15 Jahre Alarmsignal. Zu diesem Anlass veröffentlichte die Band erst vor kurzem ihre heißersehnte neue Platte Viva Versus. Was die Jungs in den vergangenen Jahren so erlebten durften und wie sie ihre aktuelle Release-Tour sehen erfahrt ihr hier.

Interview mit ALARMSIGNAL zum neuen Album „Viva Versus“

Alarmsignal BandAFL: Hey! Ihr habt ja vor kurzem erst euer 6tes Studio Album VIVA VERSUS veröffentlicht. Was für ein Feedback habt ihr bisher für die Platte bekommen und wie zufrieden seid ihr selbst mit dem Ergebnis?

Kühn: High. Danke der Nachfrage, allet schick.

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Borsti: Feedbacks waren bisher eigentlich durch die Bank weg gut… Kritiker gibt’s natürlich auch immer, was auch gut und wichtig is, man kann und möchte ja auch nich jedem gefallen. Ich persönlich bin zufrieden mit dem Ergebnis.

Steff: Jo, Feedback ist größtenteils positiv, aber wie bei jeder neuen Platte gibt’s auch immer wieder Menschen die sagen, dass sie den alten Krempel besser fanden. Das sagen die bei der nächsten Platte aber auch wieder und somit finden sie “Viva Versus“ dann doch irgendwann cool. Nur halt 2-3 Jahre später. Wir selbst sind sehr zufrieden mit der Platte und das zählt in erster Linie. Was andere davon halten ist zwar auch nicht unwichtig, aber im Vergleich mit der eigenen Zufriedenheit doch eher zweitrangig. Für mich persönlich bisher unsere beste Scheibe.

AFL: Ihr seid ja mit Alarmsignal schon immer ein sehr sozialkritische Band gewesen und sagt wenn euch irgendetwas nicht in den Kram passt. Auch bei VIVA VERSUS nimmt ihr kein Blatt vor den Mund und sprecht wichtige Themen an. Warum ist es für euch wichtig Missstände anzusprechen, auch wenn es vielleicht doch nicht alles und jeden in den Kram passt?

Steff: Das resultiert aus unserem Inneren heraus. Es will vielleicht nicht jede_r hören, aber unsere Kritik an diversen Umständen ist das, was wir auf dem Herzen haben. Und unser Ventil, um nicht irgendwann zu platzen oder völlig durchzudrehen.

Kühn: Es ist wichtig zu Meckern. Nur so geschieht Veränderung; hätt ich z.B. nix gesagt, Mama hätte immer noch das raue Klopapier das sich wie Zwieback anfühlt…

Borsti: Ich find‘s wichtig Missstände anzuprangern und sich zu bestimmten Themen des öffentlichen Lebens zu positionieren… Machen heute leider nur noch sehr wenige. Dabei hat die Welt heute mehr Probleme als gestern. Gleichgültigkeit sucks!

AFL: Im Moment seid ihr ja an den Wochenende auf Release-Tour quer durch Deutschland unterwegs. Wie waren die bisherigen Shows und wo geht es die nächsten Wochen hin?

Kühn: Allet schick bis hier… näxtes Wochenede noch in Pusemuckel und dann is erstma gut…

Borsti: Wow, also Hannover, Hamburg, Oberhausen und München waren Kracher-mäßig und haben sich definitiv einen Ehrenplatz in unserer kollektiven Band Erinnerung verdient. Ich denke mal das Dresden und Berlin (da geht es nämlich noch hin) dem in nix nachstehen werden.

Steff: Die Shows waren allesamt super. Gut besucht, bombastische Stimmung, nette Menschen, nette Bands. Allerdings hat uns das korrupte System anfangs Grippeviren und andere kleine Gemeinheiten geschickt, um unsere Tour zu sabotieren. Wir mussten zu chemischen Waffen wie Schmerzmittel und Antibiotika greifen, bis der Feind schließlich den Rückzug antrat. In den nächsten Wochen stehen einige Festivals an.

AFL: Auf den Ruhrpott Rodeo spielen ja dieses Jahr auch eher untypische Bands wie beispielsweise New Model Army oder Dank Jones. Einigen von meinen Freunden ist das schon ein wenig aufgestoßen. Wie seht ihr das?

