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The Prosecution – das sind acht Freunde, die seit ihrer frühen Jugend mittlerweile ziemlich erfolgreich zusammen Musik machen und neben Studium, Beruf, Band und dem ganz normalen Leben auch noch soziales Engagement zeigen. Dieses Jahr feiern die Abensberger nicht nur ihr 15-jähriges Bandbestehen, sondern bringen am 11. August ihr viertes Album raus.

Ich durfte, zusammen mit meiner AFL-Kollegin Regina, einen Teil der Band in ihrem Regensburger Studio besuchen und ein paar Fragen stellen. Wir haben drei außerordentliche sympathische, lustige und auf dem Boden gebliebene Jungs kennengelernt und einiges zum Werdegang von The Prosecution, dem neuen Album The Unfollowing und der anstehenden Tour erfahren.

The Prosecution im Interview zu ihrem Werdegang und dem neuen Album “The Unfollowing”

Bild zur Verfügung gestellt von Uncle M.

AFL: Wir haben jede Menge Fragen an Euch, vielleicht mag sich erstmal jeder von Euch mit seinem Instrument vorstellen?

Simon: Ich bin der Simon – ich sing und spiel Gitarre bei The Prosecution.

Tini: Ich bin der Tini und ich spiel Posaune.

Lookie: Und ich bin der Lookie und spiel Schlagzeug.

AFL: Wir fangen einfach direkt chronologisch an – und zwar habt ihr ja die Band gegründet, da wart ihr alle um die 12 Jahre alt soviel ich weiß und das ist doch schon 15 Jahre her. Ihr habt ja gerade erst Geburtstag gefeiert. Wo habt ihr euch denn damals in 15 Jahren gesehen? Hättet ihr Euch das so vorgestellt?

Simon: Ne überhaupt nicht! Also es war eigentlich mehr Spaß und Hobby, wir wollten cool sein, Instrumente spielen und konnten eigentlich überhaupt keine Instrumente spielen. Wir haben uns klassisch im Keller eingesperrt mit Black Sabbath und AC/DC und so angefangen und wie sich das dann entwickelt, war damals noch überhaupt nicht geplant. Das hat sich dann echt so ergeben.

Tini: Ich glaub, wenn ich meinem 14-jährigen Ich erzählen würde, was wir jetzt schon alles gemacht haben, mit wem wir gespielt haben und wie viele Alben wir draußen haben, dann hätte ich damals als 14-Jähriger wahrscheinlich gesagt – Ja geil, dann brauch ich auch nichts mehr arbeiten! – haha. So ist es jetzt leider nicht ganz, aber nein das hätte ich nicht gedacht.

Lookie: Ich glaub, da denkt man garnicht darüber nach. Also uns ging es damals echt nur darum cool zu sein. Wir haben auch die ersten Bandshirts gedruckt bevor wir überhaupt den ersten Song geschrieben haben.

Simon: Ganz klassisch noch mit dem Bügeleisen von der Mama irgendeine Folie drauf.

AFL: Auf Wikipedia steht auch der nette Satz, dass ihr The Prosecution ins Leben gerufen habt, um Mädels zu beeindrucken. Hat’s funktioniert?

Lookie: Ich weiß nicht wer das behauptet – haha!

Simon: Doch ich glaub das war schon ein bisschen so ein Hintergrund. So in die Pubertät reinkommen und wie Lookie auch schon gesagt hat, irgendwie cool sein. Aber wir wurden mehr ausgelacht von den 10. Klässlerinnen damals, statt als Band angenommen zu werden.

AFL: Wie kam es zu dem Bandnamen „The Prosecution“? Gab es den schon von Anfang an, war das direkt Eure erste Idee?

Lookie: Wir hatten mehrere Vorschläge. Da gibt’s auch eine witzige Story: wir konnten noch nicht so gut englisch zu dem Zeitpunkt und haben dann echt einen Englisch-Duden aufgeschlagen, Augen zu und jemand hat mit dem Finger darauf getippt und dabei kam dann „Prosecution” raus. Der hat uns dann gefallen und den haben wir dann auch genommen.

