Support The Scene #4 – Sebastian & Yasmina (O-Ton Shows-Hardcore, Bremen)

2

Nachdem Sebastian und Yasmina O-Ton Show-Hardcore im September 2017 gestartet hatten, legten die beiden im vergangenen Jahr mit der ersten Bremer Hardcore-Offensive so richtig los. So wurde 2018 monatlich ein Konzert veranstaltet, bei dem quasi ausschließlich junge Bands aus dem deutschsprachigen Raum aufgetreten sind. Starke Aktion! Auch 2019 haben Sebastian und Yasmina einiges vor. Mehr dazu hier in unserer vierten Ausgabe von Support The Scene.

Der Nachwuchs fehlt irgendwie – wenn man mit Mitte 30 zu den Küken gehört ist das schon komisch.

HeyHo! Stellt euch doch bitte kurz einmal selbst vor!

- Werbung -
Stäbruch Festival

Wir sind Sebastian (36 Jahre) und Yasmina (35 Jahre).

#1 Wo und unter welchem Namen veranstaltet Ihr Konzerte?

Wir sind O-Ton Shows-Hardcore und veranstalten in Bremen

#2 Seit wann macht Ihr das Ganze und wie kamt ihr dazu?

Uns gibt es seit September 2017.

Sebastian: Angefangen hat alles damit, dass Ich die Schweizer Band Insanity live sehen wollte. Ich habe deshalb versucht, die Buben in den Norden Deutschlands zu bringen. Leider konnte ich keinen Veranstalter finden der bereit war, Insanity mit in ein Line-Up zu nehmen. Dazu kann man vielleicht sagen, dass die Bremer Subkultur ein etwas angespanntes Verhältnis zum HC hat und es in Bremen schwer ist, keinen Bollo-HC Stempel zu kriegen. Wie dem auch sei, ich habe dann aufgegeben und entschlossen, die wirklich sau geilen Insanity selbst zu veranstalten. Das war die Geburtsstunde unserer Konzertgruppe.

Yasmina: Ja so wars.

#3 Warum opfert Ihr eure Freizeit dafür?

Yasmina: Warum nicht?! Andere gehen zum Fußball spielen, ich mache Konzerte. Es macht Spaß, es ist schön nach nem Konzert in grinsende, zufriedene, nass geschwitzte Gesichter zu sehen. Neue Leute kennen zulernen, den Bands die Möglichkeit zu geben deren Musik zu präsentieren. Bands zu booken die man selber gerne Live sehen möchte.

Sebastian: Da stimme ich Yasmina voll und ganz zu. Es macht wirklich viel Spaß und ist auch nicht ganz uneigennützig. Auf keinem anderen Wege lernt man so viele geile Menschen aus aller Welt kennen, als auf kleinen Underground-Shows. Für mich ist aber noch wichtig, dass ich solange ich alt genug war mich aus dem Haus zu schleichen, auf Punk und HC Shows herumhüpfe und ich noch eine Menge Potenzial im HC sehe. Ein Stück weit will ich den Leuten einfach zeigen, was für Schätze da im HC Untergrund schlummern. Wohl dem, der so schlau ist und eine kleine Club-Show einem Hallenkonzert vorzieht und daran teil nimmt. Auch wenn sie die Band noch nicht kennen.

Die nächste O-Ton Show im März

#4 Was sind die Dinge, die euch dabei am meisten stören/ aufregen?

Yasmina: Das häufig die jüngere Generation sich nicht die Mühe macht und auf kleine Shows geht wo sie die Bands nicht kennen. Der Nachwuchs fehlt irgendwie – wenn man mit Mitte 30 zu den Küken gehört ist das schon komisch. Was mich am Veranstalten besonders aufregt ist, wenn an der Tür über den Eintrittspreis diskutiert wird. Kommt bei uns zum Glück nur sehr selten vor. Aber was soll das, mal ganz ehrlich.

Egal wie gut man vorher Plant und alles, es kommt immer etwas unerwartetes am Tag des Konzertes dazu, das den Stresspegel mal eben noch erhöht. Wie z.B. ne Band kann nicht kommen oder am Schlagzeug fehlt was oder es sind zu wenig Getränke da, ach ich könnte Romane drüber schreiben.

Sebastian: Aktuell nervt mich vor allem, dass eine Zusage oder eine Verabredung heut zu Tage, eher eine Option ist als ein festes Date im Terminkalender, an das sich gehalten wird. Wenn ich etwas fest Zusage, dann trage ich es in meinen Terminkalender. Kommt dann irgendwer mit einer anderen Option, dann schaue ich in meinen Kalender und wenn da was anderes wichtiges steht, dann sage ich. „Hey, tut mir Leid. Da habe ich eine Show, das geht da leider nicht“. Klar kann immer etwas dazwischen kommen. Davor sind wir alle nicht gefeit. Wenn es nicht geht, geht es eben nicht. Gesundheit, Familie und Freunde gehen natürlich vor. Ein Konzerttermin ist für uns aber schon so etwas, wie ein heiliges Versprechen. Wir können stolz sagen, dass wir bisher jede unserer Shows auch durchgezogen haben. Egal wie es uns dabei ging. Wir suchen immer nach Lösungen.Eine Absage ist die wirklich allerletzte Option.

Wir buchen generell Bands, die wir gerne hören oder von denen wir glauben, dass sie gut beim Publikum ankommen.

#5 Wie viel Zeit wendet ihr für das Organisieren von Shows wöchentlich ungefähr auf? Was für Arbeiten fallen dabei so an?

