Ursprünglich als Open Air angekündigt, musste das Primsrock kurzfristig in die Halle verlegt werden. Das tat der Veranstaltung allerdings keinen Abbruch. So machte sich das Away-From-Life-Saarland-Team am 2. September 2017 auf den Weg ins nördliche Saarland. Da ich etwas später ankam stammt die Beschreibung der ersten beiden Bands von Max Motherfucker, während das restliche dilettantische Geschreibsel von mir stammt. Ähnlich ist es mit den Fotos, die tollen stammen von Annika, die dilettantischen von mir 😉

Foto von Annika

Mit Sky of Calvaria eröffnet die stärkste Metalband des Saarlandes das Festival. Brachiale Riffs und alles super tight gespielt. Die neuen Stücke sind musikalisch etwas ausgebauter und es wird weniger gesungen als früher. Aber ein echtes Brett wird hier abgeliefert!

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Danach kommt die Anti-Anti-Supergroup. Soll das saarländische Gegenstück zu „Me first and the gimme gimmes“ sein, letztendlich jedoch einfach eine weitere Coverband für Stadtfeste mit einem zutattoowierten Gabi Köstner Look-a-like. Wenn man Songs von „the Mama’s and Papa’s“ mit verzerrten Gitarren spielt klingt das automatisch gleich recht punkig. Trieb mich leider eher Richtung Wurstbude als zur Bühne..

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Spätestens mit dem letzten Satz dürfte man gemerkt haben, dass hier Max agierte, denn als Vegetarierer trieb es mich bei schlechten Bands nicht zur Wurstbude. Wohin werdet ihr später erfahren. Der Plan war zu Giulio Galaxis zu kommen, der Plan gelang. Giulio Galaxis, die Band um Revolverstyle Measy, ist eine der besten saarländischen Bands, ohne Frage. Gut gelaunt gab die Band ihr Bestes, aber leider ist sie nicht für die großen Bühnen geboren. So blieb viel von dem Druck weg, der die Gruppe bei einer Clubshow so einzigartig macht. Schade! Dennoch fühlte ich mich gut unterhalten, so als erste Band des Festivals für mich. Hoffe, da kommt bald was neues, das Debütalbum ist jetzt doch schon ein paar Jährchen her.

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An Miozän ging ich ohne größere Erwartungen heran. Die Band war mir zwar ein Begriff, aber mehr als ein-zwei Lieder Mitte der 1990er kannte ich nicht von ihnen. 2001 aufgelöst sind die fünf Jungs aus Walsrode in Niedersachsen seit 2016 wieder musikalisch aktiv und haben auch ein neues Album namens Surrender Denied am Start. Das totale Brett. Leider litt die Band dann doch etwas darunter, dass sich der Saal nur langsam füllte. Eine Verschwendung zu so früher Stunde, den die Band gab eine absolut tighte Show ohne Ausfälle. Old School Hardcore-Punk at its best. Gegen Ende verirrte sich Sänger Kuddel sogar ins Publikum.

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Bei Hateclub war dann tatsächlich mehr los. Lag wohl vor allem daran, dass diese Band mit ihren drei Alben die saarländische Hardcore-Punk-Szene in den 2000er Jahren nicht unwesentlich geprägt hat. Strieme und Sänger Ozzy kennt man vermutlich auch von den immer noch aktiven Dislocate, die jedoch wesentlich metallischer daherkommen. Dagegen sind Hateclub eine erstklassige Old-School-Hardcore-Punk-Band. Ihr Auftritt war eine einzige Freude. So viel positive Energie hat man selten.

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Was nun folgte hatte ich so auch nicht erwartet. Die Street Dogs kannte ich vorher nur vom Hörensagen, ein-zwei Lieder auf Samplern gehabt, klar, ex-Dropkicks-Sänger am Start, aber sonst? Was nun folgte war sicherlich die beste Band des Abends. Voller Spielfreude haute die Band einen Klassiker nach dem anderen heraus. Dazu natürlich auch ein Murphys-Cover, weiß nur nicht mehr welches, ich glaube Barroom Hero. Sehr gut erinnern kann ich mich an Guns of Brixton von The Clash, Borstal Breakout von Sham 69 und Skinhead von Darkbuster. Diese wurden frenetisch gefeiert. Aber auch die eigenen Songs wie Punk Rock N Roll und Tobe’s Got a Drinking Problem wurden abgefeiert. Die erste Band, die auch Zugaben geben durfte. Ein fantastischer Auftritt.

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First Blood war dann so gar nicht mein Fall. Kickbox-Hits für Hardcore-Kids. Ich werds nie verstehen. Muss ich aber auch nicht.Eine Schrottband pro Festival muss ja sein, sonst könnte man ja die Essenstände nicht besuchen. Die Wurstbude ließ ich dann mal außen vor und ging zum veganen oder vegetarischen Stand mit überbackenem Gemüse. War nicht so viel los, Asselpunks, die auf Slime warten, präferieren wohl eher Rindswürste. Egal, schmeckte ganz ok. Ansonsten gabs noch viel Merch zu erwerben, wobei der Merch-Raum nach den ersten drei Bands auch in den Innenraum verlegt wurde. So konnten die Händler mehr verkaufen, hatte natürlich den Nachteil, dass man dann auch mehr First Blood hören musste. Ein paar Worte noch zum Bon-System… Urgh… Naja, egal. Pfand wurde sowieso an Viva Con Agua gespendet.

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Jetzt also noch Slime, was habe ich mich gefreut, hatte ich die Band doch gerade erst interviewt (hier). Viele Hardcore-Kiddies hatten zwischenzeitlich die Halle verlassen. Schade, sie haben einen bärenstarken Auftritt verpasst. Mit Sie wollen wieder schießen (dürfen) gings los, danach folgten zahlreiche Songs vom neuen Album, wo man leider merkte, dass die beim Publikum nicht so knallten. Hoffen wir mal, dass das nur daran liegt, dass die Lieder noch nicht so im Ohr sind. Die stärksten Reaktionen gabs natürlich bei den alten Hits, egal ob Legal – Illegal – Scheißegal oder Störtebecker, hier war Pogo auf dem mittlerweile spiegelglatten Boden angesagt, der schon bei First Blood ein Circle Pit fast unmöglich machte und eher an ein Sliding Pit erinnerte. Dennoch ging es gut ab und auch der Rezensent verbrachte viel Zeit damit, bei Linke Spießer und ACAB mitzubrüllen, was das Zeug hielt. Ok, man kommt sich dabei schon etwas peinlich berührt vor. Man fragt sich insbesondere wie viele „Lehrer und Beamte, Gelehrte sogenannte“ vorne bei der Meute mit dabei waren. Wahrscheinlich mehr als genug. Auch von Schweineherbst gabs ein paar nette Brecher: den Titelsong, Goldene Türme und Gewalt zeigten, dass der Text von Unsere Lieder tatsächlich stimmt. Die Lieder sind topaktuell und gerade jetzt ist so eine Band mit ihrer geradlinigen Haltung wichtig. Großartiger Auftritt, aber der Preis für den besten Gig geht dennoch an Street Dogs.

Fazit: Ich glaube, es war nicht schlimm, dass das Festival in den Innenraum verlegt wurde. Ein schöner Ausklang für den diesjährigen Festivalsommer mit fast ausschließlich coolen Bands. Ich freue mich aufs nächste Jahr!

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