Shutdown - Live @ Mkbar
Shutdown - Live @ Mkbar

Während fast alle in Neunkirchen bei Terror waren, entschieden wir uns für eine andere Show. Warum? Ganz einfach: Ich habe Terror mittlerweile so oft live gesehen – die Band ist gefühlt ständig auf Tour und spielt auf jeder zweiten Kirmes –, dass ich inzwischen einfach übersättigt bin.

Versteht mich nicht falsch: Gegen Terror habe ich absolut nichts. Die Shows liefern eigentlich immer ab. Aber nach unzähligen Konzerten mit 35 Minuten Spielzeit und den üblichen Verdächtigen wie Always the Hard Way, One with the Underdogs und Keepers of the Faith war für mich einfach mal etwas anderes angesagt.

Also ging es für uns zu dem, was sich auf dem Papier wie die perfekte Show las. Oder? Blanket Hill würde jetzt wahrscheinlich sagen: „Hold my beer.“

✉️ Unser Newsletter

Das Kuriose daran: Die Jungs von Blanket Hill hatten den Abend selbst organisiert, waren aber gar nicht vor Ort, weil sie zeitgleich als Support von Terror unterwegs waren.

Aktuell läuft es ohnehin richtig gut für die Luxemburger. Gerade noch auf dem Wacken Open Air gespielt, anschließend mit Terror unterwegs und am Freitag steht bereits der nächste Gig mit Agnostic Front an. Nebenbei dann noch eigene Shows organisieren – Chapeau!

Spear

Den Anfang machten Spear – und das schon kurz nach dem Einlass. Die junge Hardcore-Band aus den Niederlanden war für mich vorher praktisch ein unbeschriebenes Blatt. Ich hatte lediglich kurz bei Spotify reingehört und fand das schon ziemlich vielversprechend.

Live bestätigte sich dieser Eindruck dann sofort. Die Band versprühte jede Menge Energie, hatte sichtlich Spaß und spielte einen richtig starken Hardcore, der stellenweise deutlich in Richtung Youth Crew geht. Wer Spear noch nicht auf dem Schirm hat, sollte das unbedingt ändern. Ich bin mir ziemlich sicher, dass man von der Band in Zukunft noch einiges hören wird.

Spear – Setlist

  1. Unify
  2. I Refuse
  3. Absolution
  4. Hindsight
  5. Clarity
  6. 1000 Faces
  7. Worst of Both Worlds (Backtrack-Cover)
  8. The Traces We Leave

To The Wire

Anschließend waren To The Wire an der Reihe. Viel muss man über die Jungs aus dem Ruhrpott eigentlich nicht mehr schreiben. Wer die Band immer noch nicht kennt, hat sich wahrscheinlich die letzten Jahre hinter einem ziemlich großen Stein versteckt.

Ich hatte To The Wire erst vor Kurzem auf dem Riez Open Air gesehen, aber die gehen für mich einfach immer. Und auch dieses Mal wurde ich – wie erwartet – kein bisschen enttäuscht. Die Band lieferte erneut eine bärenstarke Performance ab und brachte vom ersten Song an ordentlich Bewegung ins Publikum.

Und wieder einmal durfte ich Willpower ansagen. Ich hoffe ja langsam, dass das nicht zu einem Running Gag wird. Wobei … eigentlich ist mir das völlig egal. Es macht einfach jedes Mal verdammt viel Spaß.

To The Wire – Setlist

  1. Out of Touch
  2. Velocity of Fear
  3. No Tomorrow
  4. Make No Mistake
  5. Every Day
  6. Empowerment
  7. Willpower
  8. Lost in Translation
  9. Stand for Something
  10. Law of Attraction
  11. Not for Sale

Hometown Crew

Dann waren Hometown Crew an der Reihe. Irgendwie hatte ich bisher immer Pech, die Niederländer live zu sehen. Einmal sollten sie auf dem Saarbrooklyn Hardcore Fest spielen, mussten aber kurzfristig absagen, weil ihr Drummer von einer ordentlichen Magen-Darm-Geschichte erwischt wurde. Beim Revolution Calling in Eindhoven spielten sie mir dann schlichtweg zu spät in der Nacht.

Also eben heute. Wobei … wahrscheinlich war das gleichzeitig mein erstes und letztes Mal. Denn nach 13 Jahren streichen Hometown Crew die Segel. Verdammt schade. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Band gegründet wurde, als einige der Mitglieder gerade einmal 13 Jahre alt waren.

Frontmann Daan Pleunis sorgte mit seinen Ansagen für einige der bewegendsten Momente des Abends. Zunächst bedankte er sich beim Luxemburger Publikum und erzählte von ihrem ersten Auftritt im Großherzogtum. Damals spielten sie auf einer Beatdown-Show und hatten große Angst, dass ihre positive Hardcore-Message dort überhaupt nicht ankommen würde. Nach dem Gig kam allerdings der Gitarrist zu ihm und sagte nur: „Geh mal zum Merch – da stehen die Leute Schlange.“ Eine schöne Erinnerung, die ihm offensichtlich bis heute im Kopf geblieben ist.

Ein paar Songs später wurde es dann etwas humorvoller. Daan meinte, die Band habe schon länger nicht mehr gemeinsam geprobt und er hoffe, nach drei Songs nicht wie Rick Ta Life zu klingen. Entwarnung: Tat er nicht. Wobei – ehrlich gesagt klingt auch nur Rick Ta Life so schlecht wie Rick Ta Life. Und ich bezweifle stark, dass Hometown Crew sich jemals so danebenbenehmen würden wie er in den letzten Jahren. Traurig, was aus ihm geworden ist.