AFL: Klingt ja relativ untypisch für 12-Jährige.

Simon: Ich glaub, dass wir aber schon irgendwie drei ausgesucht haben. Wir haben das dreimal gemacht und der hat uns dann am Besten gefallen.

Tini: Was waren die anderen? Wisst ihr das noch?

Lookie: Keine Ahnung! Ich müsste aber irgendwo einen Zettel haben wo das drauf steht!

AFL: Wäre mal Interessant. Tini – du bist ja erst 2004 dazu gekommen. Wie hast du die Jungs vorgefunden. Haben die ihre Instrumente immer noch nicht beherrscht und waren nur am Mädels beeindrucken oder konnten die schon was?

Tini: Also als ich dazu gekommen bin, da gab’s sogar schon ein paar erste eigene Songs.

Simon: Wir hatten sogar schon Gigs!

Tini: Es gab schon eine Platte, ne EP – die mit dem Hund drauf.

Simon und Lookie: Jaaa stimmt!

Tini: Also ich bin ja durch meinen Bruder, dem Jo, dazu gekommen, der auch Schlagzeug spielt. Und es war eigentlich so, dass der Simon mit Jo befreundet war und der Jo hatte da aber eine extrem faule Phase und ist halt nie aus dem Haus gegangen und dann hab halt ich angefangen was mit Simon zu machen. Wir sind immer ins Jugendzentrum zum Kickern und Rauchen und Biertrinken gegangen. Und dann bin ich halt irgendwie rein gerutscht, weil ich eine Posaune hatte und dann spiel ich halt mal mit. Es war ja dann so, dass die Band mich fast wieder rausgeschmissen hätte damals – also ich hab schon meinen Teil dazu beigetragen, dass die Band schlecht war. Haha!

Ich glaub dieser wirkliche Bruch, wo wir dann gesagt haben – okay jetzt wird es professionell – den gab es so eigentlich nie.

AFL: Damals habt ihr ja auch Skatepunk gemacht und Ihr wurdet eher so von Blink-182 inspiriert. Wie kam es zu dem Wechsel zu Skapunk?

Simon: Wir haben schon damals viel NOFX gehört und das coole war, dass Tini halt Posaune spielen konnte und NOFX ja auch Songs hat wie Kill All The White Man und andere Songs mit Bläsern. Das war dann so ein Übergang, wir sind von Punk zu Skapunk übergegangen – war aber auch nicht geplant sondern wir haben auch viele Songs gecovert. Less than Jake, NOFX – auch die Lieder mit den Bläsern und irgendwann ist dann das eigene Songwriting im Vordergrund gestanden und da waren die Bläser unabdingbar. Die waren dann fest dabei und wir haben Songs geschrieben von Anfang an mit Bläsern eingeplant.

Lookie: Der Wechsel war schon viel von Fat Wreck Bands beeinflusst. Wir sind über NOFX dann irgendwie zu Mad Caddies gekommen und dann ist ja der Weg ganz schnell, dass man sich mit solchen Bands anfreundet. Dann wollten wir sowas auch unbedingt machen. War auch cool, dass wir im Freundeskreis jemanden hatten der Blasinstrumente spielen konnte.

Tini: Auch große Vorbilder – Mighty Mighty Bosstones [Mit Dicky Barrett haben die Jungs auch schon einen Song aufgenommen: Learning Life, zu finden auf dem Album At The Edge Of The World]. So dieser klassische Skatepunk und Politpunk mit Bläsereinflüssen. Und das haben wir dann auch gemacht.

The Prosecution live auf dem Tells Bells 2015.

AFL: Welche großen Bands beeinflussen Euch heute noch?

Simon: Nach wie vor NOFX – eine meiner absoluten Lieblingsbands. Auch schon zwei mal mit ihnen gespielt. Ich hab damals immer gesagt – wenn wir mit denen spielen, dann hab ich alles erreicht und hör auf Musik zu machen – Haha!

Tini: Da merkt man dann erst, dass es richtig losgeht.