Kühn: Ich stoße auch viel auf… um einmal ausnahmsweise ernst zu antworten, ich find mit Exploited dasselbe Festival zu spielen viel schlimmer…

Bulli: Wieso aufgestoßen? Man muss ja nicht zu dem Festival gehen oder sich vor Ort nicht die Bands anschauen, wenn es einem nicht passt. New Model Army gibt es schon seit Ende der 70er und die haben auf jeden Fall auch viele Punkbands geprägt – erstmal anhören und nicht vergessen, dass deren Mucke schon über 30 Jahre am Start ist!

Borsti: Ich find´s super wenn nen Festival abwechslungsreich und farbenfroh is, erstens is das musikalische Rahmenprogramm dann nich so einseitig und zweitens zieht das ja auch verschiedene Leute an, was auch die Erscheinung des Publikums bunter gestaltet. Ich persönlich freu mich dieses Jahr unheimlich dolle auf MUDHONEY, auch eine eher untypische Band für so´n Festival. Gruß an deine Aufstoß-Kumpels: Anti-Aufstoß Pille schlucken, Luft anhalten, Horizont erweitern!

AFL: Haha, den Gruß geb ich weiter! Bei eurem neuen Video zu dem Song „Heimat Halt‘s Maul“ seid ihr ja quasi selbst gar nicht zu sehen. Einmal was ganz anderes und wirklich coole Idee! Bei vielen Bands ist es ja so, dass sie jede Möglichkeit nutzen selbst im Rampenlicht zu stehen, um sich feiern zu lassen. Wer kam auf die Idee und wie lief die Umsetzung mit den Hauptdarstellern?

Bulli: Die Idee kam uns im Tourbus. Wir wollten ein Video machen – da wir aber in Celle, Hannover und Berlin wohnen, war es nicht möglich sich für dieses Projekt zu treffen (ist oft nicht so leicht bei uns…).

Kühn: Naja, die ursprüngliche Idee war, Lippen auf unsere Rosetten zu malen und den Text zu Furzen, weil wir Arschlöcher mit Profilneurosen sind. Nach den ersten zehn Takes war aber klar, das das zum einen ästhetisch eher fragwürdig ausfällt und wir zudem wegen der Geruchsentwicklung ständig den Raum wechseln müssten; darum haben wir das dann gelassen. Aber hatten auch keine andere, also keine bessere Idee, die das hätte toppen können, darum haben wir dann befreundete Superbands gefragt ob die nich Bock haben sich was einfallen zu lassen.

AFL: Könnt ihr die beteiligten Bands einmal kurz vorstellen?

Kühn: Ja!!!!

Bulli: Absturzgefährdet, FreiSchnauze, Ichsucht, Johnnie Rook, Missstand, Pascow, Popperklopper, Rasta Knast und Therapie Zwecklos!

Steff: Das war ne´ Aufzählung Bulli, keine Vorstellung!

Absturzgefährdet: Unsere frrränggischen Schnucki´s. Haben wir gleich beim ersten Date (damals in Chemnitz) in Herz geschlossen und lassen sie da auch nicht mehr raus. Freundschaft mit Pfeffi besiegelt!

FreiSchnauze: Hardcore-Punk-Walze aus Berlin. Sehr engagierte Jungs, die auch abseits der Band einiges auf die Beine gestellt haben. Nämlich mit einigen anderen das Resist To Exist Festival, yeah!

Ichsucht: Liebe auf den ersten Ton und den ersten Blick und überhaupt. Was wär die Welt ohne Ichsucht? Definitiv um eine sehr gute und wichtige Band ärmer! Abchecken, unbedingt!

Johnnie Rook: Eine Band, mit der wir uns gerne mal necken, mit der wir liebend gerne feiern und uns die Nächte um die Ohren schlagen, mit der wir aber genauso gerne diskutieren und nicht immer auf einen Nenner kommen. Unverbiegbar!

Missstand: Vielleicht die österreichische Antwort auf uns. Die wohnen mitten in den Bergen, da wo ich auch gerne mal wohnen würde. Außerdem können die uns besser covern, als wir es selbst können.

Pascow: Trampen öfter mal nach Norden. Gute Band mit massig Hits. Sänger Alex betreibt nebenbei noch das Label Kidnap Music und den Versandhandel Tante Guerilla. Kennt der Punker von heute natürlich.

