Nicolas Perrault ist ein musikalischer Grenzgänger. Bereits als Bassist und Produzent der Sludge-Doomer Rage of Samedi war er bekannt für einen schwer zu fassenden Stilmix zwischen Folk und Post Metal. Und auch seine Solokarriere ist nicht so einfach zu fassen. Das typische Pub-Klientel bedient er bewaffnet mit seiner Akustikgitarre sicherlich nicht. Und deshalb ist das Publikum auch immer so baff, wenn der Hüne tieftraurige Solo-Folk-Arrangements raushaut. Seine letzte EP Way Back (Review hier) kam bei mir schon relativ gut an. Mit seinem ersten Album (nach 3 EPs) hat er noch mal einen Batzen obendrauf gelegt.

Bereits am 20. Mai 2020 als Eigenproduktion über sein Label Yew & Holly erschienen, bedient er auf dem Album Shadows Cast At Dawn nicht mehr nur das Acoustic-Folk-Publikum, sondern verwendet eine komplette Produktion mit zwei Schlagzeugen, Cello und Violine und eine elektrische Baritongitarre. Bin gespannt, wie er das livetechnisch umsetzt, aber die Technik heute ist da ja schon ganz schön einfallsreich.

Sieben Songs umfasst das Album, wobei Track 1 lediglich das Intro darstellt. Die Songs sind lange, oft sehr komplex arrangiert und auf keinen Fall etwas fürs Nebenbeihören. Auch für Autofahrten (wo leider die meisten meiner Reviews im Kopf entstehen) ist es eher weniger geeignet. Stattdessen erfordert die Musik schon die gesamte Aufmerksamkeit. Oft beginnen die Arrangements sehr leise und steigern sich zu einem Höhepunkt hin. Über allem thront die dunkle, düstere Stimme von Nicolas Perrault, irgendwo zwischen Nick Cave und Tom Waits. Musikalisch ist alles irgendwo zwischen Apocalyptic Folk, Doom und Post-Metal, dabei sehr sparsam instrumentiert.

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Zu den Texten sagt er lapidar: “Es geht um Tod, Depression und Gewalt und – im Grunde genommen – darum, dass die Welt den Bach runter geht”. Das merkt man diesem Album in jeder Faser an. Ein krasses Werk, das hoffentlich seine Fans finden wird.

Das Album ist rein digital veröffentlicht worden und bei allen gängigen Streamingdiensten verfügbar.

Tracklist

1. Intro
2. Oceanic
3. Fires Within
4. Edge Of Forever
5. Forest
6. Leave Me To The Waves
7. Empires

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Gripweed ist Wikipedianer mit Leib und Seele und das, was man gemeinhin als Musiknerd bezeichnet. Musikalisch ist er in vielen Genres beheimatet, wobei er das Exotische und Unbekannte den Stars und Sternchen vorzieht. Eine Weile bloggte er auch auf blogspot.de und war Schreiberling des leider eingestellten saarländischen Webzines Iamhavoc. nach dessen Einstellung wechselte er mit Max zu AWAY FROM LIFE.

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