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10 Records Worth To Die For: #88 mit Flöter (Pascow)

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In meinem Freundeskreis sind viele Leute Plattensammler. In puncto Menge an Platten und Wissen über ziemlich jede einzige der Platten hinsichtlich Background, Label, Auflage… ist Flo hingegen unschlagbar! Wahrhaftig ein Plattennerd! Seit elf Jahren spielt er nun bei Pascow. Heute ist er vom Bühnenbild der Band nicht mehr wegzudenken! Einfach ein Energiebündel auf der Bühne. Aber hören wir mal was der Junge so daheim hört!

1Dead Kennedys – Bedtime For Democracy

Zum ersten Mal kam ich über den „Punk & Disorderly” Sampler in Kontakt zu den Dead Kennedys. Ich kann mich noch ziemlich gut daran erinnern, wie irritierend ich Jellos Gesang und wie verstörend ich den Text zu Anfang fand. Nachdem ich aber irgendwann mal in der Thematik drin war, begab ich mich auf die Suche nach Vinyl der Band, was allerdings Mitte / Ende der Neunziger für so `nen kleinen Dorfpunker gar nicht so einfach war.

Ändern sollte sich das 1997, als ich zum ersten Mal im Trierer ExHaus (Monsters of Haupstadt Tour, Beatsteaks als erste Band des Abends und Terrorgruppe Headliner. Verrückte Welt…) zu Gast war. Dort gab es einen kleinen Plattenstand, der einige Alben im Angebot hatte. Für die „Bedtime for Democracy“ habe ich mich dann ausschließlich auf Grund des Covers entschieden. Und auch wenn ich inzwischen sowohl die „Fresh fruits for rotting vegetables“ als auch die „Plastic surgery disasters“ für bessere Alben halte, wird die „Bedtime…“ immer einen ganz besonderen Platz in meiner Sammlung haben.

2Descendents – Everything Sucks

Kurz nach Erscheinen bei meinem damals total „Melody Core vernarrten“ Cousin gehört und für nicht Punk genug erachtet. Musikalische Engstirnigkeit und Ignoranz standen damals bei mir noch ziemlich hoch im Kurs. Über die Jahre sind mir aber sowohl die Platte als auch die Band sehr ans Herz gewachsen. Kurze, schnelle Songs, bisschen Melodie. Fertig ist der Klassiker.

3The Weakerthans – Fallow

Die Platte wurde mir mit den Worten „Ist die neue Band von dem Propagandhi Bassisten“ zu meinem 19. Geburtstag überreicht (Übrigens zusammen mit o.g. Descendents und der „Over the james“ von Avail). Meine Erwartung einer richtig gut abgehenden Hardcore Punk Platte wurden allerdings nur wenige Sekunden nachdem die Nadel die Rillen berührte, enttäuscht. „Was ist das denn für ein Hippiescheiß?“ Durchgehört habe ich sie trotzdem, und sie wurde von Lied zu Lied besser, größer, tiefer (Ach du meine Fresse, was für ein Geschwurbel). Von diesem Moment an fieberte ich jeder neuen Weakerthans Veröffentlichung entgegen. Kurioserweise war der erste Eindruck meist: „Die vorherige Platte war besser!“. Bis ich mich reingehört hatte und sie dann mindestens genau so großartig fand. Inzwischen gibt es für mich niemanden, der schönere Texte schreibt als JKS.

4Dackelblut – Fluten und Tauchen

Die „Angeschissen“-Diskographie war meine erste Berührung mit dem rachutschen Kosmos und schon da war mir klar, dass ich da ein ganz besonderes Stück der deutschen Punkrockgeschichte in den Händen halte. Von da an wurde alles beschafft, bei dem im Line Up die Namen Rachut und Ness auftauchten. Eindringliche Alltagsbeobachtungen, Absurdes, Schicksale, Witziges – und das alles mit Tiefgang und Eindringlichkeit vorgetragen, wie es sonst kaum ein anderer schafft. Die ausschließlich mit Downstrokes gespielte Gitarre des Herrn Ness tut ihr übriges dazu. Mich würde interessieren, wem außer mir noch aufgefallen ist, dass „Sonderangebote“ sehr nahe an einem uralten Charles Bukowski Gedicht ist…

5Knochenfabrik – Cooler Parkplatz

Auf der Suche nach deutschsprachigem Punk, der mehr kann als nur stumpfe Parolen gegen alles, was der Punker an sich so scheisse findet (Und was ich heute immer noch scheisse finde!), stieß ich irgendwann auf Knochenfabrik. Ok, schon irgendwie gepflegtes Asitum, aber einfach (Ich gestehe: mit Filmriss konnte ich die ersten Jahre echt gar nix anfangen. Also mit dem Lied, der Zustand war mir sehr wohl bekannt). Die „Cooler Parkplatz“ habe ich dann in einer Plattenkiste auf einem Randy Konzert im Blieskasteler P-Werk gekauft (zusammen mit der ersten Muff Potter). Nach wie vor, meiner bescheidenen Meinung nach (aber was bedeutet das schon bei dem Bassisten einer „Punk“ Band), das Beste, was Claus sowohl textlich als auch musikalisch je abgeliefert hat.