Popperklopper: Die älteste Band im Video, also nicht am Alter der Bandmitglieder errechnet, sondern am Gründungsjahr. Seit 1989 im Geschäft. Wer kennt sie nicht? Deutschpunk-Kult!!!

Rasta Knast: Unsere Nachbarn, mit denen wir uns auch häufig mal privat auf 1,2,3 Schnäpschen treffen. Vielleicht die trinkfesteste Band von allen Protagonisten.

Therapie Zwecklos: Unsere sächsischen Freunde. 2 Kollegen von denen waren einst bei den mächtigen Versauten Stiefkindern mit dabei. Jungs, mit denen man Pferde stehlen kann.

AFL: Ihr seid ja mit Alarmsignal mittlerweile auch ein wenig im „Geschäft“ und gehört vielleicht schon ein klitzekleine wenig zu den alten Hasen. Immerhin feiert ihr dieses Jahr schon euer 15-jähriges Bestehen. Hat sich die Szene eurer Meinung nach zu früher verändert? Falls ja wie?

Borsti: Ja, die Leute sind irgendwie jünger geworden oder wir einfach nur älter? Man weiß es nich….

Kühn: Ich hab immer das Gefühl heut hören die Szenebeteiligten mehr BAP und PUR als wir früher… aber tun wir jetz auch mehr, keine Frage…

Steff: Was das Musikalische angeht, ist die Szene heute auf alle Fälle toleranter oder breit gefächerter – wie auch immer Mensch das nennen mag – aber was teilweise heute so als “Punk“ durchgeht, wäre damals wohl nicht als “Punk“ durchgegangen. Und Style-mäßig hat sich die Szene auch etwas gewandelt. Ich glaub da haben die Holzfällerhemden aktuell die Nietenkutten überholt. Im Gegensatz zu früher ist die Szene außerdem viel gesellschaftsfähiger geworden, auch wenn sie das nicht immer gerne hört. Punks in Innenstädten oder vor Bahnhöfen gehören doch längst zum gewohnten Stadtbild. Zumindest dreht sich hier bei uns kein Spießer mehr danach um. Und Saufen Oi, Ficken Oi, Pillemann raus Oi ist leider auch nur ein Spiegelbild der stumpfen Gesellschaft – das machen die Party-People auf Malle schon seit Ewigkeiten.

Anderseits haben wir viele Themen, über die sich die Szene mittlerweile mehr Gedanken macht. Wichtige Themen wie Sexismus und Mackerverhalten standen früher nicht so oft im Mittelpunkt. Oder vegetraisch/vegane Ernährung. Im Endeffekt können wir aber nicht nur von “der Szene“ sprechen, weil sich einfach zu viele Menschen mit zu vielen verschiedenen Ansichten in ihr bewegen. Auf der einen Seite die, die Punk als Sprachrohr nutzen um etwas zu verändern oder die, die Punk sind, weil sie sich nicht ans große System anpassen wollen. Auf der anderen Seite die, die Punk ohne wichtige Ideale leben und für die Feiern und Saufen an oberster Stelle steht oder die, für die es nur ne´ kurze Rebellionsphase ist. Dann gibt’s noch welche, die können irgendwie alles miteinander verbinden oder welche die irgendwelche komplett anderen Vorstellungen von Punk haben. Irgendwie ein ganz schön großes und kompliziertes Ding, diese Szene.

AFL: Gab es während eurer Bandexistenz auf einer eurer Shows schon einmal besonders nennenswerten Vorfall und was war das absolute Highlight in 15 Jahren Alarmsignal?

Kühn: Jedes unserer Konzerte ist ein besonderer Vorfall und ein absolutes Highlight…

Steff: Jeder hat da so seine eigene Sicht der Dinge. Vorfälle gab es sicher viele, die meisten aber eher lustig, weil alkoholgetränkt. Meine Highlights halte ich immer von Jahr zu Jahr fest. 2014 war das u.a. das Konzi mit Madball – für 2015 ist unsere Record-Release/Jubiläumstour jetzt schon ein heißer Anwärter auf den Thron, aber das Jahr ist ja noch jung.

AFL: Hier einmal ein paar Schlagworte. Was fällt euch als erstes dazu sein?

