H2O veröffentlichten im Herbst 2015 ihr sechstes Studioalbum „Use Your Voice“ und verkündeten bereits vorab, dass es sich dabei vermutich um das letzte Album der NYHC Band handeln wird. Wir konnten während der gerade laufenden H2O Europatour Adam Blake (Bass) ein paar Fragen über den aktuellen Stand der Band stellen.

Interview mit H2O Bassist Adam Blake

H2O im Interview.
H2O im Interview.

“If you don’t follow the trends you can never be out of fashion because you’re never in fashion.”

AFL: Ihr habt letztes Jahr euer neues Album „Use Your Voice“ veröffentlicht. Zwischenzeitlich habt ihr gesagt, dass es euer letztes Album sein wird. Seitdem haben wir nichts mehr darüber gehört. War „Use Your Voice“ jetzt euer letztes Album?

Adam Blake - H2O - Hardcore - Bass
Adam ist seit 1996 bei H2O.

Adam: Ich hab‘ das nie gesagt! Das hatte Toby gesagt. Es kann sein, dass „Use Your Voice“ wirklich unser letztes Album war. Vielleicht – vielleicht aber auch nicht! Es weiß noch niemand wie es mit uns weitergehen wird, also selbst wir nicht! Wir sind eine Band, die definitiv auf ihre eigene Art und Weiße arbeitet. Wir haben also nie das Gefühl, dass wir irgendetwas tun müssen. Wir wollen etwas tun! Es wird uns also nur die Zeit sagen, ob „Use Your Voice“ wirklich das letzte H2O Album war.

AFL: Der erste Teil eurer aktuellen Europatour hat vor ein paar Tagen begonnen. Wie lief die Tour bisher?

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Adam: Großartig! Die Shows sind bisher wirklich super und die Stimmung ist stets gut.

AFL: So langsam aber sicher beginnen auch die ganzen Open-Airs. Auf welches Festival freut ihr euch denn am meisten?

Adam: Jedes Festival, auf dem wir Freunde sehen, mach Spaß. Also quasi jedes Festival, das wir spielen. Natürlich freuen wir uns riesig auf das Vainstream und das With Full Force. Festivals sind sowohl für die Bands, als auch für die Besucher immer eine geile Zeit. Ich hoff nur immer, dass es auf den Open-Airs nicht zu matschig ist. Wenn es super matschig ist, dann ist es nicht so gut wie eine Clubshow. Die Wahrheit ist: Matsch sucks!

Die Straße meines Lebens ist die Musik und H2O ist mein Fahrzeug!

AFL: Spielst du lieber Festivalshows oder ziehst du den Open-Airs Clubshows, wie hier im Stattbahnhof Schweinfurt, vor?

Adam: Wir freuen uns darüber, dass wir die Möglichkeit haben sowohl Clubshows, als auch Festivals zu spielen. Festivals ähneln mit der Barrikade und der Größe eher einer Rockshow, was auch Spaß macht. Shows in kleineren Clubs haben natürlich ihren ganz eigenen Charme. Jeder kennt dort jeden, man kann auf die Bühne usw. Ich liebe das! Wenn ich die Wahl hätte, würde ich lieber eine Clubshow besuchen. Es ist der Ort, an dem wir aufgewachsen sind. Ich liebe aber auch Festivals!

AFL: Ihr seid während der Tour mit sehr vielen Bands unterwegs. Kennt ihr die Bands persönlich? Auf welche Band freust du dich selbst am meisten, die du zuvor nicht gekannt hast?

Adam: Nein! Nicht alle! Der Grund ist wahrscheinlich, dass ich mittlerweile Mitte 40 und verheiratet bin. Was ich damit sagen möchte ist, dass die Szene auch ohne einen weiterzieht und das ist toll. Ich liebe es wirklich, dass so viel neue Bands herauskommen. Die Kids machen genau das, was wir gemacht haben. Sie nehmen Gitarren und Bässe in die Hand, lernen Schlagzeug, schnappen sich das Mikrofon, schreiben Texte und machen ihr Ding. Ich denke, das ist erstaunlich! Ich versuche auch immer die Opener einer Show anzuschauen. Die meisten Bands mit denen wir spielen sind wirklich neu für mich!

