Wenn ich schon einmal mit den Cow-Punks zusammen auf der Full Metal Cruise bin, dann nutze ich doch gleich mal die Chance und mache ein Interview mit den Jungs habe ich mir gedacht. Was dann folgte war eine sehr angenehme und lustige Unterhaltung mit den drei Waltons und ihrer Managerin und Gastsängerin Alexandra.

Lange Zeit war es ruhig um die Waltons, nachdem Ihr Schlagzeuger Janni-Boy gestorben war. Wie es zu der Auferstehung der Waltons kam, und warum die Waltons alte Pferde so mögen, erfahrt ihr unter anderem in Nachfolgendem Interview.

AFL: Wie kam es denn eigentlich zu eurer Reunion?

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John-Boy: Das war mehr oder weniger Marlons Idee. Marlon hatte sich unsere CDs alle reingezogen und wurde als Schlagzeuger und auch als Sänger immer besser. Dazu muss ich sagen Marlon ist ja mein Sohn und als er so 14, vielleicht 15, war, vielleicht auch später, da fing er dann an das letzte Tourneeprogramm das wir mit Jani-Boy gespielt haben, der ja tragischer Weise von uns gegangen ist, auf CD zu brennen, also die einzelnen Titel von den verschiedenen CDs und dann hat er sich ins Studio gesetzt, hat sich die Kopfhörer aufgesetzt und hat das geübt.

Mir kam das immer schon so bekannt vor, die Rhythmen, alles Off-Speed. „Was spielt der denn da?“ Habe ich gedacht, bin aber gar nicht draufgekommen, ist ja auch nicht so einfach am Schlagzeugspiel einen Song zu erkennen. Irgendwann hat Marlon zu mir gesagt: So, ich kann das jetzt alles und die dritten Stimmen von Jani-Boy kann ich auch. Da habe ich gedacht: „Naja, so leicht ist das ja nicht mein Freund, da bin ich aber sehr gespannt. Dann sind wir zu zweit runter ins Studio und schau mal an, der konnte das wirklich. Ich habe dann in Karlsruhe bei Hatto angerufen, der kam dann und wir haben eine Probe gemacht. Das Ergebnis war: „Ja, wir können wieder loslegen“.

Alexandra, meine First Lady, die auch eben auf der Bühne war und einen Song gesungen hat, die hat das Ganze dann stark vorangetrieben und sich um alles gekümmert und das Management übernommen. Hat dann auch zum Beispiel bei Holger Hübner (Veranstalter des Wacken Open Airs) angerufen, die Nummer hatte ich ja noch und, zack, waren wir auf dem Wacken Open Air und beim Werner Rennen dieses Jahr ja auch nochmal und jetzt hier auf der Full Metal Cruise, ja auch ein Mega-Highlight.

AFL: Passt das denn überhaupt zusammen? Punk und Full Metal Cruise?

JB: Wir hatten da auch ein bisschen bedenken, auch heute auf der Poolstage. Wir haben gedacht, wir fangen an und spielen den Laden ein bisschen leer, stattdessen wurde es immer voller, das war echt ein geiles Ding. Wie mit dem Typen eben im Fahrstuhl, der meinte: „Das war voll gut!“ und ich sagte: „Naja, wir sind ja nicht wirklich Heavy Metal.“ und er meinte so: „Doooch!“

AFL: Als Heavy Metal würde ich euren Musik-Stil nun wirklich nicht bezeichnen.

JB: Wir nennen es Cow-Punk. Eine Mischung aus Punk, Country und Crossover, natürlich sind da auch Elemente aus dem Heavy Metal zu finden, genau wie bei anderen Bands, so wie Ignite oder auch Social Distortion zum Beispiel.

AFL: Und dann hab ihr euch gesagt, wir machen auch mal eine neue Platte? Und man muss ja sagen Back In The Saddle hat ja sehr gute Kritiken bekommen. Mein Kollege Gripweed hat zum Beispiel 4,5 Sterne vergeben.

JB: Oh ja, wir haben echt tolle Kritiken und Bewertungen bekommen, das hat uns natürlich auch sehr gefreut. Es ist ja auch nicht so einfach 15 Songs zu schreiben.

Marlon: Ja und die letzten zwei Songs im Studio zu schreiben, weil wir noch mehr Material brauchten.

JB: Ja, als Marlon den Schlagzeugpart aufgenommen hat, da habe ich noch zwei Songs, für die ich die Texte von Hatto hatte noch hinterher komponiert.
Auch in diesem Fall war es Alexandra die gesagt hat: „Mensch, willst Du nicht mal ein paar neue Songs komponieren?“ Ich hatte schon 5, ach was 10 Jahre nichts mehr für die Waltons komponiert. Irgendwann hatte ich dann ne Idee und dann ging es los.