Sebastian: Es vergeht kaum ein Tag an dem wir uns nicht mit O-Ton Shows beschäftigen. Wir basteln Plakate, bestellen irgendwas, drucken Aufnäher, plakatieren, telefonieren, schreiben stundenlang mit Leuten und Bands, checken Bands aus, helfen Bands mit Infos oder helfen beim Booking, wir modeln Line-Ups um, organisieren Helfer, kümmern uns um die Facebook-Seite oder Instagram usw. Es ist weit mehr Arbeit als die Konzerttage zu stemmen. Manchmal sitzen wir nach der Arbeit noch bis in die Nacht vorm Laptop und entwerfen Plakate und wenn die Zeit mal besonders eng ist, kommt es vor, dass ich auch schon Morgens bevor ich zur Arbeit gehe etwas fertig mache. Eigentlich ist die Arbeit in einer Konzertgruppe aber eher eine Bereicherung für mich. Ich liebe halt die Subkultur und sie ist mein Leben. Also bewege ich mich darin wie ein Fisch im Wasser.

#6 Wie seht ihr die Entwicklung hin zu immer größeren Festivals und weniger Clubshows?

Yasmina: Naja, kleine Clubshows sind ja genau das was eine Subkultur am Leben hält. Keine Clubshows mehr, keine Subkultur. Hardcore braucht diese Shows. Sie sind Treffpunkt für die Leute und natürliches Habitat. Ohne Clubshows verliert HC sein Gesicht und schon einen nicht geringen Teil seiner Identität. Er lebt im Untergrund und präsentiert sich höchstens auf größeren Shows. Die Wahrheit ist aber, dass keine Band diese großen Konzerte meint, wenn sie von der geilen Zeit singen. Sie meinen die Clubshows, den Schmutz und den direkten Kontakt zum Pit und zu ihren Leuten. Das ist Hardcore!

Sebastian: Hab ich nichts hinzuzufügen.

#7 Für welche Band würdet Ihr am liebsten einmal ein Konzert organisieren?

Yasmina: ich würde total gern mal Mouthpiece und Better Than a Thousand machen, zweite geht ja leider nicht mehr…Madball wär mal ganz cool aber sind für uns leider zu teuer. Punishable Act

Sebastian: Ja, Punishable Act wären super. Ich würde unglaublich gerne mal Get The Shot veranstalten. Madball wäre weniger wegen ihrem Status cool. sondern weil ich glaube, es wäre extrem lustig, mit so eine große Band mal wieder in der Ursuppe zu planschen, der sie schon so lange entwachsen sind. Es wäre wohl die geilste Show die sie seit langem bespielen durften, davon bin ich überzeugt. Aber jetzt mal abgesehen von den paar großen Acts und einen haufen Bands aus Übersee, die wir nur aufsammeln könnten, wenn sie mal hier durchtouren, kommen die meisten Bands die wir veranstalten wollen sowieso zu uns. Ich habe sie nämlich angeschrieben. Hehe Verdammt, Underground Hardcore ist der Shit! Underground ist alles! Jede Band die etwas taugt, hat ihre Wurzeln tief im Undeground HC geschlagen und lässt sich dieser Wurzeln auch besser nicht berauben..

#8 Welche Bands bucht ihr; also gibt es neben der Musik weitere Dinge auf die ihr vor dem buchen einer Band achtest?

Yasmina: Wir buchen generell Bands, die wir gerne hören oder von denen wir glauben, dass sie gut beim Publikum ankommen. Wichtig ist uns auch dass die Bands unsere politische Haltung unterstützen. Natürlich muss keine Band mit wehenden Fahnen “Alerta“ schreien, aber ne klare antifaschistische Haltung sollte es schon sein.

Sebastian: Wir arbeiten nicht so gerne mit Booking Agenturen. Es ist cooler mit den Bands direkt zu sprechen. Wer sich als kleine deutsche Band von einer Agentur vertreten lässt, oder nur über ihr Label kommuniziert , hat gute Chancen von uns ignoriert zu werden.

#9 Wo soll die Reise noch hingehen?

Sebastian: Gesund in die nächsten Show. Sodas ich mir im Moshpit die Wut raustanzen kann. Mehr plane ich eigentlich nicht.

Yasmina: Nur dass wir die Weltherrschaft an uns reißen können 😉 sonst, wohin uns Hardcore bringt.

#10 Was sind Eure nächsten Shows?

  • 03. Dirtsheath / Phantom Pain / Seek Nothing
  • 04. Stolen Mind / Dead Fuckin Sunday / Mindwrecked
  • 05. Scarfold / Heavy Kind / Finalizer
  • 09. Got Nuthin‘ / Offside / Nordend / Minus Hope
  • 10. Manifestation / Crucial Point / Fat and Angry
  • 11. Minus Youth / Angrier Than You / Slamdamn
  • 12. Surprise Show

Vielen Dank für eure Zeit!

Gerne.

Support The Scene zum Nachlesen

- Werbung -
Vorheriger BeitragH2O kommen im Juni und Juli auf Europa-Tour
Nächster BeitragAGAINST ME! schreiben Songs für neues Album
Mein Name ist Simon und ich habe AWAY FROM LIFE Anfang 2015 ins Leben gerufen. Ich lebe und liebe Hardcore und Punk-Rock seit meinem 13ten Lebensjahr. Seitdem bin ich stetig auf der Suche nach neuen Bands. In meiner Freizeit besuche ich möglichst viele Shows, spiele Fußball, liebe gutes Essen und unternehme möglichst viel mit meinen Freunden und meiner Familie. Bei Fragen, Anregungen und Verbesserungsvorschläge, könnt ihr euch gerne an mich wenden.

2 Kommentare

Beitrag kommentieren

Bitte gebe dein Kommentar ein
Bitte gebe dein Name ein