Simon: Ne aber du bist halt dann trotzdem nicht berühmt und lebst halt nicht davon, wenn du vor deiner Lieblingsband spielst. Aber ja, nach wie vor die klassichen Fat Wreck Bands aber natürlich im Laufe der Zeit auch ganz ganz viele andere Bands. Ich hab ja auch damals – ganz witzig – Blink-182 gehasst, die waren mir zu poppig und hab die dann erst so mit 15/16 irgendwie total abgefeiert und hab das dann total cool gefunden. Aber wir haben ganz viele Einflüsse: Hardcore Bands, bisschen Reggae sogar und Skabands, wobei wir das jetzt eigentlich nicht mehr so hören. Das hat sich entwickelt, genauso wie unsere Musik.

Simon’s großer Einfluss: NOFX!

AFL: Seid ihr irgendwann an dem Punkt angekommen, an dem ihr echt nochmal in euch gehen musstet und euch bewusst werden musstet: Ziehen wir das jetzt durch oder lassen wir es doch lieber bleiben?

Lookie: Das machen wir alle zwei Jahre. Naja das macht man immer wieder irgendwie. Dadurch, dass wir zu acht sind müssen wir uns immer mal wieder zusammen hocken und einfach schauen, ob die Motivationen noch die gleichen sind. Oder zumindest, ob die Ziele noch die gleichen sind. Wir entschließen uns schon immer wieder dafür den Weg weiter zu gehen. Ich glaub dieser wirkliche Bruch, wo wir dann gesagt haben – okay jetzt wird es professionell – den gab es so eigentlich nie. Das ist von alleine passiert. Aber es ist schon so, dass wir uns immer wieder mal wirklich Gedanken darüber machen, ob wir das noch so wollen.

Tini: Was schon so ein Moment war, wo wir gemerkt haben – okay jetzt wird es auf jeden Fall zu dem vorherigen Album ne Stufe professioneller – war als wir den Schritt zu Corni, unserem Produzenten, damals gemacht haben. Das war bei dem Album At The Edge Of The End. Da war es halt so – zumindest für mich – vor allem vom Sound auf dem Album wie eine Offenbarung: So kann das also auch klingen – geil!

Lookie: Das war dann auch das erste Album mit einem Plattenlabel.

AFL: So viel ich weiß studieren ein paar von euch, andere Arbeiten schon und wenn ihr jetzt eh schon sagt, ihr müsst euch alle zwei Jahre neu koordinieren – klappt das überhaupt noch alles mit Arbeit, Studium, Freizeit, die ganzen sozialen Projekte die ihr noch macht oder ist das eine Herausforderung?

Simon: Das ist schon eine Herausforderung. Ich bin ja letztes Jahr im September mit dem Studium fertig geworden und viele Bands – kriegt man ja oft mit – die lösen sich dann nach dem Studium auf, weil jeder irgendwo anders hingeht nach dem Studium. Und wie Lookie auch gesagt hat – so alle zwei Jahre und auch bei dem Punkt, wo die meisten fertig werden, muss man halt darüber reden. Macht man das hobbymäßig weiter, spielt man nur ein paar Shows im Jahr und war’s das dann oder gibt man weiterhin Vollgas. Es funktioniert so, weil der Tini selbstständig als Produzent unterwegs ist und er macht auch viele Workshops, und ich hab nach dem Studium einfach einen 25 Stunden Job angenommen. Lookie arbeitet Teilzeit und der einzige der eigentlich Vollzeit arbeitet ist unser Basser – keine Ahnung wie der das hinkriegt. Und dadurch kann man auch noch unter der Woche soziale Kontakte pflegen und Kumpels treffen und hat dann nicht so viel Stress.

Lookie: Aber es ist schon so, dass jeder sein Leben, vor allem sein Berufsleben, wahnsinnig an die Band anpasst. Also es wäre jetzt nicht möglich, wenn jeder von uns Vollzeit arbeiten würde oder strenge Arbeitsverträge hätte oder so. Also es geht tatsächlich nur, weil die meisten von uns, für die Band, nur halbtags arbeiten – sonst wäre das nicht möglich.

