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Promofoto von Dritte Wahl
Promofoto von Dritte Wahl
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Puh, gerade das Slime-Interview hinter mir (siehe hier) und schon gehts weiter mit den Helden meiner Jugend. Diesmal Dritte Wahl! Ganz lange habe ich die Band vergessen, bis ich sie auf dem Ant Attack vor ein paar Jahren wieder entdeckt habe (hier). Zwei Jahre nach der letzten Scheibe Geblitzdingst erschien am 1. September das zehnte Album mit dem simplen Titel 10 (Review hier). Meine Fragen beantwortete Sänger und Gitarrist Gunnar.

Interview mit Gunnar von Dritte Wahl

Erst einmal Glückwunsch zum Chartseinstieg. Platz 12 in den deutschen Albumcharts ist für Punkrockbands doch eher ungewöhnlich. Freut euch das?

Gunnar: Vielen Dank! Klar freuen wir uns darüber! Das ändert nicht den Lauf der Welt, aber es ist doch ein schönes Kompliment und eine tolle Anerkennung.

Das Album „10“ erschien am 1. September. Erzählt mal was über den Aufnahme- und Songwritingprozess.

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G.: Wir waren dieses mal in der „heißen Phase“ räumlich getrennt. Ich habe eine Zeit lang auf den Lofoten gelebt und so haben wir uns viele Mails mit Soundschnipseln oder ganzen Tracks hin und her geschickt. Das war anders, aber es funktioniert. Den Rest haben wir dann beim Einspielen arrangiert. Zwei Songs auf der Platte sind übrigens von Holger, unserem neuen Mann an der Gitarre und den Keyboards.

Dritte Wahl - 10 (Cover)
Dritte Wahl – 10 (Cover)

Das Albumcover ist eher spartanisch ausgefallen. 10 schwarze Streifen, Albumtitel und Bandname. Ist der Inhalt wichtiger als die Verpackung? Oder gab es einen anderen Grund?

G.: Ja, Inhalt ist wichtiger. Außerdem war es für unseren Grafikus auch nicht ganz so einfach zum Thema „10“ was ansprechendes zu machen. Wir fanden diese Umsetzung super – schlicht, einfach und unaufgeregt. Das war das Motto zur Platte.

Geblitzdingst“ wurde mit einem Track inspiriert von Men in Black eröffnet, 10 nun mit Scotty, was gleichzeitig auch die erste Single ist. Seid ihr Science-Fiction-Fans?

G.: Nein, wir schauen schon mal einen guten Film, aber wir sind keine Freaks. Die Themen eignen sich einfach super um damit auch noch eine kleine Message zu transportieren. Jeder weiß was gemeint ist. Das kommt auf der einen Seite witzig rüber, geht aber auf der anderen Seite auch in den Kopf.

Erzählt mal was zum Video zu „Scotty“.

Wir haben hier mit Timo Sonnenschein zusammen gearbeitet. Er hatte die Idee und er hat das dann auch umgesetzt. Wir wollten die Band zeigen und natürlich auch das Thema transportieren. Ich denke das hat er sehr anständig gemacht.

Was mir an eurem Songwriting gut gefällt ist die Beschreibung von bestimmten Situationen, wie jetzt bei So lange her, aber auch bei Ich bins von Gib Acht. Wie kommt ihr so nah an den Menschen?

G.: Die Idee zu Ich bin´s stammt von einem Hörbuch, dass ich zufällig mal in der Bahn gehört habe. Da lief das natürlich anders ab, aber die Geschichte hat mich bewegt und so habe ich mir eine eigene Story ausgedacht. So lange her ist tatsächlich entstanden nachdem ich vom Tode einer früheren Nachbarin gehört habe. Sie war noch etwas jünger als ich und wir haben eine Zeit lang viel zusammen unternommen. Das hat mich schon getroffen und da ist so ein Song ein gutes Ventil.

Hat mir auch gut gefallen bei 25 Cent. Woher kam die Inspiration für den Text?