AFL: (Mittlerweile ist auch Hatto dazugestossen) Also schreibst Du die Songs, John-Boy?

JB: Ja größtenteils, ich habe jetzt drei Songs mit Marlon und zwei mit Hatto geschrieben.

AFL: Also die Grundidee kommt dann von Dir und der Rest kommt dann dazu?

JB: Nein, die Texte kommen meistens von Hatto, der schreibt super Texte und ich liefere die Musik, bei Marlon ist das anders, der komponiert die Musik und ich schreib dann die Texte dazu.

Marlon: (lacht) Hatto, wir beiden müssten uns mal zusammentun und einen Song schreiben. Ich die Musik, du die Texte.

Hatto: Ich habe sogar noch zwei Texte in der Pipeline.

JB: Ein neues Dreamteam ist geboren…

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AFL: Was hat sich denn jetzt bei euch auf Tour im Gegensatz zu früher verändert?

JB: Wir trinken weniger. Schon alleine dadurch, dass Jani-Boy nicht mehr dabei sein kann, und der konnte für drei saufen, ist der Bierkonsum dramatisch gesunken.

Hatto: Meistens sind es die anderen Bands und die Gäste, die das Bier wegsaufen.

JB: Da habe ich einen kleinen Trick, den ich seit vielen Jahren anwende. Wenn die Vorband auf der Bühne steht schön 4-5 Bierchen „safen“. Weil todsicher, wenn du von der Bühne kommst, hat die Vorband alles ausgesoffen, was da war. (Alle lachen)

AFL: Ist euer Publikum denn auch mit euch zusammen älter geworden oder gibt es auch viele jüngere im Publikum?

Hatto: Erstaunlicherweise gibt e da jetzt auch eine zweite Generation, nämlich die, deren Eltern auch schon Waltons-Fans waren.

JB: Ähnlich wie bei den Rolling Stones, da sind es mittlerweile aber schon drei Generationen.

Alexandra: Wir warten auf die dritte Generation

Hatto: Das ist auf jeden Fall die Absicht mindestens so lange weiterzumachen, bis die dritte Generation am Start ist.

JB: Das ist ein schöner Plan.

AFL: Ich habe euch, ich glaube es war 1992, bei eurem ersten Auftritt auf dem Wacken Open Air ,zum ersten Mal als junge Cowboys auf der Bühne gesehen und ich habe mich damals schon gefragt, wie seid ihr eigentlich auf den Namen The Waltons gekommen?

JB: Die Cartwrights und die Ingels standen auch noch zur Disposition, das waren ja alles Familiennamen aus Fernsehserien. Das war damals in den 80igern trendy, sich nach Fernsehserien zu benennen. Unsere großen Konkurrenten damals waren ja die Familie Hesselbach. Ich weiß nicht, ob sich da noch jemand dran erinnert. Das war eine Punkband aus Essen, da hießen wir allerdings noch Johannes Paul und die ewigen Zweiten, das war so Atonaler Newwave mit drei Bläsern. Mutters Titten sind die Besten war unser großer Hit…

AFL: Seid ihr nervös vor einem Auftritt?

Hatto: Nervös nicht, aber so Lampenfieber, das ist auch absolut notwendig, dass du die Spannung hochhalten kannst. Wenn Du jetzt einfach auf die Bühne gehst, so völlig entspannt, scheißegeal, dann springt auch der Funke nicht über.

JB: Das merken die Leute, wenn du einfach nur den Stiefel runterspielst.

Alex: Die Jungs sind immer vollkonzentriert, wenn ich so 10 Minuten vor dem Auftritt noch was regeln möchte, dann habe ich keine Chance, weil die sich auf die Show vorbereiten.

AF: Was sind denn eure musikalischen Einflüsse? Das hat sich ja mit Marlons Eintritt sicherlich auch nochmal geändert.

JB: Von Social Distortion ist Marlon zum Beispiel genauso Fan wie ich. Metallica, klar!

Hatto: Motörhead nicht zu vergessen! Lemmy ist einer meiner großen Helden, da habe ich natürlich als Bassist noch einen besonderen Bezug.

JB: Ja Hatto, das kann dir auch keiner nehmen (Alle lachen)

Country ist natürlich auch offensichtlich, Willie Nelson, Johnny Cash und wie sie alle heißen.

Marlon: Ignite!