Simon: Aber man kommt an seine Grenzen – auch mit den 25 Stunden.

AFL: Jetzt habt ihr aber doch Vollgas gegeben und ein neues Album aufgenommen. Was erwartet uns da?

Tini und Lookie: Musik! Haha!

Tini: Ja die Frage kam jetzt schon öfter. Ich weiß dann immer garnicht…. also ich hab mir dann schon überlegt, nachdem die Frage zwei dreimal kam, was kann man darauf antworten. Es ist halt so, dass wir immer, wenn wir Songs schreiben. Es ist nicht so – okay das nächste Album muss so oder so werden – sondern wir fangen halt dann an Songs zu schreiben, produzieren die dann mal vor, setzten uns dann zusammen und spielen die Sachen durch und irgendwann gibt es halt dann den Punkt, wo man sagt – Okay, das sind jetzt die Songs die wir haben und die müssen wir jetzt aufnehmen. Ob man die jetzt irgendwie unter einen Begriff zusammenfassen kann, weiß ich nicht. Es sind ein paar ruhigere Nummern drauf, das auf jeden Fall. Aber auch das war keine bewusste Entscheidung, sondern es sind halt Songs geschrieben worden und da wir eine sehr basisdemokratische Band sind, ist das dann auch so abgestimmt worden, dass die Songs eben mit auf das Album kommen. Aber was euch erwartet, hmmm….

[Einen ersten Vorgeschmack aus The Unfollowing, könnt ihr Euch hier bereits anhören.]

Simon: Jedes Album ist anders, das ist auch das Schöne. Letztes Mal mussten wir uns von vielen Leuten anhören – Boah das ist nicht mehr so die Funpunk Schiene! – oder nicht mehr so happy sondern schon krasser vom Sound her und Hardcore-lastiger. Und dieses Mal werden wahrscheinlich auch Leute dabei sein, die sagen werden – ist jetzt doch schon wieder poppiger als das letzte Album. Aber das ist das Schöne, jedes Album ist anders und so soll es auch sein, finde ich. Das man nicht sofort weiß, was auf einen zukommt, wenn man eine neue CD in der Hand hält, sondern es sich bewusst anhört und dann entscheidet – gefällt es mir oder gefällt es mir nicht.

Lookie: Wir haben an dem Album jetzt richtig richtig lang gearbeitet im Gegensatz zu den anderen Alben – vor allem im Tonstudio. Und ich finde, dass man das auch hört. Es ist viel… naja also ich will die anderen Alben nicht schlecht machen…. aber es ist halt sehr ausgeklügelt. Wir haben uns da echt viele Gedanken darüber gemacht.

Simon: Wir hatten auch viel mehr Zeit beim aufnehmen und das merkst du total, wenn du ins Studio gehst und dann in vier Tagen oder so die Gitarren reinkloppen musst, dann kannst du gar nicht mehr so kreativ sein, wie wenn du jetzt zwei Wochen Zeit hast. Weil dann gehst du ins Studio rein und hast dann noch Ideen beim Aufnehmen. Das ist eine viel schönere und coolere Atmosphäre, wo du auch einfach deinen Gedanken freien Lauf lassen kannst, ohne Druck arbeiten, das merkt man auf jeden Fall.

Tini: Das ist praktisch, weil wir das eben auch selber machen können. Dadurch kann man sich auch die Zeit nehmen die man braucht und wie man will. Sonst ist jede Stunde im Studio ja teures Geld.

Lookie: Also wir haben tatsächlich auch ganz viel hier aufgenommen. Zum Teil in München, zum Teil hier.

AFL: Wir freuen uns darauf! Ihr seid ja auch politisch sehr aktiv und engagiert. Seid ihr einfach nur nette, gut erzogene Jungs oder wurdet ihr auch selber mit Rassismus, Ausgrenzung und Diskriminierung konfrontiert? Also wieso habt Ihr euch dafür entschieden, politisch aktiv zu werden?

