Hellratz war eine Mitte, Ende der 2000er aktive Streetpunk-Band aus Bayern, die sich 2010 auflöste. Fast ein Jahrzehnt später fanden Hellratz dann für Außenstehende recht überraschend wieder zusammen und spielten in Berlin eine erste Show, denen weitere folgten und auch noch folgen werden. Wir stellten der Band ein paar Fragen zu ihrem Comeback und die Zukunftspläne, welche die vier in einem gemeinsamen Skype-Call beantworteten.

Für uns ist Hellratz wie ein Kleinkind das wir zu viert großgezogen haben […]

AFL: Ihr habt im August vergangenen Jahres eure erste Show seit eurer Auflösung gespielt. Bis es zur Show gekommen ist, hatte ich gesehen, dass ihr schon länger wieder probt bzw. auch an der Besetzung gearbeitet hat – ihr habt, so wie ich es in Facebook rauslesen konnte, keinen Schlagzeuger gefunden hat. Wieso hat es so lange gedauert bis ihr euren Original-Schlagzeuger wieder für die Band überzeugen konntet? Bzw. erzählt mal wie es eigentlich dazu gekommen ist, dass ihr nach 10 Jahren wieder Bock bekommen hattet?

Hellratz: Das stimmt wir hatten mal versucht einen neuen Drummer zu finden. Aber gerade hier wurde uns schnell klar, dass wir eigentlich nur Bock haben mit Hellratz weiter zu machen, wenn wir auch wieder alle mit dahinterstehen.

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Hellratz waren immer wir vier und so sollte es auch sein, wenn es mit uns weiter gehen würde. Wir hatten uns auch alle etwas auseinandergelebt, auch da jeder von uns an verschiedene Orte gezogen ist und wir nicht mehr unmittelbar nebeneinander gewohnt haben – so hat eben jeder erst einmal seinen privaten Scheiß geregelt.

Wir hatten dann von David die Anfrage für das Escape The Boring Life-Fest in Berlin im legendären SO36 bekommen und haben dann daraufhin auch geantwortet – wir wollten uns so eine Chance nicht entgehen lassen. Danach ging alles relativ fix und wir alle waren der Meinung das es Zeit ist weiter zu machen.

AFL: Warum war für euch klar, dass ihr mit Hellratz weiter machen wolltet und nicht unter neuen Bandnamen komplett startet?

Hellratz: Für uns war nach dem Gig im SO36 klar, dass wir Bock haben mit der Band weiterzumachen, da sich die Originalbesetzung nicht geändert hatte und wir mit der Konstellation nur Musik machen wollten, stand ein neuer Name außer Frage. Für uns ist Hellratz wie ein Kleinkind das wir zu viert großgezogen haben – es ist also schwierig sowas geiles einen anderen Namen zu geben haha.

AFL: Wart ihr in den Jahren eurer „Abstinenz“ in anderen Bands bzw. in der Szene allgemein aktiv?

Hellratz: Ausschließlich unser Drummer war in der Zeit in verschiedenen Bands und Projekten unterwegs.

AFL: In welchen Bands war er denn aktiv?

Hellratz: Er hat in ein paar Bands gespielt, wo von Folk/Blues, Rock’n‘ Roll bis hin zum good old Skatepunk alles dabei war – aktiv ist er aber jetzt nur noch bei Hellratz. Um ganz genau zu sein waren es um die drei bis vier Bands. Man kann sagen, dass er ein Wahnsinns Typ ist!

[…] Am Ende wird auch unser neues Material wie Hellratz klingen […]

AFL: Gibt es denn Pläne für neue Musik oder wollt ihr zunächst einmal eure „alten“ Songs spielen? Haut einmal ein paar Details raus!

Hellratz: Pläne gibt es, aber die bleiben erstmal Top-Secret. Aktuell arbeiten wir an einer neuen Platte. Drei der neuen Songs haben wir bereits in Nürnberg, Tschechien und Landshut live spielen können. Trotz der aktuellen Lage lassen wir uns nicht bremsen und versuchen unsere Ideen zu bündeln, um diese dann im Proberaum zu realisieren. Klar, die alten Klassiker dürfen live nicht fehlen.

AFL: Während euer Debütalbum Rattengift (2007, Razorblade Records) noch purer Streetpunk war, kratzte euer zweites Album Operation Isolation (2010, Razorblade Records) schon mehr an Hardcore und es ging auch melodischer zur Sache. Welche werden eure neuen Songs einschlagen?