Kühn:
Germanwings: Bahnhof
Ultras: Waschmittelsorten
Nordkorea: Wonneproppen
Straight Edge: Anglizismen
HoGeSa: Hochgenusssaufen

Borsti:
Germanwings: Klingt nach Fast Food!
Ultras: Klingt nach Waschmittel!
Nordkorea: Gar nich so schlimm wie vom Westen in seiner Propaganda immer dargestellt wird!
Straight Edge: Gerade Ecke?
HoGeSa: What a Fuck, What’s next? ElFrieDa or FrieGieDa?

Bulli:
Germanwings: Wieso fliegen die von Hannover ab, haben aber keine Zielflughäfen, wo ich hin möchte, verdammt?
Ultras: Ich sollte mir mal so ein “Gegen Fußball” Shirt zulegen…
Nordkorea: Kranker, irrer Fucker!!!
Straight Edge: Gar nicht so schlimm.
HoGeSa: Viele kranke, irre Fucker!!!

Steff:
Germanwings: Quotenorientierte Berichterstattung auf unterstem Niveau.
Ultras: Sind nicht alle über einen Kamm zu scheren. Ohne die “korrekten“ wäre es definitiv stiller in den Stadien. Nur der FCSP!
Nordkorea: Immer hinterfragen was aus der Glotze kommt. Aber das Kim Jong-un nicht die hellste Kerze auffer Torte ist, steht natürlich außer Frage.
Straight Edge: Bewunderung, Zielsetzung, scheiß Alkohol!
HoGeSa: Bis auf den Fußball bei beiden Gruppierungen wenig Unterschiede erkennbar!

AFL: Welche Bands sind bei euch den zurzeit so angesagt?

Steff: Erstmal natürlich alle Bands aus unserem coolen Video, is ja klar nä. Und abseits von Deutschpunk läuft bei mir gerade Tim Armstrong rauf und runter. Ich mag seine Sologeschichten und überhaupt alle seine Songs, die er ohne Lars Frederiksen macht! Die Debüt-Scheibe von The Interrupters ist, ganz nebenbei bemerkt, auch richtig großes Kino.

Kühn: Ich höre seit drei Tagen nur ein Lied. Das Flug – der Fall der Psychiatrie.

Bulli: Ich höre gerade – wegen deiner Frage oben – New Model Army. Ansonsten dreht sich bei mir gerade die neueste P.R.O.B.L.E.M.S. Scheibe auf dem Plattenteller. Auch viel HipHop gerade.

AFL: Was macht Alarmsignal so, wenn es mal nicht um die Band und Musik geht?

Steff: Also ich träum viel vor mich hin. Da geht ne´ Menge Zeit bei drauf!

Borsti: Anderes Bandprojekt, Töchterchen/Familie, Freunde, Luft und Liebe!

Bulli: Ich gehe mit meinem Hund spazieren und ohne Hund zu Konzerten. Sitze vorm Computer und mache Grafikkram für Leute, Labelkram, Pakete packen, Essen.

Kühn: Ich sitz manchmal im Wald und ahm den Lockruf eines Möhrchens nach um Hasen in freier Wildbahn beobachten zu können… hatte bisher aber nur so mäßig Erfolg damit. Ansonsten rauch ich grad viel crack und häkel dabei Topflappen für meinen Topflappenonlineversandhandel (www.topflappenonlineversandhandel.org), auch das eher so mit mäßigem Erfolg, aber ich seh’s immer sportlich, weisste?!

AFL: Abschlusswort und Grüße? Habt ihr der Welt sonst noch was zu sagen?

Kühn: Welt, halt mal die Luft an.

Bulli: Sauber bleiben!

Steff: Bewusst leben!!!

Borsti: Liebe Grüße an alle Leser dieses Interviews, Man sieht sich hoffentlich… rein haun!

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Mein Name ist Simon und ich habe AWAY FROM LIFE Anfang 2015 ins Leben gerufen. Ich lebe und liebe Hardcore und Punk-Rock seit meinem 13ten Lebensjahr. Seitdem bin ich stetig auf der Suche nach neuen Bands. In meiner Freizeit besuche ich möglichst viele Shows, spiele Fußball, liebe gutes Essen und unternehme möglichst viel mit meinen Freunden und meiner Familie. Bei Fragen, Anregungen und Verbesserungsvorschläge, könnt ihr euch gerne an mich wenden.

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