Persistence Tour am 19. Januar im Kraftwerk Mitte in Dresden

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Am vergangenen Samstag, den 19. Januar 2019, war ich in Dresden auf der Persistence Tour zu Gast. Der Name ist ja mittlerweile schon zu einer Art Institution geworden. Das Line Up war wirklich überragend aufgestellt und das Haus war ausverkauft, etwa 1500 Menschen waren vor Ort – hab ich irgendwo aufgeschnappt! Dieses Jahr fand das Spektakel nicht im Eventwerk statt, sondern im Kraftwerk Mitte, was im restlichen Jahr eine unangenehme Großraumdisco ist, das hat mich schon stutzig gemacht. Doch bereits beim reingehen fielen mir die erste Thor Steinar-Bauchtasche und einige unsympatische Gestalten auf. Es lag eine Menge Testosteron in der Luft.

Als wir in den Saal kamen, fingen Take Offense an und die Halle war bereits gut gefüllt. Die Jungs spielten eine coole Mischung aus Hardcore und Thrash Metal, schön locker flockig, das gefiel mir ziemlich gut! Im Anschluß standen Siberian Meat Grinder auf der Bühne. Gewohnt tight und eingespielt legten sie ein ganz schönes Brett hin. Das Publikum wusste das zu würdigen und die ersten Circle Pits brachten ein bisschen frischen Wind in die heiße Disco. Der Sound war allerdings etwas unglücklich, sodass die schreddernde Gitarrenwand nicht so druckvoll durchkam, schade. Aber ansonsten ein stabiler Auftritt von einer stabilen Band und zum Schluss kam auch noch das Bärchenmaskottchen auf die Bühne – sah gut aus! 😉

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Siberian Meat Grinder

Nach Siberian Meat Grinder folgten Booze & Glory. Die Oi!-Punk-Band aus London bildeten eine gute Abwechslung im Line Up, wie ich finde. Sie brachten auch als einzige Band eine Ansage, dass alle Menschen, ohne ausgrenzendes Verhalten, willkommen sind und alle gemeinsam einen schönen Abend verbringen sollten. Faschismus, Rassismus, sowie Homophobie haben dabei nichts verloren und werden nicht geduldet. Das hat mich positiv überrascht. Mit einer knackigen Performance mit eingängigen Singalongs wurde gut gefeiert und der Mosh Pit wurde eher zum ausgelassenen Pogo. Das war ein wirklich angenehmes Konzert. Danach ging es mit Walls Of Jericho weiter und der besagte Testosteronspiegel kochte hoch. Das hat schon stellenweise hart genervt. Aber der Auftritt der Band war gut, da gab es nichts zu meckern, aber einfach nicht meine Musik.

Bilder: Persistence Tour 2019 in Dresden

Walls of Jericho

Anschließend spielte die Band, auf die ich mich am meisten gefreut hatte – Municipal Waste. Ich habe sie vor zwei Jahren auf der Persistence Tour bereits gesehen, da haben sie mich nicht so überzeugen können, aber ich wollte ihnen noch eine Chance geben. Und die haben sie genutzt! Trotz kränkelndem Sänger haben die fünf Herren aus Virginia gut nach vorn gehend aufgespielt, es gab Thrash Metal vom Feinsten. Leider war vorn nicht so viel los, sodass man da relativ entspannt stehen konnte. Aber gut, mehr PLatz für mich. Einer sprang auch nur noch mit einem Schuh, völlig durchgeschwitzt aber textsicher bis zum Ende im Pit herum. Er hatte scheinbar das Konzert seines Lebens! Aber zurück zur Band. Municipal Waste spielten viele Hits und verabschiedeten sich mit The Art Of Partying als klare Ansage für den weiteren Verlauf des Abends. 😉

Municipal Waste

Als vorletzte Band des Abends spielten Ignite aus Orange County. Ihren Auftrit verfolgte ich nun weiter hinten, da sich der Bereich vor der Bühne wieder gut gefüllt hatte und eine gute Stimmung versprach. Vor ihrem Song Poverty For All hielten sie es für nötig gegen Kommunismus abzuwettern, unter dem unsere Elterngeneration in der DDR gelitten hat, so Sänger Zoli. Aber in Zeiten das europäischen Rechtsrucks und einer sächsischen AfD mit hochgerechnet 25% laut Umfragewerten und zweitstärksten Kraft im Landtag, hätte dem ungarischstämmigen Frontmann gern ein bisschen mehr einfallen können. Sehr traurig, aber genügend Applaus gab es trotzdem. Der Headliner des Abends war die NYHC-Granate Sick Of It All. Mit ihrem neuen Album Wake The Sleeping Dragon! im Gepäck rissen die junggebliebenen Herren ordentlich ab, wie es sich für einen Headliner gebührt und der Saal kochte. Daran gibt es wirklich nichts zu meckern und nach wie vor ist Sick Of It All eine der besten Hardcore-Bands für mich.

Mein Fazit: Die Persistence Tour bestand aus einem wirklich hochwertigen Line Up mit diversen Größen, sowie eindrucksvollen Musikerinnen und Musikern. Alles andere wäre gelogen. Das Publikum allerdings war, wie bereits angeschnitten, streckenweise uncool: Ballermanncharakter mit Hardcore-Musik oder so, hatte ich manchmal das Gefühl. Ich verstehe auch nicht wieso Menschen mich auf einem Hardcore-Konzert mehrmals ungefragt befummeln müssen, habt ihr noch nie eine Nietenkutte gesehen oder habt ihr euch im Wochenende im Kraftwerk geirrt? Wie ich mit gemischten Gefühlen in diesen Abend gestartet bin, so blicke ich auch darauf zurück mit der Frage „Hardcore is more than music“? Die Persistence Tour ist dann doch mehr eine Großveranstaltung als ein Szenekonzert in meinen Augen.

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