Simon: Das war einfach unser Sozialisationsprozess, würde ich sagen. Natürlich, klar – unsere Eltern sind auch cool – haha! Aber wir kommen ja eigentlich aus einer Kleinstadt, wo wir aufgewachsen sind und die Band entstanden ist und da gibt es natürlich auch viele Idioten, die rum rennen. Und wir hatten auch tatsächlich, als wir 16 / 17 waren ganz oft Stress mit Nazis. Da gab es auch Schlägereien und ein Fenster wurde mal eingeworfen und ein brennendes Kreuz im Garten und lauter so Zeug und das prägt einen natürlich. Wir haben uns nicht einschüchtern lassen. Wir sind damit aufgewachsen, also mit diesem Prozess, das man mit solchen Themen konfrontiert wird: Diskriminierung, Rassismus und so weiter. Wir haben uns da von Anfang an, schon als kleine 13-jährige Kids, konsequent dagegen gestellt – bis heute, nach wie vor!

Lookie: Wenn man ein bisschen ein Gleichberechtigungsgefühl hat oder wenn einem das wichtig ist, dass jeder gleich behandelt wird, dann geht das irgendwie automatisch. Ich denk nicht darüber nach – welche politischen Meinungen will ich jetzt vertreten – sondern es gibt halt einen Punkt, wo ich mein Wertesystem hab und dann denk ich mir – okay das passt jetzt nicht – und dann muss ich was dagegen tun. Wenn man sich jetzt vom Wochenende Videos anschaut, wie die Bullen irgendwelche Leute zusammenknüppeln, dann regt mich das auf. Fertig! Dann bin ich schon politisiert – ganz einfach! Deswegen geht das irgendwie von alleine, wenn man irgendwie das Herz am rechten Fleck hat.

Simon: Wir verfolgen jetzt keine bestimmte Parteilinie. Es sind halt viele gesellschaftskritische Themen, die uns nerven und das ist unser größter gemeinsamer Nenner. Wenn du tagtäglich mit Flüchtlingen Kontakt hast und die Lebensgeschichten hörst, dann beschäftigt das einfach. Das nimmst du dann auch mit nach Hause und bildest dir dann deine Meinung darüber. Ich denke, man kann nicht unpolitisch sein – diesen Satz gibt’s ja auch: Wir wollen nichts mit Politik am Hut haben, wir sind unpolitisch – aber das Leben ist politisch, in jeder Hinsicht. Ob man will oder nicht!

AFL: Dabei möchten wir euch auch für die erfolgreiche Aktion zusammen mit ProAsyl gratulieren. Ihr hattet ja über 2000€ Spenden eingenommen. Herzlichen Glückwunsch dazu!

Alle: Dankeschön!

AFL: Trotzdem schafft ihr es aber immer positive Stimmung und wahnsinnig viel gute Laune zu verbreiten. Fällt das nicht manchmal schwer, wenn es eigentlich um so bedrückende Themen geht, die ihr thematisiert?

Das ist für den Großteil der Band auch Lebensphilosophie, sich stark zu machen für die, die sich nicht für sich selber stark machen können oder für sich selber kämpfen können….

Simon: Ich glaub, man muss das so machen. Die Gemeinschaft auf den Konzerten – das gibt dir ein gutes und positives Gefühl und Hoffnung. Wenn man das nicht so machen würde, dann würden wir alle wahrscheinlich depressiv zuhause sitzen und uns fertig machen, weil die Welt so scheiße ist.

Tini: Das ist für den Großteil der Band auch Lebensphilosophie, sich stark zu machen für die, die sich nicht für sich selber stark machen können oder für sich selber kämpfen können aber trotzdem halt seine anderen Lebensinhalte dafür nicht komplett aufgeben und nicht in Frustration enden. Das Leben muss trotzdem Spaß machen! Das ist ganz wichtig, irgendwo muss man ja auch die Kraft dafür nehmen, für andere Sachen zu kämpfen. Und das kann man – glaube ich – nur, wenn man im Prinzip ein glückliches Leben führt.

AFL: Schön gesagt! Momo hat euch ja gegen Ende letzten Jahres verlassen – war es schwierig Ersatz zu finden, gerade so kurz vor dem neuen Album?