Richtig emotional wurde es gegen Ende seiner Ansagen. Daan erklärte, dass Hometown Crew zwar immer eine positive Band gewesen sei, er selbst aber längst nicht immer positive Gedanken habe. Die Band habe ihm all die Jahre geholfen, diese Gefühle zu verarbeiten und in etwas Positives umzuwandeln. Mit dem nahenden Ende der Band werde jedoch ein riesiges schwarzes Loch entstehen, und er wisse selbst noch nicht, womit er dieses füllen könne. Während er das erzählte, zitterte er merklich. Das war keine einstudierte Bühnenansage, sondern ein ehrlicher und verletzlicher Moment, der wohl vielen im Raum unter die Haut ging.

Musikalisch ließ die Band ohnehin keine Wünsche offen und lieferte noch einmal ein starkes Set ab. Ich bin jedenfalls unglaublich froh, Hometown Crew endlich live gesehen zu haben – auch wenn es gleichzeitig das erste und letzte Mal gewesen sein dürfte.

Eine klassische Setlist gab es an diesem Abend übrigens nicht. Die Band entschied spontan von Song zu Song, worauf sie gerade Bock hatte. Genau das machte den Auftritt aber umso authentischer und sorgte für eine lockere, fast schon familiäre Atmosphäre.

Hometown Crew spielen nur noch wenige Abschiedsshows. Wenn ihr irgendwo die Chance bekommt, die Band noch einmal live zu erleben, dann nutzt sie. Ihr werdet es nicht bereuen.

Schade. Wirklich verdammt schade.

Hometown Crew - For The Fun Of It Tour - Flyer (2026)
Hometown Crew – For The Fun Of It Tour – Flyer (2026)

Shutdown

Den Abschluss des Abends machten Shutdown. Zugegeben: Ich hatte sie erst vor Kurzem auf dem Riez Festival gesehen. Aber ganz ehrlich – never mind. War der Auftritt dort schon verdammt stark, konnten sie an diesem Abend sogar noch eine Schippe drauflegen.

Marc war wieder der reinste Flummi, sprang ununterbrochen über die Bühne und schaffte es mühelos, das Publikum mitzureißen. Obwohl nur rund 50 Leute da waren, war vor der Bühne ordentlich Bewegung.

Zwischendurch wurde es auch etwas persönlicher. Marc sprach über Lou Koller und erzählte, wie Shutdown ihm als 14-Jährige ein Demotape geschickt hatten. Lou nahm die Band später mit auf Tour, und aus dieser Verbindung entwickelte sich eine enge Freundschaft. Marc machte deutlich, was für ein großartiger Mensch Lou war und welchen enormen Einfluss er auf den New York Hardcore hatte.

Außerdem erzählte er, dass ihm Hometown Crew vor Jahren ebenfalls ihre Demos geschickt hatten und er sofort begeistert von der Band gewesen sei.

Natürlich durfte auch die legendäre Raybeez-Ansage nicht fehlen:

In our minds and in our hearts, we feel that hardcore music should stay out of big business and stay in the streets, where it belongs. All you kids out there, always, keep the faith

Passend dazu spielten Shutdown anschließend Don’t Forget the Struggle, Don’t Forget the Streets. Danach gab es – genau wie schon auf dem Riez – noch einen kleinen Ausflug ins Minor Threat-Repertoire, bevor die Band den Abend mit dem grandiosen Few and Far Between beendete.

Was soll man sagen? Eine hammermäßige Show, die den rund 50 Anwesenden mit Sicherheit noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Shutdown – Setlist

  1. Intro
  2. The Judged
  3. Don’t Look Back
  4. United
  5. Wraparound
  6. Now More
  7. BYS
  8. Stop
  9. Our Time
  10. What’s to Come
  11. Decide
  12. DFTS
  13. We Won’t Forget
  14. Filler (Minor Threat Cover)
  15. I Don’t Wanna Hear It (Minor Threat Cover)
  16. Few and Far Between

Fazit

Ich habe selten eine so runde Show erlebt wie diese. Das Line-up war einfach perfekt zusammengestellt. Obwohl sich alle Bands irgendwo im Hardcore-Kosmos zwischen Youth Crew, Posi-Core und – im Fall von Shutdown – klassischem New York Hardcore bewegten, wurde es zu keiner Sekunde eintönig. Jede Band hatte ihren eigenen Sound, ihren eigenen Charakter und ihre ganz eigene Ausstrahlung.

Nennt es Posi-Core, nennt es Youth Crew oder einfach Hardcore – was an diesem Abend vor allem hängen blieb, waren die unglaublich positiven Vibes. In einer Zeit, in der man oft nur noch von schlechten Nachrichten umgeben ist, war so ein Abend fast schon Balsam für die Seele. Die Musik, die Ansagen und vor allem der respektvolle Umgang der Bands untereinander haben einen für ein paar Stunden tatsächlich wieder an das Gute im Menschen glauben lassen.

Genau das ist es doch, was Hardcore im besten Fall ausmacht: Gemeinschaft, Zusammenhalt und gegenseitiger Respekt.

Ich habe an diesem Abend jedenfalls jede Menge positive Energie getankt – und das hat einfach unfassbar gutgetan.

Danke dafür.

P.S.: So, lieber Michael – da hast du deinen Konzertbericht. Ich wünsche dir einen wunderschönen Urlaub!

Schlechte Bilder

🎧 Folgt unserer Playlist
– Playlist: Happy Release Day

Beitrag kommentieren

Bitte gebe dein Kommentar ein
Bitte gebe dein Name ein