Here heißt das zweite Album von Koyo. Zwar ist es in den letzten Jahren etwas ruhiger um die Band aus Long Island geworden nach der sehr, sehr intensiven Tourphase zwischen den ersten EPs und dem ersten Album 2023, aber „kaum da“ waren Koyo mit Sicherheit nicht. Auch auf Barely Here wird Emocore mit ein paar Pop-Punk Einflüssen par excellence zelebriert, der viele Elemente der frühen 2000er aufgreift (nicht den Gesang/Geschrei-Emo vom Reißbrett…).
Vorneweg: Die bekannte Schwäche bleibt, die hier auch schon im Review zur ersten Platte festgestellt wurde: Die Vocals von Sänger Joey Chiaramonte sind auch auf dem neuen Album wieder durch ein starkes Lispeln wie von einem falsch eingestellten De-Esser gekennzeichnet. Dadurch klingen S- und TH-Laute, aber auch teilweise die F-Laute eher nach „TSCH“. Schade, aber wenn man das ausblenden kann, entfaltet sich ein richtig gutes Album.
Als erstes fällt die Produktion auf. Und die ist dicht und dick mit viel Kompressor. Wenn im zweiten Song Jet Stream Wish die einzelnen Spuren mal etwas dekonstruiert werden, fällt auf, wie viel hier übereinander gepackt wurde. Das gibt Dichte und Intensität, aber gleichzeitig gehen ein paar Ideen und Melodien so auch ein bisschen unter. Der Sound ist nicht wirklich matschig aber auch nicht wirklich transparent.
Im Vergleich zum Vorgänger Would You Miss It? kommen die 10 Songs auf Barely Here mehr auf den Punkt. Die Hooklines kommen früher und generell ist die Platte sehr gut zugänglich, ohne dass sie anbiedernd wäre. Das erklärte Ziel von Koyo auf Album Nummer zwei war es auch, sich nicht zwangsweise neu zu erfinden, sondern die bekannten Stärken weiter herauszustellen. Und das gelingt, jeder Song kommt mit der ein oder anderen Hookline, ohne dass es DEN einen Überhit gibt. Dafür bringen sowohl unterschiedliche Songfärbungen als auch diverse Gastauftritte Abwechslung in die 28 Minuten:
Sammy Ciaramitaro von Drain bringt Hardcore Vibes bei Saying vs. Meaning, Marisa Shirar von Fleshwater setzt mit ihrer Stimme einen schönen Gegenpunkt bei Oxidize.
Auch tempomäßig gibt es genug Variation von schnelleren Uptempo Nummern, wie dem Titelsong, Jet Stream Wish und Pace and Loiter, Kopfnickern wie It Happens to the Best of Us bis zu What I’m Worth mit einem intensiven Halftime Refrain.
Spannend, die erste Vorabsingle Irreversible ist der allerletzte Song der Platte und vereint alles was Koyo ausmacht: mehrstimmige Vocals, eine treibende Strophe, die in den hymnenhaften Refrain mündet.
Dabei gibt es zumeist einen klaren Songaufbau mit gut erkennbarer Strophe-Bridge-Refrain Struktur, wobei es Koyo immer gelingt, die Songs abwechslungsreich zu gestalten mit kleinen Variationen in den Strophen oder Zwischenteilen.
Fazit
Barely Here von Koyo ist ein rundes Album. Reifer und zugänglicher als die erste Platte, dabei nicht anbiedernd, immer mit genug Ecken und Kanten, um interessant zu bleiben, und genug Hooklines, um im Ohr zu bleiben. Richtig gut.
Einziges Manko für dieses Review: die Vorabtracks cutten alle ca. 5-10sek vor Songende, dadurch wirkt der Fluss des Albums gestört und bei jedem Durchhören kommt immer wieder dieses „Moment, da fehlt doch jetzt irgendetwas“ Gedanke. Aber zum Glück kommt ja bald die Vinyl Platte an.
Tracklist
- Barely Here
- Jet Stream Wish
- Saying vs. Meaning
- It Happens to the Best of Us
- You Hate Me
- Selden Mansions
- Oxidize
- What I’m Worth
- Pace and Loiter
- Irreversible














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