AFL: Auf welche Band freust du dich denn allgemein während der Tour zu sehen?

Adam: Wir haben gerade mit SICK OF IT ALL gespielt. Das war natürlich ein riesen Spaß! Dann spielen wir mit STICK TO YOUR GUNS, mit denen wir sehr gut befreundet sind. Ich mag die Jungs wirklich sehr gern! Dann noch auf TURNSTILE. Ich habe sie schon länger nicht mehr live gesehen und habe gerade auch ihre neue Platte gekauft. Die ist wirklich top! Da gibt’s natürlich noch viele andere, auf die ich mich freue. Oh mein Gott, da gibt es so viele Bands! Ich freue mich einfach darauf, Freunde zu sehen.

H2O - Europa 2016AFL: Es gründen sich heutzutage immer mehr sogenannte „Supergroups“ oder die einzelnen Bands haben neben ihrer Hauptband noch andere Projekte am Laufen. Gibt es bei dir solche Pläne neben H2O?

Adam: Momentan nicht. Aber das ist nur wie ich gerade denke und das kann sich ändern. Ich habe auf unserem letzten Album den größten Teil der Musik geschrieben und kann mich so natürlich voll entfalten. Ich bekomme die Band, welche ich möchte mit H2O. Ich habe natürlich auch andere Projekte, außerhalb der Musik in meinen Leben, die mir sehr wichtig sind. Die Straße meines Lebens ist die Musik und H2O ist mein Fahrzeug!

AFL: Ist es nicht seltsam „What Happened?“ live zu spielen und dabei in relativ viele gleichgeschaltete Gesichter zu schauen, die den Song total abfeiern, ihn aber anscheinend nicht verstanden haben?

Adam: Das ist so eine Sache. Der Song entstand aus den eigenen Erfahrungen, die wir im Leben gemacht haben und ich denke, dass viele Kids deshalb auch einen engen Zusammenhang zu den Lyrics haben. Die Lyrics bedeuten für uns beide (Adam und ich, Franz, Mitte 40 in NYC geboren) sicher etwas ganz besonders und sind vermutlich etwas komplett Anderes, als was die Kids hier mit „What Happened?“ in Verbindung bringen.

Der Song geht im Allgemeinen darüber seinem Herzen zu folgen und sich selbst treu zu bleiben. Sich treu bleiben mit dem, an das man glaubt. Auch, wenn sich das eigene Leben vielleicht ein wenig von dem der Anderen unterscheidet. Hardcore und Punk-Rock darf nicht im Schlamm stecken bleiben und muss weiterziehen. Der Sound hat sich über die Jahre verändert und ist weitergezogen. Es gibt mittlerweile viele verschiedene Subgenres. Das Beste, was eine junge Band doch erreichen kann ist es doch, wenn ältere von ihnen angepisst sind. Die älteren Bands pissen dann wieder die noch älteren an usw. Am Ende treffen wir uns alle wieder bei den Ursprüngen des Hardcore-Punks. Viele ältere sagen heute zu jungen Bands: „Was ist das für ein Scheiß!“ – das selbe wird es in 20 Jahren auch noch geben. Entweder müssen die Dinge sich weiterentwickeln, oder es stirbt halt irgendwann aus!

AFL: H2O sind mittlerweile seit über 20 Jahren unterwegs. Wie habt ihr eine so lange Zeit als Band geschafft und seid immer noch da?

Adam: Wir lieben noch immer das, war wir tun! Wir waren schon immer eine Band, die nicht den Trends gefolgt ist, sondern ihr eigenes Ding gemacht hat. Denn wenn du nicht den Trend folgst, kannst du nie aus der Mode sein, weil du nie Mode warst. Genauso machen es Bands wie MADBALL oder SICK OF IT ALL. Sie sind sich selbst treu. Wir haben so über die Jahre Fans gewonnen, die uns so kennen, wie wir sind und uns deshalb auch treu bleiben. Klar ist der Prozess härter und es dauert auch länger nicht mit dem Strom zu schwimmen, aber letztendlich lohnt es sich, weil es ist deine Sache, die du dir aufgebaut hast und nicht die von einem Magazin oder irgendein Modetrend.

