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Oi!GENZ: Interview mit Kai zum Re-Release

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Auf dem Label Twisted Chords ist kürzlich das Re-Release des KnallerAlbums „Neues Jahrhundert altes Problem“ von den Oi!Genz aus Stuttgart erschienen. Die Band gibt es ja leider schon längere Zeit nicht mehr und trotzdem konnte ich mit Kai, einem der ehemaligen Bandmitglieder, ein kleines aber feines Interview führen.

Interview mit Kai zum Re-Release des Klassikers „Neues Jahrhundert altes Problem“

AFL: Hey Kai, du bist ja eines der Mitglieder von der ehemaligen schwäbischen Band Oi!genz. Ganz aktuell hat Tobi von Twisted Chords euer Album „Neues Jahrhundert altes Problem“ neu aufgelegt. Wie kam es zu diesem Re-Release?

Kai: Nachdem die Platte damals ziemlich schnell ausverkauft war, kamen über die Jahre immer mal wieder Anfragen von Labels wegen Re-Release. Wir haben das immer abgeblockt, weil wir eigentlich mit diesem Kapitel abgeschlossen hatten. Tobi ist ein guter Freund und wir schätzen Twisted Chords sehr. Er hatte die Platte schon länger auf dem Zettel, blieb hartnäckig und jetzt ist sie doch wieder erhältlich.

AFL: Euer Album hat mich damals schon sehr bewegt und ich kann mich an viele tolle Konzerte erinnern, die immer voller Wut und Energie waren. Oft sehe ich zwischen den Endneunzigern und dem hier und jetzt viele Parallelen. Geht das euch auch so? Was bewegt dich heute noch genauso wie damals und was hat sich deiner Ansicht nach geändert seid ihr euch aufgelöst habt?

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Kai: Für mich klingt das Album auch heute noch rau und wütend. Es kam direkt aus unserem Alltag und das macht den Charme der Platte aus. Wenn ich mir aktuell diese ganze Angstmacherei, Verrohung und Entsolidarisierung anschaue, dann bin ich immer noch wütend, jedoch in einer etwas reflektierteren und differenzierteren Art und Weise.

AFL: Das Re-Release kommt ja jetzt gerade in einer Zeit, in der sich viele Bands aus den 1980er und 1990er wieder zusammenfinden. Nicht zuletzt auch die Hardcore-Punk Band RAWSIDE etc. Wie stehen die Chancen, dass man Oi!Genz noch einmal live erleben darf? Eigentlich ist ja eine Re-Union gerade in der heutigen politischen Lage mehr als gerechtfertigt.

Kai: Da ist nichts geplant. Wenn wir die „heutige politische Lage“ mit einer Reunion ändern könnten, wären wir sicher alle gleich dabei. Dazu braucht es aber leider einiges mehr.

AFL: Was waren eure schönsten und beschissensten Momente eurer Band Existenz? Gab es so etwas wie Höhen und Tiefen und was war der Grund für die Beerdigung der Band? Ich war ja bei einem der letzten Konzerte Mitten im Schwarzwald dabei und hab dieses Konzert noch heute schwer in Erinnerung. Das damalige Jugendhaus in Bad Wildbad ist ja auf 150 Leute ausgelegt und da waren sicherlich 350 Leute. Das Bier Stand Zentimeter Hoch auf der Bühne und die Stimmung hat das Jugendhaus kaum ein zweites Mal erlebt. Denkt ihr auch heute noch an solche Konzerte zurück und juckt es da nicht auch, das zu wiederholen?

Kai: Ich bezweifle, dass man dieses 90er Feeling nochmals aufleben lassen kann. Irgendwie hat doch alles seine Zeit. Und bei manchem was in der Zeit lief bin ich im Nachhinein froh, dass noch nicht alle eine Handycam im Anschlag hatten.