AFL: Wen würdet ihr den gerne, egal ob tot oder lebendig, nochmal auf der Bühne sehen?

Hatto: Johnny Cash natürlich!

JB: Elvis liegt da natürlich auch weit vorne und Kurt Cobain.

Hatto: Ja, Elvis, das war ja auch komplett vor meiner Zeit.

AFL: Was läuft gerade auf eurem Plattenspieler, CD-Player oder digital bei euch?

Marlon: Da bin ich echt sehr breit gefächert.

JB: 12 Études d’exécution transcendante von Franz List als Liveperformance durch Daniil Trifonov habe ich mir gerade 20-mal oder so reingezogen.

AFL: Klassik habe ich jetzt nicht bei den Waltons erwartet, wenn ich ehrlich bin.

JB: Doch wir mögen das. Hatto und ich können uns da sehr für begeistern.

“Haben sie auch alte Pferde? Welche die nicht weglaufen?“

AFL: Könnt ihr eigentlich reiten? So als Cow-Punks?

JB: Jein. Also Marlon und ich nicht, aber Hatto kann es. Wir haben ja für das Backcover von Spirit Of Cowpunk alle im Sattel gesessen.

Hatto: Also, ich habe als einziger im Sattel gesessen, die beiden anderen hängen irgendwie auf dem Pferd, voller Panik im Gesicht da irgendwie runterzurutschen.

JB: Ich habe damals tatsächlich alle Reiterhöfe antelefoniert und gefragt:“ Haben sie auch alte Pferde? Welche die nicht weglaufen?“ Schließlich gab es dann einen Reiterhof, die haben gesagt: „Ja, haben wir, kommt vorbei.“ Und das war auch so, die standen da wie Marmorsäulen. Hatto hat dann ein etwas jüngeres Pferd gehabt und ist dann demonstrativ nochmal ne Runde geritten, um zu zeigen, dass er reiten kann.

Hatto: Ja, aber der Gaul wäre fast eingeschlafen.

AFL: Wie sind eure Pläne? Wann kommt ein neues Album? Kommt ein neues Album?

Hatto: Wir haben ja im letzten April unser Album Back in the Saddle rausgebracht und sind noch dabei das jetzt zu promoten, aber natürlich haben wir schon im Hinterkopf neue Ideen zu sammeln.

JB: Wir machen ein paar Clubkonzerte und sind auch wieder auf einigen Festivals unterwegs.

AFL: Habt ihr noch irgendwelche letzten Worte für uns?

Alex: Ja, da wäre noch was. Wir haben ein Tattoo zu verlosen und zwar verlosen wir das letzte Albumcover als Tattoo-Motiv. Also bis ungefähr Jahresende sammeln wir die Interessierten und dann wird das ausgelost. Der oder die Gewinnerin müsste dann aber auf eigene Kosten nach Köln fahren und würde dort das Tattoo von dem Original- Zeichner/Tätowierer des Covers tätowiert bekommen. Also meldet euch bei den Waltons, wenn ihr Interesse habt und wir packen euch in den Lostopf.

AFL: Vielen Dank für das Interview!

Waltons: Vielen Dank, das AWAY FROM LIFE Interesse an einem Interview mit uns hat.

Übrigens waren beide Konzerte, die die Waltons auf dem Schiff gespielt haben richtig gut und kamen auch beim Publikum gut an. Auch dass Managerin Alexandra zwischendurch einen oder auch zwei Songs singt, gibt dem ganzen nochmal eine neue Note und lockert das Set der Waltons zusätzlich nochmal auf. Eine sehr sympathische Truppe!

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Moin! Ich bin Sven aus der Nähe von Hamburg, 72er Jahrgang und seit über 20 Jahren glücklich verheiratet. Ich bin seit Sommer 2018 bei AWAY FROM LIFE und mache hauptsächlich Konzertfotos, Reviews und Interviews. Wenn ich nicht meinem „normalen“ Job nachgehe oder für AWAY FROM LIFE schreibe, könnt ihr mich entweder im Stadion beim FC. St. Pauli, auf Konzerten, beim Fotografieren oder beim Sport treffen. Bei letzterem schlägt mein Herz für‘s Boxen und Kraftsport, mittlerweile laufe ich aber auch einige Kilometer in der Woche. Ich liebe NYHC, bin aber auch für viele andere Genre offen, die zu unserer Szene gehören oder zumindest daran angrenzen. Meine All-Time Lieblingsbands sind Sick Of It All, Misfits, Ramones, Agnostic Front, und Slipknot. Hardcore lives!

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