AFL: Euer Song “#NotRealLife” handelt von Social Media und „Möchtegerns”. Da gibt es Ähnlichkeiten zum Song „A Thin Line“. Kannst du uns den/die Songs kurz näher erklären bzw. dazu Stellung nehmen?

Adam: Zu einem gewissen Grad sind die Songs ähnlich und wollen das selbe aussagen, ja. Als wir anfingen „Nothing To Prove“ zu veröffentlichen, fing Social Media gerade an sich rasant zu entwickeln. Heute ist Social Media zum Teil eine belastende Tatsache unseres Lebens. Es nutzt, angefangen vom US Präsidenten bis hin zu einer gerade frisch gegründeten Band, wirklich jeder. Viele legen sich eine Online-Identität zu und vergessen dabei wer sie selbst sind. Sie geben sich oft für jemanden aus, der sie in Wirklichkeit gar nicht sind. WHO ARE YOU?! Ich denke, genau davon handelt der Song #NotRealLife. Es ist wirklich eine verrückte Zeit. Ich für meinen Teil bin wirklich dankbar, dass ich in einer Zeit vor Social Media aufgewachsen bin. Ich konnte mich so noch normal entwickeln, wie ich wirklich bin und konnte mit Menschen von Angesicht zu Angesicht im wirklichen Leben reden. So habe ich auch gelernt, dass ich nicht über jemanden Scheiße erzählen kann, ohne die Konsequenzen zu tragen. Das läuft in Social Media oft anders! Ich bin sehr gespannt, wo das noch endet…

AFL: Hat Social Media für dich wirklich nur Nachteile?

Adam: Die Vor- und Nachteile sind meiner Meinung nach exakt die gleichen. Der Vorteil ist, dass jeder eine Stimme hat, die er erheben kann. Zum Beispiel, dass jetzt Schwulen- und Lesben-Hochzeiten in den USA erlaubt sind. Nur so konnte das Ziel erreicht werden, das zu erlauben, da sich in Social Media eine riesige Gemeinde gebildet hat, um das durchzubringen und auch von ganz Oben gehört zu werden. Auf der anderen Seite kann man natürlich auch viel Scheiße und Gerüchte in Social Media verbreiten. Da wird oft etwas Unwahres auf einmal war. Es ist alles ein wenig wild!

AFL: Wie stehst du dazu, wenn jemand Fotos oder Videos von H2O während einer Show macht und die Inhalte in den sozialen Medien veröffentlicht?

Adam: Solang ich von meiner guten Seite getroffen werde… ha ha! Nein, das ist natürlich vollkommen ok für mich! Bei der Art von Musik, die wir spielen bleibt eh alles zusammen und unter einem Hut. Man kann zwar eine Hardcore Show ins Netz stellen, aber man kann so trotzdem nicht „live“ dabei sein. Eine Hardcore Show live zu erleben ist noch einmal etwas ganz anderes, als sie auf YouTube oder sonst wo zu sehen. Da werden so viele Gefühle frei, die man am Bildschirm nicht einfangen kann. Man muss einfach live dabei sein, um die volle Dröhnung Hardcore zu bekommen. Man muss im Raum sein, um die Energie einer Hardcore-Punk Show zu fühlen! Mir macht es null aus, wenn Menschen Fotos oder Videos machen. Ich versteh nur manchmal nicht, dass Leute ihre Zeit damit verschwenden ihre Smartphones in die Luft zu halten, wenn sie live dabei sein können.

AFL: Wie siehst du denn die aktuelle Hardcore Szene in New York? In ein paar Wochen besuche ich meine Heimat (NY). Hast du ein paar Ausgehtipps für mich?

Adam: Gott segne dich, ganz ehrlich! Wir sind mittlerweile alle Mitte 40 und die meisten von uns leben inzwischen in Kalifornien. Unsere Momentaufnahme des New York Hardcores bekommen wir eigentlich nur, wenn wir dort spielen. Dann ist es natürlich genial. Menschen, die das gleiche wie wir fühlen, gründen Bands und machen ihr Ding. Leider haben viele Clubs mittlerweile geschlossen, was es für die Kids natürlich nicht einfacher macht. Als wir Mitte der 90er mit H2O gestartet sind, gab es einige Clubs mehr zum Auftreten. Ich weiß, dass die Kids Bock haben in New York Shows zu spielen und zu sehen und dass in Long Island sich langsam etwas entwickelt. Ich bin leider zu weit davon entfernt, um mehr zum NYHC zu sagen, weil ich nicht mehr dort wohne. Wir bekommen den NYHC nur noch mit, wenn wir in New York spielen.

