Converge_Bloodmoon_I_Cover
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WTF Records

Wo Converge draufsteht ist auch Converge drin. Oder? So klar galt das zumindest für die Veröffentlichungen in den letzten mehr als 20 Jahren. Spätestens mit ihrem Meisterwerk Jane Doe, aber eigentlich bereits ab Petitioning the Empty Sky von 1997 hatte die Band bei aller stetigen Weiterentwicklung ihren eigenen Sound kreiert und seitdem perfektioniert. Für die neue Veröffentlichung Bloodmoon: I gilt das nur bedingt und irgendwie doch.

Das liegt aber vor allem daran, dass Bloodmoon: I als Gemeinschaftsprojekt in Zusammenarbeit mit der Musikerin Chelsea Wolfe entstanden ist. Die Anfänge der Kollaboration gehen zurück in das Jahr 2016. Converge, zusammen mit Chelsea Wolfe, deren Mitmusiker Ben Chisholm und Stephen Brodsky von Cave In zelebrierten auf vier exklusiven Shows Ambient/Post Rock Interpretationen ihrer Songs und nannten das ganze Blood Moon.

Bloodmoon: I – was schon nahe legt, dass es auch einen zweiten Teil geben mag – erscheint dieser Tage auf Epitaph Records und ist ein 60 minütiger herausfordernder Ritt durch die Niederungen der menschlichen Gefühlswelt. Das Album ist ein Biest, ein langsames Biest, das erst einmal verdaut werden will.

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Der Einstieg erfolgt mit dem titelgebenden Blood Moon, das bereits im Vorfeld als Videosingle veröffentlicht wurde. Der Song ist ein fast 8 Minuten langer Downtempo Brecher. Der Anfang ist noch vorsichtig, zurückhaltend, baut sich dann auf, explodiert und wird wieder zerlegt. Das Haupt-Riff, das den Song über weite Strecken prägt, basiert auf einem einzigen Akkord. Und über die Titeldauer kommen ganze zwei weitere Akkorde dazu.

Viscera of Men brettert dann in bester Converge Manier los, so wie es sich auch auf The Dusk In Us oder All We Love We Leave Behind hätte wiederfinden können. Und zwar für exakt 16 Sekunden. Dann folgt ein Breakdown, der den Doubletime auf knapp 190bpm mal eben auf einen Halftime mit rund 80bpm reduziert, der sich dann durch die verbleibenden 5 Minuten schleppt.

Bloodmoon: I nimmt den Hörer mit durch die niedersten, negativen menschlichen Gefühle, allerdings ohne ein kurzfristiges Ventil zu bieten, wie es sonst die aggressiven Converge Songs erlauben. Hier werden die Tiefen zelebriert und in die Länge gezogen.

Coil, ebenfalls im Vorfeld veröffentlicht, beginnt ruhig. Im letzten Drittel finden sich dann wieder einige Uptempo, fast schon ProgRock artige Teile.

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Wie durch alle Songs zieht sich auch hier der markante Kontrast zwischen Chelsea Wolfes Stimme, die gerne mal an Tori Amos (minus Piano) erinnert, durchaus aber auch mal schreien kann und der Stimme von Jacob Bannon. Dessen Organ zeigt auf dem Album die volle Bandbreite, von wildem Gekeife, das den Converge Sound so sehr prägt, über Sprechgesang bis zu Clean Vocals, die man ja bereits auf Thousand Miles Between Us auf dem letzten regulären Album kennenlernen durfte.

Bei den Harmonien und Melodien stehen monotone, repetitive Folgen im Vordergrund, immer mit einer dissonanter Kante. Die Songs leben stattdessen von den Gegensätzen in der Dynamik, zwischen Explosion und Zerfall. 

Der Bass von Nate Newton knarzt in Flower Moon, wie man es von Converge gewohnt ist. Überhaupt, der Song klingt wie Grunge à la Alice In Chains oder Soundgarden auf Albtraum. Getragen von einem einzigen eingehenden, hypnotischen Riff, das knapp 5 Minuten wiederholt wird. Tongues Playing Dead schlägst in die gleiche Kerbe. Wo ist Chelseas Stimme geblieben?

Diese ist dann bei Lord of Liars zurück, und wie! Leiernd, mit einem leichten Distortion Effekt erinnert sie hier an beste Portishead Zeiten. Nur mit völlig anderer Instrumentierung im Hintergrund.

Bei Failure Forever blitzt dann das erste Mal überhaupt der Anflug eine positiven Melodie durch. Diese wird aber zugleich konterkariert durch den Text:

Growing constant reminders our failures last forever

Passend zum Titel kommt Scorpion’s Sting mit einem nicht zu leugnendem Western Feeling daher. Der Song walzt sich im 3/4 Takt durch 6 Minuten Steppenwüste. Mit Daimon folgen erneut 7 Minuten Downtempo.

Gegenüber den vorherigen neun Songs kommt Crimson Stone schon fast erlösend, positiv daher. Bis man auf den Text achtet und sich getäuscht sieht:

Trembling souls shaken into piles of bone
Blood running cold before it hardens into stone

Mit gerade mal 3:30 Minuten ist Blood Dawn ein eher kurzer, unspektakuläre Ende der Platte. Ein erlösendes Gefühl stellt sich trotz der Textzeile

and the blood moon will guide us through

aber nicht ein.

Fazit

Auf Bloodmoon: I muss man sich einlassen. Die Platte liegt quer, ist nichts, um nebenbei gehört zu werden. Ist man in der richtigen Stimmung, nimmt man sich die Zeit, erlaubt man Bloodmoon: I  aber seine große Atmosphäre zu entfalten. Nur, die Auflösung am Ende fehlt. Die 11 Songs bieten keine Katharsis, sondern lassen den/die Hörer:In entblößt zurück.

Ohne Wertung

Tracklist

  1. Blood Moon
  2. Viscera of Men
  3. Coil
  4. Flower Moon
  5. Tongues Playing Dead
  6. Lord of Liars
  7. Failure Forever
  8. Scorpion’s Sting
  9. Daimon
  10. Crimson Stone
  11. Blood Dawn
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