Tini: Es war vor allem schwer, Momo gehen zu lassen! Momo war ja auch weit über 10 Jahre dabei und war nicht nur einer unserer besten Freunde – das ist er zum Glück ja immer noch. Wir sind im Guten auseinandergegangen, aber Fakt ist, dass Momo gesagt hat, er schlägt jetzt einen anderen Weg ein. Das war schon echt nicht einfach. Aber auch dadurch, dass man eben so gut befreundet ist, kann man halt auch sagen- okay, du hast dich jetzt entschieden und du hast es uns auf die fairst mögliche Art beigebracht und gesagt, dass es für dich einen anderen Weg gibt – und dann ist das für uns auch völlig okay zu sagen – hey, Momo, es war die beste Zeit mit dir, die wir jemals hätten haben können und jetzt gehst du einen anderen Weg und wir unterstützen dich zu 100% dabei.

Simon: Er ist ja nicht von der Welt. Er ist zwar in Hamburg aber er ist immer noch unser bester Freund. Ganz witzig: ich bin am Freitag bisschen angetrunken durch die Innenstadt gerannt und da hat er gerade irgendwie seinen Koffer aus dem Auto ausgeladen und hat mir gar nicht Bescheid gegeben, dass er hier ist. Dann mussten wir gleich ein Bier trinken gehen, war ganz schön! Aber auf die Frage, ob es schwierig war Ersatz zu finden…. hahaha

AFL: Beziehungsweise, ist es für den Neuen schwierig – nachdem ihr Momo so sehr geliebt habt – akzeptiert zu werden?

Tini: Es sind ja nicht mehr nur Gründungsmitglieder in der Band und wir hatten tatsächlich eigentlich immer das Glück, dass wir sofort einen gefunden haben, der mitmachen wollte. Aber bei Hardy war es anders.

Lookie: Also wir wussten das mit Momo ja schon ziemlich lange, aber wir wollten kein großes Ding daraus machen und haben angefangen im Freundeskreis zu suchen oder bei bekannten Musikern und Musikerinnen nachzufragen. Aber Leute die Saxophon spielen gibt’s echt nicht viele und wenn sie es gut können, dann sind sie meistens schon irgendwo untergebracht.

Simon: In der Blasmusikkapelle!

Lookie: Irgendwann haben wir es dann einfach ausgeschrieben – Hey Leute, der Momo hört auf und wir suchen einen Neuen. Der Hardy, der jetzt dabei ist, der hat sich dann bei uns beworben – das war schon fast wie so ein Casting. Wir kannten den ja nicht und haben uns dann mit dem zum Kaffee trinken getroffen und geschaut wie der so drauf ist, ob der mit uns auf einer Wellenlänge ist. Dann haben wir miteinander geprobt und dann war eigentlich klar, dass das funktionieren wird.

Tini: Wir hatten ja auch schon Bandmitgliedswechsel davor. Der größte Unterschied war dieses mal, dass wir keinen gefunden haben, mit dem wir schon Kontakt hatten oder irgendwie befreundet waren. Jeder Wechsel vorher, war irgendein Kumpel der dann dazugestoßen ist und dieses Mal mussten wir aktiv suchen. Das glaube ich liegt schon daran, dass wir inzwischen in einem Alter sind, in dem die meisten Leute schon irgendwie fest im Leben stehen. Eine Beziehung haben oder einen Job, wo es eben nicht mehr so einfach ist alles stehen und liegen zu lassen und jedes Wochenende einfach wegzufahren. Das hat es schon echt erschwert, aber jetzt sind wir mega happy mit Hardy – der passt super zu uns und es macht mega Spaß mit ihm!

The Prosecution auf dem Pogomenta 2015 in Kassel

AFL: Jetzt steht euch ja auch eine mega große Tour bevor. Freut Ihr euch einfach nur darauf oder habt Ihr auch ein bisschen Schiss?