Von Großbritanien über SHELTER zu H2O

AFL: Deinem Dialekt zufolge kommst du ursprünglich aus Großbritannien, oder? Wie kam es dazu, dass du Bassist bei H2O wurdest?

Adam: Ich komme ursprünglich aus der Londoner Gegend. Die Geschichte dazu ist, dass ich auf einer Musikschule war und damals schon Hardcore, Punk und andere Undergroundmusik gehört habe. Ich habe damals sehr die Band SHELTER und die ganze Hare Krishna Bewegung gemocht. Die Texte von SHELTER sprachen mir damals wirklich aus der Seele und ich fühlte mich verstanden und abgeholt. Ich freundete mich dann mit einem Kerl namens Gram Iand an, der damals bei SHELTER Bass spielte. Als er zurück nach New York ging, hatte er den Traum, dass ich neuer Bassist von SHELTER werde, sobald er die Band verlassen würde.

Er rief mich eines Tages an und fragte mich, ob ich nach New York kommen und es am Bass von SHELTER ausprobieren möchte. Ich stimmte natürlich sofort zu, denn es war für mich das Größte! Ich flog also nach New York und probte mit Ray, Porcelly und Sammy. Ich war damals natürlich sehr aufgeregt, weil ich ein riesiger Fan von YOUTH OF TODAY war. Es war für mich wirklich etwas ganz besonders und es erfüllte sich eine Art Kindheitstraum. Wir spielten einige SHELTER Songs von ihrer ersten Platte. Ich kannte jeden SHELTER und YOUTH OF TODAY Song und so nahmen sie mich letztendlich als Bassisten in die Band auf. Ich zog 1994 nach New York und war dann zwei Jahre bei SHELTER, bevor ich Bassist bei H2O wurde.

H2O - Adam BlakeAFL: Wenn du sagst, du hast die Musik für H2O’s letztes Album geschrieben meinst du damit, du hast die Musik nur für den Bass geschrieben, oder auch für die Gitarre, den Lyrics, etc.?

Adam: Nein, bei den meisten Platten hat Rusty alles geschrieben. Auf „Nothing To Prove“ habe ich die Musik geschrieben. Auf „Use Your Voice“ habe ich den größten Teil der Musik geschrieben. Auf der Platte habe ich auch die Gitarre gespielt, weil Rusty zu der Zeit unterwegs war. Und nachdem Todd die Band verlassen hatte, waren wir nur zu viert mit einer Gitarre. Wir fragten uns dann erst einmal, wie wir überhaupt die Platte machen sollten, weil wir es gewohnt waren zu fünft in der Band zu sein. Falls es noch einmal zu einem neuen H2O Album kommen wird, wird es wieder eine bessere Zusammenarbeit geben. Das ist nur, wie es jetzt alles gelaufen ist.

AFL: Habt ihr euch mit Todd im Guten getrennt?

Adam: Ja! Todd verließ uns mit dem besten Grund, mit der man eine Band überhaupt verlassen kann. Er hat die Musik einfach nicht mehr gefühlt. Er spielte in THE OFFSPRING, JULIETTE AND THE LICKS und er hatte auch sein eigenes Projekt. Er hätte mit H2O auf Tour gehen können und ein wenig Geld zwischen seinen anderen Projekten verdienen können. Er wollte das aber nicht, weil es einfach nicht mehr Todd‘s Ding war. Ich respektiere das und die Fans sollten das auch respektieren. Es ist, wie gesagt, der beste Grund überhaupt, eine Band zu verlassen. Wenn du in einer Band nur der Kohle wegen bist, dann ist das falsch. Ganz besonders bei Hardcore und Punk-Rock Musik! Wenn ich jetzt in „Backstreet Boys“ spielen würde, könnte ich es verstehen. Ich respektiere Todd und seine Entscheidung total! Er ist Familie für´s Leben.

AFL: AFL: Danke für das Interview Adam! Hast du noch irgendwelche Abschlussworte?

Adam: Danke, es war mir ein Vergnügen.

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