6Jawbreaker – Dear You

1995 – Ein Jahr nach Kurt Kobains Selbstmord erscheint “Dear You” beim ehemaligen Nirvana-Label Geffen (Die Großen versuchen krampfhaft die entstandene Lücke, die Nirvana hinterließ, zu schließen und nehmen alles unter Vertrag, was eine verzerrte Gitarre spielen kann). Leider können Jawbreaker die erwarteten Verkaufszahlen des Majors nicht erfüllen, und so verschwindet die Platte relativ schnell wieder von der Bildfläche. Erst Jahre später sollte ich wieder auf diese Veröffentlichung aufmerksam werden, als ein gewisser Nagel eben diese in seinem Wasted Paper (Nr 8, glaube ich) total abfeierte. Und Jahre später, als eine europäische Fanpressung erschien, konnte ich auch voll und ganz nachvollziehen, was er meinte. Ein absoluter Meilenstein des Emocore, erschienen noch lange bevor dieser Begriff zum Schimpfwort wurde.

7EA80 – Grüner Apfel

“Schweigen” auf dem Nazis Raus Sampler von Weird System empfand ich als eher störend (siehe Dead Kennedys), trotzdem besorgte ich mir, nachdem der Name EA80 immer öfter in Reviews anderer Bands, die ich mochte, von mir wahrgenommen wurde, die „Grüner Apfel“. Prestissimo als schneller, kurzer und straighter Song machte mir den Einstieg in die düstere, tiefgründige Welt von EA80 dann doch sehr einfach.

8Leatherface – Mush

Leatherface habe ich erst relativ spät, zum Erscheinen der „Horsebox“, kennengelernt. Und da „Mush“ zu der Zeit schon seit Jahren auf Vinyl vergriffen war, ging sie irgendwie total an mir vorbei, weil Punkrock für mich zu dieser Zeit ausschließlich auf diesem Medium zu hören war (siehe oben erwähnte Engstirnigkeit). Das änderte sich, als ich begann mit Pascow auf Tour zugehen. Es verging kaum eine Aftershow Party oder ein Zusammensitzen in einer WG-Küche, ohne dass mindestens ein Lied dieser Platte lief. Und irgendwie war es mir immer ein bisschen peinlich, dass ich der einzige war, der nicht alle Texte lauthals mitgrölen konnte. Also hatte ich mir irgendwann heimlich die Platte illegal aus dem Internet gezogen – ohne schlechtes Gewissen, da die Band selbst wohl ohnehin nicht die Rechte daran hatte. Zum Glück war die Vinylversion dann Jahre später zumindest als Bootleg wieder erhältlich.

9Slime – Schweineherbst

Schülerdemo irgendwann 1995 in einer der hässlichsten Kleinstädte des Saarlandes. Die Möchtegernpunker Bobby und Flo (Namen weder vom Schreiber noch von der Redaktion geändert) haben so überhaupt gar keinen Bock drauf , verbringen die freie Zeit lieber in der „Freistunden“-Kneipe Cartoon und machen später noch einen kurzen Abstecher in einen inzwischen schon seit Jahren geschlossenen Plattenladen. Ob einer der beiden Schwänzer die CD tatsächlich bezahlt hat oder auch nicht kann ich heute wirklich nicht mehr sagen. So viel zur Geschichte. Die „Schweineherbst“ war bis zu diesem Zeitpunkt das Beste, was ich je an Deutschpunk gehört hatte. Der minimale Metaleinschlag, zumindest bei den Gitarren, sei ihnen verziehen. Ein textlicher Rundumschlag gegen alles, was zu der Zeit in Deutschland vor sich ging (Mölln, Solingen…)

10But Alive – Bis jetzt ging alles gut…

Textlich lange nicht mehr so wütend wie auf „Für uns nicht“ oder „Nicht zynisch werden?!“ und es fällt auch schon auf, dass sich Herr Wiebusch nicht mehr so richtig wohlfühlt in diesem ganzen Punkrock-Ding – das wird an der ein oder anderen Stelle deutlich. Aber musikalisch und textlich immer noch ganz weit vorne. Ach, was soll der Quatsch? Über Musik zu schreiben, ist immer noch wie zu Architektur zu tanzen!

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