Lookie: Also ich freu mich im Moment wahnsinnig darauf. Wir hatten jetzt letztes Wochenende frei und nächstes Wochenende haben wir wieder frei und ich hab mich eigentlich daran gewöhnt, am Wochenende weg zu sein und vermiss es dann ziemlich schnell. Ich weiß aber auch, dass wenn man dann wirklich jedes Wochenende unterwegs ist, dass das einen dann schnell aus dem Alltag werfen kann. Vor allem wenn man nebenbei noch arbeiten muss oder so. Dass ich dann alle meinen sozialen Kontakte und beruflich irgendwie alles hin krieg, da hab ich wahnsinnig Respekt davor aber auf die Shows und auf die Zeit, in der ich mit den Jungs im Bus sitze – unendliche Vorfreude!

Simon: Ja und vor allem auch die erste Tour – also Headliner-Tour! Wir waren ja schon öfter auf Tour, aber das ist jetzt wirklich die erste Tour zum Album – die auch so präsentiert wird, mit neuem Set und wo wir jedes Wochenende bis zum 15.12. unterwegs sind.

Tini: Und reine Headliner-Tour eben, wo halt wirklich nur Leute kommen, die vermutlich wegen uns kommen. Und wenn halt keine Leute kommen, dann kommt halt auch keiner – haha

Simon: Man ist halt auch aufgeregt ein bisschen, weil man eben nicht weiß, ob Leute kommen oder nicht, was so abgehen wird. Aber ich bin da ganz positiver Dinge, dass es genial wird.

AFL: Sind wir auch! Zürich, Prag, Wien – so ein bisschen wart ihr ja schon außerhalb. Wie seit ihr dort beim Publikum angekommen?

Lookie: Wir kommen immer gut an! Haha…

Tini: Das kam jetzt nicht so gut an! Haha….

Lookie: Ich bin gerade am überlegen, irgendwo hatten wir was, wo es total strange war. Als wir in Frankreich gespielt haben, das war doch irgendwie ein bisschen…. weil da die Sprachbarriere so groß war.

Simon: Wo haben wir denn da gespielt? Ach ja genau!

Tini: In Prag war das ein bisschen strange, weil da kommst du halt zum Club und zwei Häuser weiter steht ein Polizeirevier und zwischen Club und Polizeirevier stehen die Dealer auf der Straße und verticken halt Heroin – keine Ahnung. Das Bild ist da ein bisschen krass. Ich weiß nicht, ob das dann auch ein bisschen so ein Vorurteil war, aber da hast du halt das Gefühl, dass die Leute auch ein bisschen vor der Bühne herum schweben – haha. Das sind so die Bilder, die ich aus Prag noch in Erinnerung hab.

Lookie und Simon: Stimmt! Hahaha…

Lookie: Was man schon immer merkt, dass wir – also wir singen ja auf englisch und der Simon unterhält sich mit dem Publikum auf deutsch – und da ist die Dynamik dann natürlich irgendwie anders. Die Ansagen kommen dann von Simon natürlich auf englisch aber wir sind dann irgendwie nicht so eingegrooved. Der Funke springt trotzdem über, aber es ist halt dadurch – für mich zumindest – etwas Ungewohntes. Und in Frankreich hatte ich eben das Gefühl, dass die das Englisch nicht verstanden haben, dass es dadurch eben ein bisschen schwieriger war.

Tini: Einfach nicht so leicht, das Eis zu brechen. Da muss man halt dann durch musikalische Leistung überzeugen – haha. Das ist immer blöd – hahaha…

AFL: Abschließend wollten wir Euch noch fragen – ihr wart ja jetzt auch mit Rise Against in Berlin und mit Anti-Flag als Support unterwegs. Wie ist das jetzt, mit so großen Bands zu spielen, statt wie früher in Abensberg in irgendwelchen Partykellern zu spielen? Wie fühlt sich das für Euch an?

Simon: Da erfüllt sich jedes Mal ein Traum! Man hört die Bands seit über 10 Jahren an und steht dann mit ihnen auf der gleichen Bühne, trifft sie Backstage, sagt mal Hallo und macht ein Foto mit ihnen – das ist schon krass! Deine Jugendidole, die du dann einfach triffst und ich bin immer wieder wie ein kleines Kind und ganz nervös so – hey hast du mal kurz Zeit für ein Foto?. Aber ich hatte da noch nie negative Erfahrungen – bis auf Fat Mike. Der war immer total voll und fertig – Haha. Aber ansonsten alle total cool und nett und dann merkst du halt, das sind auch nur Menschen.