Hellratz: Wie unsere nächste Platte klingen wird, können wir nicht sagen, wir machen es so wie immer und das ist das worauf wir Bock haben. Am Ende wird es wie Hellratz klingen.

Wie die Songs klingen, ist etwas schwer zu sagen. Es ist ein relativ guter Mix aus verschiedensten Sachen, die aber am Ende wieder klingen wie Hellratz. Wir denken, da wird jeder auf seine Kosten kommen.

AFL: Für alle, die euren drei neuen Songs bisher noch nicht hören konnten: Wie klingen und welche Richtung schlagen sie ein? Habt ihr generell musikalische Einflüsse für neue Songs oder erstehen die Songs einfach direkt aus dem Proberaum heraus, ohne sich groß Gedanken dazu zu machen?

Hellratz: Natürlich haben wir uns in den letzten zehn Jahren auch musikalisch weiterentwickelt, wir haben auch angefangen über den Tellerrand hinaus zu schauen und nicht mehr alles so engstirnig zu sehen. Jeder von uns hat mittlerweile einen breit gefächerten Musikgeschmack, den man auch etwas mit einfließen lässt. Wir setzen uns eigentlich nie wirkliche Vorgaben. Wir stehen eigentlich bei jedem Song zusammen zu viert im Proberaum und lassen es einfach auf uns zukommen. So war und ist es für uns immer der beste Weg gewesen.

AFL: Ihr seid auch für die nächsten Monate für einige Shows bestätigt, unter anderem dem Krach am Bach Festival in Prölsdorf – wie stehen eurer Meinung nach aktuelle die Chancen, dass diese Shows und die ganzen Open-Airs aufgrund des Coronavirus überhaupt stattfinden können? Was denkt ihr, hätte das das für Auswirkungen für unsere Subkultur und wie könnte man Betroffene helfen?

Hellratz: Aktuell stehen all unsere Shows bis auf Nürnberg im April noch. Natürlich hoffen wir das Beste für alle, die gerade davon betroffen sind. Wir sind trotz alle dem noch optimistisch, dass sich der ganze Spuck wieder zurückziehen wird und für jeden wieder ein normales Leben möglich ist. Es ist für alle Betroffenen gerade eine beschissene Situation, aber unsere Subkultur hat schon immer gut zusammengehalten und wird das auch weiterhin tun! Jetzt etwas die Füße stillhalten dafür danach umso mehr Gas geben.

10 Records Worth To Die For: #101 Cedi (Hellratz)

AFL: Welche Bands laufen gerade bei euch in der Corona-Langweile so in der Playlist?

Hellratz: Egal ob Corona oder nicht, für uns gibt es keine Langeweile Playlist – bei uns läuft nach wie vor alles breit gefächert durch die Lautsprecher!

Hellratz (Bild zur Verfügung gestellt von Band)
Hellratz (Bild zur Verfügung gestellt von Band)

AFL: Wie nutzt ihr die Zeit als Band momentan? Es ist ja fast davon auszugehen, dass die Ausgangsbeschränkungen noch eine Weile andauern werden. Wie versucht ihr die Band von „zuhause“ trotzdem voran zu treiben?

Hellratz: Aktuell benutzen wir Skype oder WhatsApp um einander zu kommunizieren. Gerade auch um den ganzen Corona-Brainwash mal hinter uns zu lassen und mal über normale Sachen zu quatschen. Und solange die Beschränkungen noch andauern werden wird diese Wege auch für unsere Band nutzen, auch wenn es am Ende bedeutet so an Songs zu arbeiten.

AFL: Danke euch fürs Interview und hoffentlich dann auf dem Krach am Bach Festival persönlich auf ein Bier! Habt ihr noch Abschlussworte bzw. etwas, das ihr loswerden möchtet?

Hellratz: Danke auch an euch für das Interview! An alle ein fettes Dankeschön die uns auch nach all den Jahren Supporten! Wir sehen uns bestimmt auf dem Krach am Bach. An alle Kopf Hoch und das beste aus der aktuellen Situation machen! Bleibt gesund und optimistisch! Up the Punx!

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Mein Name ist Simon und ich habe AWAY FROM LIFE Anfang 2015 ins Leben gerufen. Mit 13 Jahren steckte mir ein damaliger Klassenkollege eine selbst zusammengestellte CD zu, seitdem bin ich dem Hardcore-Punk verfallen. In meiner Freizeit versuche ich möglichst viele Shows zu besuchen, singe selbst in einer Band namens Thin Ice, spiele Fußball und unternehme möglichst viel mit meinen Freunden und meiner Familie.

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