G:: Der Titel ist von Holger und ich kann nur versuchen das aus seiner Perspektive zu beschreiben. Wir fahren beide sehr oft mit der Bahn und gerade auf Bahnhöfen sieht man halt ständig Leute die Flaschen sammeln. Das hat extrem zugenommen. Oft sieht man es den Menschen gar nicht an, dass sie im nächsten Moment in einen Mülleimer greifen werden. Da fragt man sich schon was für Geschichten dahinter stehen und wie die Lebenswege wohl verlaufen sind.

Bemerkenswert sind meines Erachtens die Schlagerelemente. Auf diesem Album bei Runde um Runde gut zu erkennen, beim Vorgängeralbum wars Was weiss ich schon von der Liebe. Liege ich damit richtig?

G.: Ja, das ist keine Absicht, aber Grad zwischen deutschen Songs mit Melodie und Schlager ist sehr schmal. So lange her ist auf jeden Fall ein Schlager. Morgen schon weg von der GIB ACHT war es auch. Wir überlegen dann immer: „Können wir das wirklich machen?“, aber ein guter Song mit einem guten Text darf für uns auch mal ein wenig nach Schlager klingen. Wir haben da keine sehr großen Berührungsängste. Runde um Runde ist ja eher ein Seemannslied oder von der Melodie her ein Arbeiterlied. Den Song empfinde ich nicht als schlagerhaft.

Meine Lieblingszeile von Geblitzdingst war „Und dann hol’ ich sie raus/Die alten Lindenberg Platten/Und erinnere mich/An die Zeit, die wir hatten“ (aus: Immer auf der Reise). Was ist eure Verbindung zum Udo und wie nehmt ihr seine Karriere heute war?

G.: Ich war letztes Jahr noch bei seiner Generalprobe für die Stadion-Tour. Ich bin seit Ewigkeiten Fan. Er macht einfach ganz tolle Texte und ist auch musikalisch top. Ich habe alle Platten – auch die neuen und nachdem er in den Neunzigern mal so eine schwierige Zeit mit komischen Disco-Sounds usw, hatte ist er nun wieder da, wo ich ihn am liebsten mag. In der DDR wurde er ja eh von vielen Menschen verehrt, weil er sich so für die Leute in Ost-Deutschland eingesetzt hat. Er hat meine Jugend auf jeden Fall mit geprägt.

Welche Udo-Lindenberg-Platten hat der Protagonist bei dem Lied aufgelegt?

G.: „Daumen im Wind“ – meine Lieblingsplatte – wenn man das überhaupt so sagen kann, denn er hat so viele tolle Alben gemacht.

Viele alte Punk-Heroen sind zurückgekehrt und machen Tracks gegen AFD und Pegida. Manche davon explizit, was man bei euch auf den früheren Album vor allem findet. Bei Was wirst du tun habt ihr euch für einen subtileren Ton ohne Namensnennungen entschieden. Warum?

G.: Für mich kommt die Gefahr nicht von der AFD. Die ist äußerst unerfreulich weil sie die Leute in ihrem Rassismus bündelt, aber gefährlich ist halt der Rassismus und die Dummheit. Die AFD verschwindet vielleicht in ein paar Jahren wieder, der Rassismus und die Dummheit werden bleiben.

Das Thema Autounfall habt ihr auch häufig bearbeitet. Diesmal beim Track Vor dem Aufprall. Welchen Bezug habt ihr dazu?

G.: Zu diesem Song gab es keinen konkreten Hintergrund. Man hört oder liest ja eigentlich fast täglich von schweren Unfällen mit Verletzten und Toten und man registriert dabei trotzdem nicht so richtig wie gefährlich es ist mit dem Auto durch die Gegend zu fahren. Ich stelle mir manchmal vor was das wohl für Menschen sind, denen sowas schreckliches passiert. In dem Moment in dem sie in ihre Autos steigen ahnen sie noch nichts von dem was sie erwartet. Das Leben ist oft krass.

Stefan und du waren auf dem letzten Toxpack-Album als Gastsänger vertreten. Wie kam es dazu?

G.: Wir kennen uns schon sehr lange und sind freundschaftlich verbunden. Sie fragten – wir sangen.