Tini: Gerade bei Anti-Flag, da hab ich mich auch gefühlt wie ein kleines Kind. Vor allem, das sind auch wirklich so bodenständige Kerle, die sind so auf dem Boden geblieben und so auf Augenhöhe. Und wenn du dann merkst, dass sie auch während deiner Show neben der Bühne stehen und mitnicken und dann auch nach der Show kommen und sagen – Hey that was fucking great! und das ist so….puh….das ist echt so ein geiles Gefühl!

Simon: Vor allem mit Anti-Flag – wir waren schon öfter mit denen unterwegs oder haben mit ihnen unterwegs sein dürfen. Chris#2 hat ja ein Feature mit uns gemacht auf unserem letzten Album [A New Sensation heißt der Song übrigens und ist auf der Words With Destiny Platte zu finden]. Und dann ist es echt krass, wenn er auf die Bühne kommt und den Song mit singt. Das war jetzt schon 4 oder 5 mal der Fall und beim ersten mal denkst du dir schon – Boah krass ey! Als 13-Jähriger noch im Skatepark jeden Tag Anti-Flag gehört und jetzt spielst du einen Song mit ihm auf der Bühne und er performed. Nicht nur einmal, sondern eigentlich immer wenn wir mit Anti-Flag unterwegs waren. Ich glaube du bist mal zu ihm hingegangen und hast gefragt und er – ja klar – macht er.

Lookie: Mittlerweile müssen wir da auch gar nichts mehr sagen!

Simon: Hey Chris, alles klar? Heute wieder? – Okay ja, alles klar! Wann denn? Haha – das ist schon geil!

Lookie: Ich glaube, wenn es Anti-Flag nicht geben würde, dann würden wir jetzt nicht die Mukke machen, die wir machen. Die haben uns schon echt beeinflusst, genauso wie NOFX. Deswegen ist das noch krasser. Aber was ich echt ganz schön finde – Tini hat das vorhin schon angesprochen – dass man halt echt merkt, dass das echt ganz normale Leute sind. Man glorifiziert die dann selber, aber eigentlich finde ich das echt schön, wenn man dann doch ein bisschen befreundet ist. Über Instagram oder wenn wir ein neues Video rausbringen, dann schick ich es Chris und er schreibt dann zurück. Ich finde das schon cool, dass die uns so jetzt auf einer Augenhöhe wahrnehmen – das ehrt uns schon sehr.

AFL: Spielt ihr denn heute noch in Abensberg, in den kleinen Partykellern?

Simon: Die gibt’s nicht mehr! Hahaha….

Tini: Also wir haben ganz viel Zeit im Jugendzentrum in Abensberg verbracht. Da war ewig lang unser Proberaum und ich glaube wir werden nicht aufhören, da immer wieder mal Konzerte zu machen.

Simon: Was ganz schön ist, an Halloween ist immer so ein All-Stars Konzert in Abensberg, wo sich – obwohl das wirklich ein ganz kleines Städtchen ist – ganz viele Musiker und Bands treffen. Es wird eine Setlist schon im Vorfeld gemacht und das Line-Up wird durchgewechselt. Das ist dann auch eine Art Treffen, wo man die ganzen alten Leute und Bands wieder sieht. Das ist immer ganz schön.

Lookie: Manchmal kommen jetzt auch schon The Tips, dann extra für Halloween aus Düsseldorf.

AFL: Kommt dann auch immer noch gute Resonanz und Support aus der Heimat? Von Euren Freunden und eurer Familie?

Alle: Immer!

AFL: Super – mehr Fragen haben wir garnicht mehr notiert aber ich glaube das war jetzt auch genug. Wir wünschen Euch auf jeden Fall ganz viel Erfolg mit dem neuen Album, ganz viel Spaß auf der Tour und vielen Dank Euch!

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