Highlight für mich war das Netzwerk von Leuten teilweise über große Entfernungen hin weg. Wir waren viel unterwegs, man hat sich regelmäßig getroffen, sich organisiert, sich unterstützt. Konzerte, DIY, alles sicherlich weniger professionell als heute aber mit viel Herz. Der Freitagmittag war immer der Auftakt zu etwas Besonderem. Und dann haben wir die Platte aufgenommen und 1000 Stück innerhalb ein paar Wochen von zu Hause aus vertickt. Das hatte schon was.

Negativ war sicherlich der ganze Stress auf den Konzerten. Meistens nicht unbegründet, aber das hat mit der Zeit eine Dynamik bekommen und fast schon fest dazugehört.
Wir haben uns aufgelöst, weil wir uns weiterentwickelt haben. Musikalisch und politisch. Und das hat mit der Band dann nicht mehr gepasst. Eine klassische Oi-Band waren wir doch eh nie.

AFL: Was machen denn die Bandmitglieder heute so? Sind diese noch in der Punk- und Musikszene aktiv oder sind das nun alles alte Hasen, die daheim ihr Eigenheim pflegen und einem normalen Leben nachgehen?

Kai: Tanio spielt bei Produzenten der Froide und die sind ziemlich aktiv. Riedel hat eine neue Band. Da sollte man die Augen offenhalten. Colin ist denke ich eher raus und widmet sich dem Höhlentauchen. Ich arbeite an was Neuem, da ist aber noch nichts spruchreif. Den Großteil meiner Zeit und Ideen beansprucht mein Modelabel. Außerdem habe ich vor Jahren mal ein Messer in die Hand bekommen. Seitdem ist es um meine Gitarrenskills nicht mehr so dolle bestellt.

AFL: Ihr kamt ja aus dem Stuttgarter Raum und damals haben sich ja jede Menge gute Bands aus der Landeshauptstadt schon immer entwickelt. Ich denke da nur mal so an Bands wie Riot Brigade, Guerilla, Fliehende Stürme, Chaos Z, Empowerment, Murder Disco X usw. In den letzten Jahren habe ich diese Beobachtung leider nicht mehr. Könnt ihr Gründe nennen, warum gerade aus Stuttgart kaum noch gute Bands nachkommen und es gefühlt auch keine wirkliche Szene mehr gibt? Zumindest bekommt man außerhalb Stuttgarts eben kaum noch was mit, was den Nachwuchs betrifft.

Kai: Ich muss auch ehrlich gestehen, dass ich seit der Schließung des OBW9 (ehemaliges besetztes Haus, welches inzwischen geräumt und abgerissen wurde) kaum noch in Stuttgart unterwegs bin. Stuttgart ist doch gerade in aller Munde wegen Bands wie Nerven, Human Abfall und co. Das ist jetzt nicht Nietenjacke und musikalisch auch nicht ganz neu, aber dennoch spannend was da passiert. Besonders an Stuttgart ist sicherlich, dass es nicht viele kleine Szenen gibt, sondern sich alle Leute irgendwie kennen. Das hat sich in den letzten Jahren auch nicht groß verändert. Mehr junge Bands würde ich begrüßen. Geht da in anderen Städten mehr? Wenn ich mir Flyer von großen Festivals anschaue, da spielen immer noch dieselben Bands wie vor 15 Jahren.

Das Re-Release der LP „Neues Jahrhunder altes Problem“ gibt es bei Twisted Chords

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Im wahren Leben heiße ich natürlich nicht Knut Knutson sondern Nico. Schon lange gehöre ich der Punk Szene an und habe fast 15 Jahre Konzerte im Schwarzwald und Pforzheim organisiert. Davon hatte ich mit dem Bottich Pforzeim vier Jahre lang eine eigene Location, bis diese von der Stadt Pforzheim geschlossen wurde. Inzwischen betreibe ich eine eigene Bookingagentur und ein kleines Label, welches noch in der Geburt steckt. Beides findet ihr im Netz unter Subkultura Booking & Records. Da ich einige Bands kenne und mich auch viel mit der "Szene" beschäftige, möchte ich mich hier bei AWAY FROM LIFE nun ein wenig austoben und über gute Bands und Menschen aus der Szene berichten.

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