Dritte Wahl - Deutschpunk-Band
Dritte Wahl veröffentlichen Anfang September ihr bereits zehntes Studioalbum.

Holger H. kam auf dem letzten Album hinzu. Wie kam es dazu?

G.: Wir hatten ja seit dem GIB ACHT Album 2010 oft einen Pianisten dabei. Damals war es Dietmar, ein Freund des Hauses und es war toll nicht mehr so minimiert zu sein. Mit drei Musikanten war es einfach schwierig die neuen Ideen umzusetzen. Wir hatten Bock auf Veränderung und das hat uns sehr gut getan. Dietmar kommt aber ursprünglich vom Theater und er wollte da auch wieder hin zurück und so haben wir nun Holger dabei. Er ist schon lange ein Freund von uns und spielte eigentlich früher Schlagzeug. Nun ist er bei uns für die zweite Gitarre und das Keyboard verantwortlich. Es macht viel Spaß mit ihm.

Erzählt mal etwas über die Tour.

G.: Wir werden natürlich einige neue Songs spielen, aber auch etliche von den alten Liedern. Das wird dann bunt gemischt und los gehts! Ich selbst mag keine Konzerte bei denen gestandene Bands in der ersten Stunde nur ihr neues Album runterspielen und deshalb wird es von Anfang an neue und alte Songs zu hören geben. Welche genau haben wir noch nicht entschieden. Wir haben in diesem Jahr nur ein paar Festivals gespielt und freuen uns jetzt riesig auf die Tour.

Ok, wie immer hier ein paar Stichworte, zu denen ihr schreiben könnt, was euch gerade einfällt:

  • Ton Steine Scherben – GANZ GROSS
  • AFD – schlimm
  • Pegida – peinlich. Ich schäme mich für diese Menschen.
  • Slime – Wir sind Fans und warten gespannt auf das neue Album.
  • Donald Trump – Ein (zugegeben schlechter) Witz. Wenn mir vor ein paar Jahren jemand gesagt hätte dass so ein Mensch mal der wichtigste Mann der Welt wird – ich hätte es nicht geglaubt.
  • Bundestagswahl 2017 – vorhersehbar, langweilig. Interessant wird wohl nur wo die AFD landet. Ich gehe auf jeden Fall wählen. Irgendwas das am wenigsten weh tut. Das wird schon schwer genug, aber es ist wichtig, denn die rechten werden sonst noch größer!

Eine unserer Rubriken sind die 10 Records Worth To Die For. Welche wären das in eurem Fall?

  1. Ton Steine Scherben – Keine Macht für Niemand
  2. Slime – viva la muerte
  3. Die Toten Hosen – Bis zum bitteren Ende
  4. Clawfinger – Clawfinger
  5. AC/DC – Highway to Hell
  6. Pink Floyd – The Wall
  7. Udo Lindenberg – Daumen im Wind
  8. Die Skeptiker – Harte Zeiten
  9. Killing Joke – Pandemonium
  10. New Model Army – The Ghost of Cain

Das ist jetzt nur von mir, weil ich ja gerade alleine hier sitze und brav deine Fragen beantworte.
Viele Grüße und Danke für´s Interesse!

Danke für die Beantwortung meiner Fragen und noch viel Erfolg mit dem neuen Album und auf der Tour!

Anbei noch die Tourdaten:

Dritte Wahl auf Elfenstanz und Tortenschlacht Tour 2017

13. Okt Wien Arena
14. Okt München Backstage
20. Okt Jena F-Haus
21. Okt Düsseldorf Zakk
3. Nov Berlin Astra
4. Nov Berlin Astra
17. Nov Hannover Musikzentrum
18. Nov Wiesbaden Schlachthof + SLIME
24. Nov Cham LA
25. Nov Stuttgart Universum
8. Dez Nürnberg Hirsch
9. Dez CH-Olten Schützi
16. Dez Dresden Alter Schlachthof + SLIME
27. Dez Hamburg Große Freiheit
28. Dez Magdeburg Factory
29. Dez Erfurt Stadtgarten
30. Dez Oberhausen Punk im Pott

Demons Run Amok - Fest

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